FLÜCHTLINGSHILFE: Petition und Crowdfunding-Kampagnen zugunsten von Rettern im Mittelmeer
Foto: Roman Jasiek / AVALOST

FLÜCHTLINGSHILFE: Petition und Crowdfunding-Kampagnen zugunsten von Rettern im Mittelmeer

Wer die letzten Tage und Wochen nicht auf dem Mond verbracht hat wird sicherlich mitbekommen haben, wie mit Flüchtlingen umgesprungen wird, die in aller Verzweiflung den Weg über das Mittelmeer auf sich genommen haben, um vielleicht ihr Leben zu retten – nur, um dann an den Grenzen der Festung Europa abgewiesen zu werden. Leute wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder finden gar Worte wie „Asyltourismus“ – ehrlich, da kann ich gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte! Und nicht genug – wer in Seenot gerät, dem ist Hilfe zu leisten. Wer zu ertrinken droht, dem ist zu helfen. In der Wikipedia wird dies unter dem Punkt Völkerrecht im Artikel zur Seenotrettung etwas ausführlicher dargestellt. Dort heißt es:

Nach internationalem Seerecht (SOLAS von 1974 und Internationales Übereinkommen von 1979 zur Seenotrettung) und seemännischer Tradition ist jeder Schiffsführer auf hoher See innerhalb seiner Möglichkeiten verpflichtet, unabhängig von Nationalität, Status und Umständen, in welchen sich die Hilfesuchenden befinden, bei Seenot unverzüglich Hilfe zu leisten, wenn er über eine konkrete Notsituation informiert wird.

Punkt. Es kann also nicht sein, dass etwa der Besatzung des Schiffes Lifeline, zurzeit auf Malta festgesetzt, rechtliche Konsequenzen dafür angedroht werden, dass sie 230 Menschen das Leben rettete. Wo sind wir denn inzwischen angekommen? Das Süddeutsche Zeitung Magazin schreibt in einem kürzlich veröffentlichten Kommentar sehr richtig:

Es geht nicht um unterschiedliche Auffassungen, wie man mit Migranten- und Flüchtlingsbewegungen umgehen soll. Es geht nicht darum, dass man »nicht alle aufnehmen« kann. Es geht schlicht um ein Mindestmaß an Zivilisiertheit: Wer gerade dabei ist, zu ertrinken, der ist weder Flüchtling noch Migrant, der ist weder Afrikaner noch Europäer, weder Muslim noch Christ, der ist ein Mensch, der gerade dabei ist, zu ertrinken, und man muss alles unternehmen, um ihn zu retten.

Das kann gar nicht oft genug betont werden! Ich finde es außerordentlich schwierig, hier in diesem Blog unter anderem auch das Thema Kreuzfahrten zu behandeln, wenn gleichzeitig so eine humanitäre Katastrophe passiert und sich (oftmals) weiße Männer mittleren und fortgeschrittenen Alters, die ganz augenscheinlich weder den Punkt christlich noch sozial ihrer eigenen Partei verstanden zu haben scheinen, so selbstgefällig, so menschenverachtend über Schicksale hinwegsetzen. Und nicht nur das: sie tun offenbar nicht nur nicht so richtig irgendwas, um die Situation zu verbessern – außer Europa immer mehr in eine Festung zu verwandeln – nein, sie verhindern quasi auch noch Hilfe, indem sie Retter vor Gericht stellen. Spätestens jetzt ist der Punkt erreicht, an dem man sich es als Medium nicht mehr erlauben kann und sollte, keine Position, keine Meinung mehr zu haben. Unsere ist klar und eindeutig: das, was man sich hier erlaubt, hat nach unserem Dafürhalten nichts mehr mit dem Gedanken der Europäischen Union zu tun. Oder gar mit Menschlichkeit. Es ist beschämend, schockierend, frustrierend und in jeder Hinsicht eine Katastrophe! Es muss etwas passieren, um die Situation Schutzsuchender zu verbessern, um das Leben der auf dem Mittelmeer in Seenot geratener Kinder, Frauen und Männer zu retten. Und es muss auch etwas passieren damit die, die vor Ort helfen können und wollen, nicht direkt angeklagt werden. Drei Möglichkeiten machen gerade die Runde.

Da ist einerseits eine Petition, die sich an Bundesaußenminister Heiko Maas richtet und in welcher er aufgefordert wird, seine Amtskollegen in Malta und Italien zu überzeugen, dass Schiffe und Flugzeuge von Helfern wieder Menschen retten dürfen. Schlimm genug, dass man da überhaupt drüber reden muss. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels wurde die Petition von rund 140tausend Unterzeichnern mitgetragen, das nächste Ziel liegt bei 200tausend Unterschriften. Wenn Ihr diese Petition mitzeichnen möchtet, dann findet Ihr sie hier:

https://weact.campact.de/petitions/beenden-sie-das-sterben-im-mittelmeer-seenotrettung-ist-kein-verbrechen (Weiterleitung, beim Öffnen dieses Links werden personenbezogene Daten wie bspw. die IP-Adresse an den Anbieter übertragen)

Eine andere Möglichkeit ist die von Jan Böhmermann ins Leben gerufene Crowdfunding-Kampagne, die das Ziel hat, der Besatzung der Lifeline die beste Verteidigung zu ermöglichen, die „man sich für Geld kaufen kann“. Hier sind bisher rund 180tausend Euro zusammengekommen. Die Kampagne läuft noch knapp einen Tag, wenn Ihr Euch noch beteiligen möchtet – hier entlang:

https://www.leetchi.com/c/rechtskosten-fuer-die-lifeline-besatzung (Weiterleitung, beim Öffnen dieses Links werden personenbezogene Daten wie bspw. die IP-Adresse an den Anbieter übertragen)

Auch Klaas Heufer-Umlauf, bei uns im Blog öfter Thema mit seiner Band Gloria, hat unter dem Hashtag #civilfleet eine Aktion gestartet. In der Kampagnenbeschreibung heißt es:

Wir nehmen nicht hin, dass Rettungsschiffe blockiert werden, während auf dem Mittelmeer Menschen sterben. Wir wollen mindestens ein Schiff chartern, das Menschen rettet oder die Situation vor Ort dokumentiert. Und wir unterstützen die Seenotrettungs-NGOs, die auf Malta festsitzen. Damit zeigen wir, dass wir es nicht einfach hinnehmen, dass Menschen in Not nicht geholfen wird.

Die Kampagne läuft noch 19 Tage, bisher sind rund 58tausend Euro zusammengekommen. Da geht doch noch was, oder? Wenn Ihr hier helfen möchtet, das ist der Link:

https://www.leetchi.com/c/civilfleet (Weiterleitung, beim Öffnen dieses Links werden personenbezogene Daten wie bspw. die IP-Adresse an den Anbieter übertragen)

Darüber, dass ein Mensch zu retten ist, der in Seenot geraten ist, darf es nach unserer Überzeugung keine zwei Meinungen geben. Dass Retter dafür nicht angeklagt werden können sollten, auch nicht. Und erst recht kann und darf es nicht sein, dass mehr unternommen wird, gegen die Retter vorzugehen als etwas gegen das Sterben auf dem Mittelmeer zu unternehmen! Wir haben alle drei Kampagnen unterstützt und bitten Euch, es nach Euren Möglichkeiten ebenso zu tun. Vielen Dank!

Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.