Foto: Firaxis / 2KGames

XCOM: ENEMY UNKNOWN

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Damals, als die (Computerspiele-)Welt noch in Ordnung war, veröffentlichte MicroProse, 1982 gegründet von Sid Meier und Bill Stealey, Mitte der 90er Jahre drei Ableger der X-Com-Reihe, die fortan als Meilenstein gelten sollten. Vor allem X-COM: UFO Defense (bei uns: “UFO: Enemy Unknown”) und dessen Nachfolger X-COM: Terror from the Deep sorgen noch heute für Glänzen in den Augen all jener, die die Spiele in den guten, alten Zeiten gezockt haben. Firaxis Games, u.a. die Macher der “Civilization”-Reihe, wagten sich an undenkbares: Ein Remake des ersten Teils zu schaffen, basierend auf aktueller Technologie und ausgelegt für PC und Konsolen gleichermaßen. Kann das gut gehen?

Für diejenigen unter Euch, die Mitte der 90er noch bzw. wieder andere Dinge zu tun hatten, als vor dem Rechner zu hocken und den Aufstieg und Niedergang der Rundenstrategiespiele mitzuerleben, nachfolgend eine kurze Zusammenfassung dessen, was Euch in XCOM: Enemy Unknown erwartet:

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Screenshot: 2KGames

Es wäre wohl kein Spiel geworden, wenn die Erde nicht ganz plötzlich im Zentrum einer mitnichten friedvollen Alien-Invasion stünde – und Ihr nicht höchstselbst Hand anlegen müsstet, um dieses destruktive Verhalten zu beenden. Daher übernehmt Ihr die Rolle eines namenlosen Commanders, der die Befehlsgewalt über eine streng geheime, internationale Organisation übertragen bekommt – der XCOM (“Extratessestrial Combat Force”). Euer Job ist es nun, eine kleine Einheit spezialisierter Soldaten über ein immer sehr überschaubares Areal zu führen und den Außerirdischen zu Zeigen, wo irdische Frösche ihre Locken haben. Die Kämpfe selbst laufen dabei rundenbasiert ab, wobei Euren Einheiten pro Runde stets zwei Züge zur Verfügung stehen. Einer könnte dabei laufen sein, ein anderer Angriff. Oder den zweiten Zug doch lieber nutzen, um den Söldner in den Feldpostenmodus zu versetzen? Dann würde er gegnerisches Viehzeug automatisch angreifen, sobald dieser in seiner Runde in das Blickfeld des Soldaten geriete. Oder vorsichtshalber doch noch mal nachladen, weil man ja nicht weiß, was kommt? Mit solcherlei Überlegungen müsst Ihr Euch herumschlagen, während Ihr Euer Team aus maximal 6 Soldaten über das Spielfeld schiebt, idealerweise jede Deckung und jeden Höhenvorteil ausnutzend, der sich Euch bietet. Nun wäre es allerdings zu einfach, wenn es dabei schon bliebe, das Alienvolk auszuräuchern. Mitunter gilt es, Stützpunkte der Aliens einzunehmen, bestimmte VIPs zu retten und zurück zur Evakuierungszone zu eskortieren oder, bei einem Großangriff dafür zu sorgen, dass die Zahl ziviler Verluste so gering wie möglich ausfällt. Für Eure Feldzüge stehen Euch unterschiedliche Söldnertypen zur Verfügung: vom klassischen Schützen über deren brachialeren Kollegen bis hin zum Scharfschützen ist alles dabei, was auf einem Schlachtfeld eine gute Figur macht. Da Eure Söldner durch wiederkehrende Einsätze und Abschüsse an Erfahrung gewinnen, mit denen sich die Figuren in Sachen Talent individualisieren lassen, seid Ihr gut beraten damit dafür zu sorgen, dass Eure Figuren den Einsatz heil überlegen. Einen hochgelevelten Soldaten auf dem Felde der Ehre zu verlieren ist immer bitter, im Falle dieses Spiels sogar mitunter auch ein anständiger Wurf zurück.

Nun beschränkt sich XCOM: Enemy Unknown allerdings nicht darauf, Euch eine Schlacht nach der anderen bestreiten zu lassen. Da kommt noch mehr ins Spiel. Mit jeder Mission werden Alienleichen und -technologieteile geborgen, die anschließend in Eurem Labor untersucht werden wollen und müssen, wenn Ihr auf lange Sicht mithalten können wollt. Wenn Ihr Euch geschickt anstellt, könnt Ihr Aliens auch lebend fangen und diese anschließend … äh … “verhören”. In jedem Fall bringt Euch das neue Technologie (bessere Waffen, effektivere Rüstungen usw.), die Ihr anschließend von Euren Technikern bauen lassen könnt. Wenn Ihr nämlich nicht gerade auf dem Schlachtfeld unterwegs seid, befindet Ihr Euch in der XCOM-Kommandozentrale, die Ihr nach Eurem Geschmack mit neuen Modulen (zusätzliche Labore, Satellitenkontrollzentren usw.) aufstocken könnt. Das kostet natürlich alles Geld. Um Euch zu finanzieren, stecken Euch die Länder dieser Welt für das erfüllen bestimmer Missionen Geld zu. Platziert Ihr Satelliten über einen bestimmten Land, die als Alienfrühwarnsystem dienen, bekommt Ihr monatlich Schotter. Konsequenterweise solltet Ihr daran denken, Eure Abfangjäger, die übrigens ebenfalls modifiziert werden können, dann auch loszuschicken, sobald der UFO-Alarmmelder sich bemerkbar macht.

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Screenshot: 2KGames

In vielen Dingen ist XCOM immer eine Gratwanderung. Oftmals habt Ihr wenigstens 3 Missionen zur Auswahl, aus denen Ihr entscheiden müsst, welche Ihr nun angeht. Die beiden anderen Alternativen sind anschließend unwiederbringlich fort. In dem Land, in dem Ihr unterwegs wart, sinkt der Paniklevel der Bevölkerung. In den beiden anderen steigt er. Ist der Paniklevel irgendwann zu hoch, dreht Euch dieses Land den Geldhahn zu. Ähnlich verhält es sich mit den Entscheidungen, wofür man die hart erarbeiteten Taler ausgibt: neue Bordkanonen für die Abfangjäger? Oder vielleicht doch noch zwei neue Rüstungen, um die aufgestiegenen Soldaten überlebensfähiger zu machen? Es ist immer alles irgendwie deutlich zu knapp bemessen, was dem Thrill-Faktor des Spiels allerdings sehr zu Gute kommt. Wer noch nie ein Taktikspiel gezockt hat, braucht nicht verzagen: in einem hervorragenden Tutorial wird dem Spieler alles erklärt, was er wissen muss und dann behutsam, Stück für Stück, immer mehr losgelassen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Die Lernkurve ist recht steil, dier Schwierigkeitsgrad auch ziemlich früh ziemlich knackig. Dabei bleibt XCOM allerdings immer fair. Vergeigte Missionen, gefallene Soldaten – fast immer sind es eigene Fehler, die dem Spieler einen Strick drehen. Man erwischt sich ziemlich schnell dabei, eine Mission noch mal von vorne anzufangen, nur um zu verhindern, dass ein hochgelevelter Soldat der Alienbrut zum Opfer fällt, weil man sich vielleicht im Vorfeld schlecht vorbereitet hat und eventuell doch lieber ein paar Granaten hätte einpacken sollen. Dabei schafft es XCOM, stets motivierend und spannend zu bleiben.

Auch wenn sich vieles vertraut anfühlt, ein paar Unterschiede haben die Spezialisten von Firaxis dennoch eingebaut. So gibt es beispielsweise keine zufällig generierten Karten mehr. Immerhin: Die Platzierung der Feinde erfolgt nach wie vor weitestgehend zum Zufallsprinzip. Ebenfalls gestrichen wurde das Inventar der Soldaten, genauso wie das Hinhocken oder Hinlegen. Was am Ende einer Mission noch steht und zu gebrauchen ist, wird automatisch geborgen und in die Kommandozentrale verschifft. Auch eine Minimap ist der Schere zum Opfer gefallen. Das sind aber alles Kleinigkeiten, die beim Spielen überhaupt nicht auffallen. Dafür gibt es nun einen Multiplayermodus, bei dem sich die Spieler als Aliens und Menschen gegenüberstehen können. Nett, aber bei einem Spiel wie XCOM irgendwie überflüssig. Aber scheinbar geht heutzutage nichts mehr ohne Mehrspielermodus.

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Screenshot: 2KGames

Technisch macht XCOM: Enemy Unknown eine hervorragende Figur. Kein Wunder, basiert das Aliengeballer doch auf der Unreal 3 Engine, die hier für hübsch gestaltete, vor allem in Sachen Beleuchtung sehr stimmungsvolle Umgebungen sorgt. Der optische Stil ist einem sehr, sehr dezenten Comicstil gehalten. Zumindest auf dem PC, wo wir das Spiel gezockt haben, sieht XCOM sehr überzeugend aus. Ist aber auf den Konsolen nicht wesentlich anders, sieht man von gelegentlich nachladenden Texturen usw. ab. Auch der Soundtrack ist höchst geschmeidig ausgefallen. Extra-Kudos bekommt das Spiel allerdings für die hervorragende Optimierung auf Gamepadsteuerung, was uns dazu bewogen hat, auch auf dem PC mit dem Xbox Controller ins Feld zu ziehen. Nach all den Jahren, in denen immer wieder versucht wurde, Taktik- bzw. Strategiespiele auf Konsolensteuerung anzupassen ist dies ein Paradebeispiel dafür, wie man es richtig macht.

Die Strategiespezialisten von Firaxis haben es hier nicht nur geschafft, ein beinahe ausgestorben geglaubtes Genre zu neuem Glanz zu verhelfen, sondern präsentieren hier ein durch und durch großartiges Spiel, dessen Unterhaltungswert und Langzeitmotivation sehr weit über der heutigen Kost liegt. XCOM: Enemy Unknown ist einer der heißesten Kandidaten um den Titel “Spiel des Jahres”. Für XCOM-Fans, für Taktiker, für passionierte Zocker ein definitiver Pflichtkauf – alle anderen sollten wenigstens einmal probespielen. Es lohnt sich!


Fazit: Man kann es drehen und wenden, wie man möchte: XCOM: Enemy Unknown macht einfach alles richtig und ist für Strategen, vor allem aber für Taktiker, das perfekte Spiel. Steile, aber motivierende Lernkurve, generell herausfordernde aber immer faire Mission, hübsche Optik, cooler Soundtrack und selbst auch am PC eine perfekte Controllersteuerung – hier wird einfach alles richtig gemacht. Die geringfügigen Änderungen hinsichtlich Zugänglichkeit für den Massenmarkt sind hier gut zu verkraften. Wer sich dieses Meisterwerk entgehen lässt ist nicht nur selbst schuld, sondern darf sich anschließend auch nicht beschweren, wenn wir bald nur noch Browsergames oder Free-To-Play-Spiele vorgesetzt bekommen.


XCOM Enemy Unknown Cover


NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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