WULF DORN - Trigger
Foto: Heyne Verlag

WULF DORN – Trigger

Die menschliche Psyche ist eine faszinierende Sache: Sobald jemand herausgefunden hat, wie und wo man ansetzen muss, versetzt es diese Person im schlimmsten Fall in die Lage, bei jemand anderem dafür zu sorgen, dass dieser nicht mehr richtig “funktioniert”. Wahrnehmungsstörungen, Paranoia, Verhaltensänderungen – um hier nur ein paar der möglichen, hervorrufbaren Fehlfunktionen des Verstandes zu nennen. Nicht immer erfolgen diese Manipulationen bewusst und in böser Absicht. Manchmal aber doch. Und die Kernaussage von WULF DORNs Debütroman ist: alles Böse hat einen Auslöser. Eben einen “Trigger”.

Eine Erfahrung, die auch die Protagonistin in Dorns Roman machen muss. Ellen Roth, Psychiaterin in einer recht angesehenen Nervenklinik, übernimmt kurzerhand die Betreuung einer jungen Frau, nachdem sich ihr Lebensgefährte ganz spontan auf einen Urlaub ans andere Ende der Welt verzogen hat. Schon der Hinweis ihres Lebensgefährten, es handele sich hierbei um einen “besonders interessanten Fall”, hätte für Ellen als Warnhinweis dienen sollen. Doch festen Entschlusses, Gutes zu tun, übernimmt sie die Betreuung der jungen Frau, die offensichtlich schwer mishandelt wurde und, als Folge ihrer Pein, psychisch gestört immerzu etwas von einem “schwarzen Mann” erzählt, der kommen würde um sie zu holen. Sie und Ellen. Dann passiert das eigentlich Unmögliche: in einer Nacht verschwindet Ellens Patientin spurlos aus der Klinik. Doch das ist nicht das einzig merkwürdige: Außer ihr kann sich niemand an Ellens Patientin erinnern, noch hat sie jemand je gesehen – und auch die Krankenakten glänzen durch das Fehlen jeglicher Informationen.

Kollegen, Vorgesetze oder gar die Polizei – überall begegnet man Ellen, als wäre sie diejenige, die nicht mehr so ganz rund liefe. Also beschließt sie, in dieser Sache auf eigene Faust zu ermitteln – und stellt alsbald fest, dass der schwarze Mann tatsächlich hinter ihr her ist – und das schon seit einer Sache, die viele Jahre zurück liegt…

In seinem Debütroman lässt Dorn seine Heldin ein verwirrendes Katz- und Maus Spiel durchleben, bei dem der schwarze Mann der Psychiaterin immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Dank seiner flotten, fesselnden Schreibe zweifelt nicht nur Ellen ziemlich schnell an ihrem Verstand und wem sie noch trauen kann, auch der Leser wird von Dorn ein ums andere Mal in die Irre geführt. Und auch wenn das Ende sehr überraschend ausfällt, so muss sich Dorn für das Zusammenfügen der Handlungsstränge doch den Vorwurf gefallen lassen, nicht alles bis zum Schluß durchdacht zu haben. Denn auch wenn das Buch durchweg spannend geschrieben ist und das Finale anders aussieht als zunächst vermutet, so wirft gerade dieses Finale doch mehr Fragen auf, als es beantwortet. Und das sind nicht notwendigerweise Fragen, die der Spannung wegen eh gerne mal offen gelassen werden, sondern schlicht logische Probleme, die sich aus Dorns Handlungskonstrukt ergeben. Andererseits: Man kann Erbsen zählen, muss man aber nicht.


Ich habe “Trigger” immer in meinen Mittagspausen gelesen. Und jedes Mal hat mich das Buch so gefesselt, dass mir die Pausen immer noch kürzer erschienen als so schon. Ich konnte mich stets nur mit Widerwillen von dem Buch trennen, zu groß war der Drang, wenigstens noch eine Seite weiterzulesen. Wie bereits erwähnt, hat Dorns “Trigger” in der Nachbetrachtung mit einigen logischen Problemen zu kämpfen. Andererseits gibt es eine Menge Krimis, die damit leben müssen und können. “Trigger” ist spannende, gut geschriebene Unterhaltung und erzeugt Nervenkitzel, ohne dass literweise Blut fließen müsste. Kurzum: Lesenswertes Krimi-Debüt!


Wulf Dorn - Trigger