Musik-ReviewSpotlightSynthpop/ElectropopThe Saint PaulTHE SAINT PAUL – Consequence

Roman Jasiek21. April 20133011 min

Irgendwann im Jahre des Herrn 2011 erschien mit “Rewind The Time” eine bemerkenswerte EP einer bemerkenswerten Newcomer-Band: THE SAINT PAUL. Seinerzeit war ich voll des Lobes für diese schnuckelige Scheibe, die mit ihrer unwiderstehlichen Electro- bzw. Future-Pop-Mucke in meinen Ohren selbst Szenegrößen wie Apoptygma Berzerk oder Colony 5 langweilig und von ihren Erben überholt wirken ließ. Eine Konsequenz einer tollen, von uns Presseaffen umjubelten und Konsumenten geschätzten EP ist…? Richtig, ein Album. The Saint Paul ließen dies knapp zwei Jahre reifen und hier ist sie nun, diese “Consequence”. Endlich!

Kurze Rückblende zu (Obacht, doppelter Wortwert!) “Rewind The Time”: als es darum ging, Euch The Saint Paul erstmalig vorzustellen konnte festgehalten werden, dass über die frühere musikalische Vergangenheit von Paul und Marc, den beiden kreativen Köpfen hinter TSP, ein dezenter Mantel des Schweigens gehüllt wurde. Einzig bekannt war, dass die Herren wohl bereits seit geraumer Zeit in der Electro- bzw. EBM-Szene tätig sind. Denkbar, dass man die Vorgeschichte unter den Teppich kehrte, damit Interessierte The Saint Paul frei von irgendwelchen Erwartungshaltungen genießen können.

Eine gute und richtige Entscheidung, denn so kann man sich völlig unvorbelastet einem absolut großartigem Werk hingeben. Schon “Rewind The Time” entlockte mir Begeisterungsstürme, “Consequence” übertrumpft das noch mal um Längen. [highlight highlight-color=”eg. #F96E5B” font-color=”eg. #f8f8f8″]Dabei kann ich nicht mal sagen, was mich mehr umhaut: das untrügliche Gespür für eingängige, tanzbare Melodien, ergreifende bzw. mitreissende Harmonien, Hooks die wie 9mm-Geschosse in den Schädel geballert werden und dort nicht mehr herauszuholen sind, Pauls Gesang – oder die Kombination aus alledem? Sind es die Beats, die zumindest die Füße in Bewegung versetzen? Oder ist das oft anzutreffende Potential der Songs, sich zu Gassenhauern, Clubhits oder Konzertknüllern zu entwickeln?[/highlight] Ist es am Ende vielleicht sogar die liebevolle Mühe, mit der die Songs arrangiert wurden? Das abermals fette Mastering von Jan L. (Noisuf-X bzw. X-Fusion)? Was auch immer es letztendlich ist – “Consequence” ist randvoll damit!

Mit “E:dot” beispielsweise schüttelt das Duo mal eben so einen mächtigen Clubhit aus dem Ärmel, mit dem Titelstück “Consequence” nicht weniger als eine Hymne, bei der ich Euch alle schon den Refrain bei Konzerten mitgröhlen höre. Den Körper in Bewegung versetzen sie mit “Two Faces”. Wer sich hier nicht bewegt, lässt sich womöglich nicht mal mehr mittels Stromstößen animieren. Aber auch ruhige Töne schlagen TSP an. Mit dem durch Streichersounds bereicherten “Cowardice” beweisen sie, dass sie auch ein Händchen für tolle Balladen haben, die noch nachwirken, wenn der letzte Ton längst verklungen ist. Ähnliches wiederholt sich zu späterer Spielzeit mit dem nicht weniger ergreifenden “Last Black Rose”. Um das an dieser Stelle zu betonen: Abwechslung wird auf “Consequence” groß geschrieben.

Während sich diverse Bands, die mit FuturePop groß geworden sind, aus völlig fehlgeleiteter Beschämung abgewandt haben, zelebrieren The Saint Paul hier bewusst oder unbewusst ein so oft totgesagtes Genre. Seit wann ist es eigentlich ein Makel, wenn Bands gefällige und eingängige Musik machen? Die negative Belastung des Begriffs Future Pop habe ich nie verstanden. Wenn Ihr auch zu denen gehört, die beim Begriff Future Pop die Augen verdrehen, betrachtet The Saint Pauls “Consequence” halt als düsterelektronische Popmusik, bei der Anleihen aus dem EBM-Bereich genauso gut untergebracht worden sind wie Streicher und etliche hintergründige Spielereien (Störgeräusche etc), die das Klangbild abrunden. [highlight highlight-color=”eg. #F96E5B” font-color=”eg. #f8f8f8″]Wenn VNV Nation oder Apoptygma Berzerk das Genre damals aus der Taufe hoben, dann haben es The Saint Paul mit viel Elan und einer gewissen Chuzpe zeitgemäß wiedergeboren. Sollte künftig die Rede von guten und wichtigen Szene- bzw. Genreklassikern sein, dann werde ich nicht mehr nur Königreiche oder Nordlichter ins Spiel bringen, sondern auch an “Consequence”. Chapeau![/highlight]

Fazit

Es gibt ein paar wenige, aufstrebende Bands, deren Entwicklung ich vom ersten musikalischen Lebenszeichen an mit großem Interesse verfolge. The Saint Paul ist eine dieser Bands. Ich erinnere mich gerne daran zurück, wie ich 2011 voller Verzückung von der “Rewind The Time”-EP berichten durfte. Und heute, nicht ganz 2 Jahre später, bin ich sehr stolz zu sehen, wie sich diese Band entwickelt hat. Während vor allem alteingesessene Größen auf der Stelle treten und nur noch bedingt überraschen können, kommt hier ein dynamisches und talentiertes Duo daher, dass einen festen Platz am Electro-/FuturePop-Himmel verdient hat. “Consequence” ist dem Namen entsprechend eine konsequente Weiterentwicklung, ja eine Bereicherung für das Genre. Und eines der besten Alben, welches das Jahr 2013 gesehen haben wird. Wenn Ihr, liebe Leser, auch nur ein Fünkchen Interesse an dieser Form elektronischer Musik habt, dürft Ihr Euch “Consequence” einfach nicht entgehen lassen. Und an The Saint Paul: Männers, ich bin sehr gespannt, wie Eure Reise weitergeht. Ich folge Euch auch weiterhin.


[tabs tab1=”Cover” tab2=”Infos” tab3=”Titelliste” tab4=”Anspieltipps” tab5=”Spotify” tab6=”Video”]

[tab id=1]The Saint Paul - Consequence Cover[/tab]
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  • Medium: Audio CD (19. April 2013)
  • Label: Danse Macabre (Alive)
  • Anzahl Tonträger: 1

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  1. Inside Outside
  2. Consequence
  3. Goodbye
  4. Two Faces
  5. Cowardice
  6. E:dot
  7. Rise And Fall
  8. Last Black Rose
  9. Came To Loose
  10. Lonely Despair
  11. Eternity

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  1. Consequence
  2. Two Faces
  3. Cowardice
  4. E:dot
  5. Last Black Rose

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[youtube id=”gvuqZTdk0jU” width=”620″ height=”360″]

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Links

Roman Jasiek

Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.