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AVALOSTS TOP ALBEN 2017

von

Und schon wieder ist ein Jahr vorbei. Wie üblich ist nun der Zeitpunkt gekommen, die redaktionellen Tätigkeiten für dieses Jahr einzustellen und AVALOST in die Weihnachtsferien zu schicken. Selbstverständlich nicht, ohne einen Blick zurückzuwerfen.

2017 hatte es in sich. Im guten, leider aber auch in vielerlei Hinsicht im schlechten Sinne. Ich erinnere mich noch gut, dass wir voller Elan in das Musikjahr 2017 gestartet sind mit dem Ziel, den teilweise ziemlich hohen Ausstoß an Artikeln des Vorjahres noch zu überbieten. Wie sich im Laufe der Monate zeigen sollte, ist es bei dem Vorhaben geblieben. Schicksalsschläge privater Natur innerhalb des Teams, veränderte Bedingungen beruflicher Art in diesem Real-Life-Job, von dem immer alle reden – kurzum, es gab immer wieder Momente, wo die Wirklichkeit jenseits unseres Computermonitors alle Kraft und Aufmerksamkeit von uns ab verlangte. In denen andere Dinge einfach wichtiger waren als ein Musikblog. Aber ich will nicht jammern. Wenn auch vieles in diesem Jahr leider unerledigt liegen geblieben ist – so ein paar Alben haben wir Euch im Laufe der letzten Monate ja doch vorstellen können. Ein paar unserer liebsten davon findet Ihr nachfolgend in unserer alljährlichen Top-Liste.

Ich habe keine Ahnung, was das Jahr 2018 bringen wird. Nur eine Sache dürfte zweifelsfrei feststehen: auch im kommenden Jahr wird es wieder unzählige spannende Neuerscheinungen geben und viele tolle Konzerte und Festivals werden stattfinden. Wir werden 2018 mit dem gleichen Elan und Optimismus angehen, mit dem wir auch dieses Jahr begonnen haben. Tschakka!

Im Namen aller, die an AVALOST beteiligt sind danke ich Euch, unseren Lesern, dass Ihr in den letzten zwölf Monaten mit an Bord gewesen seid. Ihr seid der Grund warum wir hier sind. Unser Antrieb und unsere Motivation. Ich hoffe, wir lesen uns 2018 wieder. Weiterhin danke ich allen Bands, Promotern, Veranstaltern bzw. unseren Medienpartnern allgemein für die großartige Unterstützung.

Wir wünschen Euch ein paar stressfreie Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

Cheers
Euer AVALOST-Team


AVALOSTs TOP ALBEN 2017 | Unsere Lieblinge

Unverändert ist in diesem Jahr die nachfolgende Auflistung rein alphabetischer Natur. Wir werden uns wohl niemals darauf festlegen können, warum ein Album nun beispielsweise auf dem dritten und nicht auf dem vierten Platz gelandet ist – oder andersherum. Daher behalten wir die alphabetische Reihenfolge einfach bei. Das bedeutet daher: jedes Album, das hier aufgelistet ist, verdient es, gehört zu werden. Gerne auch mehrmals. Ebenfalls wie gehabt: Einzug in diese Liste haben ausschließlich die Alben gefunden, mit denen wir uns hier im Laufe des Jahres redaktionell in Form einer Review beschäftigt haben. Dass das Musikjahr 2017 noch sehr viel mehr zu bieten hatte, wissen wir. Aber irgendwie muss das ja eingegrenzt werden und das schien uns auch dieses Mal die schlüssigste Lösung zu sein.


Foto: Anton Corbijn / Columbia Records / Sony Music

DEPECHE MODE – SPIRIT:
Ich mache keinen Hehl daraus, dass mich sämtliche Depeche Mode Alben seit “Ultra” nicht mehr sonderlich abgeholt oder gar begeistert hätten. Zwar gab es immer wieder den ein oder anderen Song, den ich ganz prima fand. Dass die letzten Töne verklungen sind und ich anschließend dachte: “jo, geil!”, das ist wie gesagt seit “Ultra” nicht mehr der Fall gewesen. Und das liegt nun inzwischen auch schon wieder 20 Jahre zurück. Dieses vierzehnte Studioalbum aber, dieses “Spirit” – es überrascht mich so sehr. Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, dass sich das Trio immer mehr in frickelige Spielereien ergehen und dabei Eingängigkeit immer mehr aus dem Blick verlieren würde. Als seien die Alben nur noch eine Entschuldigung, um wieder auf Tour gehen zu können. Es ist in meinen Ohren eine gute Entscheidung gewesen, sich den Produzenten James Ford ins Boot geholt zu haben. Fast scheint es, als hätte er den Herren bei ihren Klangtüfteleien nicht im Weg gestanden, sie aber dennoch dann und wann wieder in eine eingängigere Richtung geschoben. Quasi um auch die Hörer wieder mit ins Boot zu holen, die den 80ern und vor allem 90ern nachhängen. “Spirit” ist angenehm düster, wirkt überraschend und erfreulich frisch, gleichzeitig stellenweise ganz schön politisch, erweitert die Grenzen des Depeche Mode Klanguniversums einmal mehr – und macht einfach ziemlich viel Spaß. Und das über die komplette Dauer dieses Langspielers! Es würde mich nicht überraschen, wenn Depeche Mode hier (zumindest für mich) die Messlatte für die nächsten 20 Jahre gelegt hätten. Fortan freue ich mich gewiss wieder mehr, wenn ein neues Album angekündigt wird. Bis dahin aber in jedem Fall über “Spirit”. Ich bin absolut sicher, dass wir das Album Ende des Jahres in so mancher Bestenliste wiederfinden werden. Es ist so wahnsinnig gut geworden.


Foto: Frank Machalowski

DIARY OF DREAMS – HELL IN EDEN:
Ok, ein Geständnis an dieser Stelle: „Hell in Eden“ hat es mir zunächst nicht leicht gemacht. Zunächst einmal habe ich die großen Hits vermisst. Was total dämlich ist, denn das Album hat derer so einige – sie biedern sich meist aber nur nicht so direkt an, sondern wollen erobert werden. Danach hatte ich das Gefühl, dass mich Diary Of Dreams irgendwie nicht mehr abholen würden. Ich dachte immer, ja ok, das ist schon gut, aber etwas fehlt. Ist das womöglich nicht mehr meins? Das hat mich tatsächlich etwas betroffen gemacht, schließlich höre ich diese Band schon seit ungefähr immer und verknüpfe so manche Erinnerung mit ihren Songs und Alben. Gute wie schlechte. Ich habe diese Review auch einige Zeit vor mir hergeschoben weil ich mir dachte: wenn ich da jetzt aus dem ersten Impuls heraus schreibe, dann wird das nix. Und das wäre uncool, schließlich war mir die Güte dieses Albums die ganze Zeit unbewusst klar. Sie hatte sich nur versteckt. Irgendwann aber wurde ganz plötzlich der Schalter in meinem Kopf umgelegt. In dem Moment nämlich, als mir aufging, dass Diary Of Dreams den Weg in ihre Zukunft damit ebenen, dass sie in vielen kleinen Details Dinge aus der Vergangen zurückholen. Und damit hatten sie mich dann. „Nigredo“ ist bis heute mein liebstes Album der Tagebuchträumer. Aufgrund des Gefühls, dass „Hell in Eden“ die DNA dieses Albums (und die der anderen genannten) in sich trägt, gleichzeitig aber eben nicht auf der Stelle tritt, schiebt es sich ganz dicht daran heran. Für diese Erkenntnis brauchte ich Zeit und jetzt, wo ich diese Zeilen tippe, bin ich froh, dass ich sie mir genommen habe. Darkwave war in diesem Jahr nicht besser und die Chancen stehen gut, dass es auch so bleiben wird. Ich las verschiedentlich Meinungen dieses Album betreffend, in denen vom „Album des Jahres“ die Rede war. Ich verstehe, warum. Für Adrian Hates, so heißt es, sei es ein Lieblingsalbum. Auch das verstehe ich gut. Es ist groß, es ist mächtig, es ist gewaltig, brachial, monumental, zerbrechlich, laut und leise, oder kurz: es ist ganz wunderbar!


Foto: Fïx8:Sëd8

FIX8:SED8 – FOREN6:
„Foren6“ ist eine Hommage an die Ursprünge des düsteren Electro, welcher von Bands wie FLA oder auch Skinny Puppy geprägt wurden. Diese Art Musik – welche seitens Dependent einfach mal der „guten alten Zeit“ zugeordnet wird – ist nicht jedermanns Sache und der geneigte Hörer sollte sich Zeit nehmen um dieses Album zu ergründen. Genau das ist meiner Meinung aber auch die Stärke von „Foren6“. Fïx8:Sëd8 gelingt mit dem dritten Werk ein interessantes Stück Musik, welches eben nicht sofort vordergründig hängen bleibt oder allein durch prägnante Klubhits besticht (und dabei nichts weiter zu bieten hätte). Gleichzeitig lässt das Album einen auch nicht so einfach wieder los. Das ist vielleicht die große Kunst, welches den Unterschied zwischen bloßer Kopie alter Helden und eigenständiger Interpretation eines Genres darstellt. „Foren6“ ist ein durchaus eigenständiges, facettenreiches und sehr düsteres Album, welches einem die Kälte eines Leichenschauhauses in die Glieder treibt. Dies spiegelt sich auch in der behandelten Thematik der Forensik wider, welche laut Pressetext als Analogie für gescheiterte Beziehungen und deren Analyse dient. Der Hörer findet sich dabei mal als „unbeteiligter Zeuge, mal als Opfer, mal als Täter“ wieder. Weiterhin besticht Fïx8:Sëd8 mit einem hervorragend produzierten Werk. Jeder Takt, jede Sequenz scheint genau auf den Punkt zu sein. Der verzerrte Gesang wird abwechslungsreich mal durch klarer wirkende und mal durch aggressivere Passagen in die komplexen Kompositionen eingebunden. „Foren6“ präsentiert sich als eine im Vergleich mit den ersten beiden Alben gelungene Weiterentwicklung des Sounds von Fïx8:Sëd8. Es wird Hörer geben, welche von den sperrigen Arrangements eher abgeschreckt sein werden. Freunde von komplexen Klangstrukturen und erdrückender, eiskalter Melancholie kommen hier jedoch voll auf ihre Kosten.


Foto: Peter Kaaden

GLORIA – DA:
Mein Genörgel hinsichtlich des Umfangs mal ausgeklammert, bleibt bezüglich des dritten Albums von Gloria festzuhalten: sie sind in allen Belangen besser geworden. Und das, obwohl Klaas und Mark von Anfang an ein enorm hohes Niveau an den Tag gelegt haben. Gesang, musikalische Ausgestaltung, tiefsinnige Texte – überall hat das dynamische Duo noch eine Schippe draufgelegt. Spätestens jetzt müssen Gloria in ihrem Bereich zu einer wichtigen Institutionen gezählt werden. Spätestens jetzt muss klar sein, dass das nicht nur ein Spleen eines Fernstehstars ist, der mal Bock auf was anderes hatte. Und spätestens jetzt dürfen wir davon ausgehen, dass Gloria auch beim zu erwartenden nächsten Album zu überraschen und zu überzeugen wissen werden. Bis dahin aber ist „Da“ eines dieser Alben, die man aus vielerlei Gründen immer wieder gerne aus dem Schrank kramt. Sei es, um über die Texte zu sinnieren oder aber um sich von den mal beschwingten, mal melancholischen Tönen mitreißen zu lassen.


Foto: Eagle Rock Entertainment / Universal Music

HANS ZIMMER – LIVE IN PRAGUE:
Konzertmitschnitte auf DVD oder Blu-ray habe ich im Laufe der Jahre so einige gesehen. Einige waren ganz toll, viele aber auch eher so meh. Oft genug wiesen die irgendeinen Mangel auf, der so gravierend war, dass die Stimmung, die vielleicht live vor Ort noch vorherrschte, nicht bei mir ankam. Entweder war die Bildqualität mäßig oder Sound oder aber die Performance war irgendwie nicht so prall – oder es war eine Mischung aus alledem. Auch bei „Hans Zimmer – Live in Prague“ ist nicht alles Gold, was glänzt. Das Bild ist manchmal doch sehr verrauscht. Was aber der weitgehend ziemlich düsteren Lichtsituation auf der Bühne geschuldet sein dürfte. Bei einem Konzert von Hans Zimmer geht es eben vor allem um die Musik, weniger um eine ausgefeilte Bühnenshow. Die ist ohnehin eher so mäßig spannend. In Sachen Musik und Sound aber macht dieser Mitschnitt alles richtig. Mehr noch, es ist den Beteiligten gelungen, die Magie dieser Shows so gekonnt einzufangen, dass Konzertbesucher eine großartige Erinnerung bekommen, Fans eine schöne Best-Of-Zusammenstellung und Interessierte einen guten Eindruck davon, wie die Musik Hans Zimmers live wirkt. Somit wird bei „Hans Zimmer – Live in Prague“ alles richtig gemacht. Bitte gerne mehr davon. Auch eine weitere Tour wäre ganz toll! Ich habe mir gerade vorsichtshalber bei Eventim einen Ticketalarm eingerichtet, sicher ist sicher.


Foto: Alexandre Isard / Deutsche Grammophon

JARVIS COCKER & CHILLY GONZALES – ROOM 29:
Dass “Room 29” ein besonderes Album werden würde, war mir irgendwie schon klar, als die erste Ankündigung diesbezüglich ins Haus flatterte. Oder anders: ich habe es gehofft, dass sich diese Vorahnung als richtig herausstellen würde. Und erfreulicherweise wurde ich nicht enttäuscht. “Room 29” ist wirklich etwas ganz besonderes geworden. Jarvis Cocker und Chilly Gonzales haben es geschafft, Geschichten aus der Vergangenheit zurückzuholen und wieder lebendig zu machen. Die Dinge, die in jenem Hotelzimmer passiert sind bzw. sein mögen, durch das Piano, das dort steht, erzählen zu lassen. Geister zu beschwören, quasi. Wenn man die Augen schließt und den sanften Klavier- und Streichermelodien, die Jarvis’ dunkle und warme Stimme umrahmen, lauscht, kann es passieren, dass man sich ebenfalls im Zimmer 29 des Hotels Chateau Marmont wiederfindet – als stummer Zeuge, als stiller Gast. Die zugegeben sehr ruhige Musik, die das Duo hier abliefert, wird sicher nicht jeden Konsumenten abholen. Zu unaufgeregt tönt sie aus den Boxen, zu speziell ist womöglich das Konzept. Wer sich jedoch dafür auch nur im Entferntesten begeistern kann, dem sei die knapp einstündige Reise durch Zeit und Raum dringendst ans Herz gelegt! Ein wirklich und wahrhaftig faszinierender Trip wartet. Und wenn sich Euch die Gelegenheit bietet, “Room 29” in einer Live-Performance zu erleben – unbedingt hingehen und angucken! Live bekommt dieses kleine Juwel zusätzlich ganz besondere Qualitäten.


Foto: Andreas Hornoff

KETTCAR – ICH VS. WIR:
Die zehn Songs dieses Albums gleichen jeder einer Art Diorama, in denen Kettcar ein Schaubild unser aktuellen Wirklichkeit in mühevoller, detaillierter Kleinstarbeit zeigen. Als Hörer klebt man mit der Nase an den Glasscheiben, die uns von den gezeigten Szenen trennen – und muss ein ums andere Mal erkennen, dass das Glas doch nicht so sehr trennt, wie es einem vielleicht lieb ist. Was den politischen Teil des Albums angeht – klar, da wird jeder Hörer seine Meinung haben. Ob Kettcar in irgendeiner Weise werden beeinflussen können, ist fraglich. Dafür nehmen sie hier zu sehr die Position von Beobachtern ein, wenngleich es an mehr oder weniger offensichtlichen Stellungnahmen gegen den rechten Rand der Gesellschaft nicht mangelt. Filterblasen wird „Ich vs. Wir“ nicht platzen lassen, fürchte ich, aber dennoch ist es gut und richtig und wichtig, dass die Hamburger trotzdem dagegen ansticheln. In den Momenten aber, in denen auf „Ich vs. Wir“ vom großen Ganzen an die Details herangezoomt wird, gewinnt das Album noch zusätzlich an Größe und Tiefe. Es ist schön, dass Kettcar wieder da sind. „Ich vs. Wir“ als Gitarrenrock-Album von Format nimmt wie ein Platzhirsch in einem Genre Platz, das viel zu lange nachgerückten Bands wie Wanda (und wie sie alle heißen) überlassen wurde – und schickt sie zurück auf die Schulbank. Die wichtigste Botschaft aber, die Kettcar 2017 vermitteln ist: Menschlichkeit ist niemals optional.


Foto: earMUSIC / Franz Schepers

KMFDM – HELL YEAH:
Dieser schnörkellose Mix aus Industrial, Electronica und Rock wird per excellence und mit treibender Intensität vorgetragen. Das Artwork ist ebenfalls wiedereinmal grandios gelungen. KMFDM liefern uns eine Schiebe, welche auch nach KMFDM klingt. Das ganze Album ist zudem verdammt gut produziert und mit 13-fachem Klubhitpotenzial ausgestattet. KMFDM haben hier ein opulentes Album ohne Schwächen komponiert. Dabei präsentiert sich die Band gleichzeitig sehr abwechslungsreich. Sascha und Lucia wechseln sich fast permanent am Mirkofon ab. Ebenso varriiert das Arrangement der Stücke von knallig über hart zu balladesk und zurück. So entstehen während der ca. 52 Minuten keinerlei Leerstellen. Fast jeder Song hätte eine eigene Single verdient und jeder Song scheint auf den Punkt komponiert worden zu sein. „Hell Yeah“ ist eines der besten Alben der Band und sollte in jede alternativen Plattensammlung Einzug halten. Selten scheint der Hörer eine Platte so zügig und gleichzeitig nachhaltig durchhören zu können. Ist der letzte Song vorbei, kann ich nur noch dem Motto meines alten Englischlehrers folgen: LISTEN AND REPEAT!


Foto: Kreativpixel – Pascal Jesser

LACRIMOSA – TESTIMONIUM:
Ich freue mich, dass Lacrimosa dieses Album den Künstlern widmen, die teilweise viel zu früh diese Welt verließen. Weiterhin freue ich mich darüber, dass Tilo und Anne mit „Wenn unsere Helden sterben“ eine Art Denkmal und musikalischen Nachruf schufen. Ein Nachruf, der wohl fortan immer wieder dann ertönt, wenn jemand stirbt, der einem persönlich am Herzen liegt. Das bringt Lacrimosa auf eine Ebene, die sie – je nach persönlicher Stimmungslage – immer schon und immer wieder erreicht haben. Es gab und gibt und wird immer Situationen geben, in denen man Trost in der Musik sucht. Es gab und gibt und wird immer Situationen geben, in denen dann die Musik von Lacrimosa zum Einsatz kommt. Danke dafür. Danke auch, dass sich „Testimonium“ nicht darauf ausruht, nur den Verlust von Künstlern aufzuarbeiten, sondern darüber hinaus ein breites Spektrum an musikalischen Stimmungen und Motiven abdeckt. Die Liste zeitloser Klassiker aus dem Hause Lacrimosa ist lang – nach gut 27 Jahren auch nicht überraschend. Mit „Testimonium“ sind in Form des Titelstücks sowie „Weltenbrand“ oder eben jenem besagten „Wenn unsere Helden sterben“ noch ein paar weitere hinzugekommen. Dieses „Requiem in vier Akten“ ist Tilo und Anne hervorragend gelungen und ich hoffe sehr, dass sie uns noch viele weitere Alben schenken werden. Gleichwohl hoffe ich, dass Lacrimosa ihre Inspiration künftig wieder woanders finden. Auch wenn das womöglich ein frommer Wunsch bleiben wird. Denn die Einschläge, sie kommen näher. Ich bin der Zeuge meiner Sterblichkeit.


Foto: Claudia Schöne / GuidingLight (guiding-light.de)

LIONHEARTS – LIONHEARTS:
Frank sagt über „Lionhearts“, es sei sein bisher persönlichstes Werk. Warum? Weil er hier nach vielen Jahren wieder komplett in die Entstehung der Songs eingebunden war. In alle Aspekte, die damit zusammenhängen. Da bei seinen anderen Projekten inzwischen eine so strikte Arbeitsteilung herrscht, dass er mit der Musik selbst kaum noch etwas zu tun hat, ist dies so ein bisschen wie ein willkommener Ausbruch aus dem gewohnten Trott. Er erzählte mir, dieses Album reifen zu sehen, zu beobachten wie es Stück für Stück Gestalt annimmt und es nun der Welt zu präsentieren ist ungefähr vergleichbar damit, die Geburt und das Aufwachsen eines Kindes mitzuerleben. Die Begeisterung für sein tun, die Hingabe und die Leidenschaft die er „Lionhearts“ hat angedeihen lassen, ist in jeder Sekunde, in jedem einzelnen Ton hör- und spürbar. Noch dazu ist die Zusammenarbeit mit Hecq das Beste, was seinen Songs bisher passiert ist. Und das sage ich, ohne damit Franks andere Projekte in irgendeiner Form herabwürdigen zu wollen. Hier hat sich einfach zusammengefunden, was zusammengehört. Und somit ist „Lionhearts“ nicht nur Franks beste Arbeit bisher, sondern überdies auch (mein) Album des Jahres!


Foto: Chris Ruiz

MESH – LIVE AT NEUES GEWANDHAUS LEIPZIG:
Wie eingangs schon erwähnt: ich wäre nicht traurig, wenn wir dieses „Gothic trifft auf klassische Musik“ fortan zu den Akten legen würden. Einerseits, weil das einfach nicht mehr den gleichen Reiz hat, wie noch in den Anfangstagen. Andererseits weil die stärksten Acts ihr Pulver verschossen haben. Ich fürchte aber, dass dieses Thema immer noch genug Anklang findet, um weiterhin Veranstaltungen dieser Art stattfinden zu lassen und „Nebenprodukte“ wie entsprechende Live-Mitschnitte oder reine Klassik-Alben hervorzubringen. Der Auftakt war, wie ebenfalls gesagt, sensationell. Und wer es jetzt immer noch versuchen möchte, muss sich an Mesh messen lassen, die mit ihrem „Live At Neues Gewandhaus Leipzig“ die Messlatte so hoch gelegt haben, dass alles, was nach ihnen kommt, sich wirklich sehr ins Zeug legen muss. Die Briten haben sich bei ihrem Auftritt im Oktober 2015 standing ovations erspielt, und sie haben sich diese auch mit diesem Album verdient. Wer es dennoch probieren möchte – viel Glück! Der jüngste Maßstab in diesem Zirkus sind Mesh und möglicherweise haben sie sich hiermit eine ganz eigene Liga geschaffen.


Foto: mind.in.a.box

MIND.IN.A.BOX – BROKEN LEGACIES:
Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um vorwärts zu kommen. Und wenn das eben, wie im Falle von mind.in.a.box, nur inhaltlich geschieht. „Broken Legacies“ ist quasi ein Prequel zu den bisherigen fünf Ausflügen ins Dreamweb. Musikalisch aber ist es ein gewaltiger Schritt nach vorn! Niemals klang ein mind.in.a.box-Album größer, epischer, wuchtiger und abwechslungsreicher als in diesem Fall. All das, was mind.in.a.box war und ist, findet sich auf diesem Album wieder. Inzwischen hätte man ja denken können, die Band hätte sämtliche Grenzen, den Sound ihres Projekts zu definieren, ausgelotet. Und doch hat sie abermals neue Wege gefunden, Stefans Stimme elektronisch zu verfremden, neue Klangtüfteleien zu erdenken und wunderbar harmonische, elektronische Melodien, die der Science-Fiction-Handlung das passende Mäntelchen umlegen, zu ersinnen. Dass die Experimente, die er sich mit seinem Nebenprojekt Thyx gestattet, hier unweigerlich dann und wann durchschimmern, ist definitiv Segen und nicht Fluch. Ich bin schon lange dieser Meinung, aber allerspätestens jetzt müssen wir wirklich differenzieren: es gibt (düster-)elektronische Musik verschiedenster Art – und es gibt mind.in.a.box. Eine Klasse, ja ein Genre für sich. „Broken Legacies“ ist Stefan Poiss’ Meisterstück. Bisher. Nach diversen mind.in.a.box- und Thyx-Alben muss aber davon ausgegangen werden, dass das Ende der Fahnenstange noch immer nicht erreicht ist. Auch wenn er sich hiermit die Messlatte selbst enorm hoch gelegt hat. Wer bisher noch keinen Ausflug in das Dreamweb unternommen hat, dem ist nun endgültig die Ausrede dafür entzogen worden. Lange Rede, kurzer Sinn: Weltklasse-Album und ganz klar eines der besten in 2017!


Foto: Simone Horn

NOYCETM – LOVE ENDS:
Im Pressetext, der “Love Ends” ankündigt, heißt es: “In einer auf Instant-Ruhm gebürsteten Gegenwart ist es ein fataler Irrglaube, dass Musiker nach kurzjähriger Ton-Abstinenz zwangsläufig in Vergessenheit geraten müssen. So etwas geschieht eher dann, wenn es Kunst und Klang an der nötigen Substanz mangelt – und vom Gesamtwerk, aus zeitlicher Ferne betrachtet, nicht nur der sprichwörtliche “Lack” ab ist”. Ich möchte meinen, dass bei Noyce™️ nicht nur der Lack eben nicht ab ist, sondern ganz im Gegenteil: sie haben möglicherweise noch nie so geglänzt wie mit diesem Juwel von einem Album! Es gehört ein bisschen Mut dazu, aus dem Gewohnten auszubrechen. Die Düsseldorfer haben das getan, indem sie Texte mit politischem Hintergrund erstmals in Deutsch singen. Das Unterfangen ist geglückt. Darüber hinaus ist “Love Ends” ein ganz wunderbares Album, das trotz (oder vielleicht auch gerade?) wegen der gewählten Inhalte eine ganz erstaunliche Wärme versprüht. Es ist eines von dieser Sorte, mit denen man sich zudecken möchte. Möglicherweise werden jetzt wieder einige Jahre ins Land ziehen, ehe uns Noyce™️ mit einem weiteren Album beglücken. Bis dahin wird “Love Ends” aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt haben – und erst recht nicht von seiner Klasse.


Foto: Mandy Privenau (Pictures Of Life – Photography)

OBERER TOTPUNKT – NEUROSEN BLÜHEN:
Einmal mehr haben Oberer Totpunkt mit „Neurosen blühen“ bewiesen, dass sie immer für Überraschungen gut sind und ihr Handwerk verstehen. Diese Unterhaltung hat Tiefgang und ist nicht nur oberflächliches Geplänkel. Alles in allem ist dieses fünfte Konzeptalbum härter und aggressiver als der Vorgänger – wenn nicht in der Musik, dann in den textlichen Inhalten. Musikalisch wird auch hier wieder viel geboten, denn eintönig kann jeder und die Band gibt sich damit nicht zufrieden. Im Gegenteil: sie sind experimentierfreudig und erfindet sich selbst immer wieder neu. Sie haben wieder ein Meisterwerk geschaffen, dass es sich zu kaufen lohnt. Also klare Kaufempfehlung meinerseits. Und: Verrückt sind wir doch alle ein bißchen. Warum nicht dann wenigstens mit guter Hintergrundmusik dazu?


Foto: Proleturan

PROLETURAN – EMPATHY MASKED:
Proleturan legen mit „Empathy Masked“ ein grandioses und abwechslungsreiches Debut hin. Genregrenzen werden gekonnt missachtet. Herausgekommen ist ein grandioser Mix aus EBM, Industrial, Drum’n’Bass und Break-Beat. Ein Hauch Retro-Electro schwingt ebenfalls mit. Ergänzt wird das facettenreiche Klangkonstrukt gelegentlich mit einigen Gitarren, welche jedoch stets im Hintergrund als erweiterndes Element auftauchen. Der Sound ist großartig und auf den Punkt abgemischt. Die Effekte, Beats und Synthies wirken jederzeit passend. Der Gesang ist mal monoton und mal aggressiv. Trotz des etwas zurückhaltenden Tempos ist das gesamte Album tanzbar und hat an keiner Stelle einen Durchhänger. Dabei ist „Empathy Masked“ stets experimentell, düster und verschachtelt. Wo in diesem Jahr schon Fïx8:Sëd8 mit intelligentem, aber etwas sperrigen Electro auf „Foren 6“ begeisterten, setzen Proleturan an und gehen den Weg in eine tanzbarere Richtung weiter. Stellenweise scheint Andreas Schubert den klubtauglichen Soundtrack zu Blade Runner 2049 geschrieben zu haben. Das gesamte Album ist durchweg gelungen arrangiert. Atmosphäre wird erzeugt und stetig verändert. Düsterer Electro, welcher eine eigenständige Interpretation des Genres darstellt und den Hörer sofort in seinen Bann zieht. Wann kommt eigentlich das nächste Album?


Foto: Michael Kanzler / AVALOST

SUICIDE COMMANDO – FOREST OF THE IMPALED:
Ich bin mir nicht sicher, ob „Forest of The Impaled“ als Konzeptalbum gedacht war. Wahrscheinlich eher nicht, da dies meistens im Vorfeld im Zuge des Marketings als scheinbares Indiz eines größeren künstlerischen Schaffens breitgetreten worden wäre. Ob dieser künstlerische Mehrwert für Konzeptalben per se gilt, mag diskutabel sein. Es wäre im Falle dieser Platte jedoch eine gelungene Umsetzung einer thematischen konzeptionellen Grundlage. Klingt der Albumtitel vordergründig etwas plakativ, sind die Themen der einzelnen Stücke und ihre Unterteilung in die vier Kapitel durchaus schlüssig. Es zeigt sich ein roter Faden, welcher musikalisch grandios unterstützt wird. Jeder Titel kann jedoch auch für sich alleine stehen. Johan van Roy setzt sich thematisch zu Beginn mit der menschlichen Gedankenwelt und Psyche auseinander. Im Laufe der Reise entdeckt der Besucher größere Zusammenhänge, welche weit über den inneren Kampf eines Einzelnen hinausgehen. Dabei lässt uns dieses Werk Höhen und Tiefen erleben. Aus Angst und Verzweiflung entspringt Wut und der Wille zum Widerstand. Dieses Aufbegehren, diese aufkeimende innere Kraft, zerbricht am Ende in der Erkenntnis, sich nicht über eine drohende Apokalypse erheben zu können. „Forest of the Impaled“ ist eine gelungene Metapher für die inneren und äußeren Zwänge und Grausamkeiten unserer Gesellschaft.
Der musikalische Stil scheint vordergründig gar nicht soviel neues zu bieten. Johan van Roy kreiert jedoch keine reine Wiederholung seiner selbst. „Forest of the Impaled“ ist kein weiteres belangloses Dark Electro Album, welches innhaltslos daher ballert und nur von gefälliger Provokation lebt. Musikalisch präsentiert uns Johan van Roy alles, was Suicide Commando ausmachen, indem auf diesem Langspieler Arrangements und Kompositionen aus frühen und späteren Schaffensperioden zusammengeführt werden. Die Produktion ist modern und wirklich sehr gut gelungen. Daraus ergibt sich dann der einzige vordergründige Unterschied zu den Anfangszeiten. Der knarzende Industrialsound scheint noch weiter zugunsten der klareren Electro-Sounds zu verschwinden. Das mag nicht jedem „alten“ Fan gefallen.
Suicide Commando festigen eindrucksvoll den eigenen Platz auf dem Olymp des Genres. Gleichzeitig gibt dieses Album eben jenem Genre einen neuen Impuls. Gerade, weil Johan van Roy darauf verzichtet, die Geschwindigkeit noch weiter zu erhöhen und sein Album vergleichsweise langsamer komponiert, verdichtet er sein eigenes thematisches Konzept und die erzeugte Atmosphäre. Dennoch ist dieses Werk sehr tanzbar und wartet mit einigen potenziellen Klubhits auf. Ich möchte meinen, dass auf diesem Album Freunde der Tanzfläche sowie der tiefgreifenden und komplexeren Klangkonstrukte bedient werden. Johan van Roy vereint somit seine Anhänger der alten und neuen Tage so gut wie wohl nie zuvor. Chapeau.


Foto: Anton Corbijn / Universal Music

THE KILLERS – WONDERFUL WONDERFUL:
Einige Fans der ersten Stunde sind mittlerweile Zwiegespalten. Haben sich The Killers für sie doch zu sehr von den Indie-Rock-Wurzeln entfernt. Jene werden wohl auch mit Wonderful Wonderful nicht sofort hundertprozentig glücklich. Jedoch ist dieses Album eines von denen, welches mit jedem Durchlauf interessanter und besser zu werden scheint. Mich persönlich hat diese Platte gepackt. Dies mag zum Teil an dem Umstand liegen, dass ich in einem ähnlichen Alter wie Flowers bin. Ich kann mich mit einigen Texten einfach identifizieren. Das ist es wohl auch, was dieses Album ausmacht, möchte ich meinen. Die Texte sind glaubhaft und scheinen geerdet zu sein. Ja fast erwachsen. Genau wie die Band selbst. Hinzu kommt, dass diese Texte teilweise musikalisch grandios umgesetzt wurden. Die Arrangements der einzelnen Songs und deren Abfolge sind einfach schlüssig. „Wonderful Wonderful“ spiegelt ein Wechselbad der Gefühle wider, welches es schafft, die emotionale Seite vor allem von Brandon Flowers zu übertragen. Geschickt wurden verschiedene Elemente der vorherige Alben verwendet und auch dank Jacknife Lee um weitere bereichert. Selbst Brandon Flowers Gesang wirkt nochmal ausgereifter und ergreifender. Mal Pop („Rut“, „Out Of My Mind“), mal Disco („The Man“), mal etwas New Wave („Run For Cover“) und immer noch Indie-Rock. The Killers sind anno 2017 tiefgreifend und machen Spaß. Die kommende Tour kann nur wonderful wonderful werden.


Foto: Tomas Tulpe / Bakraufarfita Records

TOMAS TULPE – IN DER KANTINE GAB ES BOHNEN:
Hätten Stephan Remmler und Karl Dall eine uneheliche Tochter, sie hätten sie Tomas Tulpe getauft. „In der Kantine gab es Bohnen“ ist ein Geniestreich. Musikalisch garniert uns Tulpe ein Electro-Clash-EBM-Album der Super-Duper-Lative. Für die erste Eigenproduktion klingt Album número tres erstaunlich abwechslungsreich. Gekonnt springt Tulpe zwischen EBM, Electro und Minimal umher. So vielschichtig klang Tomas „Fucking“ Tulpe noch nie. Als ob der Wechsel von einem Schlager- zu einem Punk-Label ungeahnte schöpferische Impulse freisetzte. So wird das Werk des Tomas T. um 14 Leckerbissen für die Tanzfläche bereichert. Selbst die für heutige Verhältnisse kurze Spieldauer ist als kleiner Wermutstropfen lediglich eine Verneigung vor Genre-Größen wie DAF. Textlich ist Tulpe mal wieder auf der ganz sicheren Seite. Gekonnt spielt er mit der deutschen Sprache, sodass jedem Germanisten die Ohren schlackern. Ein zeitloses Meisterwerk des elektronischen Dadaismus – Tulpe ist New Berlin Dada.
Tomas Tulpe präsentiert sich als ein einziges Kraftwerk und verdient für seine harte Arbeit seinen verdienten Lohn. Holt euch eure Portion Bohnen aus der Kantine und tanzt den Tomas Tulpe.


Foto: Tora / Eight Day Records

TORA – TAKE A REST:
Auch wenn Chillwave draufsteht und das Album „Take A Rest“ heißt, ist Tora keine Band, die man einfach so im Hintergrund laufen hat. Die Songs bestechen durch ihre Eigentümlichkeit, es wurden verschiedene Sounds, Effekte und Techniken ausprobiert, der Text wurde oft auf Kernaussagen reduziert und die Vocals wurden dafür umso effekt- und gefühlvoller eingesungen. Die Musik, die verschiedenen Rhythmen und Instrumente, steht hier klar im Vordergrund und dient dem Text als Basis und nicht andersherum. Gefühlsmäßig treffen hier Illusion und Desillusion aufeinander, was zu großartig ambivalenten und psychedelischen Liedern führt. Für mich eine Band, die auf unkonventionelle Art und Weise jenseits des Mainstream ihren Weg geht, was ich absolut begrüße. „Take A Rest“ ist uneingeschränkt empfehlenswert für Musikliebhaber, die auf lässigen Pop, Elektronisches und Chillwave stehen sowie für alle, die einfach gerne über ihren musikalischen Tellerrand hinausblicken möchten. Ohrwurmgarantie inklusive.


Foto: Anton Corbijn / Universal Music

U2 – SONGS OF EXPERIENCE:
Kritiker werden vermutlich nörgeln, dass U2, die Dinos der leicht zu konsumierenden Rock-Musik, den jungen (oder jüngeren) Wilden wie The Killers in Sachen Sound und gefälligem Pop-Anteil hinterherhecheln. Dass es womöglich albern sei, wie sich die vier älteren Herren mit dem Flair unbeschwerter, leichtfüßiger und eingängiger Mucke umgeben und einen auf jung machen. Kann man so ankreiden. Kann man aber auch lassen. „Songs Of Experience“ macht in meinen Ohren schon vom Titel her deutlich, wo der Hammer hängt. Erfahrung kommt nicht von Ungefähr und nach so langer Zeit Überleben im Musikgeschäft, wissen sie, was getan werden muss um ein Album gelingen zu lassen. Und dass sich U2 klanglich Inspiration bei Künstlern, die ihnen nachgefolgt sind, gesucht haben, ist nur legitim – schließlich war es über Jahre, vielleicht Jahrzehnte andersherum. Unterm Strich ist mir „Songs Of Experience“ das unterhaltsamste U2-Album seit Jahren, dem es gut bekommt, dass sie frischen Wind in den Sound haben einziehen lassen – und die Weltverbesserungskeule im Schrank geblieben ist.


AVALOSTS TOP ALBEN 2017 | Spotify
Auch in diesem Jahr haben wir wieder die Gewinner in eine Spotify Playlist gepackt, damit Ihr Euch selbst einen Eindruck vom Tun der hier aufgeführten Künstler und ihren hier ausgewählten Alben machen könnt. Jedenfalls soweit es der Musikkatalog von Spotify zulässt:


AVALOSTS TOP ALBEN 2017 | Die Perlentaucherei
Auf dem Weg zu diesem Jahresabschluss führten wir in diesem Jahr auch wieder eine Art musikalisches Tagebuch bei Spotify – unsere Perlentaucherei. Der Vollständigkeit wegen binden wir diese hier ebenfalls erneut mit ein:

Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.

3 Comments

  1. Immer wieder freue mich darauf, wie ihr aufs Jahr zurückblickt und eigentlich hole ich hier auch jedes mal Versäumnisse nach in Form von Alben, die zu hören mir sonst vermutlich nie eingefallen wäre, hätte sie Roman nicht mit warmen Worten angepriesen 🙂 Danke für viele tolle Anspiel-Tipps und für jede Menge Lesespaß auf dem Blog. Was auch immer das Jahr 2017 für Avalost schwierig gemacht hat: Hoffentlich haut das 2018 für alle Beteiligten wieder besser hin – Leser bleibe ich hier aber so oder so – is klar 😉

    • Danke für die Blumen. 🙂 Der Haken hinter dieses Jahr ist ja nun gemacht; jetzt sind wir gespannt, was 2018 so können wird. Wenn ich aber sehe, dass schon im Januar neue Alben u.a. von Olli Schulz oder Kirlian Camera kommen, sieht das zumindest musikalisch schon ganz vielversprechend aus. 🙂

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