Foto: Twentieth Century Fox

INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR

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Was haben wir damals im Kino gesessen und gestaunt, als sich im ersten Teil von „Independence Day“ die riesigen UFOs aus den Wolken geschoben hatten und sich zunächst stillschweigend über diesem oder jenem Wahrzeichen rund um den Globus zu manifestierten – nur um kurze Zeit später ein effektgeladenes Inferno zu entfesseln, bei dem uns ein ums andere Mal die Kinnlade herunterklappte. Dass der Film, den man mancherorts als Geburtshelfer des actiongeladenen Blockbuster-Kinos bezeichnet, inhaltlich eher dünn war und der Hurra-Patriotismus von Regisseur Roland Emmerich gegenüber seiner Wahlheimat USA eher zur Fremdscham verleiten konnte – völlig egal! Das war damals einfach unterhaltsames Popcorn-Kino, bei dem sich Emmerichs Lust an der großen Zerstörung erstmals zeigte – und dem mit „Godzilla“, „The Day After Tomorrow“ oder „2012“ noch ein paar weitere Zerstörungsorgien folgen sollten. Nach dem die Erde im ersten Teil von „Independence Day“ in großen Teilen in Schutt und Asche geballert wurde, fragte sich mancher, was wohl aus dem Rest der Welt werden würde, jetzt, nachdem die Aliens mit Ach und Krach gerade so vom Himmel geholt worden waren. Zumal schon damals irgendwie klar war, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte. Ziemlich genau 20 Jahre später liefert Roland Emmerich nun die Antworten: INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR holt uns im Prinzip da wieder ab, wo wir vor 20 Jahren zurückgelassen worden sind. Die Frage ist: in einer Zeit, wo uns effektmäßig eigentlich nicht mehr so richtig irgendwas aus den Latschen hauen dürfte – kann da ein Film wie „Independence Day: Wiederkehr“ noch funktionieren? Spaß machen womöglich? Jo, kann er.

Foto: © 2016 Twentieth Century Fox
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Die Geschichte von „Independence Day: Wiederkehr“ ist schnell erzählt. 20 Jahre sind vergangen, seitdem die Invasion der Aliens erfolgreich abgewehrt worden ist. Die Menschheit hat erkannt, dass ihre kleinweltlichen Probleme nichts sind gegenüber dem, was in der unendlichen Weite des Alls an Gefahren lauert, und hat sich dazu entschieden, sich gegenseitig nicht mehr die Köppe einzuschlagen. Dafür gibt es nun Laserkanonen sowie Raumjäger, die auf der Alientechnologie basieren und von denen man sich verspricht, gegen etwaige künftige Gefahren gewappnet zu sein. Auch der Mond ist inzwischen von Menschen bevölkert. In den staubigen Tälern des Erdtrabanten steht nun ein größerer Ballermann in den Fels zementiert, der, was auch immer kommen mag, einen neuen Scheitel zimmern soll. Es überrascht Euch sicher nicht, dass das alles nicht so gut funktioniert, oder? Es vergehen nur wenige Filmminuten, bis in der Nähe des Mondes das erste Mal ein außerirdisches Raumschiff auftaucht. So richtig schlau ist der Mensch dann aber doch nicht geworden – entgegen des Anraten von Dr. David Levinson (erneut gespielt von Jeff Goldblum, erneut mit der kindlichen Faszination für die Action um ihn herum wie schon vor 20 Jahren) einigt sich der Rat der Menschen, das jüngst aufgetauchte, kugelförmige Gebilde vom Antlitz der Milchstraße zu ballern. Typisch Mensch: erstmal schießen, fragen kann man später ja immer noch. Jedenfalls zeigt sich, dass das eine eher semi-gute Idee war. Denn das lockt eine sehr viel größere Bedrohung an. Die Viecher, die vor 20 Jahren schon mal der Meinung waren, die Erde müsste mal grundplaniert werden, sind von dieser Idee immer noch ganz angetan. Drum dauert es abermals nicht allzu viele Filmminuten, bis die Bande erneut in unserem Sonnensystem vorstellig wird. Im Gepäck dieses Mal: ein wirklich, wirklich großes Raumschiff (Durchmesser: 5000 Kilometer!) – und ihre garstige Mutti haben sie auch gleich noch mitgebracht. Tja und Mutti ist noch ein bisschen ungehalten über das letzte Raumschiff, das ihr hier verlustig gegangen ist…

Foto: © 2016 Twentieth Century Fox
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Mehr möchte ich über die insgesamt eher dünne und auch nur leidlich spannende „Story“ von ID:W eigentlich gar nicht erzählen. In ziemlich genau 120 Minuten werden altgediente Helden des ersten Teils – neben Jeff Goldblum u.a. wieder mit dabei: Bill Pullmann als President Whitmore, Judd Hirsch als Julius Levinson und der einmal mehr großartige Brent Spiner als Dr. Brakish Okun – zusammen mit jungen bzw. neuen Starfightern wie Liam Hemsworth als Jake Morrison, Charlotte Gainsbourg als Dr. Catherine Marceaux oder Jessie Usher als Dylan Dubrow-Hiller (der Sohn von Captain Steven Hiller, im ersten Teil gespielt von Will Smith, dieses Mal erfreulicherweise nicht mehr mit dabei!) durch eine sehr überschaubare und garantiert nicht preisverdächtige Handlung gescheucht, die mehrerlei Dinge offenbart: sie ist weder originell noch neu noch wirklich spannend noch etwas, an das man sich groß erinnert, sobald im Kino die Lichter wieder angehen. Vielmehr bedient sie sich von „Aliens“ über „Starship Troopers“ bis hin zu „Star Wars“ vielerlei Elemente und Versatzstücke, die man woanders schon mal gesehen hat. Meistens besser. Wobei das aber nicht wirklich tragisch ist. Zum einen wirkt es auf mich eher wie eine respektvolle Verbeugung vor den großen Klassikern denn dreisten Ideendiebstahls. Und außerdem ist wohl jede denkbare Sci-Fi-Geschichte, noch dazu wenn sie mit außerirdischen Bedrohungen zu tun hat, in der einen oder anderen Form wohl schon mal erzählt worden. Aber noch etwas wird schnell sehr deutlich: das „Problem“ eines Emmerich-Films war nie so krass wie hier – Handlung ist dem Schwaben mittel zum Zweck und die Charaktere eigentlich völlig egal. ID:W ist diesbezüglich die bisherige Krönung.

Foto: © 2016 Twentieth Century Fox
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Zwar ist es sehr löblich, dass sich Emmerich über weite Strecken den Hurra-Patriotismus verkneift. Mehr noch, er scheint sich fast davon abzuwenden. Eine Szene, in der aus Gründen ein neuer Präsident vereidigt wird, ist fast schon eine zu deutliche Ansage diesbezüglich. Achtet mal auf die Reaktion von Jeff Goldblums Figur Levinson in dieser Szene… Die Figuren und deren Schicksal sind dem Zuschauer ansonsten aber genauso schnell egal, wie es bei Emmerich scheinbar der Fall gewesen ist. Mich hat es nicht die Bohne interessiert, ob die Figuren überleben oder ob die Erde gerettet werden kann –  oder eben nicht. Der heimliche Star von Emmerichs Filmen sind die Effekte. Wieder einmal. Das lustvolle Ausleben filmischer Zerstörungsorgien, das Immer-noch-einen-oben-drauf-setzen in einer Zeit, wo man eigentlich alles schon mal gesehen hat. Und wer eben denkt, bereits alles gesehen zu haben, wird sich spätestens bei der Ankunft von Muttis Mutterschiff eines Besseren belehren lassen müssen: staunend im Kinosaal sitzen und mittels 3D-Brille die abgefahrenen, krass-geilen Zerstörungen bestaunen? Jupp, Dinge auf der Leinwand kaputt machen kann er, der Roland. Wohl wie kein zweiter Filmemacher. Unter uns: manchmal hab ich mich im Kino dabei ertappt, wie ich am liebsten vorgespult hätte, um die Dialoge etc. zu überspringen und direkt zum nächsten Effekt-Inferno überzugehen. Auch den Darstellern muss bewusst gewesen sein, dass sie hier nur Füllmaterial sind, um ID:W als Kinofilm verkaufen zu können. Demnach ist keine Performance so richtig überzeugend, sieht man mal von Pullman, Goldblum und Spiner ab. Allen voran Charlotte Gainsbourg macht so überhaupt keinen Hehl daraus, dass ihr ihre Figur und ihre Rolle so egal sind wie dem Emmerich als Regisseur und Drehbuchautor und mir als Zuschauer. Bei ihren Auftritten hatte ich stets das Gefühl, der erstbeste Take, der im Kasten war, wurde auch direkt genommen. Apropos und abschließender Gedanke zu egal: dass es mir überdies auch ziemlich gleichgültig war, dass gerade London in ein flammendes Inferno verwandelt wurde, spricht auch irgendwie eine deutliche Sprache im Hinblick auf die Drehbuchschwäche. Da gab es, auch von Emmerich, schon andere Katastrophen, die mich mehr berührt haben. Aber die Sache mit der Gravitation… das ist einfach zu sehenswert!

Foto: © 2016 Twentieth Century Fox
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Neben den banalen Dialogen waren es auch die vermeintlichen Gags, die irgendwie nicht zünden wollten. Ob das an der deutschen Synchronisation lag oder die meisten Sprüche, die das Geschehen irgendwie auflockern sollten, tatsächlich nicht komisch waren, vermag ich nicht zu sagen. Man merkte schon, wann etwas lustig sein sollte – mehr als ein müdes Lächeln war aber in den allermeisten Fällen einfach nicht drin. Lobend erwähnen möchte ich noch kurz den Soundtrack. Komponiert von Harald Kloser und Thomas Wander, die unter anderem schon an Emmerichs letzten Zerstörungspornos „2012“ und „The Day After Tomorrow“ mitarbeiteten, machten hier einen guten Job. Sie untermalen die gezeigte Action mit der nötigen Dramatik, klingen dabei aber noch frisch und unverbraucht – eben nicht nach der allseits bekannten Schule eines Hans Zimmers – und halten sich dennoch dezent genug im Hintergrund, damit auch die Musik nicht von den teilweise überwältigenden Bildern ablenkt.

Foto: © 2016 Twentieth Century Fox
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Was bleibt also unterm Strich zu sagen? Roland Emmerich macht das, was er am besten kann: in möglichst spektakulären Bildern einmal mehr unsere schöne Erde kaputt. Erstaunlich ist dabei: es gäbe etliche Dinge, die man an „Independence Day: Wiederkehr“ kritisieren oder doof finden kann. Und hätte damit sogar Recht. Man kann aber auch völlig erwartungsfrei ins Kino gehen und dennoch Spaß haben an diesem Popcorn-Blockbuster. Genau genommen ist der Filmstart im Sommer genau richtig: wenn das Hirn aufgrund von Hitze eh nicht so schnell arbeitet, kommt diese seichte Berieselung gerade recht. Und dass gleichzeitig auch noch die Frage beantwortet wird, die seit 20 Jahren offen ist – was nu? – empfinde ich als Fan-Service. So wie eigentlich den ganzen Film.


Was erwartet Ihr von einem Film? Eine tolle Handlung, ein glaubhaftes Drehbuch, überzeugende Darsteller, pfiffige Dialoge? Ja? Tut mir leid, dann seid Ihr bei „Independence Day: Wiederkehr“ an der falschen Stelle. Dass Roland Emmerich kein sonderlich großes Interesse an seinen Figuren hat, an irgendeiner tieferen Charakterzeichnung oder gar einer ausgefeilten Story, ist hinlänglich bekannt. Nirgendwo jedoch war das so deutlich wie im zweiten Teil seiner Alien-Invasion. Die eigentlich Stars sind wieder einmal die ziemlich atemberaubenden Effekte und die ausufernden Zerstörungsorgien. Dass sich Emmerich dafür an etlichen Klassikern bedient und ein buntes Potpourri verschiedenster Zitate zusammengestellt hat – geschenkt. Das wirkt hier eher sogar noch sympathisch. Eigentlich ist „Independence Day: Wiederkehr“ exakt das, was wir wohl alle vor 20 Jahren wissen wollten: die Antwort auf die Frage „und nu?“. Trotz aller logischen Fehler, trotz des laienhaften Schauspiels und des sehr dünnen Drehbuchs ist der Streifen dennoch erstaunlich unterhaltsam: Ein paar Bier, eine Tüte Popcorn und dann im Kino ohne Anspruch oder Erwartungen von diesem No-Brainer mit seinen fetzigen Bildern angenehm berieseln lassen. Wer mehr erwartet, ist wie gesagt von vornherein im falschen Kinosaal gelandet. Das war vor 20 Jahren schon so, das ist bei Emmerichs anderen Filmen so gewesen, das ist heute noch so und vermutlich wird sich daran auch nie was ändern.


INHALT / KONZEPT / HANDLUNG.3
DARSTELLER.4.5
REGIE.4
KAMERA/EFFEKTE.8
TON/SOUNDTRACK.7.5
GESAMTEINDRUCK.7
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Wenn man ohne Erwartungen ins Kino geht, kann man viel Spaß haben
Sehenswerte Effekte, vor allem in 3D
NEGATIV.
Drehbuch, Regie, Darsteller bestensfalls unterer Durchschnitt
5.7
PUNKTE.
FAZIT.
Trotz aller logischen Fehler, trotz des laienhaften Schauspiels und des sehr dünnen Drehbuchs ist der Streifen dennoch erstaunlich unterhaltsam: Ein paar Bier, eine Tüte Popcorn und dann im Kino ohne Anspruch oder Erwartungen von diesem No-Brainer mit seinen fetzigen Bildern angenehm berieseln lassen. Wer mehr erwartet, ist wie gesagt von vornherein im falschen Kinosaal gelandet.

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    Roman Jasiek
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