Foto: Michael Kanzler / AVALOST

AESTHETIC PERFECTION – Rhythm + Control

von

Eine Rezension zu einer Single, welche lediglich zwei Versionen ein und desselben Songs beinhaltet ist eigentlich keine so spannende Thematik. Wenn sich jedoch gleich vier talentierte Musiker zusammentun und zudem auf Anhieb die Deutschen Alternativ Charts (DAC) auf Platz eins entern, lohnt sich ein genaueres zuhören.

Aesthetic Perfection waren in diesem Jahr mit ihrer „Industrial Pop Tour“ unterwegs, welche die Band samt Support (William Control, Army of The Universe, Nyxx) vor allem durch Deutschland führte. Spätestens auf dieser ausgedehnten Konzertreise scheinen recht enge freundschaftliche Bande geknüpft worden zu sein. Diese wurden anschließend künstlerisch in der Single „Rhythm + Control“ vereint. Herausgekommen ist ein Klubhit, der sich ziemlich hartnäckig im Gehörgang festsetzt.

Die Entwicklung von Aesthetic Perfection von einem ziemlich guten Dark Electro zu einem ziemlich guten Electro/Industrial-Projekt war schleichend, aber irgendwie logisch. Da die Genredefinitionen des Bandsounds recht unterschiedlich ausfallen, nutze ich einfach die von Daniel Graves gewählte Bezeichnung „Industrial Pop“. Dies wurde auf den letzten Veröffentlichungen schon auf interessante Art und Weise umgesetzt. Auf der aktuellen Single wird dieses (neue?) Genre auf ein neues Niveau gehoben. War die letzte Single „Love Like Lies“ eigentlich schon fast etwas zu langsam und austauschbar, ballert „Rhythm + Control“ wieder so richtig tanzbar durch die Boxen. Für eine gitarrenlastige Industrial Rock Version wurde Jinxx (Gitarrist bei Black Veil Brides) ins Studio geholt. Werden Gitarren bei Electrobands oft als Fremdkörper wahrgenommen, fügt sich diese hier hervorragend in die Komposition ein. Das Gitarrenspiel von Jinxx, welches teilweise recht heavy jaulend eingespielt wurde, erinnert dabei sehr an den Sound von Black Veil Brides.

Die Electro Version unterscheidet sich (überraschenderweise) hauptsächlich durch das Ersetzen der Gitarre mit entsprechenden Synthies. Was aber dennoch zur Folge hat, dass hier zwei grandiose Versionen entstanden sind. Die Bassline blubbert wie von AP gewohnt treibend und die Beats hämmern knapp über dem Midtempobereich. Der Gesang des Herren Graves ist entsprechend wie Fans diesen in den letzten Jahren kennengelernt haben – immer pendelnd zwischen clean und kreischend. Auch Gastsänger William Control zeigt sich von seiner gewohnt einnehmenden stimmlichen Herangehensweise. Beide Sänger können was am Mikrofon und ziehen den Hörer so recht schnell in ihren Bann. Die quasi Kirsche auf dem Kuchen ist die hierzulande noch recht unbekannte Nyxx. Eine relative neue Künstlerin, die ein zeimlich herausragendes musikalisches Talent besitzt. Ihre fast schon hypnotisierende Stimme fügt sich perfekt als Duett und mit Solopart in das Arrangement ein.

Die Single trägt die eindeutige Handschrift von AP, jedoch wird der geneigte Fan auch den Einfluss der Gastmusiker erkennen. Gemessen an den nicht wenigen Singleveröffenltichungen des Kaliforniers ist diese wohl eine der besten – wenn nicht sogar die beste (der Wettstreit mit „LAX“ steht meiner Meinung nach bei einem knappen Unentschieden). Auch die Produktion ist wie immer hervorragend. Fans der beteilgten Musiker sollten sich zu einem Pflichtkauf „genötigt“ fühlen. Freunde eingängiger, tanzbarer und zugleich treibend härterer elektronischer Musik sollten sich die Single zumindest einmal anhören. Den Weg auf die Tanzfläche werden beide Versionen wohl sehr schnell finden.

Let the rhythm take control!



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Unter dem Pseudonym Joker Montana hat der Autor bisher eher selbst Musik „geschrieben“ als selbst über Musik zu schreiben. Doch als studierter Historiker und Germanist war es wohl nur eine Frage der Zeit sowie logische Konsequenz, die Schreibtätigkeit über die Musik als weitere Leidenschaft aufzunehmen. Musikalisch aus dem Punk und Alternative stammend, erweiterte sich das eigene Spektrum schnell über Gothic hin zu diversen Subgenre aus Metal und Electro. Dabei fühlt man sich vor allem in den härteren Gefilden wohl – Dark-Electro/Aggrotech, Noise, Industrial-Rock/Metal, Goth-Metal... Ob entspannt über Kopfhörer oder bei Konzerten eher unkontrolliert im Pulk umher springend, ist Musik doch eines der erhellendsten Ereignisse im Leben. Der Tellerrand ist dabei nie zu hoch und dennoch ist „Alles“ auch bloß keine Musikrichtung. Diskutiert werden kann ja über alles, aber gestaltet sich die bescheidene Meinung dieses Schreiberlings frei nach Jean-Jacques Nattiez: „The border between music and noise is always culturally defined […] there is no single an intercultural universal concept defining what music might be.“ und Trent Reznor: „I think there`s something strangely musical about noise.“

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