Von Parasiten und mysteriösen Gestalten, die im Mondlicht sicheln: Ist „Superman (Dawn of DC)“ ein gelungener Neustart für den Stählernen?

Foto: Panini Comics

Erst gestern hat James Gunn, seit einiger Zeit Boss of everything DC (Cinematic) Unvierse, ein Foto vom neuen Superman, gespielt von David Corenswet, quer auf allen denkbaren Plattformen gepostet und damit den Hype-Train auf den neuen Film (ehemals „Superman: Legacy“) aufs Gleis gebracht. Wenn das mal nicht Grund und Anlass genug ist, einen Blick auf die erste Aufgabe des DC-Neustarts zu werfen, die sich mit dem Mann aus Stahl befasst. Wie schon bei der kürzlich vorgestellten Nummer 1 von Green Lantern ist natürlich auch dem Stählernen im Rahmen des „Dawn of DC“-Programms ein umfangreicher Neuanfang beschert worden. Der erste Band mit dem vielversprechenden Untertitel „Die Stadt der Geheimnisse“ liegt nun vor. Selbst dann, wenn man – so wie der Autor dieser Zeilen – nicht der allergrößte Fan von Superman ist, kann man als Fazit vorwegschicken: kann man mal machen. Warum, das wollen wir uns nachfolgend mal anschauen.

Das ist die Lage in good old Metropolis: Clark Kent arbeitet als Reporter für den Daily Planet, die Tageszeitung, die zumindest kommissarisch von seiner Frau Lois Lane geführt wird, während Perry White aus Gründen abwesend ist. Bezugnehmend auf frühere Ereignisse im Leben von Superman haben wir, seinem schurkischen Erzfeind Lex Luthor ist es geschuldet, inzwischen weltweit kaum noch jemanden, der einen Clark kennt (Kudos an Enno Bunger an dieser Stelle für dieses Wortspiel). Will sagen: Die Identität des Stählernen ist nunmehr wieder nur noch einem sehr überschaubaren Personenkreis bekannt. Es könnte also alles ganz flauschig und fluffig sein in Metropolis. Bleibt so aber nicht, ist klar.
Schon ziemlich bald wird die Stadt von ein paar ziemlich garstigen Parasiten überrannt, die Wirte, die sie befallen, in Zombie-ähnliche Wesen mit einem enormen Appetit verwandeln. Und die darüber hinaus die Fähigkeit besitzen, zu mutieren und sich über die Luft zu verbreiten. Lex Luthor sitzt in seiner gemütlichen Zelle in Ryker’s ein und bietet Superman seine Hilfe an. Nicht nur das, er überträgt ihm auch noch sein Unternehmen, fortan als Supercorp bekannt. Warum Luthor in seinem Ein-Raum-Wohn-Klo mit schwedischen Gardinen einen Laptop mit Internetzugang stehen hat, wissen vermutlich auch nur die Götter. Na, wie dem auch sei, Superman gibt sich skeptisch und das wie so oft im Falle Luthos sicher nicht ohne Grund. Was die Ursache allen Übels ist und was es darüber hinaus eigentlich mit dieser Marylin Moonlight auf sich hat, die über den Nachthimmel sichelt, das … lest Ihr mal am besten selbst.

Denn das, was Autor Joshua Williamson hier mit diesem Neustart für den Stählernen auf die Beine gestellt hat, bietet durchaus hohen Unterhaltungswert. Gar nicht mal so sehr wegen Supermans Gemache (es ist und bleibt einfach ein fürchterlich langweiliger Charakter für mich, sorry not so sorry), sondern wegen der Figuren, die Supermans Leben bevölkern. Nehmen wir beispielsweise Lois, die als neue Chefin des Planets in ganz große Schuhe hineinwachsen muss. Dass sie dabei mal im Ton danebengreift, macht sie menschlich. Oder Jimmy Olsen, der sich eine denkbar unwahrscheinliche Freundin anlacht. Wo die Liebe halt so hinfällt, nicht wahr? Für die Figuren, ob gut oder böse, hat Williamson ein Gespür. Der Hauptdarsteller in dieser Story wirkt auf mich aber weiterhin wie ein großer, gutmütiger Teddybär. Nicht ganz helle, dafür aber lieb. Aber tendenziell ist es aber auch nicht der schlechteste Kunstgriff, eine Geschichte um einen Hauptcharakter zu entwickeln, der eigentlich seit gefühlten 2000 Jahren durcherzählt ist und den Nebenfiguren mehr Profil zu verschaffen.

Richtich jut sind auch die Zeichnungen, für die in diesem Band überwiegend Jamal Campbell verantwortlich ist. Der Mann bringt einfach Blockbuster-Kino im Panel-Format. Große, große Klasse. Diese Dynamik in den tempo- bzw. actionreichen Szenen, dieses Gespür für Mimik und Gestik! Ihm ist es zu verdanken, dass sich der erste Band von „Superman (Dawn of DC)“ sehr lebendig anfühlt. Die brillante Farbgebung setzt dem gelungenen, optischen Eindruck die Krone auf. Zumal Mr. Campbell Tusche und Farbgebung ebenfalls weitgehend selbst verantwortet und übernommen hat.

Diese Kombination aus den tollen Zeichnungen und der Fürsorge der Macher für die Figuren, die nicht immerzu im Scheinwerferlicht stehen, die ist es letztlich auch, warum dieser Neustart ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen geworden ist. Auch und gerade dann, wenn man – immer noch wie der Autor dieser Zeilen –  Superman eigentlich langweilig findet. Däumchen hoch für diesen Auftakt.

Erscheinungsdatum
2. April 2024
Verlag
Panini Comics
Zeichnungen
Caitlin Yarsky, Edwin Galmon, Jack Herbert, Jamal Campbell, Mahmud Asrar, Max Raynor, Nick Dragotta
Inhalt
Joshua Williamson
Storys
Superman (2023) 1-5, Superman Annual (2023) 1
Seiten
180
Unsere Wertung
3.7
Fazit
Diese Kombination aus den tollen Zeichnungen und der Fürsorge der Macher für die Figuren, die nicht immerzu im Scheinwerferlicht stehen, die ist es letztlich auch, warum dieser Neustart ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen geworden ist. Auch und gerade dann, wenn man – immer noch wie der Autor dieser Zeilen –  Superman eigentlich langweilig findet.
Pro
Gelunger Neustart für den Mann aus Stahl, der auch Nicht-Fans gut unterhält!
Die Story interessiert sich erfreulich stark für die Nebenfiguren und nicht so sehr für Clark Kent
Optisch ein Leckerbissen
Kontra
Die sechste US-Heft, das hier abgedruckt wurde, passt inhaltlich dazu, ist aber eine andere Reihe und führt daher optisch zu einem Bruch. Sieht auch gut aus, stört aber den Monk in mir dennoch.
3.7
Wertung
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