Foto: NECA

TANYA LAPOINTE – The Art And Soul Of Blade Runner 2049

Zuletzt aktualisiert:

Geschichte wiederholt sich manchmal eben doch: genauso wie das zugrundeliegende Original, so ist auch „Blade Runner 2049“ ein bildgewaltiges, philosophisches Meisterwerk – und an den Kinokassen genauso untergegangen, wie 1982 der Original-Film. Produktionskosten von bis zu 185 Millionen US-Dollar steht ein weltweites Einspielergebnis von knapp 260 Millionen US-Dollar gegenüber. Das ist nicht sonderlich berauschend. Für den break even hätte es wenigstens 400 Millionen US-Dollar gebraucht. „Blade Runner“, ganz gleich ob in der ursprünglichen Vision von Ridley Scott oder aber in der behutsam erweiterten Vision von Denis Villeneuve war und ist scheinbar einfach kein Film für die große Leinwand. Was gerade bei „Blade Runner 2049“ bei den berauschenden Bildern für mich einfach nicht nachvollziehbar ist. Aber es ist ja wie es ist. Ich bin absolut sicher, dass wir in 30 Jahren genauso über Villeneuves „Blade Runner“ fachsimpeln werden, wie wir es heute über das Original von Ridley Scott tun. Und genauso wie zum ursprünglichen Film gibt es auch zu „Blade Runner 2049“ Sekundärliteratur, die Fans und Interessierten die Entstehung des Films näher bringen möchte. THE ART AND SOUL OF BLADE RUNNER 2049 von Tanya LaPointe ist das erste Buch dieser Art. Als „Blade Runner“-Fan kann man da nicht dran vorbei.

Mein Exemplar von „The Art And Soul Of Blade Runner 2049“ habe ich direkt nach dem Kinobesuch bestellt – als Import aus Amerika. Ist direkt über Amazon erhältlich, die Lieferung dauert eben nur bis zu vier Wochen. Allerdings ist das eine Wartezeit, die sich lohnt.

Bei diesem Buch handelt es sich um ein recht großformatigen Bildband. Was durchaus angemessen ist, schließlich ist das Buch von Tanya LaPointe angefüllt mit großformatigen Bildern. Oftmals Konzeptzeichnungen. Ergänzt durch Produktionsnotizen von unter anderem Regisseur Denis Villeneuve oder Drehbuchautor Hampton Fancher, die dem geneigten Leser den Aufwand, der mit der Entstehung dieses Films verbunden war, näher bringen möchten. Das Buch folgt dabei der Chronologie des Films. Das heißt, dass die Zeichnungen, Fotos und Notizen in der Reihenfolge abgebildet sind, so wie sie im Film auftauchen. Wer „Blade Runner 2049“ noch nicht kennt, versehentlich aber über ein Exemplar dieses Bildbands stößt und sich nicht spoilern möchte, sollte über die ersten paar Seiten nicht hinaus blättern.

Eingeleitet wird das Buch mit einem Vorwort des Regisseurs Villeneuve, dem man spätestens jetzt einfach abnehmen muss, ein Fan des Originals zu sein. Der Respekt, den er Scotts Original-„Blade Runner“ gegenüber zollt, ist ja eigentlich schon durch den Film deutlich geworden, dennoch: das Vorwort unterstreicht seine Bemühungen, in die überirdisch großen Schuhe, die er sich hier anzieht, so gut es nur geht hineinzupassen.

The Art And Soul Of Blade Runner 2049“ geht bei allem allerdings lange nicht so in die Tiefe wie das Standardwerk in Sachen schriftlicher Making-Ofs, „Future Noir: Making Of Blade Runner“ von Paul M. Sammon. Natürlich nicht. Das eine ist ein Bildband mit 220 Seiten, das andere ein mächtiger Wälzer von über 600 Seiten. Vielleicht wird hier noch ein umfangreicheres Werk nachfolgen, andererseits: die Entstehung von „Blade Runner 2049“ wird wohl bei weitem nicht so bewegt gewesen sein wie die von „Blade Runner“ damals. Seinerzeit ist Ridley Scott aus dem Regiestuhl gekickt worden, Harrison Ford und Sean Young haben sich gehasst wie die Pest und all solche Dinge. Wer das nachlesen möchte, dem sei Sammons Buch ans Herz gelegt. Wer aber in den schönen Bildern, die der Nachfolger mitbrachte, schwelgen möchte – zum Zeitpunkt dieses Artikels trennen uns schließlich noch gute zwei Monate von der Heimkinoverwertung – dem sei „The Art And Soul Of Blade Runner 2049“ ans Herz gelegt.

Inhaltlich überzeugt mich der Bildband schon, qualitativ muss ich als ehemaliger Buchhändler aber sagen: ich habe schon hochwertigere Bildbände in den Händen gehabt! Die Klebung beispielsweise macht nicht den Eindruck darauf ausgelegt worden zu sein, dass dieses Buch oft durchblättert wird. Auch das Papier hätte für meinen Geschmack noch schwerer sein dürfen, um dem Inhalt gerecht zu werden. Andererseits: das Buch kostet gerade mal rund 37 Euro, hochwertigere Bindung und Papiersorten hätten den Preis deutlich in die Höhe getrieben. Und nicht zuletzt handelt es sich um ein NECA-Produkt. NECA produziert sonst Spielzeuge (wie beispielsweise Action-Figuren zum Inhalt des hier besprochenen Buches), die allerdings auch nicht durch übermäßig hohe Qualität auffallen. Aber das nur am Rande.


Mangels Alternativen und weil die Konzeptzeichnungen sehenswert sowie die Produktionsnotizen lesenswert sind, empfehle ich „The Art And Soul Of Blade Runner 2049“ gerne weiter. Wer gerne etwas mehr Geld in die Hand nehmen möchte: es gibt davon auch eine Deluxe-Version mit etwas anderem Cover-Artwork sowie einer Litografie, die im Dunklen leuchtet.



NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
WEITERE STORY.
EELS: Live-Album mit DVD „Royal Albert Hall“ erscheint am 10. April 2015