KONZERTBERICHT: Welle: Erdball, 12.04.2014 Meier Music Hall Braunschweig

KONZERTBERICHT: Welle: Erdball, 12.04.2014 Meier Music Hall Braunschweig

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Bis jetzt konnte man sagen: alle Jahre wieder kommt nicht nur der Weihnachtsmann, nee, auch die Damen und Herren des Senders WELLE: ERDBALL übertrugen bisher in schöner Regelmäßigkeit ihr Programm in unserem Wohnzimmer, der Meier Music Hall in Braunschweig. Eigentlich war die quasi fällige Übertragung bereits für den Oktober des letzten Jahres angesetzt. Allerdings hielt das Jahr 2013 für den Sender einige Turbulenzen bereit, daher wurde die Show anlässlich des zwanzigsten Jubiläums auf April 2014 verschoben. Da die Zahl der Konzerte, die wir im Meier noch zu sehen bekommen, ja leider rückwärts läuft, stand für uns ohnehin fest: jeppa, am 12. April 2014 sind wir dabei. Zumal es galt, die neue Moderatorin Lady Lila mal in Augenschein zu nehmen sowie die aktuelle Sendung „Tanzmusik für Roboter“ auf Live-Tauglichkeit zu überprüfen. Gesagt, getan. Es folgt (einmal mehr) ein Bericht aus unserem Wohnzimmer.

Dass der Einlass an diesem Samstag bereits für 19 Uhr und der Anpfiff für 19.30 Uhr angesetzt war, lag wohl zum einen daran, dass im Anschluss an das Konzert eine 80er Jahre Party stattfinden sollte. Zum anderen weiß man: wenn die Moderatoren Honey, Alf, Frl. Venus sowie Lady Lila antreten um eine Live-Übertragung zu starten, dann lassen sie sich für gewöhnlich nicht mit einer 90 minütigen Sendezeit abfrühstücken. Alles in allem gute 3 Stunden Bespaßung kann der Konzertbesucher schon mal einplanen. So wie übrigens auch an diesem Abend. Wir waren zwar pünktlich da, beschlossen jedoch, der guten alten Tradition wegen uns im Café des Meiers zunächst mal zu akklimatisieren. Will sagen: ein Kippchen, ein Bierchen und die Begrüßung von Freunden, Bekannten und Gesichtern. Und das in aller Ruhe, schließlich stand etwas von „+ Special Guest“ auf dem Ticket. Sollten die mal ruhig anfangen. Und während wir da standen und quatschten, schallte bereits das typische Gewummer des Senders aus der Main Hall zu uns herüber. Nanu? Sollten Welle: Erdball etwa doch ohne Vorband angereist sein? Sie werden ihren Support wohl kaum in die Pause quetschen, oder etwa doch?! Wie sich im Verlaufe des Abends herausstellte: sie quetschten. Na dann aber schnell mal rüber! Uns blieb deshalb auch nicht so richtig Zeit, uns mit den Wunschzetteln zu befassen, aus denen Welle: Erdball einmal mehr den zweiten Teil des Abends gestalten wollten.

Neu-Moderatorin Lady Lila empfiehlt sich hier als Lichtgestalt.
Neu-Moderatorin Lady Lila empfiehlt sich hier als Lichtgestalt.

Wir hatten Welle: Erdball zuletzt im September des Jahres 2013 gehört, damals als spontane Vorband des Covenant Konzerts in Hannover. Sinn und Zweck dieser Übung damals war es, eine der Kandidatinnen, die sich um die Stelle als neue Moderatorin beworben hatten, auf Live-Tauglichkeit zu testen. Nun, die junge Dame, die seinerzeit sehr an Lampenfieber litt, hat das Rennen ganz offensichtlich nicht gemacht. Bekanntlich heißt die neue Moderatorin Lady Lila und ist nicht jene Dame von damals. Sicherlich: so ganz rund lief das alles noch nicht. Manches Mal drehte sich Lady Lila beispielsweise noch weiter auf den rotierenden Podesten und fuchtelte die typische Welle: Erdball Gesten, während Frl. Venus hingegen schon längst damit aufgehört hatte. So ganz synchron war das Treiben auf der Bühne noch nicht, das fiel jedoch keineswegs negativ auf. Dafür, dass Lady Lila noch nicht so fürchtlich viel Bühnenerfahrung mit dem Sender gesammelt haben konnte, wirkte sie schon erstaunlich selbstbewusst. Ja selbst die von der Sendung „Chaos Total“ stammende Coverversion des Serge Gainsbourg und France Gall Klassikers „Poupée de cire“ brachte sie souverän über die Bühne. Chefmoderator Honey wirkte etwas überrascht, dass dieser Song in der Wunschliste auftauchte, kann aber mit der Leistung seiner neuen Moderatorin sehr zufrieden sein.

Tanzmusik für Roboter.
Tanzmusik für Roboter.

Wie schon bei Sendungen zuvor teilte sich auch diese in zwei Blöcke auf. Pflicht und Kür, quasi. Im ersten Teil ging es logischerweise hauptsächlich um die „Tanzmusik für Roboter“. Das Kraftwerk Cover „Die Roboter“ fehlte hier genauso wenig wie die „Liebe der 3. Art“, „Des Wahnsinns fette Beute“, das erschreckend aktuelle „Die Gedanken sind frei“ oder „Der Flipperkönig“. Sender und Zuhörer kamen zwar schon ganz gut miteinander aus, so richtig Bewegung in den Abschnitt kam allerdings erst nach der Pause. Diese nutzten Honey & Co., um sich mit den vor Anpfiff verteilten Stimmzetteln zur Programmgestaltung zu beschäftigen. Und die Pause selbst – nun, der „Special Guest“, den wir zuvor noch vermissten, stand plötzlich auf der Bühne und beschallte die Gäste mit sehr abgefahrener, jedoch zum Rahmenprogramm passender, instrumentaler Elektro-Mucke. Melted Moon hießen die Herren, die dort als Trio auf der Bühne herumhampelten – alle drei mit einem ollen Gameboy in der Hand, der offenkund als Instrument diente. Ob die Musik tatsächlich aus Nintendos Klassiker kam oder das alles nur Show war – wir wissen es nicht. Eine witzige Geschichte war es dennoch. Zwischendurch wurde aus dem Trio gar ein Quartett, jedoch war die einzige Aufgabe des vierten Mitstreiters scheinbar nur, über die Bühne zu schlurfen und dem Publikum kleine Gummibärchentüten an den Kopp zu werfen. Jupp, auch wir haben die Birne hingehalten. ;)

Melted Moon bescherten den "Nyntändo Shock".
Melted Moon bescherten den „Nyntändo Shock“.

Nach dem recht kurzen Zwischenspiel von Melted Moon hieß es abermals Bühne frei für Welle: Erdball. Anstatt wie bei vorherigen Sendungen die Stimmzettel auszuzählen und die Setlist für den Rest des Abends nach Anzahl der Stimmen zu gestalten, beschloss der Sender, dieses Mal einfach die Stimmzettel wie Lose zu behandeln. Es mag Zufall sein, dass sich der Rest des Abends dadurch ziemlich C64-lastig anhörte. Dennoch: neben den üblichen Verdächtigen wie „Arbeit adelt“, „VW Käfer“, „Starfighter F-104G“, „Schweben, fliegen und fallen“ oder unserem persönlichen Highlight „Monoton & Minimal“ gab es auch weniger oft gehörte Klassiker wie „Grüße von der Orion“ zu hören. Bemerkenswert übrigens, wie sehr die Partystimmung im zweiten Konzertblock zugenommen hat. Der Sender Welle: Erdball ist ja nicht unbedingt bekannt dafür, bei einer Live-Übertragung mit übermäßigen emotionalen Reaktionen zu agieren. An diesem Abend jedoch schien es so, als hätten Honey und Kollegen tatsächlich eine Menge Spaß gehabt. Die Gäste unseres gut besuchten Wohnzimmers hatten ihn auf jeden Fall. Mit fortschreitender Stunde wurde die Stimmung immer ausgelassener. Und als Welle: Erdball ihre Sendung nach gut dreieinhalb Stunden (inkl. Pause) beendeten, konnte nun auch wirklich jeder hoch zufrieden sein mit dem gebotenen Programm!

Die Moderatoren Honey und Frl. Venus beim Auslosen der Setliste.
Die Moderatoren Honey und Frl. Venus beim Auslosen der Setliste.

Doch, doch, alles in allem hatten wir es hier mit einem erneut sehr schönen Konzertabend zu tun, der in der zweiten Hälfte deutlich an Stimmung und guter Laune zulegte. Und die Support Band mal zwischen zwei Konzertblöcken der eigentlichen Hallenfüller zu positionieren, das erlebt man auch nicht alle Tage. Dass sich die Shows von Welle: Erdball stets nur in Kleinigkeiten voneinander unterscheiden und man beispielsweise immer die gleichen Ansagen von Honey im Vorfeld von „Arbeit adelt“ zu hören bekommt, dürfte inzwischen jedem aufgegangen sein, der mehr als 3x eine Live-Übertragung gesehen hat. Das mag man, oder man mag es nicht. Wir mögen die Shows und können uns mit dem Murmeltiereffekt gut arrangieren. Unser Interesse galt dieses Mal eh vor allem Lady Lila, die so langsam in ihre Rolle hineinzuwachsen scheint und nicht mehr nur als „die Nachfolgerin von Frl. Plastique“ zu betrachten ist. Lange Rede, gar kein Sinn: wir freuen uns auf die nächste Übertragung des Senders Welle: Erdball, der wir live beiwohnen dürfen. Und doch überkommt uns dabei schon wieder diese Wehmut, wenn sich die Erkenntnis in unserem Kopp manifestiert, dass Braunschweig künftig nicht mehr im Sendegebiet liegen wird.

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Welle: Erdball schicken den Starfighter F-104 G auf Reisen.

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Roman Jasiek ist der Gründer und Herausgeber der AVALOST | Times. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, egal ob Szene-Mucke oder auch mal über den Tellerrand hinaus. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit großen Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann steckt er wohl auf einem Sonnendeck.