UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING [UNCUT] (BLU-RAY)
Foto: Planet Media Home Entertainment

UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING [UNCUT] (BLU-RAY)

Als Roland Emmerich 1992 seinen „Universal Soldier“ in die Kinos brachte, hat er wohl nicht geahnt, dass er damit einen Schwung Fortsetzungen heraufbeschwören würde, bei denen das Niveau immer weiter sank, je höher die fortlaufende Nummer wurde. Und das, obwohl schon das Original handlungstechnisch keine Meisterleistung war. Planet Media Home Entertainment ist es zu verdanken, dass der vierte Aufguss – UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING – seit ein paar Tagen für das Heimkino zu bekommen ist. Wir schauten uns die Uncut-Fassung des Films auf Blu-Ray für Euch an. Im Nachhinein hätten wir es eigentlich auch gerne gelassen. Dabei hat das Zusammenspiel von van Damme, Lundgren und Adkins doch erst kürzlich in einem anderen Actionfilm mit dünner Handlung für Begeisterung gesorgt…

Inhaltsangabe

© 2013 Planet Media Home Entertainment
© 2013 Planet Media Home Entertainment

Das war keine gute Nacht: ohne sich wirklich dagegen wehren zu können, muss John (ja, einfach nur John, gespielt von Scott Adkins) dabei zusehen, wie Eindringlinge seine Frau und seine Tochter erschießen. Nicht jedoch, bevor sie John mit Brecheisen ordentlich vermöbelt haben. Einer der Killer ist Luc Deveraux (Jean-Claude van Damme, hier und heute mit alberner Glatze). Anstatt sich mit dem Blasen von Trübsal zu begnügen, sinnt John viel mehr auf Rache und macht sich auf die Suche nach dem Mörder seiner Familie. Dabei kreuzen nicht nur zukünftige Leichen, zumindest anfänglich noch in einem Stück, seinen Weg, sondern er stößt auch auf ein mysteriöses Programm namens „Universal Soldier„. Und siehe da, schon fangen Dinge an, wirklich kompliziert zu werden. Der durchgeknallte Andrew Scott (klar, logisch – Dolph Lundgren, wer sonst?) scheint die Universal Soldiers zu seinen Untertanen machen zu wollen, um mit ihnen dann weiß der Geier was zu treiben. Aber so ist das hier mit dem Schein… – so vieles ist plötzlich nicht mehr so, wie John es zu wissen glaubt(e). Ist er wirklich der, für den er sich hält?

Bewertung des Films

UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING [UNCUT] (BLU-RAY)
© 2013 Planet Media Home Entertainment

Es sind keine 10 Minuten Spielzeit vergangen, bis schon das erste Mal Schädel zerballert und Gehirnmasse an irgendwelchen Wänden verteilt wurden. USDOR ist von Anfang an ein extrem harter und brutaler Actionstreifen alter Schule. Keine Wackelkamera, kein riesiges Effektgewitter – nur Prügeleien, Schießereien und ähnliches in herkömmlicher Machart. Regisseur John Hyams und seine Mitstreiter zelebrieren hier förmlich die Lust an der Grausamkeit. Immer wieder werden Finger oder gleich halbe Füße abgetrennt, fröhlich in den Kopf gebohrt, so mancher Hals verabschiedet sich auch von seinem ihn begleitenden Kopf, nachdem ein Baseballschläger die beiden trennte und von sinnlos über den Haufen geballerten Statisten, mit Einschusslöchern so groß wie möglich, wollen wir hier gar nicht erst anfangen. Soll ja Leute geben, die auf diese Gewaltorgien stehen. Für die ist es sicherlich erfreulich, dass USDOR im Zweifelsfall auch ungeschnitten zu haben ist. Problem ist nur: der Film wird dadurch nicht besser. Irgendwann so nach der ersten Stunde schleicht sich das Gefühl ein, dass die Drehbuchautoren (unter ihnen auch Dean Devlin, der immerhin auch beim Original mit Emmerich zusammen gewütet hat) selbst irgendwann nicht mehr wussten, was für eine Geschichte sie erzählen sollen. Und so mutiert die simple Rachegeschichte zu einer Art verkorkster Dystopie, in der Soldaten gezüchtet und mit künstlichen Erinnerungen ausgestattet werden. Fröhlich werden hier Versatzstücke von Science Fiction-Klassikern wie „Blade Runner“ mit in diese Schlachtplatte gemischt. Zu der immer mehr verworrenen Handlung mit großen Löchern gesellen sich dämliche Dialoge, die obligatorische Beschau von nackter Haut und Darsteller, die vor allem eines können: sich gegenseitig den Hutständer verbeulen. Erfreulicherweise ist die Bühnenzeit der inzwischen doch nicht mehr ganz so taufrischen Herren van Damme und Lundgren überschaubar, so dass sich das Fremdschämen hier einigermaßen in Grenzen hält. Auch wenn van Damme mit seiner Glatze irgendwie albern aussieht und die ganze Zeit über einen Blick drauf hat, als sei er während der Dreharbeiten dauerbreit gewesen. Der größte Abnerv sind aber die „Indoktrinierungs-Szenen“. Sicherlich hätte man das auch anders darstellen können als mit stroboskopartigem Geflacker.

Wie dem auch sei: Actionfreunde, die sich gerne kompromisslos harte Filme dieses Genres reinziehen und dabei eher auf gut choreografierte und fotografierte Action wert legen als auf eine Handlung, die mehr als einem halben Blick stand hält, kommen hier womöglich auf ihre Kosten. Wie man sinnfreies Geballer jedoch sympathischer verpacken kann, ohne dabei auf größtmögliche Brutalität zu setzen, zeigte „The Expendables 2„, bei denen die drei Hauptdarsteller dieses Films sich ja auch schon die Kauleiste poliert haben.

Bewertung der Blu-ray

© 2013 Planet Media Home Entertainment
© 2013 Planet Media Home Entertainment

Hier gibt es definitiv nüscht zu meckern. Das Bild ist schön scharf und rauscharm, jedoch hätte der Film in manchen Momenten mehr Kontraste und etwas lebhaftere Farben vertragen können. Das wirkt manchmal etwas unausgeglichen. Möglicherweise ist es aber auch Absicht der Macher, dass die Szenen im Dschungel beinahe wie ein farbliches Leuchtfeuer wirken, während das Finale hingegen schon wieder ziemlich farbreduziert wirkt. Und das nicht nur wegen JCVDs alberner Bemalung. Auch im Ton gibt es nicht wirklich etwas auszusetzen. Die 5.1 DTS-HD MA Abmischung ist gut gelungen. Ein Ungleichgewicht zwischen zu leisen Dialogen und zu lautem Rumms war hier nicht festzustellen. Eher als Mager zu bezeichnen ist allerdings der Umfang des Bonusmaterials. Neben ein paar Interviews mit Darstellern und Filmcrew gibt es ansonsten nur ein paar Bilder und Trailer zu bewundern. Immerhin punktet auch diese Veröffentlichung aus dem Hause Planet Media Home Entertainment mit einem Wendecover.


Was dieses Machwerk mit Universal Soldier von anno dunnemals zu tun haben soll, will sich mir nicht so recht erschließen. Das ist bei den anderen Fortsetzungen allerdings auch nicht anders. Sieht man davon ab, dass mit Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren die beiden Hauptdarsteller und deren Figuren des Originals hier erneut wieder auftauchen, dann hat John Hyams vierter Aufguss nichts mit Emmerichs Original zu tun. Die Handlung ist wirr und irgendwie Banane. Mehr war hier aber auch nicht zu erwarten. Jedoch: möglichst viel Brutalität, die immer wieder die Grenze zur Grausamkeit überschreitet, macht noch keinen guten Film aus. Unterm Strich ist die mir vorliegende ungeschnittene Fassung ein ultraharter Action-Streifen alter Schule, der den Namen „Universal Soldier“ vermutlich nur deshalb trägt, damit er sich besser verkauft. Man hat aber nüscht verpasst, wenn man diese Schlachtplatte nicht gesehen hat. Echt nicht.