KMFDM: Neue EP "Yeah!" erscheint am 23. Juni, neues Album "Hell Yeah" folgt im August
Foto: Franz Schepers

KMFDM – Yeah !

Auf der Suche nach gutem Industrial Rock kommt der geneigte Hörer in diesem Jahr nicht an diesen fünf Buchstaben vorbei: KMFDM. Als Vorbote zum im August erscheinenden Album präsentiert uns die International-Industrial-Rock-Supergroup eine knackige 5-Track-EP namens „Yeah“, die nicht nur das Tanzbein in Wallung bringt sondern zudem gewohnt bissige Kritik am System hinaus schreit.

Der Titeltrack „Hell Yeah“ begrüßt den Hörer mit einem auf kindlich verstimmten Begrüßungssample und knackigen Electro-beats. Spätestens mit den nach 45 Sekunden einsetzenden typischen Gitarren und dem markanten Gesang von Mastermind Sascha Konietzko wird es zunehmend rockig und vor allem angriffslustig. Unterlegt von mal sphärischen und mal verspielten Synthies treibt der Song ohne Pause knackig nach vorn. Hinter dem positiv anmutende Titel der EP verbirgt sich natürlich kein Aufruf zum Feiern. Hey – wir reden hier immerhin von einer Band, welche sich schon immer und vor allem in Zeiten der politischen Irrungen und Wirrungen prägnant sowie zynisch zu Wort meldete. So ist „Hell Yeah“ eine Warnung, dass sich Ärger anbahnt – fragt sich nur für wen (na eigentlich nicht wirklich). „Stand your ground, only the tough will survive – Ride the tornado – Dance on the volcano!” Ok, machen wir.

Der zweite neue Song „Freak Flag“ wird als Edit veröffentlicht und zeigt das andere Gesicht der Band. Hymnisch trägt Lucia Cifarelli einen hymnisch anmutenden Lobgesang auf alle Außenseiter vor. Der angesprochene Hörer möchte seine Flagge selbst sofort in den Wind halten oder eben los tanzen. Der Song ist ähnlich dem Titeltrack sehr klubtauglich und besticht durch seine ausgefeilten elektronischen – fast schon Dubstep-artigen – Elemente in Verbindung mit den gewohnt treibenden Gitarrenriffs – „let your freak flag fly“.

Auf einer ordentlichen EP sollten natürlich die Remixe nicht fehlen. So dürfen sich zunächst Lord Of The Lost am Titeltrack abarbeiten. Selbst wer kein Fan dieser Truppe ist kann Spaß an ihrer Interpretation haben, welche wesentlich goth-rockiger daher kommt (wer hat bei LOTL was von Dark-Rock gesagt?). Das Instrumental könnte durchaus aus der Feder der Hamburger stammen. Somit ist die Aufgabe, dem Song ein neues Band-typisches Gewand zu verpassen, durchaus gelungen. Weniger elektronisch und dafür mehr Gitarre.

Als weiteres Schmankerl bekommen wir eine elektronisch treibende und dadurch dichtere Neuinterpretation von Attak auf die Lauscher. Der Mix hat härtere Beats, welche den Song aggressiver, aber auch tanzbarer als das Original wirken lassen. Quasi zum 15-jährigen Jubiläum des Albums Attack dürfen wir bei Attak 2017 zusammen mit Lucia am Mikro abermals die Kontrolle des Staats und das System als solches attackieren.

Abgeschlossen wird mit dem Edit des Titeltracks. DJ-freundlich wird dieser noch einmal sample-frei in knackigen vier Minuten durchgeprügelt. Fetzt.


Fazit: Der bekannte Mix der Band aus Industrial und Rock wird wieder einmal per excellence und mit treibender Intensität vorgetragen. Gut produziert und mit fünffachen Klubhitpotenzial ist KMFDM mit „Yeah“ ein krachendes Geschenk an Fans der Band und des Genres gelungen. Der 23. Juni sollte sich rot im Kalender vermerkt werden. An diesem Tag präsentieren KMFDM eine wütende und trotzdem tanzbare Vorspeise auf das kommende Album, welche so richtig hungrig macht. YEAH!


KMFDM - Yeah !


Unter dem Pseudonym Joker Montana hat der Autor bisher eher selbst Musik „geschrieben“ als selbst über Musik zu schreiben. Doch als studierter Historiker und Germanist war es wohl nur eine Frage der Zeit sowie logische Konsequenz, die Schreibtätigkeit über die Musik als weitere Leidenschaft aufzunehmen. Musikalisch aus dem Punk und Alternative stammend, erweiterte sich das eigene Spektrum schnell über Gothic hin zu diversen Subgenre aus Metal und Electro. Dabei fühlt man sich vor allem in den härteren Gefilden wohl – Dark-Electro/Aggrotech, Noise, Industrial-Rock/Metal, Goth-Metal... Ob entspannt über Kopfhörer oder bei Konzerten eher unkontrolliert im Pulk umher springend, ist Musik doch eines der erhellendsten Ereignisse im Leben. Der Tellerrand ist dabei nie zu hoch und dennoch ist „Alles“ auch bloß keine Musikrichtung. Diskutiert werden kann ja über alles, aber gestaltet sich die bescheidene Meinung dieses Schreiberlings frei nach Jean-Jacques Nattiez: „The border between music and noise is always culturally defined […] there is no single an intercultural universal concept defining what music might be.“ und Trent Reznor: „I think there`s something strangely musical about noise.“