Foto: © 2016 Paramount Pictures

STAR TREK BEYOND

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50 Jahre Star Trek. Junge, Junge – seit einem halben Jahrhundert ist nun also irgendein Schiff mit einer bunt zusammengewürfelten Besatzung unterwegs, um das Weltall zu erforschen. Wer hätte damals, als 1966 die ersten Folgen über die TV Bildschirme liefen, auch nur im Ansatz geahnt, dass wir fünfzig Jahre später auf ein gigantisches Universum blicken, das aus fünf (ab Januar 2017 sechs) Serien mit hunderten Folgen, einer Zeichentrickserie sowie zehn plus nunmehr drei Filmen besteht? Niemand vermutlich. Mit dem kürzlich im Kino angelaufenen STAR TREK BEYOND, dem dritten Teil der Serie, mit der das Franchise modernisiert und zeitgemäß neu aufgerollt wurde, starteten quasi die Feierlichkeiten anlässlich dieses Jubiläums. Es stellt sich nun die Frage, ob nach den rasanten ersten beiden Teilen, die noch von J.J. Abrams (zuletzt: „Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht“) inszeniert wurden, die Staffelübergabe an Regisseur Justin Lin geglückt ist und das Ergebnis auch zum Feiern verleitet. Die Antwort könnte lauten: ja, aber…

Foto: Foto: © 2016 Paramount Pictures
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Zur Geschichte: nachdem die Enterprise in den ersten beiden Teilen dieser alternativen Zeitlinie so fürchterlich weit über bekanntes Terrain nie hinausgekommen ist, bevor sie beinahe zu einem glühenden Haufen Weltraumschrott zerlegt wurde, befindet sie sich nun inmitten einer Fünf-Jahres-Mission. Sie ist also getreu dem Geiste der klassischen Serien nun unterwegs, um mutig dorthin zu gehen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist, um neue Welten und fremde Zivilisationen zu entdecken. So weit so gut. Dass fünf Jahre eine lange Zeit sind, ist klar, und der begrenzte Platz an Bord eines Raumschiffs wie der Enterprise sorgt manchmal schon dafür, dass Besatzungsmitglieder in die ein oder andere Krise schlittern. Allen voran Captain Kirk, der sich zu Beginn des Films in einer Art Midlife-Crisis befindet und sich nach dem Sinn dieser ganzen Unternehmung fragt, wenn doch der Weltraum unendlich ist. Um mal ein bisschen auf andere Gedanken zu kommen, steuert die Besatzung der Enterprise die Raumstation Yorktown an – die größte, schickste und modernste Station, welche die Förderation bis dato errichtet hat. Dort angekommen dauert es nicht lange, bis ein fremdes Raumschiff eintrifft, begleitet von einem Notsignal, und der Captain des fremden Schiffes um Hilfe bittet. Logisch, dass sich Kirk und seine Crew auf den Weg machen. Schließlich ist es immer eigenartigerweise ausgerechnet die Enterprise, die nicht nur gerade in Reichweite ist, sondern scheinbar auch als einziges Schiff der Sternenflotte in der Lage, durch galaktischen Nebel zu gurken. Andererseits wäre sonst wohl kein Film daraus geworden. Wie dem auch sei: es dauert nicht lange bis Kirk und seine Crew feststellen müssen, dass sie in eine Falle gelockt worden sind. Eine Falle, die ihnen ein Feind gestellt hat, der nicht nur die Förderation wie die eigene Westentasche zu kennen scheint, sondern zudem auch über ein paar wirklich fiese Spielzeuge verfügt, denen die Enterprise so gar nichts entgegen zu setzen hat. Ich denke, es ist kein Spoiler an dieser Stelle wenn ich Euch verrate, dass die Enterprise einmal mehr zu Schrott zerballert wird – Gesetz der Serie und so – und in Einzelteilen auf einem fremden Planeten notlanden muss. Teile von Kirks Crew enden dabei in Gefangenschaft, andere sterben und der verbliebene Rest ist in alle Himmelsrichtung verstreut. Als wäre guter Rat an dieser Stelle nicht ohnehin schon teuer genug zeigt sich schnell, dass der neue Feind der Förderation gerade erst zum großen Rundumschlag ausholen möchte…

Foto: © 2016 Paramount Pictures
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Auch wenn „Star Trek Beyond“ an sich ganz vergnügliche Unterhaltung bietet – der perfekte Star Trek-Film ist es (schon wieder einmal) nicht geworden. Dafür gestattet sich der Streifen einfach ein paar Mal zu oft ein paar unnötige Schnitzer. Beispiel: Da haben die in Hollywood nun diesen Idris Elba, einer der coolsten Schauspieler dieser Tage (ganz groß z.B. in „Luther“!). Allerdings: die meiste Zeit denke ich mir, da hätten sie sonst wen unter die Latexmaske stecken können. Wenn man dem Elba schon die Rolle des Bösewichts auf den Leib schreibt, hätte man sicher mehr von seinem Schauspiel unterbringen können. Sogar müssen! Verborgen unter Masken geht das eben aber nur bedingt. Somit ist seine Figur des Krall leider nichts, was irgendwie nachhaltig in Erinnerung bleibt. Ganz im Gegensatz zu Benedict Cumberbatchs Interpretation des Khan in „Star Trek Into Darkness“. Des Weiteren: der – im wahrsten Sinne des Wortes – Stein des Anstoßes, der für das ganze Drama rund um Yorktown verantwortlich ist, wird schon direkt zu Beginn des Films in die Handlung geschmissen – ohne jedoch den dort aufgemachten Handlungselementen später noch irgendeine Bedeutung beizumessen. Es macht sich bei mir beinahe das Gefühl breit, die Szenen am Anfang mit Kirk als Diplomatenazubi wurden nur deshalb gezeigt, damit sich Star Trek auch wieder ein bisschen mehr so anfühlt wie in den alten Serien, mit Forschung und Diplomatie und so, und nicht nur wie effektvolles Popcorn-Kino mit hohem Tempo. Und dann ist da ja noch die Sache im Finale. Da haben sich die Autoren Simon Pegg, der seinen Scotty irgendwie immer mehr zur Witzfigur verkommen lässt, und seine Kollegen Doug Jung, Roberto Orci, John D. Payne und Patrick McKay einen Gegner geschaffen, dessen Flotte so mächtig ist, dass man schon zu einer storytechnischen Albernheit sondergleichen greifen musste, um dem irgendwie gewachsen zu sein. Wobei diese Szene – wer es gesehen hat wird wissen, auf was ich hinaus möchte – schon so überzogen ist, dass sie schon fast wieder gut ist. Aber eben nur fast. Man merkt schnell, auf was die Drehbuchautoren hinaus wollen und fragt sich: ernsthaft?Für ein abschließendes Geschmäckle sorgt der Umstand, dass „Beyond“ über Strecken wie ein Puzzle wirkt, dessen Teile irgendwann früher schon mal – zum Beispiel in „First Contact“, „Generations“ oder auch zuletzt bei „Into Darkness“ – verwendet worden sind. Was in den ersten Teilen dieser neuen Filmreihe noch wie Fanservice oder eine respektvolle Verbeugung vor den Originalen wirkt, hat hier so langsam schon den faden Beigeschmack von Ideenlosigkeit. Da hilft es auch nicht, wenn gegen Ende hin mal ein Foto der Originalbesatzung in die Kamera gehalten wird. Man kann damit leben, dass der Film in einigen Punkten nicht konsequent zu Ende gedacht wirkt. Dennoch ist dies eben das oben erwähnte „aber“.

Foto: © 2016 Paramount Pictures
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Kommen wir zum „ja“. Dem gegenüber steht nämlich auf der positiven Haben-Seite die Tatsache, dass der Film sich jede Menge ruhige Minuten gestattet und somit im Tempo sehr viel gedrosselter wirkt, als noch die von J.J. Abrams inszenierten ersten beiden Teile. Wie angenehm und unerwartet, direkt zu Beginn nicht gleich in einen überbordendes Effektgewitter geworfen zu werden, sondern erst mal „anzukommen“. Kurios eigentlich wenn man bedenkt, dass Regisseur Justin Lin ansonsten für einige Teile der „Fas & Furious“-Reihe zuständig war. Weiterhin toll: die Darsteller sind inzwischen so sehr in ihren Rollen angekommen, dass man guten Gewissens sagen kann Chris Pine IST Kirk oder Zachary Quinto IST Spock oder Karl Urban IST einfach „Pille“ McCoy. Das soll die Leistung der ursprünglichen Darsteller nicht mindern sondern nur verdeutlichen, wie großartig und scheinbar leichtfüßig die neuen Darsteller der bekannten Figuren in die vermeintlich übergroßen Fußstapfen getreten sind. Zumal die humorvollen Wortgefechte zwischen Spock und McCoy einfach nur ein großer Spaß sind! Nach nunmehr drei Filmen assoziiere ich ihre Gesichter mehr mit den Figuren als mit den ursprünglichen Darstellern. Und das, obwohl ich mit Star Trek in all seinen Inkarnationen aufgewachsen bin. In dem Zusammenhang: es ist bei den Szenen des heimlichen Sympathie-Trägers Chekov auch immer ein weinendes Auge im Spiel angesichts der Tatsache, dass Anton Yelchin aufgrund seines tragischen und viel zu frühen Ablebens nie wieder in dieser Rolle zu sehen sein wird. Die Macher kündigten schon an, die Rolle des Chekovs künftig unbesetzt zu lassen. Fände ich persönlich eine gute und richtige Entscheidung. Davon abgesehen: schön, dass es die Enterprise endlich mal über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus geschafft hat. Schön, dass es endlich mal haufenweise fremdartiger Aliens zu bestaunen gibt. Schön, dass die Enterprise endlich unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken und neue Zivilisationen. Schöner wäre jedoch nur noch, wenn sich die künftigen Drehbuchautoren für die bereits angekündigte Fortsetzung endlich mal etwas anderes einfallen ließen um Drama zu erzeugen, als jedes Mal die Enterprise zu Schutt und Asche zu zerballern. Das hatten wir jetzt zum dritten Mal in Folge – wohl bisher kaum so gründlich wie in „Beyond“ – nu ist aber auch gut. „Beyond“ ist wie gesagt immer noch nicht der perfekte Star Trek-Film geworden, verfolgt aber die richtigen Ansätze, die mit dem nächsten Teil gerne aufgegriffen und weiterverfolgt werden dürfen. Hoffentlich werden dann übrigens theoretisch spannende, neu eingeführte Nebencharaktere wie Jaylah im nächsten Teil nicht genauso fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel, so wie es beispielsweise mit Dr. Carol Marcus aus „Star Trek Into Darkness“ der Fall war. Abschließend bleibt zu hoffen, dass uns der nächste Teil vielleicht noch mehr einen Ausblick auf das Unbekannte jenseits unseres Sonnensystems gewährt, als es bisher der Fall war. Ich möchte wieder staunend im Kino sitzen und das nicht nur der sehenswerte Effekte wegen. Die eingeschlagene Richtung stimmt bei „Beyond“, dahin kann die Enterprise nach meinem Dafürhalten gerne weiterfliegen.

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Fazit: Unterm Strich bin ich grundsätzlich zufrieden mit dem dritten Star Trek-Film in dieser alternativen Zeitlinie. Allerdings muss ich auch zugeben, dass mich die ersten beiden Filme mehr aus den Latschen gehauen haben, als es nun bei „Beyond“ der Fall war. Vielleicht, weil mir die Lösung wie Kralls Flotte angegangen werden kann, ein bisschen zu billig vorgekommen ist. Vielleicht weil die Rolle Kralls genauso gut von irgendwem hätte gespielt werden können. Vielleicht, weil ich mich immerzu an die klassischen Star Trek-Filme erinnert fühlte – nur eben nicht angetan, sondern immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass scheinbar sämtliche Ideen doch schon mal verbraten wurden. Schön hingegen fand ich einmal mehr die darstellerische Leistung des Ensembles. Noch ein, zwei Filme mehr und Chris Pine, Zachary Quinto und Karl Urban sind vielleicht mehr das Traumtriumvirat Kirk, Spock und McCoy, als es die alten Helden je waren. Außerdem prima: trotz der herrschenden Ideenlosigkeit fühlte sich dieser Streifen für mich mehr nach Star Trek an als die letzten beiden. Dass hier nicht andauernd mit Vollgas von Actionszene zu Actionszene gehetzt wurde, dürfte nicht unerheblich daran Anteil gehabt haben. Lange Rede, gar kein Sinn: sehenswert ist „Beyond“ allemal, dennoch: der ganz große Wurf war es noch nicht.


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Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.

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