PLACEBO – Life’s What You Make It (Official Video)

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Wenn sich PLACEBO hinstellen und einen Cover-Song in die Welt entlassen, dann ist das nichts, was der Band um Brian Molko gerade eben erst in den Sinn gekommen wäre. Tatsächlich haben Cover-Songs eine lange Tradition in der Geschichte Placebos. Schon 1996 veröffentlichten sie ihre Interpretation von Syd BarrettsDark Globe“. Seit damals ließen sich Placebo immer wieder mal zu einem Cover hinreißen. Ob es nun Depeche Mode waren, deren Material Placebo neu interpretierten, Serge Gainsbourg, Kate Bush oder auch Boney M. – die Briten verstanden es stets, bekannten Songs neue Seiten abzugewinnen. Ist noch gar nicht so lange her, da versuchten sie es zuletzt. Ihr Thema dieses Mal war: „Life’s What You Make It“, ein Klassiker von Talk Talk.

Gefragt, warum es ausgerechnet Talk Talk geworden ist, antwortete Brian Molko: „Wir haben Talk Talks ‚Life’s What You Make It‘ gecovert, weil es ein Song der Achtziger ist, den wir immer noch sehr schätzen. Außerdem fragten wir uns, ob wir Gwen Stefanis globalen Smash-Hit mit No Doubts Version von ‚It’s My Life‘ wiederholen können. Das indes bleibt abzuwarten…“.

Zu Placebos Variante gibt es neuerdings auch ein Video. Anbei noch ein paar Hintergrund-Infos diesbezüglich, der amtlichen Pressemitteilung entnommen:

Für den Film zum Song hatte Molko etwas anderes im Sinn, das den Song auf besondere Weise begleitet: Er hatte ein Konzept im Kopf, das lose auf auf dem Original-Video von Talk Talk aus dem Jahr 1986 basiert, das in einer Nacht in Londons Wimbledon Common aufgenommen wurde, einem Naherholungsgebiet südlich der Themse. Darin sieht man die Band umgeben von Natur und, wie Molko es ausdrückt, „kleinen Bestien, die über Blätter krabbeln”. Brian fand, dieses Bild vertrüge eine Art Update, wo „die Band zu Robotern wird und wo die Natur durch Elektroschrott ersetzt wird – so, wie es eben auch aussieht in der Welt, nur wenige Dekaden nach dem Original-Release des Songs”. Die Regieanweisung, die die Band an mögliche Regisseure herausgab, war kurz, simpel und offen für Interpretationen: „Elektroschrott, bitte!

Es war nicht gerade so, dass Placebo daraufhin mit brauchbaren Antworten überschwemmt worden wären: „Die einzige Regisseurin, die uns antwortete und eine brauchbare Idee von diesem Elektroschrott hatte, war Sasha Rainbow. Ich rief sie an, um herauszufinden, wie sie tickt – und stellte fest, dass ich mit einer sehr tapferen und leidenschaftlichen Frau sprach”.

Rainbows begleitender Film zu „Life’s What You Make It” wurde in Agbogbloshie aufgenommen, einem ehemaligen Feuchtgebiet im Herzen von Accra in Ghana, zugleich die Heimat einer der weltweit größten Müllkippen für Elektroschrott. Er kontrastiert vor einem apokalyptischen Hintergrund aus Erste-Welt-Müll das tägliche Leben jener, die diese gründlich jenseitige Welt bewohnen. „Ich sagte ihr, dass sie wohl Eier aus Stahl haben muss, um an einem derart unwirtlichen Ort in Ghana zu drehen, und dass wir – nein! Auf keinen Fall! – vorbei kommen würden, da wir so schüchterne kleine Seelen sind”, lacht Molko.

Die beiden Jungs im Film leben an diesem außergewöhnlichen Ort”, beschreibt Rainbow. „Für mich ein Zeichen für die menschliche Fähigkeit, sich anzupassen dank überragender Stärke, Elastizität und Menschlichkeit”. Es ist ein herausfordernder Blick in eine Welt, von deren Existenz nur wenigsten wissen: „Ich hoffte, die Umgebung so einfangen zu können, dass sie eine träumerisch meditative Ebene erhält, sodass sich die Bilder mit dem Thema des Songs auf natürliche Weise verbinden und eine Synergie eingehen – und einen neuen Blick erlauben auf die Auswirkungen unserer gegenwärtigen technologischen Revolution. Denn einerseits erlaubt uns die Technologie, Dinge zu kreieren, die weit über unseren wildesten Vorstellungen liegen – doch andererseits existiert so gut wie keine Diskussion darüber, wie man mit all dem ausrangierten Elektroschrott umgehen soll”.

Ich halte es für bedeutsam, darauf hinzuweisen, dass das Video nicht anti-technologisch zu deuten ist”, ergänzt Molko. „Das wäre lächerlich, wenn man bedenkt, wie sehr Technologie unser tägliches Leben bereichert. Für mich geht es vielmehr um den Triumph des menschlichen Geistes im Angesicht des Unglücks, das nicht betrachtet wird. Trotzdem hoffen wir natürlich, dass es den Zuseher darüber nachdenken lässt, welche Auswirkungen es hat, stets einfach wegzuschmeißen, was nicht mehr funktioniert. Denn es existieren heutzutage viele neue und kluge Wege, technologischen Müll zu recyceln. Manche Firmen bezahlen dir dafür sogar Geld. Alles, was es dazu braucht, ist ein wenig mehr Anstrengung”.

Eine der zentralen Zeilen von Originalsänger Mark Hollis in „Life’s What You Make It”, „yesterday’s favourite”, wird von Molko dermaßen kraftvoll gesungen, dass es die Elektroschrott-Message des Films intensiv unterstreicht. Es ist weit davon entfernt, pessimistisch zu sein – die Jungs im Film sieht man tanzen und lachen, oder einfacher: das Beste aus ihren Umständen machen.

Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.

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