Zombies können einem ja fast schon leid tun. Unzählige Male wurden die in eher gemächlichem Tempo vor sich hin schlurfenden, grunzenden und ansonsten ziemlich fleischgeilen Untoten in Filmen, Spielen, Büchern und Comics von den unwahrscheinlichsten Widersachern planiert – bis hin zu Pflanzen war da inzwischen alles dabei, was sich den (vor allem Hirn-)Toten in den Weg stellte. Aber bei allem, was bisher auf Zombies Hatz machte, war eine Gruppierung bislang noch nicht vertreten: rüstige Rentner, die sich auch in hohem Alter noch zu wehren wissen. Mit Granaten, Schnellfeuergewehren, Pumpguns und allem, was sonst noch große Löcher in die Figur des Gegenübers zaubert. Wäre auch albern, meint Ihr? Möglicherweise. Dennoch ist das die Ausgangslage von Matthias Hoenes COCKNEYS VS ZOMBIES, einer tatsächlich albernen, aber eben auch sehr unterhaltsamen Trash-Granate, die demnächst für das Leih- und einen Monat später für das Kauf-Heimkino erhältlich ist.

Inhaltsangabe

© 2013 STUDIOCANAL Home Entertainment

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Ein Cockney bezeichnet einen waschechten Londoner. Eben Typen wie die Brüder Andy (Harry Treadaway) und Terry (Rasmus Hardiker), die vielleicht nicht die allerhellsten Kerzen auf der Torte sind, ansonsten aber gute Jungs, wenn auch elternbedingt für schwierige Situationen vorbestimmt. So wie die, die in “Cockney vs Zombies” geschildert wird. Eigentlich wollen sie zusammen mit ihrer Cousine Katy (Michelle Ryan), dem noch unterbelichteteren Davey (Jack Doolan) sowie dem völlig durchgeknallten Mental Mickey (Ashley Bashy Thomas) eine Bank überfallen. Das jedoch nicht etwa, um sich selbst damit den Hintern zu vergolden. Nein, weit gefehlt. Tatsächlich haben die Brüder mit der zu erbeutenden Kohle Gutes vor. Ihr Großvater, Ray Macguire (Alan Ford), verbringt seinen Lebensabend zusammen mit einem Haufen weiterer alter Leutchen in einem Altersheim im Londoner East End. Jedoch soll dieses Altersheim abgerissen und die alten Herrschaften in ein neues Heim umgesiedelt werden. Diesen unzumutbaren Stress gilt es zu verhindern! Versteht sich von selbst, dass bei einem durchgeknallten Haufen die den vier Bankräubern das Unterfangen gründlich in die Hose geht. Bevor die Situation jedoch so richtig eskalieren kann, stellen sie fest, dass die Londoner Polizei gerade andere Dinge zu tun hat, als sich um einen amateurhaften Banküberfall zu kümmern. Nachdem bei Bauarbeiten ein versiegeltes Grab geöffnet wurde, verwandeln sich die Bewohner des East Ends in Windeseile in die untoten Zombies. Schon bald ist der ganze Bezirk überrannt – und auch in dem Altersheim, in dem sich Großvater Macquire aufhält, wird es immer ungemütlicher. Jedoch wären Andy und Terry keine Cockneys, wenn sie sich von einem Haufen Untoter aufhalten ließen…

Bewertung des Films

© 2013 STUDIOCANAL Home Entertainment

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Bei “Cockney vs Zombies” handelt es sich um den ersten Film von Regisseur Matthias Hoene, bei dem mit Studiocanal ein größeres Studio im Hintergrund stand. Sein Debüt gab der Mann im Jahr 2008 mit dem Indie-Vampirfilm “Beyond The Rave”, ansonsten ist er bislang mit Werbefilmchen oder Musikvideos in Erscheinung getreten. Dafür liefert mit “Cockney vs Zombies” einen wunderbar albernen, schwarzhumorigen Trashfilm ab, dem es an deutlich übertriebenem Gore nicht fehlt. Es wird wohl jedem klar sein, dass ein Film, in dem sich rüstige Rentner mit Zombies anlegen (und dabei übrigens das vermutlich langsamste Rennen um Leben und Tod der Filmgeschichte abliefern), keinen Blumentopf für eine besonders tiefgreifende Handlung in epischer Breite gewinnen wird. Aber nachdem die Zombies, für sich genommen schon unwahrscheinlich genug, schon so oft von den unmöglichsten Widersachern zerhackstückelt wurden, bringen die alten Leutchen – durchweg sympathisch übrigens – richtig frischen Wind in dieses totgebissene Setting. Schön auch, dass der Film sich selbst dabei keine Sekunde ernst nimmt, dafür aber an oftmals gut platzierten Lachern nicht spart. Es gibt einfach Szenen, die den Unterhaltungswert dieses Films enorm steigern und ihn damit als definitiven Tipp für einen unterhaltsamen Videoabend auszeichnen. Wie beispielsweise die, in der Hamish (Richard Briers) friedlich in seinem Gartenstuhl vor sich hin schlummert, während um ihn herum die Zombie-Apokalypse ausbricht. Aber “er ist ja auch erst 83″. Oder die Zähne des Zombies, dessen Kopf von einer Pumpgun quer durch die Landschaft verstreut wurde, dennoch weiterhin im Arm von Mental Mickey stecken. Oder Hooligans, die selbst als Untote noch die tiefe Feindschaft verbindet. Oder wenn die Charaktere etwas erklären, was dann – wie in einer Sitcom – in einer kurzen Zwischensequenz näher erleutert wird.

© 2013 STUDIOCANAL Home Entertainment

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Matthias Hoene lässt nichts unversucht, um seinen “Cockney vs Zombies” mächtig zu überzeichnen, zu überdrehen – auch im Hinblick auf den Gore-Faktor – um ihn als legitimen Erben von “Shaun Of The Dead” zu positionieren. Ob ihm das gelungen ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ein höchst vergnügliches Filmchen ist ihm jedoch allemale gelungen. Entscheidenden Anteil daran haben übrigens auch die Darsteller, die ganz offensichtlich viel Spaß dabei hatten, diesen (tatsächlich) liebenswerten Blödsinn zu verzapfen. Liebenswert und Zombies scheint zunächst unvereinbar. “Cockney vs Zombies” beweist, dass es geht. Dabei macht es so überhaupt gar nüscht, dass die meisten Zombie-Kostüme aussehen, wie Selbstbausätze für die nächste Halloween-Party. Weder gruselig, noch ekelig. Das Budget dieses Films kann kein sonderlich großes gewesen sein – oder es ging Matthias Hoene hier wirklich vor allem darum, den trashigen Charme dieses Films in nicht messbare Höhen schnellen zu lassen. Bonuspunkte gibt es allerdings für die stylische Introsequenz und die coole Musik dieses Streifens.

Bewertung der Blu-Ray

Wie sich das für ein hochauflösendes Medium gehört, sind Bild und Ton ohne Tadel. Der Film selbst hätte vielleicht etwas kontrastreichere, lebhaftere Farben vertragen können. Dafür ist das Bild gestochen scharf, so dass sich die Feinheiten der Maskenbildnerei der unterschiedlichen, zahlreichen Zombies gut erkennen lassen. Auch der 5.1 DTS-HD Sound lässt keinerlei Wünsche offen. Alles andere wäre auch albern gewesen. “Cockney vs Zombies” erscheint auch in einer 3D Version. Uns lag jedoch nur die normale Fassung vor, daher lässt sich an dieser Stelle nichts zu den 3D-Effekten sagen. Toll ist in jedem Falle aber das dicke Paket an Extras, das hier mit auf den… äh.. Blauling gepackt wurde. Neben üblichen Dingen wie Trailer, einem Blick hinter die Kulissen oder entfernte bzw. erweiterte Szenen gefallen hier vor allem Dinge wie das Interview mit Regisseur Matthias Hoene oder wie er sich den Fragen der Facebook-Community stellt. So stellen wir uns das vor! Platz genug ist ja vorhanden auf einer Blu-ray. Umso unverständlicher also, warum so oft allenfalls nur ein paar Trailer geboten werden.


Was für ein herrlich trashiger Spaß! Sicherlich, die Handlung schwankt irgendwo zwischen “dämlich” und “total Banane”; über Logik brauchen wir hier gar nicht erst zu reden. “Cockney vs Zombies” ist ein großartiger Partyfilm geworden, der nicht zuletzt dadurch gewinnt, dass er der ewigen Zombie-Metzelei tatsächlich noch ein paar neue Seiten abzugewinnen weiß. Verzehrempfehlung: mit Freunden und der ein oder anderen Hopfenkaltschale. “Cockney vs Zombies” wird nie in der obersten Liga mitspielen. Das Zeug zum Kultfilm hat er aber dennoch. Es überrascht mich nicht, dass dieser Film beim Fantasy Film Fest zum Publikumsliebling avancierte. Ich jedenfalls hab lange nicht mehr so gelacht, bei einem Fim mit diesem Hintergrund gleich gar nicht.