Superheld mit Panikattacken: Der zweite Band von „Miles Morales: Spider-Man“ macht den jugendlichen Netzschwinger sehr viel menschlicher

Foto: Panini Comics

Zwar liegt der letzte Solo-Auftritt von Miles Morales, dem Spider-Man aus Brooklyn, mit einer Veröffentlichung im Oktober 2023 schon ein paar Tage zurück. Über Langeweile konnten sich aber weder er noch seine Fans, ernsthaft beschweren. In der Zwischenzeit kündigte sich mit dem Maker (die böse Variante von Mr. Fantastic Reed Richards) eine Rückkehr des Ulitmativen Universums an, die Beyond Corporation schickte Peter Parkers Klon Ben Riley als Auftrags-Superheld ins Rennen und Carnage, die wahrscheinlich gefährlichste Kreatur des Marvel-Universums, ließ Mord und Totschlag über New York hereinbrechen. Es war also viel los im Leben des jungen Mannes, das ihm aufgrund diverser Ereignisse beinahe verlustig gegangen wäre. Nun liegt der zweite Band von „Miles Morales: Spider-Man“ vor. Daran, dass sein Leben irgendwie ruhiger werden würde, glaubt auch ohne Spoiler-Warnung niemand wirklich, oder?

Die Ereignisse, die in den vorgenannten Comics stattfanden und nachzulesen sind, haben Spuren bei Miles hinterlassen. Körperliche Verletzungen nach einem Kampf sind bei einem Superhelden so ungewöhnlich nicht. Aber es sieht auch ganz danach aus, als hätten die vielen Geschehnisse der letzten Zeit auch auf der Seele von Miles ihre Spuren hinterlassen. Panikattacken gehören neuerdings zu seinem Alltag wie auch der Umstand, dass er seinem bislang so zuverlässigen (und überlebenswichtigen) Spinnensinn nicht mehr vertrauen kann. Von seiner Freundin Tiana Toomes (die Tochter von Vulture, auch bekannt als Starling) bekommt Miles den Rat, sich mal professionelle Hilfe zu suchen. Miles willigt ein und besucht seine erste Therapiestunde. Durchgeführt von einem Therapeuten, der sich auf die besondere Natur von Superwesen und deren Geheimidentitäten spezialisiert hat. So richtig viel Zeit, sich mit seiner angeknacksten Psyche und deren Heilung zu beschäftigten, hat Miles nicht. Denn wie es das Gesetz von Superhelden-Comics so will, tritt zunächst der Hobgoblin auf den Plan, was in jeder Menge neuerlichen Geprügels ausartet. Und kaum ist diese Bedrohung erst einmal neutralisiert, tut sich schon die nächste auf. Blade nebst Tochter sind in der Stadt – und wo die beiden Blutsauger am Start sind, da sind oft noch mehr …

Naaajaaa … also die Stärken dieses zweiten Bands liegen eindeutig nicht in dem fortwährenden Action-Gewitter. Der Kampf mit Hobgoblin kam so plötzlich zu einem Ende, wie er angefangen hatte und war eher so semi-befriedigend. Das soll offensichtlich noch zu größeren Verstrickungen führen, ist so aber einfach nix Halbes und nix Ganzes. Und auch der Auftritt von Blade nebst Nachkomme ist eher dürftig geraten. Aber es ist nicht alles eher mäßig bei diesem zweiten Band. Richtig gut gefallen hat mir, dass Miles aller Kräfte zum Trotz eben doch nur ein junger Mensch ist, dessen permanente Belastung als Superheld anfängt, beispielsweise zu Panikattacken zu führen. Also mir gefällt nicht, dass es so ist, sondern dass diese Dinge thematisiert werden, dass sie damit auch ein wenig ent-stigmatisiert werden. Wenn es für Superhelden okay ist, sich Hilfe zu suchen, wenn man selbst keinen Rat mehr weiß, dann ist es für uns Normalsterbliche erst recht okay. Dass das viel Kraft und Überwindung kostet, weiß ich aus eigener Erfahrung. Dass es manchmal auch nicht mehr ohne die Hilfe von Dritten geht, ist auch klar. In der Entwicklung der Figur Miles Morales war der vorliegende Band sehr wichtig, denke ich. Da kann auch die vermeintliche Hauptstory auch mal dünn ausfallen. Ich bin gespannt, wie es mit Miles weitergeht. Darauf freue ich mich ehrlich gesagt gerade auch mehr, als auf das Anknüpfen an die diversen losen Enden, die der Comic mit dem Untertitel „Leben am Abgrund“ hinterlassen hat.

Erscheinungsdatum
23. April 2024
Verlag
Panini Comics
Zeichnungen
Federico Vicentini
Inhalt
Cody Ziglar
Storys
Miles Morales: Spider-Man (2023) 8-12
Seiten
116
Unsere Wertung
2.9
Fazit
In der Entwicklung der Figur Miles Morales war der vorliegende Band sehr wichtig, denke ich. Da kann auch die vermeintliche Hauptstory auch mal dünn ausfallen. Ich bin gespannt, wie es mit Miles weitergeht. Darauf freue ich mich ehrlich gesagt gerade auch mehr, als auf das Anknüpfen an die diversen losen Enden, die der Comic mit dem Untertitel „Leben am Abgrund“ hinterlassen hat.
Pro
Dass sich Miles mit psychischen Problemen wie Panikattacken herumquält, trägt viel zur Charakterentwicklung bei
Kontra
Die eigentliche Handlung ist jeweils eher dünn und nichts, an das man sich übermorgen noch erinnert
2.9
Wertung
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