KONZERTBERICHT: Mesh, 08.11.2013 Meier Music Hall Braunschweig

KONZERTBERICHT: Mesh, 08.11.2013 Meier Music Hall Braunschweig

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Im März veröffentlichte das englische Synthiepop-Duo MESH mit „Automation Baby“ ein sensationelles Album, das auch heute, Monate später, in einem an Highlights nicht armen Musikjahr zu den absoluten Volltreffern gezählt werden muss. Es folgte eine das Album begleitende Tour, die die Band durch verschiedenste Städte führte. Braunschweig stand leider bis dato nicht auf dem Spielplan. Sehr zu unserem Glück änderte sich dies am 8. November, als die Herren für ein Gastspiel in unserem Wohnzimmer, der Meier Music Hall, Station machten. Gute Konzerte im Meier lassen wir nach Möglichkeit nie sausen, eines von dieser Güteklasse erst recht nicht. Somit sind wir an jenem kühlen Novemberfreitage nach Braunschweig aufgebrochen, um Euch ein paar Eindrücke vom Konzert mit nach Hause zu bringen. Und los!

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Ihr kennt das: es gibt Bekannte, die man regelmäßig irgendwo trifft – allerdings immer irgendwie nur im Rahmen von Festivals und Konzerten. Dennoch freut man sich jedes Mal, den „üblichen Verdächtigen“ über den Weg zu laufen. So war es auch an diesem 8. November, an dem der Sideshowmick und ich zunächst die Zeit bis zum Anpfiff damit verbrachten, mit alten Bekannten zu schnacken und dem Meier dabei zu helfen, dass der gute Gerstensaft auf gar keinen Fall das Haltbarkeitsdatum erreichte. Zwar war aufgrund der vielen Leute, die sich in entsprechende T-Shirts, Hoodies usw. gewandet hatten, ziemlich deutlich, dass hier alle nur auf Mesh warteten, diese jedoch waren nicht alleine in Braunschweig aufgeschlagen. Als Vorgruppe hatten sich Mesh das ebenfalls aus Bristol stammende Quartett Sinestar eingeladen, die ziemlich püntklich gegen 20 Uhr damit anfing, das Publikum einzustimmen. Die Kollegen von Mesh hatten für die Veröffentlichung des Debütalbums „Singularis“ einen Remix des Songs „I Am The Rain“ angefertigt, den Sinestar bei ihren Konzerten in Deutschland (Braunschweig und Duisburg) erstmals live präsentierten. Und auch wenn Frontmann Iain Brownlie mit seinem Batman T-Shirt extra Kudos sammelte – so richtig wollte der Funke nicht überspringen. Tapfer spielten die Herren ihr etwa halbstündiges Set herunter und durften erleben, dass Braunschweig ein schwieriges Pflaster ist. Musikalisch passte das Gebotene zur nachfolgenden Band, die Reaktionen nach ihrem Auftritt reichten von „gar nicht schlecht“ über „mal was anderes“ bis hin zu „schon bessere Vorbands gesehen“.

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Nach einer überschaubar kurzen Umbaupause betraten Mesh noch vor 21 Uhr die Bühne. Ach was, „betraten“ – so spielfreudig, wie die vier Musiker da oben direkt los starteten und 110% Vollgas gaben, könnte man auch sagen, sie stürmten die Bühne! Was bei Sinestar nicht so recht gelingen wollte, dafür benötigten Mesh nur zwei Songs. Bereits beim Titelsong war das Braunschweiger Publikum in Bewegung und feierte die Musiker auf der Bühne mit einer Intensität, wie man es in Braunschweig nur selten zu sehen bekommt. Da wir es hier mit dem zweiten Teil der Tour zu „Automation Baby“ zu tun hatten, war klar, dass die Setlist dieses Abends sehr auf das aktuelle Album ausgerichtet war. Wir hörten „Just Leave Us Alone“ genauso wie „Never Meet Your Heroes“. Die an diesem Tag veröffentlichte zweite Single „Adjust Your Set“ war gleichwohl Bestandteil dieses Abends wie deren B-Seite „Walk Of Shame“. Richard Silverthorn, meist hinter dem Keyboard verschwunden und nur in wenigen Fällen mit Gitarre unterwegs, war ziemlich schnell anzusehen, dass er Spaß daran hatte, wie die Braunschweiger Gäste ihn und seine Band abfeierten. Bühnenprofi Mark Hockings wirkte indes beim Gesang stets hoch konzentriert, im Verlaufe des Abends entlockten ihm die ausgelassen feiernden Gäste aber dennoch das ein oder andere kurze Lächeln.

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Mit „Taken For Granted“ beendeten ihr Set. Zunächst. Für die obligatorischen Zugaberufe blieb an diesem Abend kein Platz, denn das inzwischen teilweise völlig gelöste Publikum setzte den abschließenden Refrain dieses Songs, „I need to start again / Take me far away“ einfach fort – auch nachdem die letzten Töne verklungen und die Musiker von der Bühne verschwunden waren. Ein so deutliches Verlangen nach mehr erlebt man in Braunschweig selten. Die vier Herren ließen sich auch nicht lange bitten. Ziemlich schnell standen sie wieder versammelt auf der Bühne, wo sie ebenfalls noch einmal in „Taken For Granted“ mit einstimmten und den Song so zu einem furiosen Abschluss brachten. Gespielt wurde hier noch unter anderem „Friends Like These“ vom 2002er Album „Who Watches Over Me?“ Mit deutlichen Gesten in Richtung Publikum bei der Zeile „We live and die for friends like these“ seitens Herrn Hockings schienen die Sympathiepunkte beim Publikum wie Münzen in einem Videospiel förmlich von der Decke zu fallen.

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Noch während die Zugabe lief, seilte ich mich mal von meinen Begleitern ab, um das Geschehen noch mal aus der Perspektive des Tontechnikers fotografisch festhalten zu können. Wer das Meier kennt, weiß: dieser „thront“ in einer Nische etwas oberhalb des restlichen Geschehens, direkt gegenüber der Bühne. Auf diesen Stufen stand ich nun und traf dort eine weitere Bekannte, die eine echt weite Anreise für Mesh in Kauf genommen hat (hallo Judith, herzliche Grüße an dieser Stelle). Es blieb nur kurz Zeit für Wiedersehensfreude, denn kaum hatten wir es uns auf den Stufen vor dem Techniker eingerichtet, wurden wir vom freundlichen Meier-Personal gebeten, doch bitte von der Treppe zu gehen. Kurz irritiert, aber nicht weiter drüber nachdenkend taten wir wie geheißen. Es wurde schnell klar, warum wir Platz machen sollten. Während sich seine Band auf dort oben noch frenetisch feiern ließ, verließ Mark Hockings die Bühne – nur um dann hier, direkt neben dem Tontechniker, mit seinem Mikrofon bewaffnet, wieder aufzutauchen. Das hatte fast schon so ein bisschen die Wirkung eines kleinen Zaubertricks. Hier, in dieser überschaubaren Nische am anderen Ende, gab Hockings die letzte Zugabe: „You Couldn’t See This Coming“. Der perfekte Rahmen für diese wunderschöne Ballade. Oh und war das wirklich nur Schweiß da im Gesicht von Herrn Hockings im Bereich rund um die Augen? Werden wir wohl nie erfahren. Was wir aber an diesem Abend erfahren durften, bzw. was sich einmal mehr bestätigt hat: Mesh sind eine absolut fantastische Live-Band und dies ein großartiges Konzert, bei dem Chemie zwischen Band und Publikum passte wie die berühmte Faust aufs Auge. Das hat einfach viel Spaß gemacht! Schön, dass wir in Braunschweig so ein Highlight erleben durften. Im Anschluss, etwa gegen 23 Uhr und somit üppige zwei Stunden später folgte die Aftershowparty United Underground, bei der sich die Fans von Mesh noch gemeinsame Fotos und Autogramme am Merchandise-Stand abholen konnten. Getanzt wurde noch bis in die frühen Morgenstunden, auch wenn sich die Reihen ziemlich schnell lichteten.

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Wenn man einen tollen Abend hatte, kann man sich ruhig mal bedanken, und das mache ich hiermit abschließend. Mein Dank geht an Thorsten Meier von Advanced Music, der das alles ermöglicht hat, Mick und meine restlichen Begleiter dieses Abends, DJane Jeanny (hey, mindestens 3x Nine Inch Nails – sehr geil!) und meine Lieblingspromoterin Jessi, weil wegen. Übrigens: am 30.12. geht es weiter mit Szene-Konzerten in unserem Wohnzimmer, dann nämlich sind Corvus Corax zu Gast! Überdies ebenfalls einen dicken Eintrag im Kalender verdient haben der 28.2. (Project Pitchfork) und der 12.4. (Welle: Erdball). Wir sehen uns im Wohnzimmer, woll? :)

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Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.