Logo der Band FragileChild.
Foto: FragileChild

Musikvorstellung: FragileChild – Adrenalin

Voll auf die Zwölf

Es gibt da etwas, das ich niemals müde werde zu betonen: Die tollste Sache an diesem Job hier ist das Finden neuer Bands. Gesteigert wird das nur noch dadurch, die Entwicklung dieser Newcomer mitzuerleben und zu sehen, wie sie sich selbst auf ihrer Reise durch die Musikwelt stets verändern, manchmal sogar neu erfinden. Eine dieser Bands ist die im Frankenland beheimatete Electro-Rock-Formation FragileChild. Die Jungs haben im Mai via Echozone ihre aktuelle Single „Adrenalin“ veröffentlicht. Ein Meisterstück und Paradebeispiel dafür, dass sich eine Band weiterbewegen kann, ohne sich komplett um 180 Grad zu drehen und bisherigen Hörern damit vor den Latz zu ballern. Wobei: vor den Latz geballert wird hier auch. Fettes Düstergeballer nämlich, und das ist auch gut so.

Ich erinnere mich noch, wie ich mich anno dunnemals über das Debütabum „Pulse Of Life“ äußern durfte. Das inzwischen vergriffene Erstlingswerk gefiel (nicht nur mir) seinerzeit durch eingängige Hooklines, die in hübsch elektronische Melodien und unverschämt geschmeidige Gitarrenriffs eingepackt waren. Eines der Highlights war das peitschende, gleichwohl ohrschmeichelnde „Escape“, das mit Steffi Weingarten (ehemals Blutengel) aufgenommen wurde. Man bewegte sich stilistisch irgendwo im Dunstkreis von In Strict Confidence und Blutengel, war aufgrund der treibenden Gitarrenbeiträge aber deutlich mit mehr Feuer im Blut unterwegs. Das war Ende 2011.

Von elektronischer Dunkelromantik zu wütendem Geballer

Jetzt, gute zwei Jahre später, hat sich nicht nur nicht die Welt weiter bewegt, sondern auch der musikalische Kosmos von FragileChild bemerkenswert verändert. „The Pulse Of Life“ beinhaltete noch eine spürbare dunkelromantische Komponente, aller kreischenden Gitarren zum Trotz. Auf „Adrenalin“ ist davon nichts mehr geblieben. Die 3-Track-Single ist Fratzengeballer deluxe. Viele Zutaten sind die gleichen geblieben: verzerrte Vocals, eingängige Melodien, treibende Beats. Und dann ist da immer noch diese Gitarre, die das Gesamtbild abrundet. Neu hingegen sind die wütenden, in deutscher Sprache verfassten Texte, die man eher bei Kunstblut vergießenden Berlinern vermuten würde. Der Energy Mix des Titelstücks gehört definitiv in jeden Düsterclub, bei dem elektronische Beats auf der Tagesordnung stehen. Braucht sich auf gar keinen Fall hinter den vermeintlich Großen des Genres zu verstecken. Von mir aus könnt Ihr DJs dieser Welt auch den „Clean Energy Mix“ nehmen, der allerdings eine knappe halbe Minute kürzer ausgefallen ist. Überdies findet sich auf dieser Single die sogenannte Kurzfilm-Version von „Kopfkino“. Ähnlich freundlich gestrickt wie der Titelsong. In jeder Playlist, egal ob auf dem iPod, beim Hörgenuss in den eigenen vier Wänden oder in einer Disco: wann immer so ein Blutonkel irgendwas von „Du Pfütze!“ gebrüllt hat, gehört dieser Song direkt im Anschluss in die Liste!

„Adrenalin“ ist mit den vorhergehenden Werken FragileChilds nur insofern vergleichbar, als diverse Zutaten dem früheren Schaffen ähneln. Ansonsten haben Dennis und Mex hier ein Kapitel aufgeschlagen, das härter und düsterer ausgefallen ist als bisher. Und attraktiver.

Die Entwicklung von FragileChild verfolge ich nun schon eine ganze Weile. Mit „Adrenalin“ haben die Jungs einen Schritt in eine Richtung getan, die ich sehr begrüße. Die neue, sehr viel härtere und düstere Attitüde steht FragileChild gut zu Gesicht. Beinahe wie ein gelungenes Kontrastprogramm zum Bandnamen. Man nähert sich hier einem Terrain an, auf dem Bands wie Agonoize seit Jahren zu Hause sind. So ein wenig Aggrotech mit Texten, die um eine klare Ansage nicht verlegen sind. Während es genügend Bands gibt, die dabei wie billige Copycats wirken (oder eben einfach nur billig), so haben sich FragileChild einmal mehr eine eigene Identität geschaffen, die sich natürlich an den Großen orientiert. Aber eben doch eigen ist. Ich bin sehr gespannt, wie diese Reise weitergeht und empfehle allen, die auf elektronische Düstermucke stehen, die die Ohren so schön zum Klingeln bringt, sich mal näher mit FragileChild zu beschäftigen. Es lohnt sich.

Cover der EP Adrenalin von FragileChild.
Erscheinungsdatum
3. Mai 2013
Band / Künstler*in
FragileChid
Album
Adrenalin
Label
Echozone
Unsere Wertung
7
Fazit
Adrenalin“ ist mit den vorhergehenden Werken FragileChilds nur insofern vergleichbar, als diverse Zutaten dem früheren Schaffen ähneln. Ansonsten haben Dennis und Mex hier ein Kapitel aufgeschlagen, das härter und düsterer ausgefallen ist als bisher. Und attraktiver.
Inhalt / Konzept
7
Texte
7
Gesang
7
Produktion
7.5
Umfang
6.5
Gesamteindruck
7
Leserwertung0 Bewertungen
0
Pro
Anstatt dunkelromantischer Electro-Mucke gibt es nun volle Kanne auf die Mütze, was erstaunlich gut funktioniert
Kontra
7
Wertung