Foto: AIDA Cruises

Abgasreinigung, Flüßiggas und Brennstoffzellen – AIDA veröffentlicht Nachhaltigkeitsbereicht AIDA cares 2019

Selbst der größte Kreuzfahrtgegner wird sich eingestehen müssen, dass es schon ziemlich viel ist, was AIDA Cruises hinsichtlich umweltverträglicherem Kreuzfahren unternimmt. Sicherlich: Luft nach oben ist immer noch, dennoch ist die Liste lang, die das Unternehmen in dem gestern vorgestellten Nachhaltigkeitsbericht AIDA cares 2019 präsentiert hat. Lang – und beachtlich. „Als Marktführer für Kreuzfahrten in Deutschland stellen wir uns den aktuellen sowie zukünftigen ökologischen und sozialen Herausforderungen und übernehmen Verantwortung. Bereits heute beschäftigen wir uns gemeinsam mit Partnern z. B. mit der Nutzung von Brennstoffzellen, Batterien oder Flüssiggas aus regenerativen Quellen in der Kreuzschifffahrt. Wir bekennen uns zu den Klimazielen von Paris und der International Maritime Organization (IMO). Unser langfristiges Ziel ist klar: Die emissionsneutrale Kreuzfahrt„, wird AIDA Präsident Felix Eichhorn anlässlich der Vorstellung von AIDA cares 2019 in der zugehörigen Pressemitteilung zitiert.

Die Maßnahmen im Überblick:

LNG bzw. Flüßiggas: Mit der AIDAnova schickte die Rostocker Reederei das weltweit erste Schiff auf Reisen, das komplett mit LNG betrieben werden kann, 2021 und 2023 werden zwei weitere Schiffe folgen. Durch die Nutzung von LNG sollen die Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden nahezu vollständig vermieden, der Ausstoß von Stickoxiden und die CO2-Emissionen nachhaltig verringert werden. Weiter heißt es: Insgesamt habe die Carnival Corporation, zu der auch AIDA Cruises gehört, bis heute elf LNG-Schiffe für vier ihrer Kreuzfahrtmarken beauftragt, die bis 2025 in Dienst gestellt werden. Alle Schiffe werden auf der gleichen Plattform wie AIDAnova in den Meyer Werften in Papenburg (Deutschland) und Turku (Finnland) gebaut. Die schwimmenden Maschinenraummodule und LNG-Tanks entstehen auf der zur Meyer Werft gehörenden Neptun Werft in Rostock-Warnemünde. Die Dual-Fuel-Motoren werden ebenfalls in Rostock-Warnemünde bei Caterpillar gebaut.

Landstrom: Wir hatten es an anderer Stelle schon mal erwähnt, dass der größte Teil der AIDA-Flotte ab Ende 2020 mit Landstrom versorgt werden kann. Das sind dann 12 von aktuell 13 Schiffen, lediglich die alte Dame AIDAcara ist davon ausgenommen. Denkbar, dass der Aufwand bei einem Schiff aus der Mitte der 1990er Jahre schlicht zu groß wäre. 2018 hat AIDA Cruises gemeinsam mit den Landesregierungen Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns Partnerschaften für einen umweltfreundlichen Kreuzfahrttourismus auf den Weg gebracht, die den Aufbau einer Landstromversorgung in den Häfen Kiel und Rostock bis 2020 zum Ziel haben. AIDA Cruises stehe bereit, 2020 den Testbetrieb in beiden Häfen aufzunehmen, erklärte die Reederei.

Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Abgasreinigung: Bereits neun Schiffe von AIDAs Flotte, die nicht komplett mit LNG betrieben werden können – was derzeit ja ohnehin nur die AIDAnova ist – sind mit einem System zur Abgasreinigung ausgestattet. Es handele sich dabei um das innerhalb der Carnival Gruppe entwickelte Advanced Air Qualitiy System (AAQS), die nach eigener Aussage derzeit umweltfreundlichste Alternative, die im Seebetrieb an Bord der AIDA Schiffe zur Verringerung von Schiffsemissionen genutzt werden kann. Bereits 2013 habe AIDA Cruises im Rahmen eines Investitionsprogrammes damit begonnen, auf den Schiffen seiner Flotte diese Abgasreinigungssysteme nachzurüsten. Aktuell sind damit ausgestattet: AIDAprima, AIDAperla, AIDAdiva, AIDAluna, AIDAmar, AIDAvita, AIDAblu, AIDAsol und AIDAbella. Außgenommen bleibt auch hier die AIDAcara. Dank dieser Anlagen sollen die Emissionen von Feinstaub, Stickoxiden sowie Schwefeloxiden erheblich reduziert werden können. Der Ausstoß von Kohlenmonoxid könne um bis zu 70 Prozent und die Emissionen von unverbrannten Kohlenwasserstoffen um bis zu 85 Prozent gesenkt werden. Wo AIDA Cruises die Genehmigung zum Betrieb der Systeme in den weltweiten Fahrtgebieten bzw. Häfen habe, würden diese erfolgreich eingesetzt. Die Frage, warum man für Dinge, die doch gut sind für die Umwelt sein sollen, eine besondere Genehmigung braucht, sei an dieser Stelle gestattet.

Brennstoffzellen: Bereits 2021 ist der erste Praxistest von Brennstoffzellen an Bord eines AIDA Schiffes geplant. Im Rahmen seiner „Green Cruising Strategie“ befasst sich AIDA unter anderem mit der Erforschung von Möglichkeiten der CO2-freien Gewinnung von Flüssiggas aus regenerativen Quellen (Projekt „Power to gas„) oder dem Einsatz von Brennstoffzellen und Batterien in der Kreuzschifffahrt. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Pa-X-ell 2“ (gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) ist bereits 2021 gemeinsam mit der Meyer Werft und weiteren Partnern der Praxistest von Brennstoffzellen an Bord eines AIDA Schiffes geplant. Gut vorstellbar, dass dies den größten Sprung nach vorne bedeutet, was emissionsarme Antriebstechnologien betrifft.

Verwendeter Treibstoff: In Nord- und Ostsee sowie vor den Küsten Nordamerikas und allen weltweiten ECA-Gebieten verwendet AIDA Cruises schwefelarmen Treibstoff mit maximal 0,1 Prozent Schwefelanteil. In allen europäischen Häfen sollen die Motoren der AIDA Schiffe bereits seit fast einem Jahrzehnt ausschließlich Treibstoff mit einem Schwefelanteil von maximal 0,1 Prozent verarbeiten. Auch hier eine Frage: Warum nicht überall?

Vermeidung von Plastik- und Einwegartikeln: Viele Getränke würden direkt an Bord der AIDA Schiffe produziert bzw. nicht in Flaschen eingekauft, sondern in speziellen Getränkebehältern mit großem Fassungsvermögen. An Bord gäbe es keine Plastiktrinkhalme, sondern Trinkhalme, die aus biologisch abbaubarer Stärke produziert werden. Außerdem würden diese nicht standardmäßig zu jedem Getränk angeboten, sondern nur bei Cocktails oder auf ausdrücklichen Wunsch der Gäste, erklärte die Reederei in ihrem Bericht. Wo weiterhin unvermeidbar, kämen Einwegbesteck oder Cocktailspieße aus Holz zum Einsatz. Kaffeebeigaben, wie z.B. Kekse, würden unverpackt angeboten. Kaffeespezialitäten „to go“ würden in Mehrwegbechern statt aus Kunststoffeinwegbechern serviert.

In den Kabinen und Bädern hingegen verzichte AIDA auf den Einsatz von Müllbeuteln in den Abfallbehältern. Die Wäschebeutel in den Kabinenschränken werde aus kompostierbarer Stärke produziert und die frisch gereinigte Wäsche ohne Plastikfolie in die Kabinen der Gäste geliefert. Bereits seit 2013 böte AIDA Cruises in allen Bordshops nur noch Papiertragetaschen an und alle Spa- und Kosmetikartikel an Bord seien frei von Mikroplastik. Bei den verbleibenden Einwegprodukten, wie z. B. Papierservietten, achte AIDA Cruises darauf, dass diese möglichst biologisch abbaubar sind.

Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Lebensmittelabfälle: Ähnlich wie beim Mitbewerber TUI Cruises ist die Vermeidung unnötiger Lebensmittelabfälle auch bei AIDA ein großes Thema. AIDA lege großen Wert darauf, dass keine bedrohten Tierarten ihren Weg auf die Speisekarten fänden und setze auf den Einsatz von möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln statt Convenience-Produkten. Allein dadurch würde jede Menge Verpackungsmüll vermieden. Schon seit der Indienststellung des ersten AIDA Schiffes vor mehr als 20 Jahren würde in den AIDA Küchen nach dem sogenannten „Cook and Chill„-System gearbeitet. Das heißt, es werden nur die vorbereiten Speisen an die Restaurants ausgeliefert, die dort tatsächlich gebraucht werden. Alle weiteren verbleiben in der Kühlung. Seit 2016 arbeite das Unternehmen flottenweit mit dem sogenannten „Buffet-Runner-System„: Mitarbeiter in den Büfettrestaurants sendeten über ihr mobiles Endgerät eine Nachbestellung direkt an die Hauptküche. Dort würden dann nur die jeweils tatsächlich benötigten Speisen zubereitet und ausgeliefert. Mit diesem System würde auch in den Crewrestaurants gearbeitet.

Viele der angebotenen Speisen in den Büfettrestaurants würden an Live-Cooking-Stationen frisch und bedarfsgerecht zubereitet oder in kleinen Einzelportionen angeboten. Hat es dem Gast geschmeckt, kann er sich gerne nochmals bedienen, statt Essen zurückgehen zu lassen. Überfüllte und dann nicht aufgegessene Portionen auf den Tellern ist ein oft zu beobachtendes Problem auf Kreuzfahrtschiffen. Schnell sind die Augen größer als der Magen. Tischgetränke werden nicht in Flaschen, sondern in Glaskaraffen serviert. Zum Ende der Öffnungszeiten der Restaurants würde nicht die Vielfalt des Angebotes verkleinert, aber die Größe der Servierschalen an den Büfettstationen. Alle anfallenden Abfallmengen, so auch die von Lebensmittelresten, werden an Bord der AIDA Schiffe regelmäßig gemessen und kontinuierlich Maßnahmen zu deren weiteren Reduzierung entwickelt und umgesetzt.

Ich sag ja – eine lange Liste sinnvoller Maßnahmen. Ich bleibe aber dabei, dass auch für einen – zugegebenermaßen – Vorreiter wie AIDA Cruises noch diverse Möglichkeiten offen sind, ihre Reisen nachhaltiger zu gestalten, gleichzeitig muss aber auch gesagt werden: Wäre jede Reederei mit gleichem Eifer dabei, wären Mensch und Meer schon sehr viel mehr geholfen. Vor allem die Entwicklung hinsichtlich der Verwendung von Brennstoffzellen in der Kreuzfahrt ist eine Sache, die man dringend im Auge behalten sollte.


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