Dark ElectroDark PopIn Strict ConfidenceMusikMusik-ReviewSpotlightIN STRICT CONFIDENCE – Somebody Else’s Dream

Roman Jasiek20. März 20162811 minFoto: Roman Jasiek / AVALOST

Sind es tatsächlich schon wieder gute vier Jahre, seit uns der letzte Langspieler aus dem Hause IN STRICT CONFIDENCE erreichte? Sieht man von einer DVD und diversen Wiederveröffentlichungen ab: tatsächlich, der Kalender lügt nicht! „Utopia“ datiert zurück auf 2012. Da wird es nun wirklich mal Zeit für ein neues Album, wa? Jepp. Das kommt. Im Sommer, so heißt es. Vorher rufen sich In Strict Confidence jedoch mit der neuen EP „Somebody Else’s Dream“ ins Gedächtnis zurück.

Ein bisschen poetisch klingt der Titel ja schon. Und auch dem Text wohnt eine gewisse Poesie inne, behandelt er doch Männlein und Weiblein, die durch Leben und Welt straucheln und sich irgendwann gegenseitig anvertrauen, um nicht mehr den Traum anderer Leben zu müssen, sondern vielleicht zur Abwechslung mal einen eigenen. Verführt von Dunkelheit und Sünde bleibt jedoch die Frage, ob sie sich dennoch nicht nur Illusionen hingeben… Würde mich übrigens nicht überraschen, wenn es abermals biblische Motive wären, die hier für die Gestaltung des Textes Pate gestanden haben.

Musikalisch würde ich sagen: da steht In Strict Confidence drauf, da ist auch In Strict Confidence drin. Tiefes, bedrohlich wirkendes Synthie-Gebrumme eröffnet den Song, auf welches sich flirrende Klangtupfer positionieren. Dem Gegenüber steht der dunkle, raue Gesang Dennis Ostermanns – nur um dann in Form von verfremdeten, vermutlich weiblichen (Ninas?) Uuuuuuhs abermals einen Kontrast entgegen gesetzt zu bekommen. Da ist noch keine Minute vergangen und doch präsentiert sich die Single schon als kontrastreiches Wechselspiel aus hell und dunkel. Der futurepopig gestaltete Refrain hingegen fällt zunächst vermeintlich schwach aus. Zumindest bei mir will sich die Nummer nicht direkt so im Gehörgang festsetzen, wie es bei früheren Stücken ISCs der Fall war. Und doch scheint da ein Widerhaken zu sein, der mich „Somebody Else’s Dream“ noch mal hören lässt und noch mal. Und dann noch ein weiteres Mal. Und irgendwann, eigentlich ganz unbemerkt, hat es gezündet. Daher an dieser Stelle der Tipp: wer nach dem ersten Hören abwinkt, möge es durchaus noch ein paar Mal probieren. Der Song hat seine Qualitäten, versteckt sie aber zunächst. Das herausragendste Merkmal der neuen Single ist jedoch Dennis Ostermanns Gesang, der im späteren Verlauf des Liedes gekonnt zwischen Verzweiflung und Wahnsinn pendelt. Dadurch erhält „Somebody Else’s Dream“ eine ganz besondere Intensität und Dringlichkeit. Wer bis hierhin besondere Momente der neuen Single vermisste, bekommt sie spätestens in den letzten anderthalb Minuten geboten.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Die EP beinhaltet sechs Tracks. Da ist zum einen die normale Fassung des Titelstücks. Ihr folgt ein Remix von Rhys Fulber (u.a. Front Line Assembly, Delerium), das ein bisschen mehr stampft, mich aber durch die unnötigen Stimmverzerrungseffekte mehr abnervt als begeistert. Ein bisschen uninspiriert wirkt der Remix schon. Darüber hinaus bietet die EP eine Extend Version, der mit siebeneinhalb Minuten Spielzeit viel mehr Raum zur Entfaltung eingeräumt wurde. Die lange Fassung ist dann auch direkt mein Anspieltipp. Abgeschlossen wird die Behandlung des Themas „Somebody Else’s Dream“ durch den Retro Adapter Mix, der sich ebenfalls hören lassen kann. An allen Ecken fiepst und piepst, rumst und knarzt es hier. Fetzig: in dieser Version des Songs rückt der Gesang von Herrn Ostermann noch mehr in eine Kinski-ähnliche Richtung.

Sagen wir mal so: die beste oder spannendste Single aus dem Hause In Strict Confidence ist „Somebody Else’s Dream“ nicht. Die schlechteste aber eben auch nicht. Nach einem Überflieger wie „Morpheus“ damals ist man als Konsument aber ohnehin maximal verwöhnt. Aber die neue Single gewinnt mit jedem neuerlichen Hördurchgang ein bisschen hinzu und liefert ansonsten den typischen ISC-Sound. Das auffälligste Merkmal ist und bleibt hier der bemerkenswert eindringliche Gesang von Dennis Ostermann.

Abgerundet wird die EP mit dem Bicker Remix des Klassikers „Seven Lives“. Breakbeats galore. Ob diese neue Fassung nötig war oder nicht, muss jeder für sich entscheiden; mir persönlich gefällt die Neubearbeitung aufgrund des deutlich gehobenen Tempos ziemlich gut. Fehlen eigentlich nur noch ein paar anständige Drops und massive Bässe, dann hätte es auch eine prima Drum&Bass-Nummer werden können. Muss man aber vermutlich ein Faible für haben. Und dann ist da noch der Non-Album-Track „The Future“. Ein sehr eigenwilliger Song mit einer ganz bemerkenswerten Stimmung, der aufgrund der Spielzeit von etwas mehr als drei Minuten auf mich einen unfertigen Eindruck macht. Die hübschen Melodiebögen, die hier herausgearbeitet wurden, sind viel zu schnell und viel zu plötzlich vorbei. Kaum hat man es sich in dem Song bequem gemacht und die Gedanken zu treiben begonnen, wird man schon wieder zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Hier wäre eine Extended Version definitiv sehr wünschenswert!

Sechs Songs mit einer Spielzeit von einer guten halben Stunde, dazwischen nur ein Track, der irgendwie überhaupt nicht über den Status meh hinauskommen will – insgesamt betrachtet passt das schon, was Dennis Ostermann und seine Mitstreiter hier abgeliefert haben. Dazu noch das schicke Video zum Titelstück – fertig ist der erste, durchaus bekömmliche Appetitanreger auf das kommende Album. Von mir aus könnte es damit auch losgehen jetzt.


Fazit: Sagen wir mal so: die beste oder spannendste Single aus dem Hause In Strict Confidence ist „Somebody Else’s Dream“ nicht. Die schlechteste aber eben auch nicht. Nach einem Überflieger wie „Morpheus“ damals ist man als Konsument aber ohnehin maximal verwöhnt. Aber die neue Single gewinnt mit jedem neuerlichen Hördurchgang ein bisschen hinzu und liefert ansonsten den typischen ISC-Sound. Das auffälligste Merkmal ist und bleibt hier der bemerkenswert eindringliche Gesang von Dennis Ostermann. Ansonsten tut „Somebody Else’s Dream“ genau das, weshalb es vorab veröffentlicht wurde: Gespannung auf das kommende Album wecken. Und dann ist da ja noch dieser Geheimtipp namens “The Future”…


ISC_EP


Roman Jasiek

Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.