Foto: Roman Jasiek / AVALOST

AVALOST SPECIAL: Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 4 | 16. – 27.10.2016 | Mittelmeer mit Kanaren

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Über das Für und Wider von Kreuzfahrten kann man lang und breit diskutieren. Einige halten es für verschwenderische Dekadenz, eine Umweltsünde noch dazu, die man sich – wenn überhaupt – erst dann gönnt, wenn man im Seniorenalter angekommen ist und die angebliche Dauerbespaßung dem Nachmittagsprogramm im Altenheim vorzuziehen ist. Andere denken an einen Cluburlaub mit Animateuren und einem dauergefüllten Veranstaltungsprogramm, das einem wie eine Eisenkugel um die Füße gelegt wird. Und dann gibt es ja noch die, die sämtlichen Klischees und Vorurteilen zum Trotz das einfach mal probiert haben und für die das ganz plötzlich zu einer sehr schönen Art des Reisens geworden ist. Einrichten wie in einem Hotelzimmer, nur dass man jeden Morgen in einem anderen Land aufwachen kann. Bekanntlich gehören wir zur Gruppe derer, die das auch irgendwann einfach mal gemacht haben und seitdem ebenfalls zur stetig wachsenden Gruppe reisefreudiger Konsumenten gehören, die immer wieder dem Ruf des Meeres folgen und ein Schiff besteigen. Und das haben wir gerade erst wieder getan. In der Zeit vom 16. bis zum 27. Oktober waren wir mit der MEIN SCHIFF 4 unterwegs, vom Mittelmeer bis zu den Kanaren. Was wir gesehen und erlebt haben, ist in nachfolgendem Bericht festgehalten.

15.10.2016: Anreise und Vorgeschichte

Als wir im Jahre 2014 das erste Mal gemeinsam mit einem Kreuzfahrtschiff zur See aufbrachen, hatten wir im Vorfeld bisschen mit der Gesundheit zu tun. Allerdings nicht etwa mit Reisefieber, was ja irgendwie noch nachvollziehbar gewesen wäre. Nö, Mick hatte sich im Vorfeld auf einem Wolfsburger Gourmet-Fest eine ganz formidable Fischvergiftung zugezogen, ich selbst hatte mit einer fiesen Erkältung zu tun. Beides Dinge, die man gewiss nicht haben muss, wenn man beabsichtigt, in wenigen Stunden in Richtung Urlaub aufzubrechen und ein Schiff zu besteigen. Darum hatten wir uns vorgenommen, dieses Mal fit wie Turnschuhe zu sein, wenn das Schiffstyphon erklingt und das Schiff unserer Wahl – dieses Mal die Mein Schiff 4 – abfährt. Nun, bei dem vornehmen Vorhaben ist es geblieben. Letztlich hatte es nicht einmal für das Fitness-Level von Sportsocken gereicht. Die Geschichte sollte sich nämlich wiederholen. Zwar ohne Fischvergiftung dieses Mal, dafür aber erneut mit einer ausgewachsenen Erkältung bei nahezu allen Reiseteilnehmern. Als ich gegen 19 Uhr Micks Domizil erreichte, von wo aus wir im Verlaufe des Abends von Jeanny, eine der beiden mitreisenden Damen unserer Reise-WG, abgeholt werden sollten, hing der Kanzler mit dem Rüssel über einem Dampfbad und inhalierte. Anstatt nun also schon mal das erste Bier perlen zu lassen und die bevorstehende Reise entsprechend zu begießen, gab es Husten- und Bronchialtee. Kannste machen, knallt aber nicht ganz so. Um nicht ganz die Laune vorab sinken zu lassen, gönnten wir uns ein paar Burger und beschlossen, dass Sonne und Seeluft uns schon früh genug wieder aufpäppeln würden, um die Reise eben doch in vollen Zügen genießen zu können. Wäre ja auch gelacht, schließlich hatte das 2014 ja auch schon mal geklappt.

Ein Screenshot der TUI Cruises Webseite, auf der die von uns gewählte und letztlich befahrene Route ersichtlich ist. | Webseite: TUI Cruises, Screenshot: AVALOST
Ein Screenshot der TUI Cruises Webseite, auf der die von uns gewählte und letztlich befahrene Route ersichtlich ist. | Webseite: TUI Cruises, Screenshot: AVALOST

Warum eigentlich Reise-WG? Einfache Geschichte: unmittelbar, nachdem Mick und ich 2014 von der letzten gemeinsamen Fahrt zurückkehrten, waren wir davon derart angetan dass wir beschlossen, möglichst bald eine weitere gemeinsame Tour zu unternehmen. Je mehr (bekannte) Mitreisende, umso besser. Dachten wir. Also wurden bei Facebook Gruppen gegründet, Aufrufe gestartet, im Freundeskreis nach Interessierten gesucht usw. Wie das immer so ist: erst wird allerorten lautstark hier! gerufen, später kann man sich weder auf eine Reederei noch auf eine Route oder einen Termin einigen und am Ende dividiert der angeschlagene Reisepreis den Rest auch noch auseinander. Ihr kennt das. Somit blieben am Ende dieses Versuchs vier Leute übrig: Reni, Jeanny, Mick und ich. Komisch: kaum hatte sich die Zahl der Reisenden auf diese kleine Gruppe reduziert, waren Anbieter und Tour bzw. Reisezeitraum schnell gefunden. Es war im Vorfeld schon der Favorit und am Ende entschieden wir uns einmal mehr für TUI Cruises und deren Wohlfühlflotte, nicht zuletzt weil deren Alles-Inklusive-Konzept uns schlicht überzeugt hatte. Freilich muss jeder sein Konsumverhalten an Bord selbst überdenken und abwägen, ob sich der Aufpreis gegenüber des direkten Mitbewerbers AIDA wirklich lohnt. Wer tagsüber nur wenig verbraucht, der kann gleiche oder ähnliche Angebote wie die beschriebene Reiseroute hier bei der Kussmundflotte (oder anderen Anbietern) sicherlich auch ein paar Hundert Euro günstiger buchen. Selbst innerhalb unserer kleinen Reisegruppe zeigte sich, dass die Ansprüche und Bedürfnisse hier tatsächlich sehr weit auseinander liegen können. Wer sich gut darauf beschränken kann, vor allem zu den ohnehin im Preis inbegriffenen Mahlzeiten zu essen und zu trinken, fährt wohl mit AIDA günstiger. Wer das All-In-Paket gerne vollumfänglich nutzen möchte – und nein, damit meine ich nicht, unmittelbar nach dem Aufstehen morgens um 16 Uhr direkt zur Bar zu wandern und den nächsten Eimer Cocktail zu ordern – der entspannt sich bei TUI Cruises’ Wohlfühlflotte besser. Ein definitives Pro oder Contra kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. Wie gesagt: überlegt, was Ihr tagsüber so verbraucht, ganz besonders auch an Seetagen, und macht Eure Entscheidung davon abhängig.

Der Flughafen von Hannover, mitten in der Nacht. In einer Oktobernacht ungefähr genauso einladend, wie das frische Wetter drumherum. Aber dort wollten wir ja schließlich auch nicht Urlaub machen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Der Flughafen von Hannover, mitten in der Nacht. In einer Oktobernacht ungefähr genauso einladend, wie das frische Wetter drumherum. Aber dort wollten wir ja schließlich auch nicht Urlaub machen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Bei uns ist es nun also wieder TUI Cruises geworden. Ungeachtet des Alles-Inklusive-Konzepts gefiel uns im Moment der Buchung auch schlicht die Gestaltung der Schiffe besser. Weniger bunt, dafür eher nordisch wirkend, etwas gediegener, modern und gleichzeitig klassisch, aber nicht altbacken. Dass TUI Cruises tendenziell ein Klientel mit höherem Durchschnittsalter anpeilt, ist kein Problem, da ohnehin alle Altersgruppierungen vertreten sind, dennoch nicht ganz so ein Eindruck eines Unterhaltungsbootes wie bei AIDA entsteht. Wir hatten uns für den Reisezeitraum Oktober 2016 entschieden. Zwei Jahre Abstand zur letzten gemeinsamen Fahrt also. Warum so eine lange Pause, wenn wir doch so darauf brannten, direkt wieder loszufahren? Nun, einerseits will das Milchgeld für so eine Reise erst vom Munde abgespart werden. Kreuzfahrten sind zwar im Verhältnis gesehen durchaus „günstig“ zu bekommen, ein großer Batzen Kohle, der da über den Tisch geschoben werden muss, ist es aber weiterhin. Zudem musste die Feriensituation und die lieben Kollegen mit ihren schulpflichtigen Kindern berücksichtigt werden. An was man alles so denken muss, wenn man eigentlich nur mal ein paar Tage Urlaub machen möchte. Der reinste Wohlstandsstress! Wusstet Ihr, dass man bei TUI Cruises durchaus bis zu vier Personen in eine normale Balkonkabine unterbringen kann und die Reiseteilnehmer 3 und 4 dann nur noch (in diesem Fall) 800 € pro Personen zu bezahlen brauchen? Fairerweise den Reisepreis anschließend durch vier geteilt ist das eine ordentliche Ersparnis gegenüber dem normalen Katalogpreis. Allerdings ist die Anzahl der Kabinen, in denen das möglich ist, doch eher beschränkt. Vielleicht auch bewusst, um den Absatz von Veranda-Kabinen oder Suiten zu fördern. Die Mein Schiff 3 bis 5 haben pro Deck nur eine Handvoll Kabinen zur Auswahl, in denen mehr als zwei Leute eine Balkonkabine bewohnen können. Wir entschieden uns abermals für eine Kabine auf Deck 6. Einerseits aus Kostengründen, klar, aber auch, weil wir damit gute Erfahrungen gemacht haben. Man hat kurze Laufwege zu den Restaurants auf Deck 4 und 5, die Abtanzbar ist auch nur einen Katzensprung entfernt und sollte die See wirklich mal rau werden, dann schaukelt es weiter unten einfach weniger als weiter oben. Jedenfalls sofern der Kahn von einer Seite auf die andere rollt. Wir beschlossen, alles aus einer Hand zu buchen. Also auch Anreisepaket, Versicherungen und was weiß ich, was noch dazugehört.

Eine Entscheidung, zu der wir uns in der Woche vor der Abreise still beglückwünschten. Die Geschichte mit den abgesagten Flügen von Air Berlin und TUIfly habt Ihr sicher mitbekommen, nehme ich an. Zur Erinnerung: wegen Umstrukturierungsmaßnahmen, die wie so oft Jobs kosten werden und das hochverschuldete Flugunternehmen Air Berlin langfristig irgendwie wenigstens in weniger rote Zahlen führen soll, hatten ganz plötzlich ganz viele Piloten und Kabinencrews eine Auszeit wegen akuten Unwohlseins genommen. Eine Woche, bevor wir nun also endlich mal in den verdienten Urlaub durchstarten wollten. Zwar wäre es ein maximales Ärgernis gewesen, wenn das aus diesen Gründen nicht hätte zustande kommen können, aber es wäre zumindest nicht unser finanzielles Problem gewesen. Ganz anders bei Gästen, die sich für eine individuelle Anreise entschieden hatten… Aber zum Glück entspannte sich die Lage wieder, sodass wir die letzten Stunden vor Abflug eigentlich nur noch irgendwie darüber sinnieren brauchten, wie wir die Erkältungen schnellstmöglich wieder loswerden konnten. Gegen Mitternacht wurden wir dann von Jeanny eingesammelt, um in Richtung Hannover Airport aufzubrechen, wo wir später auf Reni stoßen würden.

Die Strecke Wolfsburg – Hannover ist zu so später Stunde oft zum Glück kein Thema, so auch in dieser Nacht. Somit saßen wir bereits gegen halb zwei im McDonald’s am Flughafen herum und tranken endlich das erste Bier! Sozialer Abstieg für Profis, ich sag’s Euch! Abflug war für 4:55 Uhr angesetzt, Boarding entsprechend eine Dreiviertelstunde früher. Die Zeit bis dahin verbrachten wir mit noch ein paar weiteren Bieren in wechselnden Lokalitäten des Hannoveraner Flughafens und dem Schwelgen in Erinnerungen vergangener Reisen. Und so langsam stellte sich das ein, was bis dahin eher unterschwellig präsent war: Vorfreude und Aufregung!


16.10.2016: Palma de Mallorca

Der Flug von Hannover nach Mallorca verhält sich in etwa so wie die Fahrt von Wolfsburg nach Hannover. Es fühlt sich wie ein Katzensprung an. Gerade mal 2 Stunden und 10 Minuten waren wir unterwegs. Der Hinflug erfolgte mit Air Berlin und, ganz ehrlich, so richtig glücklich wirkte an jenem Morgen kein Mitglied der Kabinencrew. Wer wollte es ihnen nach den vergangenen Tagen und Wochen aber auch verdenken? Dass man als Snack jedoch nur so einen albernen Keks – ein „Pizzagebäck“ – bekam, war eher ein Schuss in den Ofen. Dann lieber ganz weglassen. Die zwei Stunden bis nach Palma wird wohl niemand verhungern, schätze ich. Immerhin: beim Aussteigen gab es die berühmten roten Schokoherzen. Die sind nicht nur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gehaltvoller gewesen; ein, zwei Figuren vor mir habe ich auch mit der ganzen Hand in die große Schüssel greifen sehen. Was ich übrigens auch nie so richtig verstanden habe, war das Freigewicht der Koffer. 23kg für den Hin-, aber nur 20kg für den Rückflug? Ok, unterschiedliche Fluggesellschaften, schon klar, aber dennoch irgendwie skurril.

Angekommen im Morgengrauen auf Mallorca war es wie im echten Leben: wir warteten auf den Bus. Mit den im Hintergrund ersichtlichen Shuttle-Bussen wurden die Neuankömmlinge zum Hafen und somit zum Schiff bugsiert. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Angekommen im Morgengrauen auf Mallorca war es wie im echten Leben: wir warteten auf den Bus. Mit den im Hintergrund ersichtlichen Shuttle-Bussen wurden die Neuankömmlinge zum Hafen und somit zum Schiff bugsiert. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Was macht man, wenn man gelandet ist? Richtig. Man geht sein Gepäck suchen und hofft, dass es auf dem gleichen Flughafen wie man selbst eingetroffen ist. Seid Ihr schon mal in Palma de Mallorcas Flughafen unterwegs gewesen? Ein riesiges Konstrukt mit kilometerlangen Gängen! Der Weg bis zum Gepäckband kostete uns ganz großzügig abgerundete zwanzig Minuten. Nicht eingerechnet die Zeit die es braucht, bis man aus dem Inneren des Fliegers herausgekommen ist. Immerhin: wenn man sein Ziel irgendwann mal erreicht und sein Köfferchen vom Band gefischt hat, ist es bis zum Ausgang nicht mehr weit. Wie gehabt standen Mitarbeiter in den türkisfarbigen Polo-Shirts von TUI Cruises herum, um den ankommenden Gästen den Weg zum richtigen Ausgang und somit zu den Shuttle-Bussen zu weisen. Der Morgen in Palma war gerade erst angebrochen, die Sonne noch damit beschäftigt, sich schläfrig hinterm Horizont hervorzuschieben und doch war schon jetzt, kurz nach halb 8 Uhr morgens offensichtlich: das wird ein schöner, sonniger und vor allem warmer Tag. Alles drei Adjektive, die sich auf das Wetter in Deutschland zu dem Zeitpunkt – und nicht nur zu dem – nicht anwenden ließen. Ein paar Minuten standen wir noch vor dem Flughafengebäude herum, da die Damen und Herren Busfahrer noch irgendwie damit beschäftigt waren, sich selbst zu organisieren, ehe die Gäste und deren Gepäck auf die wartenden Busse verteilt werden konnten.

Check-In im Kreuzfahrt-Terminal von Palma de Mallorca. Wirkt im ersten Moment ein bisschen verwirrend und so, als würde das ewig Zeit in Anspruch nehmen, ist tatsächlich aber ziemlich schnell erledigt. Kurz eine Geldkarte einlesen lassen, den Reisepass zur Kontrolle vorlegen und ein Foto anfertigen lassen und schon hat man seine Bordkarte in der Hand und kann weiter zum Schiff. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Check-In im Kreuzfahrt-Terminal von Palma de Mallorca. Wirkt im ersten Moment ein bisschen verwirrend und so, als würde das ewig Zeit in Anspruch nehmen, ist tatsächlich aber ziemlich schnell erledigt. Kurz eine Geldkarte einlesen, den Reisepass zur Kontrolle vorlegen und ein Foto anfertigen lassen und schon hat man seine Bordkarte in der Hand und kann weiter zum Schiff. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

An diesem Sonntag fand in Palma ein großer Marathon-Lauf statt, somit mussten die Busse eine alternative Route fahren als die, welche regelmäßig zum Hafen pilgernden Reisenden eventuell bekannt ist. Man kündigte uns eine Fahrtzeit von etwa 20 Minuten an, aber ich könnte schwören, dass es maximal(!) 15 Minuten waren. Eher noch weniger. Je mehr man sich dem Hafen nähert, umso mehr ist es möglich, zwischen den Gebäuden schon mal einen Blick auf das schwimmende Hotel zu erhaschen, das in den kommenden Tagen die eigene Herberge sein würde. Hach, das ist und bleibt spannend! Genauso, wie es für mich wohl immer überwältigend bleiben wird, direkt vor dem Kahn zu stehen und darüber zu staunen, wie ein derart großes, von Menschenhand geschaffenes Konstrukt überhaupt in der Lage ist, vom Wasser getragen zu werden! Und dabei sind die aktuellen Schiffe von TUI Cruises ja beileibe nicht die größten Pötte, die da über die Ozeane dampfern. Royal Caribbean zum Beispiel hat da ein paar Schiffe in der Flotte, die locker 60 Meter länger, und mit 60 Metern ganz bequem doppelt so breit sind. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Der Begriff „Arche“ geht einem da schon mal unweigerlich durch den Kopp. Aber um RCI und deren Gigantomanie geht es heute mal nicht, sondern eben um die Mein Schiff 4 von TUI Cruises, deren Rumpf in dunkelblau mit dem weißen Korpus in der inzwischen aufgegangenen Morgensonne glitzerte und funkelte und auf uns wartete. Mitarbeiter der Crew waren schon damit beschäftigt, die Außenhaut des Schiffes vom Salz des Meeres zu befreien. Ein übliches Ritual in jedem Hafen, damit die Schiffe nicht schneller Rost ansetzen als unbedingt nötig.

Mahlzeit! Morgens halb zehn in Deutschland knabbert man an Schokogebäck herum, morgens halb 11 auf Mallorca nippt man stattdessen schon mal am Sekt. Die Hausmarke von TUI Cruises ist übrigens ziemlich lecker. | Foto: Ein hilfsbereiter Mitreisender / AVALOST
Mahlzeit! Morgens halb zehn in Deutschland knabbert man an Schokogebäck herum, morgens halb 11 auf Mallorca nippt man stattdessen schon mal am Sekt. Die Hausmarke von TUI Cruises ist übrigens ziemlich lecker. | Foto: Ein hilfsbereiter Mitreisender / AVALOST

Wir betraten das Kreuzfahrtterminal, in dem schon geschäftiges Treiben herrschte. Einem langen Tresen einer gut besuchten Bar gleich checkten Crewmitglieder die Neuankömmlinge ein. Kreuzfahrterfahrene wissen, was an dieser Stelle kommt: ein freundliches Willkommen durch das jeweilige Besatzungsmitglied, die Klärung der Zahlungsmodalitäten, gefolgt vom Einlesen einer EC- bzw. Kreditkarte sowie das Anfertigen eines Fotos, damit man beim Betreten und Verlassen des Schiffes mit der Bordkarte, die gleichzeitig an Bord des Schiffes als alleiniges Zahlungsmittel dient, von der Sicherheit identifiziert werden kann. In unsicheren Zeiten wie diesen können die Sicherheitsvorkehrungen an Bord auch gar nicht hoch genug sein. Und warum wird eigentlich eine Geldkarte eingelesen? Ist da nicht alles Inklusive? Guter Einwand. Auch wenn man an Bord natürlich mehr Speis und Trank geboten bekommt, als man jemals konsumieren kann – auch hochwertige Markengetränke sind dabei – so gibt es dennoch zahlreiche Möglichkeiten, Geld auszugeben. Geführte Landausflüge zum Beispiel. Oder im Casino bzw. für das Bord-Bingo. Man kann auch steinzeitliche und eigentlich unverschämte 20 Euro für eine Stunde Internet via Satellitenverbindung ausgeben. 69 Euro für einen Reisefilm auf DVD bzw. 89 Euro für die Blu-ray-Variante. Oder sich in den aufpreispflichtigen Restaurants Hanami, Surf & Turf oder Richards – Feines Essen den Gaumen mit ganz besonderen Köstlichkeiten verwöhnen lassen. Überdies kann, wer mag, im Casino edle und teure Whisky-Sorten kosten und sich dazu eine Zigarre aus dem Humidor anreichen lassen. Und die ganz Verwegenen kaufen in den Bordshops, die sich auf immerhin zwei Decks erstrecken, irgendwelche Luxusuhren für ein paar Tausend Euro. Nur, weil man an Bord der TUI Cruises-Schiffe nichts mehr bezahlen müsste bedeutet das nicht, das man das nicht auch kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Einnahmen an Bord für die Reederei aus Hamburg pro Reise immer noch ein ganz erquickliches Sümmchen auf die Haben-Seite bringen. Überhaupt geht der Trend bei Kreuzfahrten ja dazu, den Gästen vor allem an Bord zusätzlich Geld aus der Tasche zu ziehen. Kein Wunder, dass immer mehr die Schiffe zur Destination werden und immer weniger die Länder und Häfen, die sie ansteuern. Um noch mal auf die eben erwähnten Mega-Pötte von RCI zurückzukommen: ein Schiff wie die Oasis of the Seas braucht vermutlich nur aus dem Hafen auf das offene Meer hinaus- und dort im Kreise fahren und würde den Gästen immer noch genügend Action und Entertainment bieten, dass keine Sehnsucht nach Land entsteht. Mich würde da echt mal interessieren, wie hoch dort die Quote derer ist, die von der Möglichkeit eines Landgangs keinen Gebrauch mehr machen, weil der schwimmende Club-Urlaub genug ist? Egal, das ist ein anderes Thema. Zurück zur Mein Schiff 4.

Wenn man seit mehr als 24 Stunden wach ist, dann kommt einem jeder Platz gelegen, auf dem man kurz mal vor der fröhlich am Firmament ballernden Sonne flüchten kann. Auch wenn es das Pooldeck ist - und ja, selbst auch dann, wenn man sonst nicht zu den Poolnutzern gehört. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Wenn man seit mehr als 24 Stunden wach ist, dann kommt einem jeder Platz gelegen, auf dem man kurz mal vor der fröhlich am Firmament ballernden Sonne flüchten kann. Auch wenn es das Pooldeck ist – und ja, selbst auch dann, wenn man sonst nicht zu den Poolnutzern gehört. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Das Einchecken war wie üblich flott erledigt. In Summe waren wir keine Viertelstunde in der Halle des Kreuzfahrt-Terminals, ehe wir zurück ins gleißende Sonnenlicht traten. Wie ebenfalls üblich schwirrten wieder einige Bordfotografen durch die Gegend, um von den Neuankömmlingen die ersten Fotos zu machen. Schön klischeehaft vor oder hinter einem Rettungsring aufgereiht, mit dem dunkelblauen Schiffsrumpf und dessen typischen, markanten Schriftzügen im Hintergrund. Uns haben sie zum Glück übersehen, so dass wir flinken Fußes im Schiffsinneren verschwinden konnten. Kommen wir noch mal auf die Sicherheit zu sprechen. Bevor man überhaupt auch nur einen Fuß an Bord setzen kann, gilt es unweigerlich, zwei Dinge zu tun: die Bordkarte vorzeigen. Und die Hände mit den bereit gestellten Spendern für Desinfektionsmittel zu reinigen. Andernfalls versperrt Dir das jeweilig diensthabende Mitglied der Besatzung auch schon mal den Weg und bittet freundlich aber bestimmt darum, das Versäumnis nachzuholen. Gut so! Im Eingangsbereich des Schiffes selbst wird zunächst einmal mehr die Bordkarte eingelesen und Euer Gesicht mit dem beim Check-In angefertigten Foto abgeglichen. Und dann folgt auch schon das vom Flughafen bekannte „Filzen“. Ihr wisst schon: bitte legen Sie alle metallischen Gegenstände, die Sie bei sich führen, in diese Schale und schieben Sie sie auf das Laufband. Auch den Gürtel? Auch den Gürtel. Anschließend durchläuft man diesen metalldetektierenden Türrahmen. Und wenn es dann immer noch piept, kommen die Sicherheitsleute mit dem Handscanner und durchleuchten auch den letzten Rest. Dieses Prozedere wird immer und wirklich immer durchgeführt, wenn das Schiff im Hafen liegt und die Möglichkeit besteht, dass Ihr es verlassen könnt. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie oft oder wie lange Ihr von Bord geht. Nur mal kurz ins Kreuzfahrt-Terminal, um eine Postkarte oder zoll- und steuerbefreiten Schnaps zu kaufen? Oder doch die zwölfstündige Tour ins Landesinnere? Spielt keine Rolle. Sobald Ihr wieder an Bord wollt, wiederholt sich diese Musterung. In Zeiten von fast schon täglicher Terroranschläge kann damit aber nicht wirklich jemand ein Problem haben. Jedenfalls nicht jemand, der nicht ohnehin irgendwie nur komische Gedanken im Koppe hat. Bleibt zu hoffen, dass die Sicherheitsvorkehrungen beim Beladen des Schiffes ähnlich hoch ausgefallen sind und mit gleicher Sorgfalt passieren. Das Einladen der Koffer oder das Auffüllen von Vorräten und so weiter, all das sind Dinge, von denen man als Gast nichts mitbekommt. Ja auch gar nicht mitbekommen soll. Hier muss man wohl schlicht und ergreifend Vertrauen haben, schätze ich.

Dieses Foto ohne Grund existiert eigentlich nur, damit man einen Eindruck davon bekommt, wie weit oben man sich auf Deck 14 tatsächlich befindet. Wir sehen hier einen Ausschnitt des Hafenterminals von Mallorca, es könnte sich allerdings auch um ein Eisenbahndiorama gehandelt haben. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Dieses Foto ohne Grund existiert eigentlich nur, damit man einen Eindruck davon bekommt, wie weit oben man sich auf Deck 14 tatsächlich befindet. Wir sehen hier einen Ausschnitt des Hafens von Mallorca, es könnte sich allerdings auch um ein Eisenbahndiorama gehandelt haben. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Irgendwann waren wir aber dann endlich mal durch alle Sicherheitskontrollen, Check-Ins und was weiß ich nicht noch alles durch und im Bauche des Wals Schiffes angekommen. Wie in Hotels üblich – ja, auch schwimmenden – sind die Hotelzimmer oder in diesem Fall Kabinen nicht gleich zugänglich. Logisch, die das Schiff verlassenden Gäste mussten bis 9 Uhr morgens raus sein, anschließend braucht das Housekeeping-Team ja noch ein bisschen Zeit, um die ungefähr 1250 Kabinen wieder fit zu machen für die neuen Gäste. Das heißt: sich bequem auf den Balkon flezen und wie Gott in Frankreich die ersten Liter Cocktails wegzuschlürfen geht erst ab 15 Uhr. Ganz egal, wie sehr Ihr mit den Füßen strampelt. Und ja, es gibt Leute, die tun das. Aber Querköppe, die grundlos immer was zu mosern haben, gibt es wohl überall. Wie sagt man… auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt, ist mindestens einer drauf, der dämlich sabbelt. Kurzum: In die Kabine kann man zwar nicht, dafür aber alle anderen öffentlichen Bereiche bereits vollumfänglich nutzen.

Ich weiß es doch auch nicht. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Ich weiß es doch auch nicht. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Und das taten wir. Inzwischen doch ein bisschen hungrig – schließlich war das Stück Pizzakeks von Air Berlin nicht gerade der langfristige Sattmacher – beschlossen wir, zunächst mal schön und in aller Ruhe frühstücken zu gehen. Bis auf Reni war das für uns anderen zwar nicht der erste Besuch an Bord eines TUI-Schiffes der aktuellen Bauweise, dennoch waren wir kurz überfordert vom Angebot. Das wird sich wohl ebenfalls niemals legen, denke ich. Wir sind letztlich im Buffet-Restaurant Anckelmannsplatz auf Deck 12 gelandet. Zwar herrschte hier hektisches Treiben – klar, alte und neue Gäste versuchten, sich hier die Löcher in den Mägen zu stopfen – aber bei 655 Innen- sowie nochmals 90 Außenplätzen fanden auch wir einen Tisch, ganz in der Nähe des benachbarten GOSCH Sylt Restaurants. Beim Gosch handelt es sich um ein (teilweise) á-la-Carte-Fischrestaurant, übrigens genauso teilweise aufpreispflichtig, das morgens aber auch zum Frühstücken genutzt werden konnte. Ein bisschen erschlagen von dem reichhaltigen Angebot des Buffets im Anckelmannplatz fiel unsere erste Mahlzeit an Bord doch sehr überschaubar und bodenständig aus. Ein bisschen Rührei hier, ein Käsebrötchen da, ein paar Wiener Würstchen und ein Löffelchen weiße Bohnen, dazu frisches Obst verschiedener Art. Und Kaffee! Der war ganz elementar, da einige von uns inzwischen seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen waren.

Die Kathedrale von Palma. Haben wir dieses Mal leider nur vom Schiff aus bewundern können. Es fand ein Marathon statt, der großflächige Einschränkungen mitbrachte, zudem ist die Kathedrale für Besucher an Sonntagen ohnehin geschlossen. Somit hatten sich unsere Pläne, vielleicht vor dem Auslaufen noch ein bisschen durch Palma zu flanieren, erledigt. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die Kathedrale von Palma. Haben wir dieses Mal leider nur vom Schiff aus bewundern können. Es fand ein Marathon statt, der großflächige Einschränkungen mitbrachte, zudem ist die Kathedrale für Besucher an Sonntagen ohnehin geschlossen. Somit hatten sich unsere Pläne, vielleicht vor dem Auslaufen noch ein bisschen durch Palma zu flanieren, erledigt. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Nachdem wir in aller Ruhe etwas gegessen hatten, stellte sich die Frage: wohin jetzt? Die Uhr der Kathedrale von Palma, die sich in unmittelbarer Nähe des Hafens befindet, zeigte noch nicht mal die Mittagsstunde an. Dafür hatte es sich die Sonne inzwischen am Himmel bequem gemacht und brannte in all ihrer Herrlichkeit auf die Erde – und das Schiff – hernieder. Kaum Wolken am Himmel, manchmal vielleicht so ein paar weiße Streifen, die vielleicht mal Wolken hätten werden wollen. Wir hatten überlegt, vielleicht noch mal von Bord zu gehen und flinken Fußes ein bisschen durch Palma zu wandern. Den Bonus der frühen Anreise nutzen, quasi. Durch den anberaumten Marathon und die damit einhergehenden Einschränkungen verwarfen wir die Idee allerdings ziemlich schnell wieder. Stattdessen entschieden wir uns, vom Anckelmannsplatz zum Pooldeck weiterzuziehen und unsere blassen Gesichter ein bisschen in die Sonne zu halten. Es fiel uns trotz des gut gefüllten Pooldecks nicht schwer, vier Liegestühle zu ergattern. Tatsächlich so gelegen, dass uns die ungewohnte Sonne nicht komplett auf’s Dach schien. Als Urlauber aus dem herbstlichen Deutschland musste man schließlich fürchten, direkt zu Staub zu zerfallen, wenn man sich gleich direkt zu lange in der Sonne aufhält. Man ist doch nüscht mehr gewohnt! Wir machten es uns bequem. Und wie wir da so lagen, alle vier alle Viere von sich gestreckt (sah von oben sicher aus wie plattgebügelt), kam uns die erste gute Idee des Tages: jetzt ein Sektchen! Schließlich kann man ja auch schon mal um kurz nach halb 11 anstoßen – auf den überstandenen Flug, auf eine bevorstehende gute Zeit, auf das schöne Wetter und darauf, dass das Leben es gerade gut mit uns meinte. Schräg gegenüber des Pools (und somit in diesem Fall auch von unserer aktuellen Brachlage) war die Überschaubar installiert. Da wir die Mein Schiff 3 und auch die 4 bereits kannten ist doch glatt ein Schelm wer uns unterstellt, uns strategisch günstig und kurzer Laufwege wegen auf die besagten vier Liegestühle gepflanzt zu haben. Es grenzt ja schon ein bisschen an die Sorte Dekadenz, weswegen die alten Römer vor Neid ihre Stadt angezündet hätten, wenn man direkt zu den Leuten an der Bar wackeln und Sekt bestellen und ohne weiteres mit den Kelchen wieder verschwinden kann. Ohne Zahlung, ohne Karte hinhalten oder irgendwas. Schon gut, so ein All-In-Konzept. Generell ist Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff durchaus gelebte Dekadenz. Ich verstehe Leute, denen diese Form des Reisens aus diesem Grund gegen den Strich geht. Da wir aber zwei Jahre lang alle ziemlich lange für diese Reise stricken mussten, war uns das hier, heute und in den folgenden Tagen nicht nur extrem egal, sondern ehrlich gesagt auch ziemlich willkommen. Einen Ausgleich muss man sich schließlich schaffen, wenn man sich tagein, tagaus für seinen Brötchengeber hoch bückt, nicht? Bei uns war es eben diese Reise. Und irgendwann wird es wieder eine solche Reise sein.

Ein Panorama vom Hafen von Palma, ein Palmorama quasi. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Ein Panorama vom Hafen von Palma, ein Palmorama quasi. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Zurück zum Sekt. Die Hausmarke schmeckt erstaunlich gut. Auch der Hauswein, den TUI Cruises in den Bars und den Restaurants serviert, ist überraschend lecker. Bei Dingen, die im Preis inkludiert sind und nicht zu den bekannten Marken gehören, keine Selbstverständlichkeit! Um ganz ehrlich zu sein: den Sekt, den TUI Cruises ausschenkt, fand ich um einiges besser als diese Plörre von Champagner, die wir uns am letzten Abend in der Diamant Bar gönnten. Den Namen habe ich vor Schreck direkt wieder vergessen. Kann ja nur Pommery oder Möet oder eines der jeweiligen Ableger gewesen sein. Ich werde nie verstehen, warum dieses fürchterliche Chamapgner-Gesöff so abgefeiert wird. Wahrscheinlich nur, weil es scheiße teuer ist und man so zeigen kann, dass man es sich leisten kann oder will, die Urinprobe trächtiger Stuten bestellen zu können. Prima. Wem das schmeckt, bitte sehr und wohl bekomm’s, wir taten uns lieber am Sekt gütlich. Erst ein Glas, dann ein zweites und dann noch ein drittes. Und schon hatte man nicht nur Laune, und zwar gute, sondern war in Kombination mit der Hitze – so um die 30 Grad werden es wohl gewesen sein – angenehm schläfrig. Aber es sprach ja auch so überhaupt nichts dagegen, ein bisschen an aktueller Position zu chillen. Was wir auch taten. Später schlichen Mick und ich ein bisschen über das Pooldeck, um dieses sowie den Hafen Palmas aus allen erdenklichen Positionen zu fotografieren. Irgendwann wurde es uns aber doch zu warm, so dass wir eine Etage tiefer zogen und einen Platz im Schatten aufsuchten. Direkt zum Reisestart einen Sonnenstich bekommen, das musste ja nun wirklich nicht sein. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sich Zeit mit Nichtstun vertrödeln lässt. Gegen 14 kam allerdings der Hunger zurück und wir statteten dem Tag & Nacht Bistro unseren ersten Besuch ab. Was übrigens auch ein ganz prima Zeitvertreib war, denn anschließend konnten wir endlich unsere Kabine betreten. Dort richteten wir uns häuslich ein und verplemperten die Zeit abwechselnd auf dem Balkon oder irgendwo an Bord, neue Getränke organisierend. Später am Abend schlichen wir ein bisschen über die Decks, schon mal ein paar Unterschiede zur ansonsten sehr ähnlichen Mein Schiff 3 inspizierend, ehe wir zur besten Abendbrotzeit irgendwo einen Happen aßen. Gerade weiß ich tatsächlich nicht mehr, wo. Am früher am Tage konsumierten Sekt kann das jedenfalls keinesfalls gelegen haben.

Irgendwann sehr viel später im Verlaufe dieser Reise wird der Captain sagen, nicht nur VW habe ein Abgasproblem. Man bekommt eine Vorstellung davon, was er meinen könnte, wenn man sich das hier anschaut... | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Irgendwann sehr viel später im Verlaufe dieser Reise wird der Captain sagen, nicht nur VW habe ein Abgasproblem. Man bekommt eine Vorstellung davon, was er meinen könnte, wenn man sich das hier anschaut… | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Seit dem tragischen Unglück der Costa Concordia ist es Vorschrift, die für alle Gäste obligatorische Seenotrettungsübung noch vor Auslaufen des Schiffes stattfinden zu lassen. Ich hatte es ohnehin nie verstanden, warum das bis dahin am Morgen nach dem Auslaufen passierte. Was nützt es zu erfahren, wie man sich im Falle einer Notsituation verhalten soll, wenn der Kahn unter den eigenen Füßen bereits auf offener See schaukelt? In jeder Kabine hängt ein Schild mit dem Hinweis auf die sogenannte Musterstation, zu der man sich im Falle eines Notfalls – oder, wie in diesem Fall zur Übung – einzufinden hat. Für uns war dies die Diamant Bar auf Deck 5. Dort bekamen wir ein Video mit den üblichen Sicherheitsbelehrungen vorgeführt, zudem demonstrierte die Besatzung das Anlegen der Rettungswesten. Wer wollte, konnte das Anlegen selbst üben, aber zumindest an unserer Musterstation war die Resonanz darauf doch eher verhalten. So ganz überraschend ist das nicht, schließlich denkt niemand daran, dass ernsthaft etwas passieren könnte. Bis eben manchmal doch was passiert, aber so ist das ja immer. Viel mehr herrschte so eine aufgeregte Grundstimmung, dass es nun endlich losgehen solle. Nachdem die Besatzung die vollständige Anwesenheit aller Gäste auch an die Brücke übermittelt hatte, wurde die Übung beendet. Zeitaufwand: ungefähr 20 Minuten. Genug Zeit also, um rechtzeitig zurück auf dem Pooldeck zu sein und dem Auslaufen unter dem angeberischen Vollmond beizuwohnen. Gegen 22 Uhr war es dann soweit und die Mein Schiff 4 legte zu den Klängen von UnheiligsGroße Freiheit“ ab. Ich finde es noch immer erstaunlich, dass man es so überhaupt nicht spürt, wie sich dieser riesige Koloss von bald 300 Metern so unmerklich aus dem Hafenbecken schieben kann, dass man es glatt verpassen könnte, würde man nicht bewusst darauf achten.

Nach der Seenotrettungsübung ist vor der Auslaufparty auf dem Pooldeck. Es hat schon was, wenn sich der Ozeanriese unter einem angeberischen Vollmond in Bewegung setzt. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Nach der Seenotrettungsübung ist vor der Auslaufparty auf dem Pooldeck. Es hat schon was, wenn sich der Ozeanriese unter einem angeberischen Vollmond in Bewegung setzt. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Auf dem Pooldeck steppte der Bär. Wenig überraschend, dass es zum Auslaufen am ersten Abend richtig voll dort war. Die Musical-Truppe spielte ein Best-Of der schönsten Hits von Michael Jackson. Höm, hatten wir das nicht genauso vor zwei Jahren auf der Mein Schiff 3 auch schon erlebt? Den Damen unserer Reisegruppe war das Gewühle auf dem Pooldeck zu stressig, sodass wir uns für etwas später am Abend in der Abtanzbar verabredeten. Mick und ich hingegen tranken ein, zwei Cocktails und beobachteten, wie die Insel Mallorca langsam aber sicher in der Schwärze der Nacht verschwand. Dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Abtanzbar.

Und dort erlebten wir auch direkt die erste Enttäuschung dieser Reise. Freilich, die Ansprüche an eine Disko an Bord eines Kreuzfahrtschiffes sind per se eher niedrig zu halten. Schließlich soll dort ein Massengeschmack abgedeckt werden und nicht irgendwelche special interests. Andererseits: Knut, damals im September 2014 auf der Mein Schiff 3, der hatte die Messlatte für solche Etablissements einfach enorm hoch gelegt. Da hätte sich dieser Möchtegern-Hipster, der während dieser Reise an Bord seinen Dienst als Junge mit einem MacBook tat (ich weigere mich nach wie vor, diesen Typ als DJ zu bezeichnen!) noch etliche Scheiben abschneiden können. Dass er viele Wünsche nicht kannte, ok, das lässt sich noch zähneknirschend verkraften. Viel älter als Anfang, Mitte 20 konnte der Knabe nicht gewesen sein, es half auch der sauber geshavete Bart nichts, um diesen Eindruck zu trügen. Da ist es beinahe verständlich, wenn er einiges nicht kennt. Aber andererseits… nee, eigentlich auch nicht, schließlich verdient er sein Geld als Wunscherfüller der Gäste. Wer jetzt schreit, ein DJ sei doch bitteschön keine Jukebox – stimmt. An Bord eines Schiffes, noch dazu einem wie diesem hier, ist er es aber eben doch! Da sich TUI Cruises beharrlich weigert, Motto-Parties bzw. Themenabende in der Abtanzbar stattfinden zu lassen, sondern alle irgendwie glücklich gemacht werden sollen, ist der DJ an diesem Abend eben doch zwangsweise ganz genau das. Austoben und seiner kreativen Ader nachgeben kann er während der Pool-Party oder ähnlichen Veranstaltungen, wo ihm die Gäste nicht zuletzt aufgrund der räumlichen Trennung nicht dazwischen quatschen können. Die Wunscherfüllung selbst war aber auch so ein Punkt. Wenn sich der gnädige Herr in seiner unendlichen Güte dazu herabgelassen hatte, nicht eine von zahlreichen Ausreden in dem Raum zu sprechen („hab ich nicht“, „kenn ich nicht“ oder „Internetverbindung ist zu schlecht“), dann passierte es immer wieder, dass die Wünsche nicht gespielt worden sind. Auch auf mehrmaliges Nachfragen nicht. Da hieß es dann nur, es komme noch. Und wenn er dann gegen 2 Uhr morgens trotz noch recht guter Gastzahl in der Abtanzbar den Feierabend einleitete – manchmal sehr dem Unwillen der Gäste zum Trotz -, dann hieß es immer wieder gerne mal: nö, heute nicht mehr. Hömma, willste uns verarschen oder was?! Da ist nicht nur mir, sondern auch von uns gänzlich unbeteiligten Gästen die Hutschnur geplatzt. Dass geschmeidige Übergänge ebenfalls nicht sein Thema waren, wird hingegen eher den geübten Musikkonsumenten aufgefallen sein. Habe ich diesen Typen gefressen? Nein. Aber ich hätte gerne. Interessant in dem Zusammenhang, dass uns Crewmitglieder aus ganz anderen Bereichen des Schiffes an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeitpunkten erzählten, dass sich Mr. DJ schon etliche Beschwerden eingehandelt hätte. Es ist also nicht nur ein persönliches Problem bzw. eines meiner Reisegruppe gewesen. Immerhin: gegen Ende der Reise war eine deutliche Besserung zu verzeichnen. Das muss fairerweise ebenfalls erwähnt werden. So richtig gut war das dann zwar immer noch nicht, aber der Mann hinterm Mischpult schien von seinem Ross der Selbstgefälligkeit herabgestiegen zu sein. Oder wurde von einer höheren Instanz aufgrund der Gastbeschwerden davon hinabgetreten, wer weiß. Knut fehlte jedenfalls sehr deutlich. Ach, und eine Frage hätte ich noch an TUI Cruises in dem Zusammenhang: gerade als der Mann dabei war, ein eigentlich ganz anständiges 80er-Jahre-Set zu spielen, in das der von Mick geäußerte Wunsch von The CuresFriday I’m In Love“ ganz wunderbar gepasst hätte – warum erhielt Mick auf den Musikwunsch die Antwort, das sei schwarze Musik und dürfe nicht gespielt werden?! Bitte?! Ganz ehrlich, das beschäftigt mich heute noch. Werde mal eine Mail schreiben müssen und dem Sachverhalt auf den Grund gehen. Auf jeder Dorfkirmes wird der Song gedudelt, wenn er gerade in die Playlist passt und hier nicht? So was habe ich ja noch nie gehört! Leider war die Sache mit dem DJ nicht die einzige, die auf dieser Reise angekreidet werden musste. Dazu aber zum entsprechenden Zeitpunkt mehr. Ein, zwei Cocktails später endete dieser erste Tag an Bord.


17.10.2016: Seetag I

Der erste Tag auf See dient traditionell zwei Dingen: ausschlafen und irgendwann später, nachdem man in aller Ruhe gefrühstückt hat, das Schiff erkunden. Und ganz genau so handhabten wir das auch dieses Mal wieder. Es schläft sich meines Erachtens ja nirgends so gut wie im Bette an Bord eines Schiffes, das sich gemütlich über vier bis fünf Meter hohe Wellen schaukelt. Nach wie vor finde ich es ganz großartig von TUI Cruises, an Bord ihrer Kabinen Nespresso Maschinen installiert zu haben. Normalerweise bin ich kein Freund dieser Umweltsünden, an Bord eines Schiffes, das mit Schweröl betrieben Hafenanwohnern quasi bis vor die Haustüre fährt, denkt man darüber aber lieber nicht weiter nach. Hervorragende Idee von Jeanny, vor Abreise noch ein paar Packungen mit solchen Kapseln zu kaufen. TUI Cruises selbst spendiert seinen Gästen pro Person und Tag gerade mal eine. Wer, wie ich, morgens Kaffee braucht, damit der Motor in die Gänge kommt, weiß, dass das nur unwesentlich mehr ist, als ein Tropfen auf den heißen Stein. Jedenfalls: mit einer Tasse frischen Kaffees auf den Balkon raus, je nach Gusto eventuell mit einem Kippchen dazu, und das Spiel der Wellen zu beobachten, das ist definitiv eine Art in den Tag zu starten, an die man sich gewöhnen kann! Nach einem gemeinsamen Frühstück machten wir uns daran, die Mein Schiff 4 gründlich zu erkunden. Mick und Jeanny kannten sie schon, da sie bereits ein paar Monate zuvor mit ihr unterwegs waren, für Reni und mich war sie neu. Ich kannte zumindest die 3. So wahnsinnig viel hatte sich gegenüber der 3 ja nicht geändert.

Die Seetage fingen grundsätzlich immer wolkig und mit eigenartiger Lichtstimmung an. Später klarte das Wetter allerdings oftmals noch auf. Vor allem die ersten beiden Seetage glänzten im weiteren Verlauf mit schönstem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die Seetage fingen grundsätzlich immer wolkig und mit eigenartiger Lichtstimmung an. Später klarte das Wetter allerdings oftmals noch auf. Vor allem die ersten beiden Seetage glänzten im weiteren Verlauf mit schönstem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Sinnvollste Änderung im Rahmen des Neubaus: das Meerleben, jenes maritime Naturkunde-/Technikmuseum, das einen großen Bereich auf der MS3 einnimmt und auf Deck 4 gegenüber dem Spielplatz oder der Malstube gelegen ist, musste auf der MS4 der Waterkant Bar weichen. Eine neue Bar, die es vorher nicht gab, hell und freundlich gestaltet und insofern sinnvoll, da sie vor allem an Seetagen an den übrigen Bars im Hinblick auf das Gastaufkommen für zusätzliche Entspannung sorgt. Auf der 3 fand ich das Meerleben eigentlich noch ganz prima, aber mal ehrlich: mehr als einmal werden wohl die wenigsten durch diese Dunkelkammer geschlichen sein. Der Platz konnte wirklich besser genutzt werden. So wie eben hier geschehen. Außerdem wird der Bereich von einem etwa 8 Meter langen Querschnittsmodell der Mein Schiff 4 geziert, für die TUI Cruises ein paar Hunderttausend Euro hat springen lassen. Dieses Model gewährt Interessierten einen Einblick in die Innereien des Ozeanriesens, die man sonst nie zu Gesicht bekommt. Ich war so angetan davon, dass ich da nicht nur ewig drumherum geschlichen bin, sondern das Teil am liebsten mit nach Hause genommen hätte.

An der Stelle, wo sich auf der Mein Schiff 3 noch das Meerleben, dieses maritime Naturkundemuseum befand, erwartet die Gäste auf der Mein Schiff 4 nun die Waterkant Bar. Heller, freundlicher und gerade an Seetagen für eine Entzerrung des Gastaufkommens sorgend. Zudem steht dort dieses 8 Meter lange Modell des Schiffes, das einen interessanten Einblick in die Bereiche gewährt, die Passagieren ansonsten verborgen bleiben. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
An der Stelle, wo sich auf der Mein Schiff 3 noch das Meerleben, dieses maritime Naturkundemuseum befand, erwartet die Gäste auf der Mein Schiff 4 nun die Waterkant Bar. Heller, freundlicher und gerade an Seetagen für eine Entzerrung des Gastaufkommens sorgend. Zudem steht dort dieses 8 Meter lange Modell des Schiffes, das einen interessanten Einblick in die Bereiche gewährt, die Passagieren ansonsten verborgen bleiben. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Was TUI Cruises geritten haben mag, die grundsätzlich sehr gemütliche Café Lounge anstatt des fetzigen Retro-Oranges von der 3 in dieses hässliche Gravis-Grün umzupinseln, entzieht sich meinem Verständnis. Aber das ist ganz sicher Geschmackssache. Prima hingegen: die Außenalster auf Deck 12 hat eine Überdachung bekommen. Da hätte man theoretisch auch eher drauf kommen können, aber vielleicht war das auch auch einfach zu offensichtlich. Ob sich in den Spa- und Sportbereichen etwas verändert hat, kann ich nicht sagen. Ich gehöre nicht zur Zielgruppe dieser Angebote und bin daher dort auch nicht vorstellig geworden. Insgesamt bleibt der Eindruck bezüglich der Einrichtung von der Mein Schiff 4 im Prinzip der gleiche wie der von ihrer älteren Schwester: ein sehr guter! Ein schickes Schiff ist das und als Kreuzfahrtfan kann man sich an Bord definitiv wohlfühlen. Die öffentlichen Bereiche bieten ein anständiges Platzangebot und trotz etwa 2500 Gästen, denen eine Besatzung von etwa 1200 Mitgliedern gegenübersteht, verläuft sich auch an Seetagen alles ziemlich gut.

Zweites Frühstück am ersten Seetag. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Zweites Frühstück am ersten Seetag. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Klar, zu den Hauptmahlzeiten sind die Restaurants entsprechend gefüllt. Wer, im Gegensatz zu mir beispielsweise, nicht damit zufrieden ist, im Außenbereich des Tag & Nacht Bistros Lachs in Orangensauce zu schnabulieren, sucht in den Buffet-Restaurants eventuell ein paar Minuten länger nach einem freien Platz. In den Menü-Restaurants hingegen wird man von Portieren – ähem, den Wohlfühloffizieren, natürlich – zu einem freien Platz geführt. Je nach Größe der Gruppe kann das schon mal ein bisschen dauern, bis man einen Tisch bekommt. Zumal man wissen muss: in den Menü-Restaurants kann man locker zwei Stunden Zeit verbringen, ehe man sich durch ein komplettes Fünf-Gänge-Menü gearbeitet hat. Wir haben das diverse Mal ausprobiert. Über einen Mangel an Beschäftigung kann das Personal zu den Stoßzeiten jedenfalls nicht klagen. Was wir in dem Zusammenhang erfreulicherweise nicht beobachten konnten, war das Festkrallen von Personengruppen an einem Tisch, weil der Tischwein hier inkludiert ist und man sich so günstig die Birne zuschütten kann. Ein Phänomen, das einem bei anderen Reedereien ohne Alles-Inklusive immer wieder mal begegnet. Tatsächlich war es viel mehr so: wer gegessen hatte und gesättigt war, hielt sich anschließend nicht lange auf und machte den Tisch für die nächsten hungrigen Mäuler frei. Falls Ihr nun argumentiert, dass ein gutes Essen im Restaurant immer auch ein Ort für angeregte, angenehme Gespräche sein kann – stimmt. Dafür seien die Menü-Restaurants empfohlen, die mit ihren Gängen den entsprechenden Rahmen bieten. Auch den zeitlichen. Wem das alles zu viel Trubel ist, der kann immer noch auf das Tag & Nacht Bistro zurückgreifen. Mit einem sehr kleinen Sortiment an Speisen natürlich, verhungern müsste aber auch dort niemand. Wer jedoch an Lebensmittelunverträglichkeiten leidet, der ist in den Menü-Restaurants am besten aufgehoben. Sind im Vorfeld der Reise im Schiffsmanifest die entsprechenden Informationen hinterlegt worden, bekommen betroffene Gäste jeden Abend Menüvorschläge in die Kabine geliefert, aus denen sie für die Mahlzeiten für den kommenden Tag wählen können. Vermutlich die beste Lösung, die man sich diesbezüglich einfallen lassen konnte.

Im Tag & Nacht Bistro kann man nun auch draußen sitzen und schlemmen. Gute Sache. Wenn es das Wetter zulässt, schmeckt Essen an frischer Seeluft gleich noch mal so gut. Meine Empfehlung: Lachs in Orangensauce. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Im Tag & Nacht Bistro kann man nun auch draußen sitzen und schlemmen. Gute Sache. Wenn es das Wetter zulässt, schmeckt Essen an frischer Seeluft gleich noch mal so gut. Meine Empfehlung: Lachs in Orangensauce. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Zu den angebotenen Speisen ist zu sagen, dass die Auswahl sehr vielfältig ist. Hier dürfte wohl so ziemlich jeder Geschmack abgedeckt werden. Lieber Fisch statt Fleisch, lieber Gemüse und Obst anstatt tierischer Nahrung? Alles kein Problem. Zudem kann ich sagen: die Mahlzeiten waren für meinen Gaumen stets sehr lecker und vor allem immer sehr gut bekömmlich. Wer da ein bisschen empfindlich ist, kann an dieser Stelle aufatmen. Einen kleinen Gruß und ein großes Dankeschön geht übrigens an dieser Stelle an die Köchin, die während unserer Reise tagsüber im Tag & Nacht Bistro Dienst hatte. Stets freundlich und gut gelaunt, was man beileibe nicht von all ihren Kollegen behaupten konnte. So manches Crew-Mitglied empfanden wir tatsächlich als ziemlich pampig. Komisch eigentlich, das waren wir so an Bord der Wohlfühlflotte nicht gewohnt. Zurück zu besagter Köchin: selbst wenn richtig Trubel herrschte, ließ sich die gute Frau nicht die Laune verderben. Und brachte, wenn es das Aufkommen der Gäste zugelassen hatte, die Burger, die man dort bestellen konnte, auch direkt zum Platz. Mit anderen Worten: die Dame hatte ein Verständnis von Service, das leider nicht all ihre Kollegen teilten. Auch im Tag & Nacht Bistro nicht, das uns im Verlaufe der Reise einen weiteren Grund für ein kritisches Feedback-Gespräch an der Rezeption lieferte. Sicherlich, um zwei Uhr morgens, wenn man aus Abtanzbar gestolpert kommt, kann schon mal die ein oder andere Speise gerade nicht mehr vorrätig sein. Einfach zu sagen, „ist aus“ und dann auf die kalten, pappigen Pommes und die paar traurigen Reste des Wiener Schnitzels zu verweisen, ist allerdings ein Unding. Nach unserem Dafürhalten dürfte dann seitens der Reederei nicht damit geworben werden, dass man im Tag & Nacht Bistro rund um die Uhr Essen bekäme. Schließlich heißt es ja auch deswegen so. Wartezeiten nimmt man sicher gerne in Kauf, noch dazu zu so früher Stunde, aber die Totalverweigerung wirft leider ein ganz schlechtes Licht auf die Herrschaften, die dort Dienst hatten. Ach ja, liebe Entscheidungsträger bei TUI Cruises, im Zusammenhang mit dem Tag & Nacht Bistro sei noch folgender Hinweis angebracht: es wäre mehr als hilfreich und wünschenswert, wenn im täglich in die Kabine gelieferten Tagesprogramm ein kleiner Hinweis untergebracht wäre, wann im Bistro das Angebot wechselt. Dass der Umbau wegen des Wechsels zwischen Frühstück und normalem Sortiment eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nimmt, ist kein Thema. So mancher Gast wüsste das nur vielleicht gerne, bevor er ins Bistro geht. Dies ist, wie alle anderen Dinge, die wir im Laufe der Reise anzukreiden hatten, zweifelsohne Jammern auf hohem Niveau. Für ein Schiff aber, das gerade erst im renommierten „Berlitz Cruising & Cruise Ships Guide“ in der Kategorie „Große Schiffe“ als bestes Schiff der Welt des Jahres 2016 ausgezeichnet wurde, eher eine schwache Kür. Insgesamt hat mich ihre ältere Schwester, die 3, die in diesem Guide in diesem Jahr den zweiten Platz belegt, mehr überzeugt. Dazu im Fazit zur Reise aber mehr.

Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist und auch die letzte Partybeschallung verklungen, wird es ziemlich schnell ziemlich überschaubar auf Deck. Eine gute Gelegenheit, sich an der Bar gleichen Namens noch einen Schlummifix zu gönnen und die Stimmung zu genießen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist und auch die letzte Partybeschallung verklungen, wird es ziemlich schnell ziemlich überschaubar auf Deck. Eine gute Gelegenheit, sich an der Bar gleichen Namens noch einen Schlummifix zu gönnen und die Stimmung zu genießen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Zwischendurch besuchten wir einen dieser Lektoren-Vorträge, die immer am Vortag vor dem nächsten Hafen angeboten wurden und die Gäste schon mal über Land und Leute informieren sollten. In gut einstündigen Vorträgen konnte man sich ziemlich gründlich und ausführlich erklären lassen, was die Besonderheiten von Geschichte und Kultur des folgenden Hafens waren. Dass diese Vorträge dabei einstweilen ein bisschen trocken ausgefallen waren, lag wohl schlicht in der Natur der Sache. Sollte Euer Schwerpunkt mehr auf einen hohen Informationsgehalt liegen und nicht auf purer Unterhaltung, dann lohnt es sich schon, diese Vorträge zu besuchen.

Für den Abend des ersten Seetages hatten wir uns etwas vorgenommen, das eigentlich schon bei der letzten Reise groß und breit auf dem Zettel stand, für das die Zeit dann aber doch nicht reichte: ein Besuch im Klanghaus! Viel Gutes hatten wir über diesen ganz besonderen Konzertsaal mit seiner ach so famosen Akustik gehört – es gab keinen Zweifel, dieses Mal mussten wir uns von dessen Qualitäten selbst überzeugen. Was wir auch taten. Wir statteten dem Humboldt-Streichquartett einen Besuch ab. Die beiden Damen und die beiden Herren spielten an diesem Abend ein paar ausgewählte Stücke klassischer Musik. Kein Wunder, „Perlen der klassischen Musik“ war ja auch das Thema. Über die Dauer von einer guten Dreiviertelstunde (inklusive einer kleinen Zugabe) erfüllten sie den Raum des Klanghauses mit ganz toller Streichmusik. Zwei Violinen, ein Cello, eine Bratsche – mehr brauchte es nicht, um das komplett besetzte Klanghaus mit Musik zu füllen. Was soll ich sagen – der Sound in dieser Bude ist tatsächlich so großartig, wie in der Werbung von TUI Cruises vollmundig versprochen. Wir waren von dem Klanghaus und dem Humboldt-Streichquartett so begeistert, dass wir im Verlaufe unserer Reise noch so manches Mal für die leider immer viel zu kurzen, dafür aber immer sehr vergnüglichen Konzerte ins Klanghaus wanderten. Dort mehr als einmal vorstellig zu werden lohnte sich schon alleine des wechselnden Programms wegen. An diesem Abend waren es klassische Stücke, an einem anderen Titelmelodien irgendwelcher Hollywoodfilme (so zum Beispiel die von „Der Pate“) oder Songs aus bekannten Musicals („Evita“). Solltet Ihr mal mit einem Schiff mit installiertem Klanghaus unterwegs sein – gönnt Euch ruhig mal diese Dreiviertelstunde. Das fetzt!

Das Humboldt Streichquartett war regelmäßig irgendwo an Bord zu hören. Zwei Violinen, eine Bratsche, ein Cello - und eine Tüte voller toller Melodien. Den meisten Eindruck hinterließen die Damen und Herren jedoch stets im Klanghaus, da dies mit seiner umwerfenden Akustik auch den passenden Rahmen dafür bot. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Das Humboldt Streichquartett war regelmäßig irgendwo an Bord zu hören. Zwei Violinen, eine Bratsche, ein Cello – und eine Tüte voller toller Melodien. Den meisten Eindruck hinterließen die Damen und Herren jedoch stets im Klanghaus, da dies mit seiner umwerfenden Akustik auch den passenden Rahmen dafür bot. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Fetzig ist übrigens auch immer wieder die Vorstellung der leitenden Offiziere, die stets am Abend des ersten Seetages im Theater stattfindet. Dort zogen wir nach dem Konzert im Klanghaus hin und wohnten der ziemlich witzigen Show bei, die Kapitän Jens Troier und seine Führungscrew dort veranstalteten. Ok, die machen da jetzt keinen riesigen Heckmeck, trotzdem sind die Sprüche und die Art und Weise, wie sich die Leute den Gästen gegenüber vorstellen, mitunter ganz witzig. So war es auch an diesem Abend. Irgendwie gehört es dazu, sich mal anzuschauen, wer die Verantwortung für die einzelnen Bereiche trägt und daher ist diese Offiziersvorstellung immer auch ein Pflichttermin für uns. Die nachfolgende Musical-Darstellung, eine Art Best-Of quer durch diverse populäre Musicals („Der König der Löwen“ zum Beispiel) sägten wir nach nur einem Song ab. Einerseits, weil die DarstellerInnen vor allem laut waren, zum anderen weil die Zwischenansagen so unfassbar schlecht und unlustig waren, dass wir vor Fremdscham im Teppich zerfließen wollten. Ein Phänomen übrigens, das sich bei mancher Comedy-Show wiederholte. Ein bisschen entsetzt fragten wir uns: wer nickt denn so was bitte ab?! In diesem Punkt ein anständiges Programm auf die Beine zu stellen, scheint für TUI Cruises ein echtes Problem zu sein. Bisher haben wir diesbezüglich noch nie eine gute Show gesehen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, vielleicht wird das ja noch was. Bei einer Reederei, die ständig musikbezogene Event-Reisen veranstaltet, klappt es ja vielleicht auch noch mal mit einem wirklich guten Bühnenprogramm.

Kapitän Jens Troier und der Rest der leitenden Offiziere. Hier bei der Offiziersvorstellung. Wann immer der Captain irgendwo in den öffentlichen Bereichen aufgetaucht ist - ganz gleich ob hier, bei der Crew-Show oder bei der Verlosung der Seekarte - stets erweckte er den Eindruck, Spaß an diesen Auftritten zu haben. Wenn ihm das mit der Seefahrt also irgendwann zu langweilig geworden sein sollte, spricht nichts gegen eine Karriere in der Entertainmentindustrie. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Kapitän Jens Troier und der Rest der leitenden Offiziere. Hier bei der Offiziersvorstellung. Wann immer der Captain irgendwo in den öffentlichen Bereichen aufgetaucht ist – ganz gleich ob hier, bei der Crew-Show oder bei der Verlosung der Seekarte – stets erweckte er den Eindruck, Spaß an diesen Auftritten zu haben. Wenn ihm das mit der Seefahrt also irgendwann zu langweilig geworden sein sollte, spricht nichts gegen eine Karriere in der Entertainmentindustrie. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

18.10.2016: Cádiz, Spanien

Na endlich, unser erster Hafen! Cádiz, im schönen Andalusien gelegen, behauptet von sich selbst ja ganz fröhlich, die älteste Stadt Westeuropas zu sein und wurde der Legende nach lockere 1100 Jahre vor Christus von Herakles gegründet. Die griechische Stadt Argos behauptet sogar, noch älter zu sein und in der Nähe der bulgarischen Stadt Pasardschik ist doch neulich auch irgendwas ausgebuddelt worden, was Hinweise auf eine noch ältere Siedlung lieferte. Es bleibt also spannend im Rennen um die älteste Stadt Europas, letztlich ist mir das aber ziemlich schnurz. Wir sind in Cádiz gelandet und das galt es nun zu erkunden. Im Gegensatz zur letzten gemeinsamen Tour hatten wir im Vorfeld keinerlei Landgänge durch TUI Cruises gebucht. Ein paar wurden es am Ende dann zwar schon, aber diese buchten wir jedoch erst im entsprechenden „Reisebüro“ an Bord des Schiffes.

Außerhalb seiner Stadtmauern ist Càdiz, die selbsternannte älteste Stadt Europas, nicht übermäßig spannend und erinnert mit seinen Wohnblöcken an Berlin Marzahn. Nur eben mit Strand und Sonne. Hinter dem städtischen Tore aber, da wird die Stadt richtig hübsch. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Außerhalb seiner Stadtmauern ist Càdiz, die selbsternannte älteste Stadt Europas, nicht übermäßig spannend und erinnert mit seinen Wohnblöcken an Berlin Marzahn. Nur eben mit Strand und Sonne. Hinter dem städtischen Tore aber, da wird die Stadt richtig hübsch. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Cádiz hingegen erkundeten wir auf eigene Faust. In Hafennähe hält so ein Hop On-/Hop Off-Bus, der einmal um die scheinbar wesentlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt herumkurvt. Bei Bedarf kann man an einer interessanten Stelle aussteigen, hier gucken und da, und dann später wieder einsteigen. Das ist mit 18 Euro pro Person preislich überschaubar – und vor allem günstiger als das, was an Bord durch TUI Cruises angeboten wurde. Es lohnt sich halt doch, eine Reiseverkehrskauffrau in den eigenen Reihen zu haben, die so manchen Trick und Kniff kennt. Lange warten mussten wir nicht, da kam der feuerrote Bus auch schon angerauscht. Das Wetter war schön – die Sonne stand schon senkrecht am Himmel, von Wolken weit und breit keine Spur, und das Thermometer hatte die 25 Grad auch schon hinter sich gelassen. Also setzten wir uns in den verdeckfreien oberen Teil des Busses. Im Preis inbegriffen: ein paar Wegwerf-Ohrhörer. Wer mochte, konnte sich während der Fahrt touristische Informationen in verschiedenen Sprachen ins Ohr säuseln lassen. Das war tatsächlich gar nicht verkehrt und definitiv besser als mancher „echte“ Tour-Guide, den wir im Verlaufe unserer Reise noch erleben sollten. Cádiz macht zunächst einen eher ernüchternden Eindruck. Einen traumhaften Strand gibt es dort, prima, aber in Strandnähe stehen doch ein paar eher mäßig schicke Hochhäuser herum, die mich an den Plattenbau in Berlin-Marzahn erinnerten. Dieser Eindruck änderte sich schlagartig, nachdem der Bus die Stadtmauer passierte hatte. Ganz plötzlich wähnten wir uns mittendrin in einer faszinierenden Mixtur aus einer typischen Mittelmeerstadt wie Nizza und etwas orientalischem. Letzterer Eindruck mag der goldenen Kuppel der neuen Kathedrale („Santa Cruz auf dem Meer“) geschuldet sein, die weithin sichtbar ist. An dieser Stelle verließen wir den Bus dann auch, um zu Fuß ein bisschen die Gegend rund um diese neue Kathedrale zu erkunden. Wie bei Landgängen im Rahmen einer Kreuzfahrt üblich, so reichte auch hier die Zeit für einen tieferen Eindruck von Land und Leuten nicht. Mehr als ein bisschen Kratzen an der Oberfläche ist es nie, aber es ist oft genug um eine Inspiration zu bekommen, wo man vielleicht unabhängig von einer Schiffsreise vielleicht noch mal Urlaub machen möchte. Oder eben nicht. Cádiz jedenfalls hat in den kleinen, mittelmeertypischen Gassen rund um die Kathedrale durchaus seinen Charme. Ob ich dort allerdings zwingend nochmals hinmüsste, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Auch jetzt, ein paar Tage nach meiner Rückkehr vom Schiff habe ich das Gefühl, von Cádiz nicht noch mehr gesehen haben zu müssen als in jenen paar Stunden. Jedenfalls nicht so lange, wie noch andere Orte auf der Karte der zu entdeckenden Orte dieser Welt noch freigerubbelt werden müssen.

Die neue Kathedrale ("Santa Cruz auf dem Meer") ist mit ihrer goldenen Kuppel im Prinzip von überall her sichtbar und ein ziemlich imposanter Bau, wenn man davor steht. Wanderer, kommst du dereinst nach Càdiz, schau dir das doch mal an. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die neue Kathedrale („Santa Cruz auf dem Meer“) ist mit ihrer goldenen Kuppel im Prinzip von überall her sichtbar und ein ziemlich imposanter Bau, wenn man davor steht. Wanderer, kommst du dereinst nach Càdiz, schau dir das doch mal an. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Von der neuen Kathedrale aus flanierten wir zurück Richtung Hafenpromenade, nur um dort nochmals den roten Bus zu besteigen und damit noch ein bisschen durch Cádiz kutschiert zu werden. Eine weitere halbe Stunde später wurden wir in der Nähe des Hafens zum Aussteigen gebeten. Auf weitere Erkundungen hatten wir einerseits keine wirkliche Lust mehr – die Aktion hatte insgesamt schließlich mehr Stunden verbraucht, als es in meinem Erzählen hier vielleicht den Anschein erwecken mag. Andererseits war es aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit ohnehin so langsam erforderlich, zum Schiff zurückzukehren. So ein Kreuzfahrtschiff liegt schließlich nicht ewig im Hafen; bei TUI Cruises ist das meist bis 18 Uhr, so wie in diesem Fall auch. Was bedeutet, dass man als Gast bis allerspätestens 17.30 Uhr zurück zu sein hat. Andernfalls… Pech gehabt! Das Schiff wartet nicht auf Bummler.

Auf dem Weg zurück zur Strandpromenade. Die Temperaturen lagen übrigens bei jenseits der 30 Grad. Wir beglückwünschten uns einmal mehr dazu, ausschließlich schwarze Klamotten zu tragen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Auf dem Weg zurück zur Strandpromenade. Die Temperaturen lagen übrigens bei jenseits der 30 Grad. Wir beglückwünschten uns einmal mehr dazu, ausschließlich schwarze Klamotten zu tragen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Zurück an Bord folgten wir dem üblichen Programm aus Essen, Trinken und später ein bisschen Feiern.


19.10.2016: Seetag II

Direkt nach dem ersten Hafen folgte schon der zweite Seetag. Eigentlich ganz cool, weil Landgänge durchaus stressig sein können und man durch diese Zwangsentschleunigung die Gelegenheit bekommt, ein paar Gänge runterzuschalten und sich tatsächlich mal dem Urlaub hinzugeben. Was wir auch taten. Wir vertrödelten die Zeit mal hier und mal da. Größtes Highlight dieses Tages: ein Besuch in der Café Lounge, ausprobieren der köstlichen Heißgetränke inklusive. Genau sagen kann ich es nicht mehr, bilde mir aber ein, dass das beim letzten Mal aus zeitlichen Gründen ebenfalls dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Wir hatten auf dieser Fahrt vier Seetage, bei der letzten nur zwei und demnach ungleich viel mehr Zeit, die Dinge nachzuholen, die uns noch interessierten. So wie eben in aller Seelenruhe in der Café Lounge abzuhängen und sich von wirklich köstlichen Kaffee- oder Teesorten den Gaumen verwöhnen zu lassen. Die Spezialitäten, die hier angeboten werden, kosten extra. Allerdings muss ich klar sagen: es lohnt sich und wenigstens einmal kann man sich da schon mal einen Café Créole, eine Tasse weißer Schokolade oder ein Kännchen Intensitea gönnen. So viel übrigens zum Thema Geldausgeben an Bord. In der Café Lounge werden übrigens auch Workshops abgehalten, wo sich Interessierte rund um das Thema Kaffee informieren können. Ich vermute beinahe, dass wir auch bei der nächsten Fahrt hier allerdings durch Abwesenheit glänzen werden. Entgegen aller Vorurteile ist es nämlich jedem Gast gänzlich freigestellt, was er/sie wann, wie, wo, in welchem Tempo und ob überhaupt unternimmt. Zwangs- und Dauerbespaßung, gerne genannte Vorurteile von Leuten, die noch nie eine Kreuzfahrt unternommen haben, gibt es nämlich nicht. Die einzige Veranstaltung, an der wirklich jeder Gast teilnehmen muss, ist die Seenotrettungsübung. Das lässt sich gut verkraften, denke ich.

Die Café Lounge auf Deck 4 ist jetzt grün und nicht mehr orange. Ein ziemlich gemütlches Fleckchen an Bord des Schiffes, wo man sich köstliche Heißgetränke gönnen und die Seele baumeln lassen kann, ist es aber nach wie vor. Auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, es hier nach wie vor mit einem Geheimtipp zu tun zu haben. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die Café Lounge auf Deck 4 ist jetzt grün und nicht mehr orange. Ein ziemlich gemütlches Fleckchen an Bord des Schiffes, wo man sich köstliche Heißgetränke gönnen und die Seele baumeln lassen kann, ist es aber noch immer. Auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, es hier nach wie vor mit einem Geheimtipp zu tun zu haben. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

20.10.2016: Puerto del Rosario, Fuerteventura

Mittelmeer mit Kanaren“, so taufte TUI Cruises die Route, auf der wir uns hier befanden. Das Mittelmeer hatten wir inzwischen hinter uns gelassen, die Straße von Gibraltar demnach passiert, und befanden uns nunmehr im Atlantik und in einer anderen Zeitzone. Die erste kanarische Insel, die unser Schiff ansteuerte, war Fuerteventura und dort dessen Hauptstadt, Puerto del Rosario. Klingt ja irgendwie poetisch. Abermals verzichteten wir darauf, ein von TUI Cruises angebotenes Programm bzw. eine Tour zu buchen und entschieden uns, die Gegend rund um den Hafen erneut auf eigene Faust zu erkunden. Puerto del Rosario ist gleichzeitig auch der Name einer der Gemeinden dieser Insel, mit 28.500 Einwohner definitiv die Größte. Demnach ist die Gegend rund um den Hafen auch ziemlich urban. Allerdings hätten wir entweder viel früher oder viel später das Schiff verlassen müssen. Als wir nämlich durch die Gegend tingelten, war auf den Straßen schon nicht mehr so fürchterlich viel los. Hitze und so. Wir zogen vom Hafen aus vorbei an der Polizei, bestaunten die hübsche Kirche Nuestra Señora del Rosario und landeten irgendwann beim Las Rotondas Centro Comercial, dem örtlichen Einkaufszentrum. Gefundenes Fressen für die Damen, die sich über die Möglichkeit des Shoppings freuten. Ich hingegen staunte mehr, welchen Stellenwert Halloween auf der Insel zu haben schien. Viele ansässige Geschäfte boten nicht nur entsprechende Artikel in ihrem Sortiment an, sondern waren – ähnlich wie das Center selbst – auch entsprechend dekoriert. Dafür, dass sich meine Ecke der Welt im Wesentlichen darauf beschränkt, zu Halloween allenfalls ein paar mäßige Parties zu veranstalten, staunte ich nicht schlecht über das Gewese, was dort deswegen veranstaltet wurde! Gefühlte 45 Stunden später verließen wir das Center dann wieder und schlossen unsere Runde zurück in Richtung Hafen ab, vorbei am Strand Playa Chica. Ganz in der Nähe des Hafens ist eine kleine Holzbrücke, die so, für sich und aus der Ferne betrachtet, eigentlich ganz hübsch ist. Dichter rangehen sollte man allerdings nicht, denn es stinkt ziemlich abartig nach Ausscheidungen des menschlichen Körpers aller Art. Und dreckig ist es. Wenn Ihr mal wirklich gar nichts zu tun habt, könnt Ihr ja mal die unzähligen Kippenreste zählen, die sich dort auf dem kargen Strandboden verteilen. Wir sprechen uns dann in ein paar Monaten wieder.

Fuerteventura, speziell Puerto del Rosario, ist schon ganz hübsch. Die paar Stunden, die wir zum Erkunden der Insel zur Verfügung hatten, reichten aber eigentlich auch. Für wen Urlaub speziell aus Baden und ähnlichen Aktivitäten bestehen muss, der wird hier sicher glücklich. Zu Entdecken gibt es nicht so sonderlich viel, zudem sind andere kanarische Inseln schlicht und ergreifend spannender. Madeira zum Beispiel oder eben Lanzarote, wo wir als nächstes anhalten würden. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Fuerteventura, speziell Puerto del Rosario, ist schon ganz hübsch. Die paar Stunden, die wir zum Erkunden der Insel zur Verfügung hatten, reichten aber eigentlich auch. Für wen Urlaub speziell aus Baden und ähnlichen Aktivitäten bestehen muss, der wird hier sicher glücklich. Zu Entdecken gibt es nicht so sonderlich viel, zudem sind andere kanarische Inseln schlicht und ergreifend spannender. Lanzarote zum Beispiel, wo wir als nächstes anhalten würden. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Ich weiß nicht, ob mein Fazit bezüglich Fuerteventura ein anderes wäre, wenn wir uns für eine der Touren durch TUI Cruises entschieden hätten. Zur Auswahl standen unter anderem beispielsweise eine Katamaranfahrt vor der Insel oder mit dem Geländewagen drüber brettern (alternativ mit Quad oder Buggy), Wandern durch die Vulkanlandschaft der Insel oder Schnupperkurs in Sachen Tauchen. Da wir andere kanarische Inseln bereits vorher kannten, wurde es bekanntlich weder das eine noch das andere und somit bleibt am Ende: war ganz hübsch hier, aber ähnlich wie Cádiz müsste ich hier nicht noch mal hin. Das Sonnenanbeter-Gen, das dazu führt, stundenlang in der Sonne zu liegen und knusprig zu braten, das fehlt mir dann doch ganz eindeutig. Meinen Mitstreitern ging es ähnlich. Eine Weile ja, einen ganzen Urlaub hier… hm.

Zurück an Bord verbrachten wir die Zeit bis zum Auslaufen mit dem üblichen Programm aus Essen und Trinken. Der nächste Halt würde Lanzarote sein. Noch an diesem Abend. Dem Vernehmen nach die deutlich spannendere der kanarischen Inseln, die wir im Verlaufe dieser Reise ansteuerten. Na mal gucken. Ab 22 Uhr Ortszeit würden wir diesbezüglich sicher schlauer geworden sein.

Wir sehen hier Fuerteventura in der Abendsonne verschwinden, während sich die Mein Schiff 4 auf der kurzen Überfahrt nach Lanzarote befindet. Vorbei an der unbewohnten Insel Lobos. Das ist alles so dicht beieinander, dass kurz das Gefühl aufkommt, man könnte von Insel zu Insel hüpfen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Wir sehen hier Fuerteventura in der Abendsonne verschwinden, während sich die Mein Schiff 4 auf der kurzen Überfahrt nach Lanzarote befindet. Vorbei an der unbewohnten Insel Lobos. Das ist alles so dicht beieinander, dass kurz das Gefühl aufkommt, man könnte von Insel zu Insel hüpfen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

20. / 21.10.2016: Arrecife, Lanzarote

Die Überfahrt von Fuerteventura nach Lanzarote dauerte gerade mal zwei Stunden. Kein Wunder, Fuerteventura ist der nördlichsten der kanarischen Inseln so dicht, dass man gefühlt bis rüber spucken könnte – selbst noch über die zwischengelagerte, unbewohnte Insel Lobos. Im malerischen Sonnenuntergang schob sich die Mein Schiff 4 durch das ruhige Gewässer, um dann, gegen 22 Uhr, im Hafen von Arrecife längsseits zu gehen, wie Kapitän Troier immer zu sagen pflegte. Als das passierte, war die Nacht bereits hereingebrochen. Somit war an einen Blick auf die Insel vom Balkon oder vom Pooldeck aus nicht zu denken. Viel mehr als ein paar orange leuchtende Lichter waren nicht zu sehen. Oh und dann war da noch dieses nervtötende Baggerschiff, das scheinbar gerade zur Nachtschicht angefahren war. Ohne ersichtlichen Grund oder ohne ein bestimmtes Muster fuhr es mal hier hin, mal dorthin, hob ein bisschen Sand und Schlamm aus dem Hafenbecken und zuckelte dann zum nächsten Baggerloch weiter – nur um wenig später wieder an der ursprünglichen Position zu baggern. Wäre ja kein Problem gewesen, wenn dieses Teil nicht einen tierischen Lärm verursacht hätte, der uns die ganze Nacht selbst durch die geschlossene Balkontür hindurch begleitete. Hätten die nicht an einem anderen Tag mit ihren wie auch immer gearteten Baumaßnahmen anfangen können? Narf. Aber naja, irgendwas ist bekanntlich immer. Nachdem die Gangway ausgefahren war, beschlossen Mick und ich zwischen zwei Bloody Marys, kurz mal vor die Türe zu gehen und den Kahn von außen zu fotografieren. Immerhin war es auch die einzige Möglichkeit dieser Reise, mal ein paar Fotos von der Mein Schiff 4 bei Nacht zu erhaschen. Als meine Füße den Hafenboden berührten dachte ich noch, och, schau mal wie schön dieses Muster hier ist. Das änderte sich schlagartig als ich feststellte, dass das gar kein Muster war. Naja, jedenfalls kein von Menschenhand geschaffenes, sondern eher eins von der hinteren Auswurfluke zahlloser Möwen. Meine Fresse, so viel Vogelgeschiss auf dem kurzen Meter Pier! Da hätte die örtliche Stadtreinigung ja ruhig mal mit dem Kärcher drübergehen können, ein bisschen eklig ist das schließlich schon. Wenn man nicht auf Stelzen läuft gibt es nämlich definitiv keine Chance, nicht durch den (wenn auch inzwischen vertrockneten) Vogelgeschiss zu latschen. Nun ja. Irgendwas ist ja immer. Jedenfalls machten wir unsere Fotos und kehrten dann auf’s Schiff zurück.

Es ist nicht Mordor und im Hintergrund sehen wir auch nicht den Schicksalsberg. Viel mehr befinden wir uns hier inmitten des Timanfaya Nationalparks auf Lanzarote und bestaunen die schroffe Schönheit dieser vulkanischen Landschaft. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Es ist nicht Mordor und im Hintergrund sehen wir auch nicht den Schicksalsberg. Viel mehr befinden wir uns hier inmitten des Timanfaya Nationalparks auf Lanzarote und bestaunen die schroffe Schönheit dieser vulkanischen Landschaft. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Lanzarote war übrigens auch die erste Station, bei der wir uns für eine geführte Tour entschieden haben. „Zwischen Lavaströmen und Vulkanen“ hieß sie und wurde von TUI Cruises wie folgt beworben:

Nach einer ca. 40-minütigen Busfahrt erreichen Sie den Timanfaya Nationalpark. Das Gebiet aus Lavaströmen, Vulkanen und Kratern entstand vor ca. 250 Jahren und noch heute brodelt und kocht es unter der Oberfläche. Mit dem Bus fahren Sie über die Kraterroute und erleben die Lavalandschaft hautnah. Anschließend haben Sie die Möglichkeit, an einem unterhaltsamen 20-minütigen Kamelritt teilzunehmen. Auf Ihrem Weg zurück zum Schiff durchqueren Sie das Weinanbaugebiet La Geria: Die Landschaft beeindruckt mit kleinen Steinmauern und leuchtend grünen Reben in tiefschwarzer Lavaerde. Zum Abschluss probieren Sie einen Schluck des berühmten lanzarotischen Weins.

So weit das Auge reicht, sieht man auf Lanzarote.. nix. Nur felsige, karge Vulkanlandschaft in verschiedenen Braun-, Grau- und Sandtönen. Ab und zu mal ein paar kleinere Sträucher und man fragt sich willkürlich, was dieses Gestrüpp wohl dazu bewegt haben muss, ausgerechnet dort wachsen zu wollen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
So weit das Auge reicht, sieht man auf Lanzarote.. nix. Nur felsige, karge Vulkanlandschaft in verschiedenen Braun-, Grau- und Sandtönen. Ab und zu mal ein paar kleinere Sträucher und man fragt sich willkürlich, was dieses Gestrüpp wohl dazu bewegt haben mochte, ausgerechnet dort wachsen zu wollen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Was auch immer Ihr für Vorstellungen habt, die Euch beim Begriff Nationalpark durch den Kopp gehen: Lanzarote ist eine sehr karge Insel – überspitzt ausgedrückt eine Ansammlung aus Vulkanen und erloschenem Vulkangestein, ohne großartige Vegetation, dafür ein bisschen an Mordor erinnernd. Demnach fühlt man sich im Timanfaya Nationalpark auch eher wie auf einem anderen Planeten. Wenn da nicht diese Kamele wären, die direkt an der Bushaltestelle auf kamelbegeisterungsfähige Touristen warteten. So ein Glück, dass der Ritt mit diesen Viechern optional war. Wir verzichteten alle vier dankend und stöberten lieber so ein bisschen in der Gegend herum. Übrigens: wenn Ihr allzu professionell wirkendes Foto-Equipment mit in diesen Nationalpark schleppt, rechnet damit, dass Ihr vom dortigen Personal zur Kasse gebeten werdet und eine Fotolizenz erwerben müsst. Ein paar Taler zusätzlich verdienen für die Genehmigung, mit einer teuren Spiegelreflex ein paar Steine zu fotografieren – pfiffige Geschäftsidee, das muss man den Leuten dort lassen!

Nachdem sich alle wieder beim Bus eingefunden hatten, ging es weiter die Berge hinauf. Weiter zu dem, was die Tour-Guides spitzfindig Aktivität nannten. Auf Höhe des El Diablo Restaurants konnten wir Zeuge dreier kleinerer Experimente werden. Das erste war, ein paar warme Steinchen in die Hand gedrückt zu bekommen. Hiermit sollte demonstriert werden, dass die vulkanische Aktivät der Insel nach wie vor für ordentlich Hitze unter dem Kessel sorgt. Aber was soll ich sagen… Steine sind Steine. Beim Experiment Nummer zwei wurde irgendwelches Stroh in eine vulkanische Vertiefung im Boden geschaufelt, um dadurch ein bisschen Feuer zu entfachen. Vor allem hat das ganz schön gestunken, ansonsten war das auch eher so meh. Nummer drei hingegen war schon wieder witzig. Schütte doch einfach mal einen Eimer Wasser in so ein unscheinbares Loch im Boden – et voilà, fertig ist ein lupenreiner Geysir. Als die Wasserfontäne in Richtung Himmel schoss, zog aber so mancher Zuschauer unwillkürlich den Kopp ein.

Lanzarote nicht zu mögen ist eigentlich nicht möglich, viel zu faszinierend ist der landschaftliche Minimalismus dort. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Lanzarote nicht zu mögen ist eigentlich nicht möglich, viel zu faszinierend ist der landschaftliche Minimalismus dort. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Im Anschluss daran ging es weiter zu dem erwähnten Weingut. Bodega La Geria. Endlich Alkohol! Allerdings: wenn TUI Cruises in der Beschreibung schreibt, es gäbe einen Schluck zur Probe, dann ist das wörtlich zu nehmen. Unwesentlich mehr als einen Fingerhut konnte man probieren, wahlweise weißen oder roten Wein. Jeder weitere Fingerhut wollte mit einem Euro fünfzig vergütet werden. Echt ganz schön geschäftstüchtig, diese Leute da auf Lanzarote! Aber der Tropfen war edel genug, dass innerhalb unserer Reisegruppe ein paar Flaschen ins Gepäck wanderten. Als Mitbringsel, aber auch zum Eigenbedarf. Wesentlich interessanter als diesen Kaffeefahrt zum Alkoholerwerb ist allerdings die Landschaft rund um die Bodega. Spätestens hier und jetzt hatte uns Lanzarote mit seiner schroffen, ganz eigentümlichen und irgendwie unwirklichen Schönheit abgeholt. Von den Ecken, die wir gesehen haben, machte diese Insel einen wesentlich natürlicheren, naturbelasseneren und unkommerzielleren Eindruck als so ziemlich jede andere ihrer kanarischen Schwestern, die wir vor oder während dieser Reise gesehen hatten. Gut möglich, dass Lanzarote ein Ziel der Wahl ist, wenn es darum geht, fernab des normalen Alltags mal die Seele baumeln zu lassen. Da kann man definitiv mal gewesen sein, gewiss auch mehr als einmal.

In der Gegend rund um das Weingut Bodega La Geria wird der Anblick nur noch skurriler und man wähnt sich noch mehr mitten in der Kulisse für einen Science-Fiction-Film.
In der Gegend rund um das Weingut Bodega La Geria wird der Anblick nur noch skurriler und man wähnt sich noch mehr mitten in der Kulisse für einen Science-Fiction-Film.

Für den Abend hatten wir uns etwas ganz verrücktes ausgedacht: irgendwo in eine der Bars hocken und ein Gesellschaftsspiel spielen! Ernsthaft jetzt. In die Auswahl kamen Monopoly, was leider an Bord nicht verfügbar war, und ein Kartenspiel. Und so wurde es das. Freud und Glück sind bekanntlich auf der Seite der Narren, somit konnten wir erfreut feststellen, dass das Rondell inmitten der Waterkant Bar gerade nicht belegt war. Der Platz war in den folgenden Stunden unser. Das war schon ziemlich chillig, dort zu sitzen, Karten zu kloppen und lecker Cocktails zu schlürfen. Wobei… lecker waren die nicht. Was auch immer dort an diesem Abend schiefgelaufen ist, aber meine Bloody Mary beispielsweise war eine totale Katastrophe. Da muss gerade so viel Tomatensaft drin gewesen sein, dass sich das Zeug rot färbte – ansonsten scheinbar bis obenhin voll mit Vodka. Bei dem ohnehin schummrigen, eher rötlichen Licht innerhalb des Rondells keine Schwierigkeit. Wir mussten direkt noch mal ein ganzes Glas Tomatensaft kommen lassen, damit das genießbar wurde. Warum ich das nicht habe zurückgehen oder stehen lassen? Nun, ich wurde noch so erzogen, dass man nichts wegwirft, wenn es nicht sein muss. Das Personal in der Waterkant überschlug sich aber ohnehin nicht durch Eifer oder Freundlichkeit. Die können jedenfalls nicht an Bord gewesen sein, als die Mein Schiff 4 auf Herz und Nieren für den weiter oben erwähnten Award getestet wurde. Genauso übrigens die Damen und Herren oben an der Überschaubar auf dem Pooldeck. Da hatten wir kurz vor Feierabend vier Vodka Lemon bestellt. Dafür, dass nicht mehr so fürchterlich viel Andrang herrschte – also bis auf uns eigentlich niemand mehr – dauerte das ganz schön lange. Und dann wurden es vier Vodka Cola, anstelle der bestellten Vodka Lemon. Die Reklamation wurde dann kurzerhand von der Dame, die noch Dienst hatte, abgeschmettert mit den Worten, dass die Bar jetzt geschlossen sei. TUI Cruises wirbt für sich selbst mit dem Slogan „Die Wohlfühlflotte, die aus Gästen Fans macht“. Hm. Wenn wir nicht schon Fans wären – nach so einer Aktion (summiert mit den diversen anderen Kleinigkeiten) würden wir es wohl nicht mehr werden.

Allerdings muss fairerweise auch gesagt werden: das sind Einzelfälle. Der allergrößte Teil der Besatzung, mit dem wir es persönlich zu tun hatten, machte einen ganz hervorragenden Job und war stets freundlich, zuvorkommend und lebte den von ihrem Brötchengeber geforderten Service-Gedanken. Als Beispiel möchte ich hier Steffi erwähnen, die in der TUI Bar arbeitete und erst seit wenigen Wochen Teil des Teams war. Ihr ist es zu verdanken, dass die Herren AVALOST einmal mehr ihre Extrawurst gebraten bekamen. Zur Erinnerung: letztes Mal waren es Kumquats, die fehlten, um einen bestimmten Gin-Cocktail zubereiten zu können. Da wurde sich die ganze Woche lang abgemüht, diese Früchtchen zu besorgen und am letzten Abend hatte es geklappt. Nicht, dass wir das in irgendeiner Form gewünscht, gefordert oder gehofft hätten. Tatsächlich war der Name des Cocktails nur einmal in einem kurzen Gespräch mit der Barkeeperin gefallen. Es war uns schon fast unangenehm, wie sie sich damals reinkniete – und am letzten Abend an Bord hatte es dann tatsächlich geklappt. Gefreut haben wir uns sehr und uns entsprechend erkenntlich gezeigt. Dieses Mal kam bei uns die Frage auf, ob man den Hauswein, der ja durchaus abgefüllt in Flaschen an den Bars herumsteht, auch irgendwie käuflich erwerben könnte. Es dauerte ein, zwei Tage – schließlich musste erst auf der Kasse eine entsprechende Taste angelegt werden – und dann konnten wir den Hauswein für 14,50 € pro Flasche mitnehmen. Daher an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Steffi, die sich darum gekümmert hatte. Aktionen wie diese sind es, die mich dann doch wieder glauben lassen, dass die Auszeichnung „Schiff des Jahres“ durchaus gerechtfertigt sind. Tolle Sache!

Es muss ja nicht immer Bingo, Shuffle-Bord oder die Abtanzbar sein. Man kann ja auch einfach mal ganz gemütlich ein paar Karten kloppen und sich den ein oder anderen Cocktail genehmigen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Es muss ja nicht immer Bingo, Shuffle-Bord oder die Abtanzbar sein. Man kann ja auch einfach mal ganz gemütlich ein paar Karten kloppen und sich den ein oder anderen Cocktail genehmigen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

22.10.2016: Agadir, Marokko

So langsam kommen wir zu den spannenden Häfen. Wobei der Anblick, der sich morgens vom Balkon unserer Kabine her bot, eher ernüchternd war. Scheinbar mitten in einem Industriehafen, der zudem gerade Baustelle war, mit vier Kränen vor der Nase – schön ist definitiv was anderes. Zudem war das Wetter zunächst auch eher mau in grau. Die Mädels hatten beschlossen, einen Wellness-Tag einzulegen und den Spa-Bereich zu erkunden. Mick und ich waren zunächst noch ein bisschen unschlüssig, entschieden uns dann spontan aber dazu, die Tour „Abendliches Agadir“ mitzumachen. Wie sich herausstellen sollte, eine weise Entscheidung. Denn Agadir ist echt toll!

Wenn einen, so wie hier in Agadir, direkt zu Beginn eine solche Aussicht begrüßt, kann die Lust auf Entdeckungen schon mal im Hafenbecken absaufen. Allerdings wäre es fatal gewesen, wenn wir nicht einen Rettungsring hinterher geworfen hätten. Denn Agadir entpuppte sich nicht nur als DIE Überraschung, sondern auch als ganz tolle und sehenswerte Stadt. Und zudem: so oft kommt man nun wirklich nicht nach Afrika. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Wenn einen, so wie hier in Agadir, direkt zu Beginn eine solche Aussicht begrüßt, kann die Lust auf Entdeckungen schon mal im Hafenbecken absaufen. Allerdings wäre es fatal gewesen, wenn wir nicht einen Rettungsring hinterher geworfen hätten. Denn Agadir entpuppte sich nicht nur als DIE Überraschung, sondern auch als ganz tolle und sehenswerte Stadt. Und zudem: so oft kommt man nun wirklich nicht nach Afrika. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Viertel vor fünf Uhr am Nachmittag ging es los. Hach, irgendwie war das ja schon aufregend, das erste Mal im Leben auf afrikanischem Boden zu stehen! Der Bus gurkte uns den Berg hoch zur Festung Kasbah. Oder besser: dem, was von der im 16. Jahrhundert erbauten Festungsanlage noch übrig geblieben ist, nachdem am 29. Februar 1960 ein Erdbeben Agadir nahezu vollständig zerstörte! Von dort aus hat man einen traumhaften Blick über das Hohe Atlas-Gebirge, auf den Hafen sowie auf die Stadt, die mit Hilfe vieler Nationen wieder aufgebaut wurde. Vielleicht war es dieses Erdbeben in den 1960ern, das Agadir zu einer sehr modernen, sehr liberalen Metropole machte. Wenn Ihr dort oben steht und die Aussicht genießt, passt auf, dass Euch nicht versehentlich wieder Kamele vor die Linse rennen. Ähnlich wie die Spanier sind auch die Marokkaner scheinbar sehr geschäftstüchtig und verlangen fünf Euro (oder den entsprechenden Gegenwert in der lokalen Währung Dirham) von Euch. Kudos gehen an dieser Stelle übrigens raus an unseren Tour-Guide. Leider habe ich seinen Namen nicht richtig verstehen können, Hasisi oder so ähnlich. Jedenfalls war das ein ganz großartiger Typ. Nicht nur, dass er vor Wissen nur so überzusprudeln schien, er hatte auch ein Talent dafür, dieses unterhaltsam weiterzugeben. In unserer persönlichen Liste der Tour-Guides, die wir auf unseren Reisen erlebt haben, ist der Mann ganz vorne mit dabei.

Rechts stehen die Reste der Kasbah. Das ist alles, was nach dem verheerenden Erdbeben im Februar 1960 von Agadir übrig geblieben ist. Von das Kasbah aus bietet sich ein ganz wunderbarer Blick über den Strand und den Hafen, über die Stadt sowie das Atlas-Gebirge. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Rechts stehen die Reste der Kasbah. Das ist alles, was nach dem verheerenden Erdbeben im Februar 1960 von Agadir übrig geblieben ist. Von das Kasbah aus bietet sich ein ganz wunderbarer Blick auf den Strand und den Hafen, die Stadt sowie das Atlas-Gebirge. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Nachdem wir die Kasbah ausführlich bestaunt hatten, ging es mit dem Bus hinab in die Stadt zur Uferpromenade. Auf teilweise ziemlich abenteuerlichen Wegen. Alleine schon der gefahrenen Route wegen hat sich diese Tour am Ende bezahlt gemacht. Zwischendurch hielten wir in der Kennedy-Allee, um die hübsche Moschee Mohammed V zu bestaunen. Wie aus Tausend und einer Nacht wirkt sie, steht da und überstrahlt die anderen Gebäude, die in ihrem manchmal heruntergekommenen 60er Jahre Charme beinahe ärmlich wirken. Dabei ist die Moschee selbst ja nicht viel älter, denn auch sie wurde erst im Rahmen des Wiederaufbaus der Stadt Agadir in den 60ern errichtet. So wie Agadir selbst kann man sich das definitiv mal angesehen haben. Weiter ging es nun aber wirklich zur Uferpromenade und dort zum Riesenrad, das am Strand thront und von dem sich ebenfalls eine ganz fantastische Aussicht bietet. Zum Beispiel auf den Berg der Kasbah, auf dem ab der Dämmerung der Wahlspruch Marokkos, „Gott, Vaterland, König“, dem Meer entgegen leuchten und der noch weithin sichtbar ist.

Das Riesenrad am Strand von Agadir. Auch von hier hat man einen ganz famosen Blick über die Stadt. Tagsüber bleibt das Ding übrigens geschlossen und wird erst ab Einsetzen der Dämmerung in Betrieb genommen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Das Riesenrad am Strand von Agadir. Auch von hier hat man einen ganz famosen Blick über die Stadt. Tagsüber bleibt das Ding übrigens geschlossen und wird erst ab Einsetzen der Dämmerung in Betrieb genommen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wir fühlten uns auf dieser von Menschen übersäten Straße ein bisschen wie auf einem Straßenfest. Die zahlreichen Cafés und Restaurants waren oft bis auf den letzten Platz besetzt. Vielleicht lag es daran, dass wir an einem Samstagabend über die Promenade flanierten, vielleicht auch einfach daran, dass am Strand vor der Kasbah an diesem Abend ein Musikfestival veranstaltet wurde. Die Inhalte der Musik verstanden wir nicht, das Gewummer der Bässe, die uns noch knapp einen Kilometer entfernt ganz angenehm das Trommelfell massierten, hingegen schon. Etwa eine Stunde Zeit hatten wir, um die Promenade auf eigene Faust zu erkunden. Was wir auch taten. Der Sonnenuntergang, der sich nahe der Kasbah bot, war vielleicht schon ein bisschen zu angeberisch, ansonsten aber ganz sensationell! Geschwind war der Tag der Nacht gewichen und Leuchtreklamen und Neonlichter bestimmten das Bild. Ein bisschen unwirklich wirkte das alles. Die Zahl der Passanten, die jetzt durch die hereingebrochene Nacht huschten, schien eher noch zugenommen zu haben. Leider mussten wir irgendwann zum Bus zurück, geblieben wären wir definitiv gerne noch länger.

Der Sonnenuntergang über Agadir wollte ganz offensichtlich Eindruck schinden. Ich würde behaupten wollen, dass ihm das hervorragend gelungen ist. Auch wenn er ein bisschen angegeben hat. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Der Sonnenuntergang über Agadir wollte ganz offensichtlich Eindruck schinden. Ich würde behaupten wollen, dass ihm das hervorragend gelungen ist. Auch wenn er ein bisschen angegeben hat. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Das ist das schöne an einer Kreuzfahrt: man kann bequem mal gucken, wo auf der Welt es einem gefällt. Hatte ich ja schon angesprochen. Agadir ist und bleibt der heimliche Star und die größte Überraschung dieser Reise. Bei Gelegenheit werde ich mit Sicherheit zurückkehren, dann aber mit mehr als nur ein paar wenigen Stunden Zeit im Gepäck. Bin mir sicher, Hasisi (oder wie er hieß), ist an der Begeisterung für Agadir nicht ganz unschuldig. Zum Abschluss dieses gelungenen Tages gönnten wir uns noch ein Heißgetränk in der Café Lounge. Wenn dort nur noch schummriges, warmes Licht herrscht und jemand am dortigen Klavier klimpert, dann hat dieser Teil des Schiffes definitiv das Potential dazu, zu einem heimlichen Lieblingsort zu werden, an dem man abends gerne mal ein Stündchen verbringt.

An der Hafenpromenade nach Sonnenuntergang. Vielleicht lag es daran, dass es sich um einen Samstagabend handelte, vielleicht daran, dass am Strand an diesem Abend ein Musikfestival stattgefunden hatte, vielleicht ist das auch einfach immer so dort - es herrschte noch sehr lebhafte Betriebsamkeit dort. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
An der Hafenpromenade nach Sonnenuntergang. Vielleicht lag es daran, dass es sich um einen Samstagabend handelte, vielleicht daran, dass am Strand an diesem Abend ein Musikfestival stattgefunden hatte, vielleicht ist das auch einfach immer so dort – es herrschte noch sehr lebhafte Betriebsamkeit. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

23.10.2016: Seetag III

Das größte Highlight dieses dritten Seetages war wohl der Besuch beim Bord-Bingo und irgendwann abends das gemeinsame Abendessen im Atlantik – Mediterran auf Deck 4. Ansonsten herrschte eigenwilliges Wetter über dem Nordatlantik, während sich die Mein Schiff 4 bei Wellen in Höhe von etwa fünf Metern Gibraltar und damit wieder dem Mittelmeer annäherte. Zunächst schien es ein freundlicher, sonniger Tag zu werden, doch schon ganz bald wirkte es, als hätten Himmel und Horizont über sowie das Meer unter uns alle Farben verloren. Es regnete, war aber windstill, was angesichts des leichten Geschaukels irgendwie skurril zu beobachten war. Das Schiff hob und senkte sich sanft über die Dünung, Wellen tänzelten drum herum und der Regen fiel in geraden Strichen auf das Deck. Ein guter Tag, um mal bisschen in einem Buch zu lesen oder anderweitig die Seele einfach baumeln zu lassen und nichts zu tun. Es ist ja schließlich eine Urlaubsreise, nicht wahr?

Bei diesem Foto könnte man denken, hier wären die Farben manipuliert worden. Sind sie nicht. Die Szenerie auf dem Atlantik war an jenem Tage tatsächlich so spärlich eingefärbt. Es herrschte eine ganz eigenwillige Stimmung auf dem Wasser. Diesig war es zudem auch. Ab und zu schob sich auf unserem Weg in Richtung Gibraltar ein anderes Schiff kurz aus dem Dunst hervor, nur um direkt wieder darin zu verschwinden. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Bei diesem Foto könnte man denken, hier wären die Farben manipuliert worden. Sind sie nicht. Die Szenerie auf dem Atlantik war an jenem Tage tatsächlich so spärlich eingefärbt. Es herrschte eine ganz eigenwillige Stimmung auf dem Wasser. Diesig war es zudem auch. Ab und zu schob sich auf unserem Weg in Richtung Gibraltar ein anderes Schiff kurz aus dem Dunst hervor, nur um direkt wieder darin zu verschwinden. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

24.10.2016: Gibraltar

Von allen Stationen dieser Reise war Gibraltar in jedem Fall die, der ich im Vorfeld mit größter Spannung entgegen blickte. Die Halbinsel, von der aus man bis nach Afrika gucken kann, die Meerenge, die das Mittelmeer vom Atlantik trennt und durch die sich tägliche etliche Schiffe durchschieben, der ganze geschichtliche Hintergrund – jo, da kann man wohl schon mal schwitzige Finger bekommen, wenn man daran denkt. Einhergehend mit der üblichen Sorge bei großer Aufregung: hoffentlich enttäuscht mich das nicht! Soviel kann ich schon mal vorweg nehmen: Gibraltar hat uns nicht enttäuscht, sondern eher sehr begeistert! Auch hier müssen wir irgendwann noch mal hin, auch hier mit viel mehr Zeit, um alles zu erkunden.

Einmal kurz nicht aufgepasst und schon steht ein weiteres Schiff im Hafen und versperrt die Sicht auf den Felsen Gibraltars. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Einmal kurz nicht aufgepasst und schon steht ein weiteres Schiff im Hafen und versperrt die Sicht auf den Felsen Gibraltars. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wolkig und ein bisschen regnerisch war es, als wir am frühen Vormittag das Schiff verließen, um in die bereitstehenden Mini-Busse zu steigen und die gebuchte Tour „Auf den Spuren der Geschichte“ zu beginnen. Mini-Busse sind auf Gibraltar auch zwingend erforderlich, denn die großen Reisebusse, die sonst für derartige Touren verwendet werden, passen kaum durch die zahlreichen Tunnel, für die Gibraltar bekannt ist. Selbst zwischen die kleinen Busse und den Felswänden passte manchmal kaum mehr als eine Hand. Unter grauem Himmel zuckelte das kleine Gefährt also vom Hafen aus los, vorbei am Flughafen und am spanischen Grenzposten zum Europa Punkt. Der südlichste Punkt Europas, hier ist es zu Ende. Bisschen nervig bei dieser Tour: der permanente Zeitdruck und das strikte Einhalten des Zeitrahmens. Sowohl unser Busfahrer, eigentlich ganz cool, da er die deutschen Info-Ansagen, die vom Band kamen, mit Lokalwissen in Englisch ergänzte, als auch der Typ, der uns später durch die WW2-Tunnel führte, hatten es so unglaublich eilig, dass der Spaß-Faktor gewaltig drunter gelitten hatte. Am Europa Punkt hatten wir unglaubliche zehn Minuten Zeit, um ein paar Fotos zu machen. Unter anderem eben von der afrikanischen Küste, vom Affenfelsen oder der Bucht von Algeciras. Und auch, wenn uns die Tour-Guides mit ihrer Tempo-Macherei tierisch auf die Nüsse gingen – es fehlte eigentlich nur noch, dass sie in die Hände klatschten und Hopp-hopp-hopp riefen! – die Aussicht und das Gefühl, dort zu stehen und zu gucken, das ist unglaublich! Kann und sollte man sich definitiv mal gegeben haben, das war sehr eindrucksvoll.

Schluss. Aus. Vorbei. Am Europa Punkt, dem südlichsten Punkt Europas, ist der Kontinent zu Ende. Dafür kann man von hier aus auf Afrika blicken, was irgendwie ganz schön abgefahren ist. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Schluss. Aus. Vorbei. Am Europa Punkt, dem südlichsten Punkt Europas, ist der Kontinent zu Ende. Dafür kann man von hier aus auf Afrika blicken, was irgendwie ganz schön abgefahren ist. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Nach diesem kurzen Zwischenstopp ging es weiter den Affenfelsen hinauf. Auf Gibraltar leben ungefähr 150 Berberaffen, die nach Lust und Laune in der Gegend herumturnen. So wie in Wolfsburg Kaninchen durch die Gegend rennen, quasi. Immerhin einen dieser Affen haben wir auf der Fahrt zur nächsten Station sehen können. Er hockte da auf einer Felsmauer, unter ihm freie Sicht auf den Hafen und die beiden dort ankernden Kreuzfahrtschiffe (neben unserem hatte am Morgen noch die Oceana festgemacht) und trug ein Gesicht zur Schau das sagte, dass ihn das alles nicht so fürchterlich interessierte, was um ihn herum passierte.

Den Kollegen hier haben wir leider nur aus dem fahrenden Bus heraus knipsen können. Er machte aber den Eindruck als hätte ihn das auch nicht weiter tangiert, wenn wir direkt neben ihm gestanden hätten. Ungefähr 150 Mitstreiter seiner Art leben auf Gibraltar in freier Wildbahn. Man bekommt frühzeitig den sachdienlichen Hinweis, in der Nähe der Berberaffen vorsichtshalber alles gut festzuhalten, was nicht mit dem eigenen Körper verwachsen ist. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Den Kollegen hier haben wir leider nur aus dem fahrenden Bus heraus knipsen können. Er machte aber den Eindruck als hätte ihn das auch nicht weiter tangiert, wenn wir direkt neben ihm gestanden hätten. Ungefähr 150 Mitstreiter seiner Art leben auf Gibraltar in freier Wildbahn. Man bekommt frühzeitig den sachdienlichen Hinweis, in der Nähe der Berberaffen vorsichtshalber alles gut festzuhalten, was nicht mit dem eigenen Körper verwachsen ist. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Das Motto Gibraltars lautet ja Nulli Expugnabilis Hosti, was aus dem Lateinischen übersetzt ungefähr so viel bedeutet, wie dass es für keinen Feind bezwingbar ist. Tatsächlich ist Gibraltar, das aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage im Laufe der Jahrhunderte zu einer Art Festung mutierte, seit dem Mittelalter nicht mehr gefallen. Zahlreiche Tunnel und Galerien durchziehen den Felsen und schaffen so einen perfekten Rahmen, um den Zugang zum Mittelmeer zu kontrollieren. Muss man sich mal vorstellen: ungefähr 30tausend Einwohner hat Gibraltar heute. Zu Zeiten des zweiten Weltkrieges wurden alle Zivilisten evakuiert und an deren Stelle waren britische Soldaten in etwa gleicher Zahl in Gibraltar stationiert. Viele von denen in den insgesamt 30 Meilen Tunnelsystem. Einen kleinen Eindruck bekamen wir, als wir für ungefähr 45 Minuten durch die WW2-Tunnel liefen. Selbstverständlich reicht das vorne und hinten nicht, um sich alles anzuschauen. Für einen Eindruck, wie die Soldaten in jener Zeit in diesen Tunnel gehaust hatten, reichte es allerdings dennoch. Hinweis: wer an Klaustrophobie leidet, entscheidet sich vielleicht besser für eine andere Tour. Viele Gänge sind eng, die Decken niedrig und trotz fest installierter Beleuchtung eher dunkel ausgefallen. Vom Eisenbahnsystem sowie von den Versorgungsläden, welche die Garnison im Krieg mit Bedarfsgegenständen versorgte, haben wir bei dem Rundgang nichts gesehen. Ein gleichermaßen faszinierendes wie beklemmendes Erlebnis war es dennoch. Wer sich für Geschichte interessiert, sollte einen Ausflug in die Tunnelsysteme Gibraltars definitiv einplanen. Ich selbst muss zwingend auch noch mal hin, Gibraltar an sich ist viel zu spannend, um das in den paar Stunden Liegezeit des Schiffes befriedigend zu erkunden.

Unterwegs in dem Weltkriegstunneln von Gibraltar. Insgesamt gute 30 Meilen an Tunneln sollen sich im Felsen verbergen. Erstaunlich, dass das Teil noch nicht zusammengestürzt ist. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Unterwegs in dem Weltkriegstunneln von Gibraltar. Insgesamt gute 30 Meilen an Tunneln sollen sich im Felsen verbergen. Erstaunlich, dass das Teil noch nicht zusammengestürzt ist. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Auf der Rückfahrt ging es in die Innenstadt und wir beschlossen, den Mini-Bus an der Main Street, der Haupteinkaufsmeile Gibraltars, zu verlassen. Zeit hatten wir genug, die ganze Aktion hatte bisher ja gerade Mal zwei Stunden gekostet. Auf der Main Street angekommen, wird sehr offensichtlich, dass Gibraltar unter der Ägide der britischen Krone steht. Nicht nur, dass allen Ecken Fish & Chips feilgeboten wurden und diese berühmten roten Telefonzellen sorgten dafür, dass man sich eher irgendwo in Großbritannien wähnte und nicht am Mittelmeer. Falls mal einer fragt: Gibraltar akzeptiert den britischen Pfund als Währung, natürlich, hat aber auch einen eigenen Ableger des Pfunds und mit Euro könnt Ihr dort auch bezahlen. Sinnvoll ist, wenn Ihr vor Ort mit EC- oder Kreditkarte einkauft und es vermeidet, Euch den wechselkurstechnisch schwachen Pfund von Gibraltar andrehen zu lassen. Und glaubt mir, Shoppen werdet Ihr wollen. Die Main Street ist ein Paradis für alle, die bisher immer noch nichts gefunden haben, wofür sie im Verlaufe der Reise irgendwie Geld ausgeben hätten können. Für die Naschkatzen unter Euch sei zum Beispiel das Hotel Chocolat empfohlen, eine Art britischer Variante von Hussel. Schokolade leckerster Art in Hülle und Fülle gibt es dort. Das Paradies, ich sag’s Euch!

Die Main Street in Gibraltar. Fish & Chips an jeder Ecke und auch sonst ziemlich britisch. Viele Shops locken mit tax- und duty free Angeboten die Gäste der sich zu diesem Zeitpunkt im Hafen befindlichen Kreuzfahrtschiffe Oceana und Mein Schiff 4. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die Main Street in Gibraltar. Fish & Chips an jeder Ecke und auch sonst ziemlich britisch. Viele Shops locken mit tax- und duty free Angeboten die Gäste der sich zu diesem Zeitpunkt im Hafen befindlichen Kreuzfahrtschiffe Oceana und Mein Schiff 4. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wir latschten die Main Street einmal auf, einmal ab und bestaunten die vielen kleinen und großen Geschäfte, Restaurants und Cafés und fühlten uns umgehend wohl. Gibraltar steht auf der Liste der Orte, die abermals zu besuchen sind, ganz weit oben! Nachdem wir die zur Verfügung stehende Zeit gut ausgenutzt hatten, kehrten wir zum Schiff zurück. Irgendwie machte sich auch schon wieder dieser stechende Durst nach Cocktails bemerkbar. Schlimm immer!


25.10.2016: Seetag IV

Der letzte Seetag dieser Reise auf dem Weg zum letzten Hafen, bevor es es zurück nach Mallorca gehen sollte. Noch ein letztes Mal die Seele baumeln lassen und nichts tun. Später am Tage ging es noch einmal ins Klanghaus, Thema heute war „Film & Broadway“. Später hingen wir ein bisschen an der TUI Bar herum. Auch in dieser Bar werdet Ihr übrigens Abends musikalisch beschallt – von einer Virtual Band, so nennt sich das. Was im Prinzip nichts anderes ist als vier aufeinander abgestimmte Bildschirme, in denen jeweils ein Musiker zu sehen ist, die zusammen den Salon beschallen. Entspannte, unaufdringliche Musik eben, die den Saal zwar füllt, aber bei Gesprächen nicht weiter stört. Jedenfalls so lange nicht, wie kein Gesang zu hören ist. Eine der Sängerinnen dieser virtuellen Band, die jeden Abend zu hören war, kann leider so gar nicht singen, dafür aber umso mehr nerven. Ein Glück, dass die nicht permanent eingespielt wurde.


26.10.2016: Barcelona

Hach, Barcelona! Eine der tollsten Städte dieser Welt! Bis auf Mick waren wir alle schon mal hier, entweder einfach so oder im Rahmen einer Depeche Mode-Tour oder einer Kreuzfahrt. Reni entschied sich dazu, die von TUI Cruises angebotene Stadientour mitzumachen und war schon ziemlich zeitig vor uns anderen vom Schiff runter. Wir anderen hatten uns vorgenommen, zum Abschluss noch mal auf eigene Faust durch Barcelonas Straßen zu trampeln. Auch, wenn das Wetter aktuell eher nach Regen aussah. Egal. Barcelona, hey, da müssen wir ja wohl von Bord!

In der Nähe des Hafens von Barcelona auf dem Weg zur Rambla. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
In der Nähe des Hafens von Barcelona auf dem Weg zur Rambla. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Mit einem Shuttle-Bus ließen wir uns zur Columbus-Statue befördern, die ebenfalls in direkter Hafennähe herumsteht. Das kann man machen; wer gut zu Fuß ist kann die Strecke aber auch so zurücklegen. Laufzeit: ca. 20 – 25 Minuten. Vom Fuße der besagten Statue aus kann man sich einen ersten Eindruck über das lebhafte Treiben in Barcelona verschaffen. Wer in Wolfsburg wohnt, staunt nicht schlecht, dass so viele Menschen gleichzeitig auf der Straße unterwegs sein können! Konsequenterweise knüpft La Rambla (die „Straße zum Meer“), direkt an die Statue an. 1258,59 Meter ist sie lang und gehört quasi zum Pflichtprogramm für Barcelona-Besucher. Die Stadt ist ohnehin schon eine Reizüberflutung, bei der man nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll, aber durch das Gewühl setzt die Rambla dem noch eines oben drauf.

Die Rambla. Hier gehen pro Stunde vermutlich mehr Menschen entlang als in Wolfsburgs Porschestraße in einer ganzen Woche. Wenn nicht sogar! | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die Rambla. Hier gehen pro Stunde vermutlich mehr Menschen entlang als in Wolfsburgs Porschestraße in einer ganzen Woche. Wenn nicht sogar! | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wir hatten folgende Dinge auf dem Zettel stehen, die wir gesehen haben wollten: die Rambla, das Barri Gòtic (das gotische Viertel) und natürlich die Sagrada Família (oder komplett ausgeschrieben: Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família, die Sühnekirche der Heiligen Familie). Nun, die Rambla hatten wir offensichtlich gefunden. In das gotische Viertel sind wir mehr oder weniger zufällig gestolpert. Noch während wir damit beschäftigt waren, abseits der Rambla durch die wesentlich spannenderen Seitenstraßen zu flanieren und Geschäfte zu bestaunen, die gefühlt kaum Größer als Schuhkartons waren, standen wir ganz plötzlich auf dem Platz Pla de la Seu und somit vor der Kathedrale von Barcelona. Einem Bauwerk, an dem seit der Grundsteinlegung im Mai 1298 immer wieder dran herumgebaut und immer Neues hinzufügt wurde. Ziemlich imposant, dieses Gebäude, aber kein Vergleich zur Sagrada Família, für die Antoni Gaudí verantwortlich zeichnet. Und die wollten wir nun finden. Pfiffig wäre ja gewesen, wenn wir uns einen Stadtplan von der Rezeption des Schiffes mitgenommen hätten. So mussten wir uns auf unsere Smartphones, Google Maps und Apple Maps verlassen. Weil ja gerne mal über Apples Kartendienst geschimpft und umgekehrt das Gegenstück von Google für den Heiligen Gral gehalten wird: hätten wir uns ausschließlich auf den Dienst der Mountain Viewer verlassen müssen, würden wir vielleicht heute noch im Kreis um die Sagrada Família rennen. Mit der Alternative aus Cupertino kamen wir schließlich hin. Diese Sagrada Família ist schon ein mächtiger Bau. 1882 begonnen, soll sie im Jahre 2026 endlich mal fertig gestellt werden. Pünktlich zum 100. Todestag von Antoni Gaudí. Sie wäre damit geschmeidige 144 Jahre im Bau gewesen. Die Elbphilharmonie ist ja nun fertig, aber hey, ihr da auf der Baustelle von BER – hier ist der Benchmark, den ihr überbieten könnt.

Die Kathedrale von Barcelona. Nicht zu verwechseln mit der Sagrada Família, an der noch bis 2026 herumgefeilt wird. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die Kathedrale von Barcelona. Nicht zu verwechseln mit der Sagrada Família, an der noch bis 2026 herumgefeilt wird. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Nachdem wir die Sagrada Família ausführlich (von außen) bestaunt hatten, wurde die Zeit so langsam aber sicher knapp. Ins gotische Viertel wollten wir doch auch noch! Wir hatten es jedoch irgendwie völlig verpeilt, dass wir bereits früher an diesem Tage durch das gotische Viertel gelatscht waren. Wirklich bewusst wurde uns das erst, als wir wieder vor der Kathedrale Barcelonas standen und feststellten: nanu, das kennen wir doch schon?! Ich glaube, keinen Landgang haben wir zeitlich so intensiv ausgenutzt wie den in Barcelona und doch: irgendwann ist die Zeit um und es geht zurück auf’s Schiff. Möchte man die Stadt einigermaßen gründlich erkunden, sollte man wohl wenigstens eine Woche einplanen. Das war definitiv nicht unser letzter Besuch in Barcelona, ganz gewiss nicht!

Sagrada Família. Antoni Gaudís Prachtbau ist seit 1882 im Bau und soll 2026, pünktlich zum 100. Geburtstag Gaudís, fertig gestellt werden. 144 Jahre später. Ernsthaft, und wir regen uns über die Elbphilharmonie auf. Die Sagrada Família ist ein ziemlich abgefahrener Bau, die an einer Seite so wirkt, als wären die Orgeln an die Außenseite montiert worden. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Sagrada Família. Antoni Gaudís Prachtbau ist seit 1882 im Bau und soll 2026, pünktlich zum 100. Geburtstag Gaudís, fertig gestellt werden. 144 Jahre später. Ernsthaft, und wir regen uns über die Elbphilharmonie oder BER auf. Die Sagrada Família ist ein ziemlich abgefahrener Bau, die an einer Seite so wirkt, als wären die Orgeln an die Außenseite montiert worden. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Zum Abschluss einer schönen Reise gingen wir zunächst alle zusammen im Atlantik essen. Der Plan sah vor, nach Packen der Koffer später zur Verlosung der Seekarte ins Theater zu gehen und dann, als krönenden Abschluss, ein Gläschen Champagner in der Diamant Bar zu trinken. Verlosung der Seekarte? Was ist denn da los? Nun, einer der Offiziere fertig bei jeder Reise eine Seekarte von der Route bzw. dem Gebiet an, in welchem dem die Gäste auf ihrer Reise unterwegs sind. Diese Karte wird in A3-Größe (oder so, habe es nicht nachgemessen) gedruckt und dann von einem kreativ begabten Mitglied der Besatzung verziert. Und diese Karte wird zum Ende einer Reise stets verlost. Lose dafür kann man an der Rezeption erwerben, der Erlös kommt letztendlich der Besatzung zugute. So werden davon beispielsweise Landausflüge oder ähnliches bezahlt. Mick hatte entsprechende Lose erworben und schon im Vorfeld angekündigt: dieses Mal würde er diese Karte gewinnen. Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung. Wie es der Zufall so wollte, war es nämlich ausgerechnet sein Los, dessen Nummer aufgerufen wurde! Überraschung, Staunen, Freude. Mick wurde von Kapitän Troier auf die Bühne gebeten, dort wurde die Karte von diesem auch noch signiert und einen kurzen Glückwunsch und einen großen Applaus später war Mick nun also glücklicher Besitzer dieser Seekarte. Das war nun erst Recht ein Grund für Schampus, oder? Gesagt, getan.


27.10.2016: Palma de Mallorca und Abreise

Bei TUI Cruises, aber auch bei anderen Reedereien ist es üblich, dass die Koffer noch in der Nacht vor dem Abreisetag vor der Kabine zu stehen haben. Weiterhin: bis 9 Uhr ist diese von den Gästen zu räumen. Logisch, das Spiel geht ja auch wieder von vorne los: alte Gäste reisen ab, neue an, und zwischendurch hat das Housekeeping alle Hände voll zu tun, die Kabinen wieder fit zu machen. Offiziell endet die Reise um 11 Uhr. Bis dahin könnt Ihr noch Essen und Trinken, wie Ihr lustig seid und alle öffentlichen Bereiche nutzen. Für 25 Euro zusätzlich ließe sich diese Frist auch bis 18 Uhr verlängern. Es hat wohl aber niemand wirklich etwas dagegen, wenn Ihr bis zur Abholung durch die Shuttle-Busse noch ein bisschen auf irgendeinem Liegestuhl chillt. Haben wir auch so getan und unser Bus fuhr deutlich nach 11 Uhr los. Unser Rückflug war für 14:25 Uhr angesetzt. Eine gute Zeit eigentlich, da wir keinen Frühstart hinlegen mussten, andererseits aber auch nicht erst mitten in der Nacht zuhause waren. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge bestiegen wir, ein letztes Mal dem dunkelblau-weißen Riesen winkend, der da friedlich im Hafenbecken lag, den Bus. Weinend, weil die mehr als anderthalb Jahre, die wir auf den Startschuss für die Reise gewartet haben, in überhaupt keinem Verhältnis dazu standen, wie schnell die Zeit an Bord verging. Spätestens dann, wenn man die Halbzeit erreicht hat, rast sie nur noch so dahin. Lachend, weil wir uns auch irgendwie wieder darauf freuten, nach Hause zu kommen. 11 Tage ist eine gute Dauer für eine Kreuzfahrt. Weniger sollte es nicht unbedingt sein, da die Zeit erfahrungsgemäß für viele Dinge dann doch zu knapp bemessen ist. Ob es eine längere Reisedauer sein müsste, steht und fällt vor allem mit der Route und den Erwartungen, die man daran stellt. Für eine Tour, die Mittelmeer und die Kanaren abdeckt, sind 11 Tage jedoch genug.


Fazit: Ihr habt es dem vorangegangenen Text entnehmen können: immer wieder gab es Kleinigkeiten, die dieses Mal grenzenlose Begeisterung verhinderten. Die Route war schön, die angesteuerten Destinationen boten so manche Überraschung und die Mein Schiff 4 ist ein tolles Schiff, ganz in der Tradition ihrer großartigen Schwestern. Aber Wohlfühlen steht und fällt eben auch mit dem Personal, das an Bord Dienst hat. Selbstverständlich, und das möchte ich bitte ausdrücklich betont wissen, war der überwiegende Teil der Besatzung ein Musterbeispiel für Freundlichkeit und perfekten Service. Aber es gab eben diverse Kleinigkeiten, die, wenn es Einzelfälle gewesen wären, nicht erwähnt werden müssten, in Summe aber doch ein bisschen ärgerlich waren. Vor allem, weil ein Reisepreis von ca. 2000 Euro (die Ausgaben an Bord nicht mit eingezählt) nichts sind, was man mal eben so auf den Tisch legt, ich jedenfalls nicht. Zu den bereits erwähnten Dingen kommt hinzu, dass ich diverse Male Haare im Essen gefunden habe. Nie ein zweites Mal im gleichen Restaurant, aber trotzdem. Bisschen eklig ist das schon. Vielleicht habe ich auch einfach Pech gehabt. Oder dieser Typ, der uns am letzten Abend im Atlantik bediente. Das war mitunter kein Hinstellen des Tellers, sondern lustloses Hinfeuern. Und zwar so, dass wir uns sprachlos und völlig verdattert anschauten und uns fragten: was war das denn jetzt gerade? Geht’s noch? Ein Wunder, dass das Essen an Ort und Stelle blieb! Alles so Kleinkram, der unnötig war und es dadurch eigentlich nur um so ärgerlicher machte. Hallo, wir reden hier vom Schiff des Jahres 2016, das ist euer doch unwürdig?

Die Mein Schiff 4. Laut dem "Berlitz Cruising & Cruise Ships Guide" das beste Schiff der Welt des Jahres 2016 in der Kategorie Großschiffe. Nun ja. Es war zumindest auf unserer Fahrt nicht alles Gold, was glänzte, dennoch bleibt zu sagen: Es ist nicht das Ende aller Tage, wir (TUI-)cruisen wieder, keine Frage! | Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Die Mein Schiff 4. Laut dem „Berlitz Cruising & Cruise Ships Guide“ das beste Schiff der Welt des Jahres 2016 in der Kategorie Großschiffe. Nun ja. Es war zumindest auf unserer Fahrt nicht alles Gold, was glänzte, dennoch bleibt zu sagen: Es ist nicht das Ende aller Tage, wir (TUI-)cruisen wieder, keine Frage! | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Die Flotte, die aus Gästen Fans macht. Hm. Wenn ich nicht schon vorher Fan geworden wäre, so hätte das dieses Mal nicht geklappt. Würde ich Interessierten also eine Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 4 bzw. TUI Cruises empfehlen? Auf jeden Fall. Ernsthaft jetzt. Die Dinge, die dieses Mal nicht so rund gelaufen sind, mögen eine Momentaufnahme sein. Ich glaube aber nicht, dass hier ein generelles Problem vorliegt. Dafür waren die bisherigen Erfahrungen mit der Wohlfühlflotte schlicht und ergreifend zu gut. Auch auf der Mein Schiff 4 haben Teile unserer Reise-WG schon das erlebt, was einem perfekten Kreuzfahrterlebnis sehr nahe kommt. Als Chronist dieser Reise verschweigen kann ich nicht, was mir unangenehm aufgefallen ist. Eine Empfehlung, mit der Reederei aus Hamburg in die nächste Kreuzfahrt zu starten, verhindert dies dennoch keinesfalls. Auch wir werden dem Ruf des Meeres irgendwann wieder folgen und ganz sicher wird auch dann wieder die Mein Schiff-Flotte in die entsprechenden Planungen einbezogen werden.

Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.

2 Comments

  1. Ein super Bericht. Wir werden diese Kreuzfahrt am 30.04.2017 antreten. Eine sehr gute Vorbereitung und vielleicht auch Hinweise, welche Aktivitäten sinnvoll sind.

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