Foto: Telltale / DC Comics / Warner Bros. Entertainment

BATMAN – THE TELLTALE SERIES: CHILDREN OF ARKHAM

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Einen guten Monat nach der ersten Episode von BATMAN – THE TELLTALE SERIES erschien vor ein paar Tagen schon die zweite Episode „Children Of Arkham“. Was ziemlich cool ist, denn der Auftakt ist den Damen und Herren Telltale außerordentlich gut gelungen. Nicht wenige hielten die erste Episode für eine ziemlich spannende und gleichzeitig interessante Art und Weise, die Geschichte der seit fast 80 Jahren für Recht und Gerechtigkeit sorgenden Fledermaus neu zu interpretieren. Auch wir waren von dem Auftakt so angetan, dass wir Telltales Story das Potential attestierten, zu einer der besten Batman-Geschichten bisher überhaupt zu werden. Die Spannung war also groß, ob die zweite Folge das hohe Niveau würde halten können. Schauen wir mal.

Eine Anmerkung vorab: da wir schon bei der letzten Episode ausführlich auf das Gameplay eingegangen sind, befassen wir uns in dieser Review nicht weiter damit. Denn daran hat sich nichts geändert, was aber wohl auch niemand wirklich erwarten dürfte. Zudem können wir nicht garantieren, völlig spoilerfrei zu sein, daher setzen wir die Kenntnis der ersten Folge „Realm Of Shadows“ nachfolgend voraus.

Foto: Telltale / DC Comics / Warner Bros. Entertainment
Foto: Telltale / DC Comics / Warner Bros. Entertainment

Bei Facebook wird Telltales Batman-Serie sinngemäß mit den Worten beworben, man möge doch die kaputte Psyche von Bruce Wayne betreten. Nun… die kaputte Familie Wayne zu erleben, trifft es wohl eher. Mit dem jungen Wayne ist nämlich alles in Ordnung. Soweit sich das jedenfalls von einem Milliardär, der traumatisiert durch die Ermordung seiner Eltern, sich Nacht für Nacht ein Fledermauskostüm überstreift und durch Gothams kriminelle Unterwelt prügelt, eben sagen lässt. Ganz anders sieht es da mit Martha und Thomas Wayne aus. Wie wir in der ersten Folge gelernt haben, kam deren unermesslicher Reichtum nämlich nicht von ungefähr. Neben all den Spenden, all den Wohltätigkeitsveranstaltungen und gemeinnützigen Einrichtungen, welche die Waynes der Stadt Gotham City hinterlassen haben, schienen sie auch eine dunkle Seite gehabt und dem organisierten Verbrechen angehört zu haben. Was war diese Wendung in der letzten Folge doch für ein Paukenschlag! Das hatte so ein bisschen eine Delle ins Batman-Universum getreten, schließlich war der Auslöser für Bruce Waynes Handeln stets die Tatsache, dass seine Eltern unschuldig bei einem Raubüberfall ermordet worden sind und er als kleiner Junge diese Bluttat mitansehen musste. So unschuldig, wie Bruce (und neben dem Autoren dieser Zeilen vermutlich auch alle anderen) immer angenommen hatten, scheinen die Waynes jedoch nicht gewesen zu sein. Wie sich herausstellt, sind Thomas und Martha nicht bei einem einfachen Raubüberfall ums Leben gekommen. Vielmehr handelte sich sich dabei um eine gezielte Exekution. Die Fäden dieser Tat laufen bei Carmine Falcone zusammen, dem man als Spieler kurzerhand einen Besuch abstattet, um ihn zur Rede zu stellen. Es ereignet sich dabei jedoch ein Zwischenfall, bei dem die von Batman in der ersten Folge gefundenen haluzinogenen Substanzen eine wesentliche Rolle spielen.

Foto: Telltale / DC Comics / Warner Bros. Entertainment
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Im weiteren Verlauf treffen Bruce Wayne und Selina Kyle erneut aufeinander und schon wieder gibt es Klassenkeile. Wenn auch dieses Mal, ohne sich gegenseitig auf die spitzen Öhrchen zu hauen. Oscar Cobblepot hingegen entwickelt sich zu dem flugunfähigen Vogel mit jeder Menge krimineller Energie und wahnhaftem Revolutionsgeist, wie man es von Anfang an hatte erwarten können. Harvey Dent indes folgt ebenfalls eher klassisch seinem Schicksal. Spannend ist vor allem, dass weder Carmine Falcone noch Cobblepot für die sich am Horizont abzeichnenden Dramen verantwortlich zu sein scheinen, sondern sie alle nur Teile eines katastrophalen Puzzles sind, das die Kinder Arkhams genüsslich über der Stadt Gotham ausbreiten. Und wenn gegen Ende ein weiterer Akteur die Bühne betritt, ist man zwar immer noch nicht grundlegend schlauer, wer das alles verzettelt hat und warum, hat aber immerhin eine Vorstellung davon, wie sehr die Mauern Gothams und die moralischen Bruce Waynes hier ins Wanken geraten sind. Und mit ihren gewohnt fiesen Cliffhangern entlassen Telltale ihr Publikum nach abermals gut zwei Stunden, ungeduldig auf die nächste Folge wartend. Cliffhanger können sie ja gut. Tolle Geschichten erzählen auch. Das haben sie mit „Children Of Arkham“ einmal mehr gezeigt.

Foto: Telltale / DC Comics / Warner Bros. Entertainment
Foto: Telltale / DC Comics / Warner Bros. Entertainment

Am Spielprinzip mit den zu treffenden Entscheidungen haben Telltale wie gesagt nix geändert, genauso wenig wie am „realistischen“ Ansatz, die Geschichte zu erzählen. Nach wie vor enthalten ist auch das neue Crowd Play-Feature. Wer sich davon in der ersten Episode (oder schon in anderen/früheren) Titeln dieses Entwicklers nicht abholen lassen konnte, der wird auch hier wohl kaum damit warm werden. Da sich manche Entscheidungen, die man erneut unter Zeitdruck zu treffen hat, ziemlich dramatisch und das Finale verändernd anfühlen, hat man aber mindestens ein zweites Mal Spaß mit dieser Episode. Ob sich das hinterher tatsächlich alles so deutlich bemerkbar macht oder hier erneut mehr die Illusion geschaffen wurde, die „eigene“ Geschichte zu spielen, wird sich wohl erst dann wirklich zeigen, wenn alle fünf Episoden verfügbar sind und man einen zweiten Durchgang mit komplett anderer Herangehensweise starten kann.


Die zweite Episode kam mir irgendwie kürzer, komprimierter vor. Ich hab die Zeit nicht gemessen, aber dennoch empfand ich das Ende der zweiten Folge als viel zu früh gekommen. Vielleicht liegt es daran, dass Telltale das Tempo angezogen hat und hier wesentlich mehr Drama und Action passiert, also noch in der ersten Episode. „Children Of Arkham“ lässt die Katze noch immer nicht aus dem Sack, wer hinter all dem steckt – das war vor Mitte der dritten Folge ohnehin nicht zu erwarten – macht aber die Richtung deutlich, wohin die Reise geht. Das Schicksal mancher Charaktere hat mich tatsächlich überrascht, bei anderen war die Wendung einfach zu vorhersehbar. Wer weiß, vielleicht wollte Telltale den Batman-Fans nach der spannenden Neuerfindung des familiären Hintergrunds des schwarzen Ritters auch einfach nicht zu viel zumuten. Nach meinem Dafürhalten flaut „Children Of Arkham“ gegenüber der ersten Folge ein bisschen ab. Ich wäre gerne öfter mit Bruce Wayne unterwegs gewesen. Da liegen nämlich erzählerisch die großen Stärken der Serie bisher. Und wenn schon als Batman, dann hätte ich auch gerne ein bisschen mehr Detektivarbeit geleistet. Dennoch: die Geschichte muss ja voran getrieben werden, wenn Telltale damit in nur fünf Episoden zu Potte kommen möchte. Daher ist das schon ok so. Die Vorfreude und vor allem das mächtig gespannt darauf sein, wie es weitergeht – das ist alles noch gegeben. Noch immer hat Telltales Batman-Interpretation das Zeug dazu, eine der besten Geschichten rund um die Fledermaus zu werden, die je erzählt worden sind.


Nach meinem Dafürhalten flaut „Children Of Arkham“ gegenüber der ersten Folge ein bisschen ab. Ich wäre gerne öfter mit Bruce Wayne unterwegs gewesen. Da liegen nämlich erzählerisch die großen Stärken der Serie bisher. Und wenn schon als Batman, dann hätte ich auch gerne ein bisschen mehr Detektivarbeit geleistet. Dennoch: die Geschichte muss ja voran getrieben werden, wenn Telltale damit in nur fünf Episoden zu Potte kommen möchte. Daher ist das schon ok so. Die Vorfreude und vor allem das mächtig gespannt darauf sein, wie es weitergeht - das ist alles noch gegeben.
INHALT / KONZEPT.6.5
GAMEPLAY.6
GRAFIK.7
SOUND.7.5
UMFANG.5
GESAMTEINDRUCK.7
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Inhaltlich immer noch cooler Ansatz, den Telltale hier verfolgt
NEGATIV.
In Sachen Tempo, Dramatik und Spannung etwas gemächlicher als die erste Episode
Gameplay ist einfach nicht wirklich zu holen
6.5
TOTAL.

NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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