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OSWALD HENKE – Zwischengeist

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OSWALD HENKE ist unbestreitbar ein Tausendsassa. Ob nun als kreativer Kopf zahlreicher musikalischer Projekte, als Autor von Kolumnen oder, wie im vorliegenden Fall, von Gedichten – Fans seines Schaffens müssen nie lange auf neues Material warten. Anfang September erschien “Zwischengeist”, sein jüngstes Schaffenskind. Wir haben es gelesen.

Zwischengeist” ist das inzwischen vierte Buch aus der Feder Oswald Henkes. Allerdings sind hier dieses Mal keine Kolumnen versammelt, sondern (fast ausschließlich) Gedichte. Sie teilen sich in sieben Kapitel auf, die mit folgenden klangvollen Namen versehen wurden: Seelenfütterungen, Vorsünde & Sündenfall, Agonie, Ethische Grenzgänger, Seelischer Autokannibalismus, Abgeschlossen und Prolog als Nachtrag für den Sündenfall. Klingt wie typisch Henke? Ist es auch.

Bereits durch sein musikalisches Tun sollte es aufgefallen sein, dass Oswald Henke ein genauer Beobachter unserer ach so modernen Zeiten ist und das, was er sieht, in mal mehr, mal weniger deutlichen Metaphern reflektiert. Bei “Zwischengeist” verhält es sicht nicht anders. “Beschneidung” ist ein gutes Beispiel dafür, noch dazu mit sehr aktuellem Bezug zum Tagesgeschehen. Manchmal klatscht es, wenn auch keinen Beifall, im Bezug auf das, was wir heute als Schwarze Szene kennen. “Manisch – aggressiv” geht es den Knicklichtern, Schweißerbrillen und Neonglühwürmchen an den Kragen. Die meiste Zeit geht Henke in seinen Texten in diesem Buch allerdings zwischenmenschlichen Dingen und, na klar, auch der Liebe nach. Dem Hoffen und dem Sehnen, dem Zweifeln, dem Stolpern, dem Fragen und den Suchen nach Antworten. Mal ehrlich – welcher unglücklich Verliebte findet sich nicht in den Texten von “Lieben lernen” oder “Wenn Hoffnung schmerzt” wieder?

Inhaltlich ist “Zwischengeist” ganz Gewiss eine Runde Sache. Allerdings haben wir bei einem Künstler wie Oswald Henke ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet. Sorgen bereitet bei einer Aufarbeitung seines Tuns in Buchform eher die optische Ausgestaltung. Da uns beim Medium Buch weder seine Stimme – und somit seine eindrucksvolle Intonierung seiner Texte – zur Verfügung steht oder wenigstens Musik, dann sollte wenigstens das Buch selbst durch seine Gestaltung zu überzeugen wissen, um dem Inhalt gerecht zu werden. Wir sind sehr froh, Euch an dieser Stelle mitteilen zu können, dass der herausgebende Culex Verlag hier ganze Arbeit geleistet hat. Die Texte werden immer wieder durch hochwertige Fotos aufgepeppt, zudem wird sehr viel mit grafischen Elementen und der Typografie (wenigstens bei den Überschriften) gearbeitet, sodass “Zwischengeist” ein inhaltlich wie optisch überzeugendes Gesamtkunstwerk ergibt, das man als buchaffiner Mensch immer wieder gerne zur Hand nimmt, um darin zu blättern, zu lesen, innezuhalten und das Gelesene auf sich wirken zu lassen.


Wenn man sich tatsächlich die Zeit und die Ruhe nimmt, Oswalds Texte auf sich einwirken zu lassen, dann ist es beinahe so, als könnte man im Hintergrund die musikalische Untermalung von den Erben, Henke oder Artwork wahrnehmen. Will sagen: seine treffend formulierte Lyrik funktioniert einfach immer – egal, ob man sie nur liest oder von Oswald vorgetragen bekommt. Inhaltlich über jeden Zweifel erhaben gefällt “Zwischengeist” aber auch durch die hübsche Gestaltung. So und nicht anders hat eine Gedichtsammlung heutzutage auszusehen. Klare Empfehlung für alle, die sich mit dem Tun Oswald Henkes anfreunden können und für alle, denen mal wieder der Sinn nach einem hochwertigen Gedichtband steht.



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    Roman Jasiek
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    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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