SUICIDE COMMANDO - Forest Of The Impaled
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

SUICIDE COMMANDO – Forest Of The Impaled

Wertung

Inhalt / Konzept / Texte
9/10
Klang / Produktion
8/10
Kreativität
8.5/10
Verpackung / Artwork / Extras
6/10
Fan-Faktor
10/10
Umfang / Spieldauer
9/10
Gesang
6.5/10
Gesamteindruck
9.5/10
Gesamt
8.3/10

Ihr kennt das. Diese Momente im Leben, welche sich in das Bewusstsein einbrennen und einen selbst nachhaltig beeinflussen. Das müssen (und sind es oftmals auch nicht) die lebensumwälzenden „großen“ Ereignisse sein. In jugendlichen Jahren reichen da schon vergleichsweise banale Dinge. Ich hatte solche Momente des Öfteren im Zusammenhang mit Musik. So geschehen an einem Abend, an dem ich im zarten Alter von 14 oder 15 auf einem Sampler, dessen Titel ich leider vergessen habe, einen bestimmten Song hörte: „Better Off Dead“.

Bis dahin beschränkte sich meine elektronische Bandbreite auf die Synthies diverser Industrial-Metalbands und diesem einem Genre namens Eurodance. Es ist also schon etwas länger her. Nun hämmerte mir dieser Belgier mit seinem Projekt SUICIDE COMMANDO diesen Song um die Ohren. Selbst 20 Jahre später beeindruckt mich dieser Titel samt Album („Construct – Destruct“) noch und Johan van Roy ist seit diesem Abend fest in meiner persönlichen Discographie als Fundament verankert. Ich konnte nicht anders und musste damals innerhalb kürzester Zeit diverse seiner und ähnlicher Werke in meinen Besitz bringen. Zusammen mit Hocico, Wumpscut und Terminal Choice (die hatten ja auch mal einen electro-lastigeren Sound), die auf besagtem Sampler vertreten waren, eröffnete sich mir damals ein Subgenre, welches rückblickend sehr prägend war – wenn nicht sogar am prägendsten.

Eben dieser durchgeknallte Belgier hat vor einiger Zeit sein neuestes Werk in den Äther gegeben. Das ließ in mir sowohl große Vorfreude als auch gleichzeitige Skepsis aufkommen. In einer lang andauernden und produktiven Schaffenszeit eines Künstlers erwartet der geneigte Anhänger ja doch irgendwann einen Bruch, welcher das weitere künstlerische Wirken in ein belangloses Hintergrundrauschen driften lässt, während der Fan in den guten alten Zeiten zu schwelgen beginnt. Suicide Commando-Mastermind Johan van Roy ist dies bisher nicht passiert. Im Gegenteil – ich darf an dieser Stelle schon einmal vorweg greifen – Johan van Roy ist mit „Forest of the Impaled“ wahrscheinlich eines seiner besten Alben gelungen.

SUICIDE COMMANDO - Forest Of The Impaled
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Der Wald ist seit jeher im menschlichen Bewusstsein durch seine verschiedenen Symbollinien verankert. Vor allem in älteren Epochen stand der Wald für eine dunkle und bedrohliche Welt voller Gefahren und seltsamer Kreaturen. Nicht umsonst spielen viele Sagen und Märchen im Wald. Selbst heute haftet dem Wald noch eine Bedeutungsebene der Abgeschiedenheit von allem weltlichen Treiben an. Oftmals ist der Wald Schauplatz grausamer Verbrechen oder soll selbige dort verstecken. Der Wald ist also ein tiefer, düsterer und wilder Raum, welcher somit eine Projektionsfläche der menschlichen Psyche sein kann. Die Metaphorik des Albumtitels ist für Johan van Roy mehr als nur bloße Provokation. In Verbindung mit den teils persönlichen Texten wird dem Hörer diese menschliche Psyche – unterteilt in die vier Kapitel: „Justice“, „Death“, „The Devil“ und „The Hanghed Man“ – auf sehr eindringliche Weise präsentiert. Die seltsamen Kreaturen spiegeln die eigenen Dämonen wider und die menschliche – vor allem die eigene – Psyche wird in ihren dunkelsten Facetten anhand einer schaurigen Reise ergründet. Der geneigte Hörer wird hier zu einem Besucher dieses „Forest of the Impaled“.

Eine Konstante im Schaffen von Suicide Commando sind die oftmals ausschweifenden Intronisationen einzelner Lieder. So wird auch anno 2017 eröffnet. „The Gates of Oblivion“ beginnt mit düsteren Flächen und einem Mönchschor, bevor eine für Suicide Commando unverkennliche Hookline und die im Midtempo angesiedelten harten Beats einsetzen. Doch ist dieser Song nicht einfach ein erster düsterer Schatten des Gesamtwerkes, gleich zu Beginn wird der Hörer durch eine Kooperation des Belgiers mit Nero Bellum (Mastermind hinter Psyclon Nine) sowie Yone (Decoded Feedback) begrüßt. In Verbindung mit Neros unverkennbaren Shouts sowie Lyrics wirkt dieser Opener sehr beklemmend und drängen den Hörer in eine ausweglose Ecke des geistigen Raums. Nachdem der Hörer in dieser dunklen Ecke gefangen zu sein scheint, eröffnet Johan mit seinen aggressiven Vocals, untermauert von schnellen, harten Drums. Der Hörer wird nun förmlich aus seiner Ecke durch ein dichtes Dornengebüsch in den Wald gejagt. Nach den ersten sechs Minuten sollte dem Hörer – der nun ein Besucher des Waldes wird – klar sein, worauf er sich beim Betreten des “Forest of the Impaled“ eingelassen hat.

SUICIDE COMMANDO - Forest Of The Impaled
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Die Schlagzahl bleibt auch weiterhin hoch. Mit „My New Christ“ folgt der erste potenzielle Klubhit. Suicide Commando besinnen sich hier auf ihre bewährte Härte und wüten aggressiv gegen die Kirche und Obrigkeiten aller Art. Die besungene Figur des Jesus kann hier ebenso allegorisch für etwaige Systeme der Macht stehen, welche dieser Tage durchaus verstärkt hinterfragt werden müssen. Die Synthies, die mit 135bpm stampfenden Drums unterlegt sind, klingen dabei sehr unverwechselbar nach Suicide Commando. Eine Unverwechselbarkeit, welche vielen Musikern sicher zum Verhängnis werden würde, schafft es Johan van Roy doch, ein bewährtes Klangkonstrukt zu arrangieren, ohne sich dabei zu wiederholen. Minimale Lyrics und eine eingängige Hookline sorgen für maximalen Bewegungsdrang. Das erste Kapitel „Justice“ wird mit dem Song „Too Far Gone“ abgeschlossen. Die Geschwindigkeit wird wieder reduziert und auch die Stimmung erlebt eine kleine Kehrtwende. Die fast schon popige Melodieführung und die breakbeat-artigen Drumloops konterkarieren die sehr düsteren Lyrics. Inhalt und Instrumental erscheinen eigentlich konträr, da die schon fast fröhlich-hymnische Hookline – es könnte durchaus eine Ballade sein – sich nicht einfach mit dem Verlust eines geliebten Menschen, sondern wohl auch mit der Ermordung selbiger beschäftigen. Das aufwühlende Unverständnis nach einer verlorenen Liebe, welches in einer Bluttat endet, ist kein neues Thema, aber hier doch interessant interpretiert.

„Forest of the Impaled“ ist kein weiteres belangloses Dark Electro Album, welches innhaltslos daher ballert und nur von gefälliger Provokation lebt. Musikalisch präsentiert uns Johan van Roy alles, was Suicide Commando ausmachen, indem auf diesem Langspieler Arrangements und Kompositionen aus frühen und späteren Schaffensperioden zusammengeführt werden.

Im ersten Kapitel begegnet uns also eine düstere Begrüßung, welche eher eine Drohung ist. Weiterhin erleben wir zwei unterschiedliche Beispiele für Selbstjustiz – auf gesellschaftlicher und persönlicher Ebene – wobei dem Hörer selbst überlassen wird, einem Urteil zuzustimmen oder es zu hinterfragen.
Ein musikalischer Schatz versteckt sich in „Death Lies Waiting“, welches das zweite Kaitel einläutet. Vor allem Liebhaber der frühen Schaffensperioden von Suicide Commando werden sich hier wiederentdecken. Ein düsteres und atmosphärisches Stück voller Todeserwartung. Die erneut minimalistischen Drums und einprägsame Melodieführung versetzen den Hörer genau in die Stimmung des Textes. Passend nach „Too Far Gone“ scheint hier eine Erkenntnis zu reifen, wie einem die eigenen grausamen Taten den Boden unter den Füßen wegreißen können. Gleichsam kann der Text auch metaphorisch für die angsteinflößende Situation stehen, wenn einem Menschen der eigene Tot als einziger Ausweg wie ein dunkles Licht am Ende des Weges erscheint. Ein wunderbar bedrückendes Oldschool-Stück.

SUICIDE COMMANDO - Forest Of The Impaled
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Johan van Roy versteht es bei den Arrangements seiner Alben sehr gut, den Hörer in ein von Angst erfülltes Loch zu stoßen, nur um ihn danach sofort wieder aus diesem heraus zu jagen. So folgt mit „The Pain That You Like“ der Klubhit des Albums. Schon vorab als Single veröffentlicht, wird uns hier eine weitere Kooperation mit einer Größe der düsteren elektronischen Musik präsentiert. Kein geringerer als Jean-Luc De Meyer von Front 242 scheucht, zusammen mit Johan, den Besucher tiefer in diesen Wald. Zusammen erschaffen sie einen Song, der eine dieser den Besucher jagenden Kreaturen des Waldes zu sein scheint.

Was einen Wald ausmacht ist sicher nicht nur seine Symbolik, sondern vordergründig und ganz simpel die Masse an Bäumen. In diesem Wald steht ein besonderes Exemplar, der „Poison Tree“. Dieser ist Teil einer Abrechnung mit allem, was einem entgegen steht. Der Besucher agiert hier nach der Devise „wenn mich der Hass nährt, lasse ich dich von giftigen Pflanzen kosten“. Dabei schafft es Johan van Roy mit seinem Arrangement eine eher mittlere Geschwindigkeit von 110bpm sehr tanzbar werden zu lassen. Ein weiteres aggressives Stück, welches den Bewegungsdrang am Leben hält und damit ein versteckter Tanzflächenfüller sein könnte. Das zweite Kapitel „Death“ zieht letztlich aus einer anfänglichen Todesangst eine gewisse Urgewalt voller Aggression. Somit erinnert dieser Teil an den Eintritt in den Wald, welcher voller Schatten war. Einen sicheren Pfad hat der Besucher schon längst verlassen.

Kapitel drei – „The Devil“ – eröffnet mit einem richtigen Ungetüm und deutschen Lyrics. „The Devil“ besticht durch seine dichte Atmosphäre und harten Drummsettings. Erstaunlicherweise wird das Tempo abermals gedrosselt ohne, dass es den Hörer einschläfert. Die Synthies sowie Bassline zwingen den Hörer zusätzlich in die Knie. „The Devil“ ist eine Antihymne und der Refrain unterstützt diese durch seine Antithesen, indem den typisch göttlichen Atributen der Herrlichkeit ihre Gegensätze entgegen gestellt werden. Dadurch wird alles göttliche als Trugbild entlarvt. Der Song fühlt sich an wie eine nächtliche Lichtung im Wald. Nachdem sich der Waldbesucher – getrieben von den bisherigen Ereignissen – durch ein Dickicht gekämpft hat, schreit er hier seine Enttäuschung gen Firmament. Keine göttliche Macht konnte ihn erlösen oder retten. Vielmehr hat sie ihn verraten und verdient nur noch Verachtung. Noch immer lässt sich in der christlich geprägten Gedankenwelt eine solche Situation am besten mit der Figur des Teufels verbinden. Dieser Ur-Rebell, der die erste Revolution von Bedeutung entfachte, dient an dieser Stelle als ideale Personifikation des inneren Widerstands.

SUICIDE COMMANDO - Forest Of The Impaled
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Doch streift der Besucher nun endgültig getrieben und ziellos durch einen Wald voller Agonie und Pain. Eine Kluft der Leere tut sich auf. Innerlich scheint unser Besucher aufzugeben, während er tiefer in diesen Wald und somit in die eigene Psyche eintaucht. „Chasm of Emptiness“ ist ein fast ruhiger, aber dennoch intensiver Song. Der treibende Beat und die eher hintergründige Hookline lassen den Hörer diese Verzweiflung sehr eingängig miterleben. Die Shouts von Johan klingen klagend und wütend zugleich. Keine opulenten Synthies oder verspielten Drumloops. Dafür eine präzise thematisch angemessene Komposition, welche dennoch tanzbar ist. Eben diese Tanzbarkeit setzt sich anschließend fort. „Crack Up“ ist die passende thematische Ergänzung in diesem dritten Kapitel. Unser Besucher schrie seine Verachtung heraus, verzweifelte jedoch fast zeitgleich an der Agonie der Einsamkeit. Nun findet er sich in den Schatten des Waldes in einem Trauma des Verfalls wieder. Gefangen in einem komatösen Zustand, aus dem er sich zu befreien versucht, fängt er langsam an durchzudrehen. Johan van Roy versteht es hier, gekonnt eine entsprechend treibende und trotzdem beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Die schnellere Komposition wird von einigen einprägsamen Synthies getragen. Dabei wird das Arrangement immer weiter aufgebaut, bis der Punkt des Wahns erreicht zu sein scheint. Johan wechselt dabei zwischen verzerrten Vocals und Vocoder, wodurch eine Stimmung der Schizophrenie erzeugt wird.

Eine solche Schizophrenie zeigt sich jedoch nicht einzig im inneren eines einzelnen Menschen, sondern ist ein Teil unserer Gesellschaft. Es müssen nicht immer die eigenen Dämonen sein, die uns umtreiben. Äußere Umstände beeinflussen uns ebenso. Diese Erkenntnis leitet das finale Kapitel ein. „The Hanged Man“ – ein passenderes Ende scheint es in einem Wald nicht zu geben. „Schiz[o]topia“ ist eine Abrechnung mit gesellschaftlichen Zwängen und Bigotterie. Die Thematik wird musikalisch durch ein verspieltes Arrangement mit Streichern und einer Mischung aus Schreigesang und viel Vocoder umgesetzt. Der Song wirkt dadurch anklagend, aber nicht übertrieben aggressiv. Die Melancholie ergibt sich durch die Erkenntnis der Ausweglosigkeit und wird durch den Text verstärkt. Suicide Commando zeigt in diesem Stück keinen Weg auf, welcher auf die eine oder andere Weise eine Änderung der Situation herbeiführen würde. Der Besucher scheint sich also dem Ende seines Irrweges zu befinden. Dieser Wald, welchen der Besucher so schauderhaft durchquert hat, scheint keinen Ausweg zu haben. Den Kreaturen – den eigenen Dämonen – kann und will sich der Besucher nicht länger entgegenstellen.

Am Ende lässt Johan van Roy alles in einer Apokalypse – quasi einem Waldbrand – untergehen. “We Are Transitory“ ist eine Prophezeiung eines alles vernichtenden Weltenbrands. Diese Dystopie wird in eine für Suicide Commando typische Komposition verpackt. Hymnisch und gleichzeitig beklemmend schneiden Streicher und Synthies durch eine verfallene (Klang-)Landschaft. Das Drumsetting schlägt mit voller härte zu und lässt die 130bpm durch den abgehackten Rhythmus langsamer aber bedrohlich wirken. Johan wechselt dabei zwischen verzerrten Shouts und Vocoder. Ein gelungenes thematisches sowie musikalisches Finale dieses Albums.


Fazit: Ich bin mir nicht sicher, ob „Forest of The Impaled“ als Konzeptalbum gedacht war. Wahrscheinlich eher nicht, da dies meistens im Vorfeld im Zuge des Marketings als scheinbares Indiz eines größeren künstlerischen Schaffens breitgetreten worden wäre. Ob dieser künstlerische Mehrwert für Konzeptalben per se gilt, mag diskutabel sein. Es wäre im Falle dieser Platte jedoch eine gelungene Umsetzung einer thematischen konzeptionellen Grundlage. Klingt der Albumtitel vordergründig etwas plakativ, sind die Themen der einzelnen Stücke und ihre Unterteilung in die vier Kapitel durchaus schlüssig. Es zeigt sich ein roter Faden, welcher musikalisch grandios unterstützt wird. Jeder Titel kann jedoch auch für sich alleine stehen. Johan van Roy setzt sich thematisch zu Beginn mit der menschlichen Gedankenwelt und Psyche auseinander. Im Laufe der Reise entdeckt der Besucher größere Zusammenhänge, welche weit über den inneren Kampf eines Einzelnen hinausgehen. Dabei lässt uns dieses Werk Höhen und Tiefen erleben. Aus Angst und Verzweiflung entspringt Wut und der Wille zum Widerstand. Dieses Aufbegehren, diese aufkeimende innere Kraft, zerbricht am Ende in der Erkenntnis, sich nicht über eine drohende Apokalypse erheben zu können. „Forest of the Impaled“ ist eine gelungene Metapher für die inneren und äußeren Zwänge und Grausamkeiten unserer Gesellschaft.
Der musikalische Stil scheint vordergründig gar nicht soviel neues zu bieten. Johan van Roy kreiert jedoch keine reine Wiederholung seiner selbst. „Forest of the Impaled“ ist kein weiteres belangloses Dark Electro Album, welches innhaltslos daher ballert und nur von gefälliger Provokation lebt. Musikalisch präsentiert uns Johan van Roy alles, was Suicide Commando ausmachen, indem auf diesem Langspieler Arrangements und Kompositionen aus frühen und späteren Schaffensperioden zusammengeführt werden. Die Produktion ist modern und wirklich sehr gut gelungen. Daraus ergibt sich dann der einzige vordergründige Unterschied zu den Anfangszeiten. Der knarzende Industrialsound scheint noch weiter zugunsten der klareren Electro-Sounds zu verschwinden. Das mag nicht jedem „alten“ Fan gefallen.
Suicide Commando festigen eindrucksvoll den eigenen Platz auf dem Olymp des Genres. Gleichzeitig gibt dieses Album eben jenem Genre einen neuen Impuls. Gerade, weil Johan van Roy darauf verzichtet, die Geschwindigkeit noch weiter zu erhöhen und sein Album vergleichsweise langsamer komponiert, verdichtet er sein eigenes thematisches Konzept und die erzeugte Atmosphäre. Dennoch ist dieses Werk sehr tanzbar und wartet mit einigen potenziellen Klubhits auf. Ich möchte meinen, dass auf diesem Album Freunde der Tanzfläche sowie der tiefgreifenden und komplexeren Klangkonstrukte bedient werden. Johan van Roy vereint somit seine Anhänger der alten und neuen Tage so gut wie wohl nie zuvor. Chapeau.


SUICIDE COMMANDO - Forest Of The Impaled


Unter dem Pseudonym Joker Montana hat der Autor bisher eher selbst Musik „geschrieben“ als selbst über Musik zu schreiben. Doch als studierter Historiker und Germanist war es wohl nur eine Frage der Zeit sowie logische Konsequenz, die Schreibtätigkeit über die Musik als weitere Leidenschaft aufzunehmen. Musikalisch aus dem Punk und Alternative stammend, erweiterte sich das eigene Spektrum schnell über Gothic hin zu diversen Subgenre aus Metal und Electro. Dabei fühlt man sich vor allem in den härteren Gefilden wohl – Dark-Electro/Aggrotech, Noise, Industrial-Rock/Metal, Goth-Metal... Ob entspannt über Kopfhörer oder bei Konzerten eher unkontrolliert im Pulk umher springend, ist Musik doch eines der erhellendsten Ereignisse im Leben. Der Tellerrand ist dabei nie zu hoch und dennoch ist „Alles“ auch bloß keine Musikrichtung. Diskutiert werden kann ja über alles, aber gestaltet sich die bescheidene Meinung dieses Schreiberlings frei nach Jean-Jacques Nattiez: „The border between music and noise is always culturally defined […] there is no single an intercultural universal concept defining what music might be.“ und Trent Reznor: „I think there`s something strangely musical about noise.“