So werten wir

Ein Wertungssystem? Huch? Jepp. Nachdem AVALOST ohne Wertungssystem gestartet ist haben wir uns dazu entschieden, der besseren Entscheidungshilfe für oder gegen den Erwerb eines Tonträgers ein Wertungssystem einzuführen. Daher gibt es nun ein Punktesystem, das wir Euch nachfolgend ein bisschen näher bringen möchten.

Vorab: Die Wertungen sind genauso wie die Reviews höchst subjektiv und Momentaufnahmen, die zum Zeitpunkt der Review entstanden. Die höchstmögliche Punktezahl, die ein Album erreichen kann, sind 10 Punkte. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Album jemals 10 Punkte erreicht, ist sehr gering. Schauen wir uns die Wertungskategorien an:

Inhalt / Konzept / Texte
Klang / Produktion
Kreativität
Verpackung / Artwork / Extras
Fan-Faktor
Umfang / Spieldauer
Gesang
Gesamteindruck

Wir gehen gleich im Detail darauf ein. Wie gesagt: dass ein Album hier überall jemals die volle 10 abräumt, ist sehr unwahrscheinlich. Die Punkte fangen bei 0 an werden in 0,5er Schritten vergeben. Generell gilt: gibt es eine x.5-Wertung, dann ist die Tendenz eher zur höheren Wertung, hat aber dennoch nicht ganz für die nächste Punktestufe gereicht. Wenn es für Euch ein Kriterium ist, ob ein Album 5.5 oder 6 Punkte hat, dann tendieren wir pauschal in Richtung 6. Wie ein Album mit welcher Punktezahl einzuordnen ist, dazu später mehr. Zunächst noch einmal ein Ausflug in die Wertungskategorien und deren Bedeutung.

Inhalt / Konzept / Texte: Hier schauen wir uns an, welcher Wert auf den Inhalt gelegt wurde. Ein „Hyper, Hyper!“ wird logischweise nicht so viele Punkte bekommen wie eine komplexe Rockoper. Bei Instrumentalalben verzichten wir naheliegenderweise auf die Wertung. Es sei denn, es wird dennoch ein bestimmtes, inhaltliches Konzept umgesetzt. Bei Electro-Alben (speziell House, Deep-House u.ä.) ist das gesungene Wort oft nicht der Transporter für die Botschaft. Auch das wird hier entsprechend berücksichtigt.

Klang / Produktion: Auf Loudness gepimpt sind ja gefühlt irgendwie alle Alben. Dennoch: ist es ein differenzierter, ohrenschmeichelnder Klang, der da aus Boxen tönt? Mit einer vielschichtig arrangierten Produktion? Oder ist das alles nur eine dumpfe Suppe, möglichst alles gleich laut und ohne irgendwelche Besonderheiten, die Genusshörer auseinanderfriemeln können? Je feingliedriger eine Produktion ist, je mehr spannende Details herauszuhören sind, umso besser. Das hat bei akustischen oder Live-Alben naturgemäß eine höhere Relevanz als bei Alben aus dem Electro-Bereich, wo bekanntlich nur wenig echt ist. Insgesamt ist diese Wertungskategorie ein bisschen zugehörig zur folgenden.

Kreativität: Wahrscheinlich die subjektivste Wertungskategorie. Wenn nun beispielsweise die x-te Dark-Electro-Kombo an den Start geht und versucht, ihren Vorbildern Suicide Commando oder Agonoize nachzueifern, dann ist das vielleicht löblich – sonderlich kreativ ist das aber nicht. Es ist auch teilweise Zusammenfassung der vorhergehenden Wertungen. Eine Best-Of oder das x-te Live-Album einer Band sind ebenfalls nicht so übermäßig kreativ. Je mehr ein Album aus der Masse der Veröffentlichungen herausstechen kann, umso höher ist diese Wertung. Überdies: wenn eine Band gewohnte Pfade verlässt, wird dies hier auch entsprechend berücksichtigt. Je nachdem, wie gut das gelungen ist.

Verpackung / Artwork / Extras: Gibt es die CD nur in einem Jewel-Case? Langweilig. Gibt es eine schicke Limited Edition, idealerweise in edler Verpackung mit hochwertigen Fotos, die das Erlebnis des Albums abrunden? Zack, schon geht die Wertung nach oben. Kann ich als Fan nach Erwerb noch zusätzliche Tracks herunterladen? Steigert die Wertung. Bei rein digitalen Veröffentlichungen verzichten wir hier übrigens meist auf die Wertung.

Fan-Faktor: Wir hatten ja schon festgestellt, dass Reviews und Wertungen subjektive Momentaufnahmen sind. Nun ist uns aber bewusst, dass es dennoch Fans eines Künstlers un/oder des Genres, in dem sich dieser bewegt, gibt, der eventuelle eine höhere Wertung vergeben würde als wir es vielleicht getan haben. Dies versuchen wir hier zu berücksichtigen.

Umfang / Spieldauer: Dies ist die Wertung, in der viele Alben heutzutage die Hose herunterlassen müssen. Ein Album zum Vollpreis mit einer Spielzeit von nur ca. 40 Minuten kann hier einfach keine hohe Wertung kassieren. Ein Konzeptalbum auf Doppel-CD hingegen schon.

Gesang: Übermäßiger Einsatz von Stimmbearbeitungsmittelchen im Studio wird hier Gewiss nicht zu einer hohen Wertung führen. Echte, ausdrucksstarke und markante Stimmen sind hier stets besser bewertet als Gesangsbeiträge, die durch ein Megafon ins Mikro gebrüllt worden sind. Stimmgewaltige SängerInnen kommen für gewöhnlich auch besser weg als welche, die sich des Sprechgesangs bemühen.

Gesamteindruck: Diese Wertung erfolgt unter Einbeziehung der vorherigen Kategorien – bei gleichzeitiger Distanzierung. Klingt paradox? Musik ist zum großen Teil auch eine Gefühlssache. Wie empfinde ich, wenn ich ein Album höre? Demnach kann ein Album in den Einzelwertungen zwar immer nicht ganz so gut weg gekommen sein, insgesamt aber irgendwie dennoch ein prima Hörerlebnis bieten. Diesen vermeintlich paradoxen Spagat versuchen wir mit dieser Wertung.

Nachdem wir dies nun also geklärt hätten, kommen wir zur Punkteskala. Sie soll Euch dabei helfen, eine Gesamtwertung von Beispielsweise 5,7 Punkten zu verstehen und entsprechend einzuordnen.

Punkte:

0 – 1: Unwahrscheinlich, dass ein Album jemals so eine katastrophale Wertung einfährt. Falls doch, dann entspräche dies der Leistungsverweigerung in der Schule. 6, setzen!

1 – 2: Puh. Hier muss man entweder sehr leidensfähig sein. Oder sein Geld wahrlos für irgendwelche Tonträger zum Fenster rauswerfen. Wer ab und zu mit dem Kopf über die Tastatur rollt und das Ergebnis dann bestellt, der wird hier sicher auch froh sein, Geld ausgeben zu können. Alle anderen lassen es bitte.

2 – 3: Prinzipiell gehört dieses Album in den Bereich Gurke. Für einen schmalen Taler mal vom Grabbeltisch mitnehmen, ansonsten kann man diese Veröffentlichung auch ganz bequem ignorieren.

3 – 4: Ein Knaller ist dieses Album nicht. Fans des Künstlers oder des Genres haben hier aber eventuell dennoch ihren Spaß. Probehören vor dem Kauf ist aber dennoch dringend angeraten. In dieser Wertungsregion rangieren für gewöhnlich die Alben, die uns aufregen und/oder wo wir es als Zeitverschwendung erachten, sie gehört zu haben.

4 – 5: Hier bewegen wir uns in einem Bereich, in dem ein Album nicht richtig schlecht ist. Aber eben auch nicht so richtig gut. Für gewöhnlich geht aus dem Review hervor, was höhere Wertungen verhinderte. Und meistens können Fans hier gut und gerne noch einen Punkt hinzuaddieren.

5 – 6: In dieser Region finden sich oftmals vielversprechende Newcomer, deren Debüt zwar als sehr gelungen betrachtet werden kann, wo aber immer noch Luft nach oben ist. Jede Gesamtwertung oberhalb von 5 Punkten betrachtet wir als eine, für die man guten Gewissens Geld ausgeben kann, jedoch nicht ohne in der Review auf ein eventuelles „ja, aber“ hinzuweisen.

6 – 7: Alben, die sich in dieser Region tummeln, sind für gewöhnlich gut. Sie haben uns gefallen und wir empfehlen sie gerne weiter. Mit Einschränkungen. Ob diese Einschränkungen für Euch als Konsument auch relevant sind, müsst Ihr im jeweiligen Fall selbst entscheiden. Oftmals handelt es sich dabei um Dinge, über die man tendenziell hinweg sehen kann, die aber dennoch angesprochen werden mussten.

7 – 8: Top-Album, ohne wenn und aber. Viele sehr gute Alben werden sich in diesem Bereich wiederfinden. Abzüge gibt es hier oftmals entweder für die Spieldauer oder weil die Aufmachung ein bisschen dürftig ausgefallen ist. Manchmal Erbsenzählerei, wissen wir, aber wir versuchen eine Gesamtbetrachtung.

8 – 9: Wenn sich ein Album in diesem Bereich bewegt, dann gehört es schon zur Oberliga. Uneingeschränkte Kaufempfehlung unsererseits. Die Abzüge, die eine noch höhere Wertungsregion verhinderten, sind allermeist ganz bequem zu vernachlässigen. In dieser Region tummeln sich die allermeisten unserer Top-Alben.

9 – 10: Pflichtkauf! Hier haben wir es mit einem Album zu tun, dass sich nach unserem Dafürhalten nahe an der Perfektion bewegt. Und welches das Zeug dazu hat, zu einem Klassiker zu mutieren, den man auch in Jahren immer mal wieder gerne hören wird. In dieser Wertungsregion werden sich nur sehr, sehr wenige Alben bewegen, wenn überhaupt.

Darüber hinaus verleihen wir einem Album, manchmal aber auch einer News, eine bestimmte Auszeichnung, die sich aus dem Inhalt des Textes ergibt. Dinge wie Tipp der Redaktion oder Im Auge behalten! sind sicherlich selbterklärend, genauso wie Flop. Wobei es auch schon vorgekommen ist, dass gerade letztgenannte Auszeichnung vergeben wurde, auch wenn das Album von den Punkten her eigentlich keine hätte bekommen müssen. Manchmal sorgt einfach der eingeschlagene Weg eines Künstlers für diese oder jene Auszeichnung.

Dies als kurze Erklärung, um unsere Gedankengänge bei der Bewertung eines Albums nachvollziehen zu können. Wie so oft im Leben gilt auch hier: es ist nicht alles so schwarz und weiß, wie es die Zahlen vermuten lassen. Solltet Ihr Fragen bezüglich unseres Wertungssystems stellen, könnt Ihr sie uns selbstverständlich gerne stellen.


NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek