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NOYCE™ – Fall[Out]

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Das Video zu „Fall[Out]“ ist bereits seit dem 31. Juli 2013 bei Youtube online. Die zugehörige Single aus dem Hause NOYCE™ kommt mit … öh … ‚einiger‘ Verspätung aber erst am Freitag, den 9. Januar 2015 in den Handel. Anderthalb Jahre später – macht das überhaupt Sinn? Oh aber ja doch, wenn man sich vor Ohren führt, dass es sich hierbei um einen Appetitanreger auf das Album „Love Ends“ handelt, das ebenfalls 2015 veröffentlicht werden soll. Da ist die zeitliche Nähe zum Album sinniger als die zum Video. Bevor wir irgendwann in freudiger Erwartung über das Album herfallen, gucken wir uns doch zunächst mal die Single an.

Nicht nur im Hinblick auf die Veröffentlichungspolitik gehen NOYCE™ ein bisschen unkonventionellere Wege. Nö, auch was die Anordnung der Titel auf der Single angeht, folgen die Düsseldorfer ihrer eigenen Dramaturgie. Eingeleitet wird der Silberling nämlich nicht, wie zu erwarten wäre, mit der Single-Variante des Titelstücks. Stattdessen positionieren NOYCE™ gleich den knapp eine Minute längeren „X10ded“ Mix am Anfang. Kudos übrigens an dieser Stelle für die ausgefallene Schreibweise. Ich musste es dreimal lesen bis es angekommen ist. 😉 In meinen Ohren macht das Sinn, da die verlängerte Fassung des Songs für mich die definitive ist. Die längere Spielzeit nutzen NOYCE™, um den Song noch ausführlicher ein- und ausklingen zu lassen. Bei einem Stück wie diesem, das in den Strophen mit treibenden Beats aufwartet, im Refrain gerne mal mehrere Gänge zurückschaltet und durch die weiten Synthieflächen und das Klaviergeklimper mit ergreifender Epicness punktet, mehr als angebracht. Zwar kennen wir „Fall[Out]“ inzwischen gute anderthalb Jahre. Ich möchte aber behaupten wollen, dass das Jahr 2015 und die Düsterelectro-Szene hier die erste, große Hymne bekommen hat. Fetzt! Die „normale“ Fassung des Songs beendet die Single und wirkt im direkten Vergleich einfach zu kurz. Für den Einsatz in Clubs aber sicher die bessere Variante. Da muss es schließlich oft ratzfatz zur Sache gehen, sonst vergessen die Leute womöglich noch, warum sie auf der Tanzfläche stehen.

Darüber hinaus finden sich noch zwei weitere Bearbeitungen des Titelstücks auf der Single. Da ist zum einen der „Rotersand Re-Work“. Dass es einen solchen gibt, überrascht nicht. Schließlich steht Rotersands Krischan als Produzent mit in den Credits der Single. In basslastigen, pulsierenden Sounds, die halt nach „typisch Rotersand“ klingen, steuert der Song auf seinen Höhepunkt zu – die einzige Verwendung des Refrains. In diesem Moment, wo der Refrain ertönt, sind aber schon gute viereinhalb Minuten vergangen. Schade, dass ausgerechnet in diesem Höhepunkt, auf dem so lange hingearbeitet wurde, der Remix ein bisschen schwächelt. Die dramatischen Synthies ertönen eine Spur zu laut (oder Florian Schäfers Gesang eine Spur zu leise, das könnt Ihr halten wie Ihr wollt), sodass der eigentlich größte Moment dieses Liedes hier leider der schwächste ist. Eventuell war aber auch nur der Weg das Ziel. Unter diesem Gesichtspunkt wäre das schon wieder ok. Weiterhin bekommen wir die „Dominatrix Version“ zu hören, eine flirrende, sehr treibende und die somit tanzbarste Variante dieses Liedes. FuturePop für die Clubs. Ich bin mir sicher, auch diese Version wird ihre Fans finden.

Abgerundet wird die „Fall[Out]“ Single durch „Love Ends“, das Titelstück des kommenden Albums. Hier haben wir es mit einer ziemlich frickeligen, düsteren Ballade zu tun, die Freunden vielschichtig arrangierter Songs ein wohliges Lächeln aufs Gesicht zaubert. Und da „Love Ends“ generell von unbequemer Stimmmung geprägt ist, gegen Ende deutlich an Tempo gewinnt und somit auch hier mit den Erwartungen des Hörer spielt sowie ebenfalls über einen unerhörten Spannungsbogen verfügt, kann das Gesamturteil nur lauten: liebe NOYCE™-Teilnehmer – wann kommt denn nun endlich der Rest des Albums? Auf die Folter gespannt habt Ihr uns nun wahrlich lange genug! 🙂

Fazit

Wenn der Rest des kommenden Konzeptalbums „Love Ends“ hält, was diese Single verspricht, dann steht uns dank NOYCE™ womöglich ein richtiger Knaller ins Haus. „Fall[Out]“ ist eine sehr gefällige Electropop-Nummer mit einem spannenden Twist im Refrain, deren Einzug in gängige düster- und alternativelektronische Charts ich schon förmlich vor mir sehe. Tanzen ließe es sich dazu auch gut. Tolle Beschallung für drinnen und draußen also. Vor allem aber begeistert dieser Song durch die mit jedem erneuten Hören zunehmende Sogwirkung. Daher sei folgender Warnhinweis angebracht: Immer wenn ich denke „so, reicht jetzt erstma“ kommt gleich anschließend ein „ach komm, einmal geht noch“ – Reflex. Und ich kann immer nur mit Mühe etwas dagegen tun. Wenn überhaupt. 😉


CoverInfosTracklisteAnspieltippsVideo

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Noyce_TM_Fallout

  • Medium: Audio CD (9. Januar 2015)
  • Anzahl Tonträger: 1
  • Label: In-D Records (Alive)
  1. Fall[Out] (X10ded)
  2. Fall[Out] (Rotersand Re-Work)
  3. Fall[Out] (Dominatrix Version)
  4. Love Ends
  5. Fall[Out]
  1. Fall[Out] (X10ded)
  2. Love Ends


Links

Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.

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