BlaspherionMetalMusikMusik-ReviewBLASPHERION – Restus Corpus

Christian Giesdorf30. Januar 2018424 minFoto: Blaspherion

Sonne, Strand und Copacabana. Dafür ist Brasilien bekannt. Das in dieser sonnigen Landschaft aber auch recht fieser Death Metal gedeiht, mag manch einen überraschen. Bei Metal und Brasilien denken die meisten Genrefans zuerst an Sepultura. Blaspherion zeigen sich mit ihrer Debut-EP „Restus Corpus“ jedoch von einer wilderen Seite. Blaspherion stehen für straighten und vor allem oldschooligen Death Metal. Erschienen ist diese Platte schon im April 2017. Jedoch haben wir bei Avalost ein Herz für Newcomer. Eben jenes Metal-Herz begeistern die Mannen aus Südamerika.

Transmutação das Almas“ ist ein düsteres Intro mit choralem Gesang und lässt böses erahnen. „Causa Mortis“ drischt geschwind hinterher. Die tiefen Growls klingen schön fies und bedrohlich. Der Track ist recht oldschool-lastig und erinnert ein wenig an die frühen Six Feet Under. Allerdings waren SFU damals schon besser produziert. Blaspherion stellen sich hier jedoch mit einem selbstproduzierten Werk vor. Somit verbietet sich an dieser Stelle ein Vergleich. Eigentlich ist dieser rohe und wilde Sound sogar ziemlich erfrischend. Sticht die EP dadurch zwischen heutigen oft zu glatt gebügelten Metalplatten hervor. Der Titeltrack „Restus Corpus“ setzt den ersten Eindruck fort. Dabei werden die tiefen Growls erneut mit kreischenden Parts – quasi als Duett – eingesetzt. Harte Riffs und schnelle Rhythmen tun ihr übriges auf der Aggressionsskala. Das abschließende „Queime a Igreja“ reiht sich nahtlos in die Dunkelheit dieser EP ein. Das kurze Outro des Songs erinnert an das Intro der EP und sorgt so für einen runden Abschluss.

Wenngleich der Stil irgendwie nach Death Metal aus den 90igern klingt, ist Blaspherion mit dieser EP doch etwas Erfrischendes. Wie ein ungeschliffener Diamant, der sich vehement dagegen wehrt, seine rohe Form abzulegen. Hat der geneigte Hörer die knapp 12 Minuten überstanden, muss dieser erste einmal durchatmen oder eben sofort wieder auf Play drücken. Nach so kurzer Spieldauer hat ein geübter Headbanger ja noch Kapazitäten im Nacken. Also Haare auf und los moshen. Den perfekten Sound dafür bringen Blaspherion jedenfalls mit.


BLASPHERION - Restus Corpus


Christian Giesdorf

Unter dem Pseudonym Joker Montana hat der Autor bisher eher selbst Musik „geschrieben“ als selbst über Musik zu schreiben. Doch als studierter Historiker und Germanist war es wohl nur eine Frage der Zeit sowie logische Konsequenz, die Schreibtätigkeit über die Musik als weitere Leidenschaft aufzunehmen. Musikalisch aus dem Punk und Alternative stammend, erweiterte sich das eigene Spektrum schnell über Gothic hin zu diversen Subgenre aus Metal und Electro. Dabei fühlt man sich vor allem in den härteren Gefilden wohl – Dark-Electro/Aggrotech, Noise, Industrial-Rock/Metal, Goth-Metal... Ob entspannt über Kopfhörer oder bei Konzerten eher unkontrolliert im Pulk umher springend, ist Musik doch eines der erhellendsten Ereignisse im Leben. Der Tellerrand ist dabei nie zu hoch und dennoch ist „Alles“ auch bloß keine Musikrichtung. Diskutiert werden kann ja über alles, aber gestaltet sich die bescheidene Meinung dieses Schreiberlings frei nach Jean-Jacques Nattiez: „The border between music and noise is always culturally defined […] there is no single an intercultural universal concept defining what music might be.“ und Trent Reznor: „I think there`s something strangely musical about noise.“