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AND ONE – Magnet (Trilogie I)

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An AND ONE scheiden sich die Geister. Von vielen gern gehört, wenn nicht sogar abgöttisch geliebt, gibt es auch immer wieder Konsumenten, die mit dem Treiben von Steve Naghavi und seinen Bandkollegen nichts anfangen können. Die And One manchmal sogar meiden wie der Teufel das Weihwasser. Auch in unserer Truppe gibt es diese Konstellation. Der Großteil der Avalost Truppe ist mal mehr, mal weniger begeisterter And One Hörer – nur einer ist stets dagegen. Aber wenn And One mit „Magnet“ eine Trilogie veröffentlicht, die eventuell das letzte Kapitel in der Bandgeschichte markiert, dann ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Daher haben wir uns nachfolgend sehr ausführlich mit dem möglichen Opus magnum And Ones beschäftigt – wir hoffen, Ihr habt etwas Zeit mitgebracht. Bei drei Alben auf einen Schlag gibt es ein bisschen was zu erzählen. Wir haben die drei Alben auf drei Leute verteilt. Was uns dazu durch den Kopf ging, erfahrt Ihr jetzt. Fangen wir an.

Magnet

Magnet“ ist das Titelalbum und somit das Herzstück der „Magnet-Trilogie“. Welche Songs auch immer Euch durch den Kopf geistern, wenn Ihr an And One denkt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werdet Ihr Euch umgewöhnen müssen. Der typische Markenzeichensound von Steve Naghavi und seinen Kollegen kommt hier nur in wohl dosierten Portionen zum Einsatz. Das mag manche verstören, andere erfreuen – ein mutiger, wichtiger und richtiger Schritt ist es dennoch. Schauen wir uns die Tracks doch mal im Detail an.

Love Needs A Saving Hand: Die erste Überraschung kommt direkt zum Start. Die ersten knapp zwei Minuten werden wir Zeuge einer beinahe an Film-Noir erinnernden Stimmung. Steve erzählt uns ein paar Dinge über eine besondere Aftershow-Nacht, dem Chillen an der liebsten Hotelbar und dem Zwischenspiel mit einer Bardame, bevor der Song eigentlich so richtig in Fahrt kommt. Oh und Moment mal – ist das etwa eine Gitarre, die da immer wieder vorwitzig ins Klangbild rückt? Tatsache! Neben dem geschmeidigen Synthiepop nun also auch noch Gitarre. Ergebnis? Ein hochgradig fetziger Opener, der ein bisschen an Don Henley u.ä. erinnert. Mit diesem sehr an die Mucke der 80er gemahnenden Opener haben mich Steve Naghavi und seine Mitstreiter quasi von der ersten Sekunde gefesselt und für sich gewonnen.

Zeit ohne Zeit: Synthiepop vom Feinsten! So könnte man diese (im Vergleich zum vorhergehenden Song) treibendere, in Deutsch gesungene Nummer gut umschreiben. Ganz viel Melancholie und Wehmut, verpackt in eine traumhafte Ballade. Kennen wir nicht alle diese Momente, die, während sie passieren, ewig scheinen und rückblickend viel zu schnell vergangen sind? Die Sommerferien damals bei den Großeltern, der tolle Urlaub auf einem Schiff, die Festivals, die man erlebte – alles schien in den jeweiligen Momenten ewig zu währen, nur um doch wie mit einem Fingerschnipp Vergangenheit zu werden. Und die Dinge, die dabei auf der Strecke blieben – die Erinnerungen daran kommen immer wieder mal hoch. Manchmal wie säuerliches Aufstoßen. Keiner hält sich bereit für die Ewigkeit. Hach ja. Was war und was ist, was ging und blieb – diese eigenwillige Melancholie, die das Reflektieren darüber auslöst – sie wurde wohl nur selten so schön vertont.

Love Is Always On Your Side: Hier geht es das erste Mal auf diesem Album schon eher in Richtung „typisch And One“. Eine tanzbare Synthie-Pop-Partyhymne, die in Clubs sicher eine gute Figur machen wird. Und ganz ehrlich, Leute – der Refrain ist ein fieser, fieser Ohrwurm. Fans und Anhänger von sogenanntem „Weiberelektro“ finden hier formidablen Nachschub.

Unter meiner Uniform: Es wird wieder melancholisch. Langsam fließt der Song dahin, der vor allem von seiner musikalischen Ausgestaltung lebt. Neben analog wirkenden Synthies einmal mehr der Einsatz von Saiteninstrumenten als dezenter und gleichwohl markanter Akzent. Ich möchte mir spontan Badewasser einlaufen lassen, mich Rotwein betrinken und dann… mal gucken. Wer will, kann in den Text durchaus das angedrohte Ende von And One hineininterpretieren.

The Other Side: Mein definitiver Favorit und die größte Überraschung dieses Albums. Der Song kommt komplett ohne Refrain aus – glänzt dafür aber mit einer stark an The Cure erinnernden Gitarre, die sich an die analogen Synthies anschmiegt. Dazu Steves Gesang, der wie aus weiter Ferne ins Ohr des Hörers zu dringen scheint. Und dann ist da ja auch noch der makabere Text. I decided to start the day / with my own suicide. Abseits der gewohnten Partykracher, die auf Konzerten immer abgefeiert werden, vielleicht einer der größten Songs, die And One in ihrer Karriere geschaffen haben.

Love Me: Mal ehrlich – ist irgendjemand da draußen, der sich in den ersten Sekunden ob des Gitarrenspiels nicht an einen persönlichen Jesus aus dem Hause Depeche Mode erinnert fühlt? Auch der Rest des Songs klingt so, als stamme er aus den besten Tagen Depeche Modes. Wer von „Magnet“ behauptet, es klinge wie „Cure Mode“, trifft mit dieser Aussage nirgendwo mehr ins Schwarze als bei diesem Song.

Keiner fühlt’s wie wir: Und schon wieder wird die Melancholiekeule geschwungen. Das einmal mehr spannende und gleichwohl zarte Gemisch aus fließendem Synthiesounds und der wavigen Gitarre erzeugt eine ganz eigenwillige Stimmung. Wer einmal über Jahre in jemanden verliebt war, es aber nie geklappt hat, einfach weil man sich irgendwie immer verpasst hat, wird sich in diesem Song wiederfinden. Für mich bekommt dieses Lied zusätzlich Bedeutung, da ich mich an all die geilen Zeiten in unserer Wohnzimmerverlängerung (Meier Music Hall in Braunschweig) erinnert fühle und mich einmal mehr die Erkenntnis überrumpelt, dass diese schönen Zeiten ab Frühjahr nächsten Jahres nur noch eine Erinnerung sein werden. Randnotiz: Spätestens im April wird unsere Stammdisco und Konzerthalle für immer geschlossen werden. Irgendwie schließt sich hier gerade der Kreis zu „Zeit ohne Zeit“.

Everybody Lies At Night: New Order haben bei der klanglichen Ausgestaltung von „Magnet“ offenbar genauso Pate gestanden wie Depeche Mode und The Cure. Wie so viele Songs dieser Trilogie steckt auch dieser voller liebevoller Zitate. Voller Momente eben, die an diesen oder jenen Künstler erinnern, jedoch ohne stumpf „geklaut“ worden zu sein. Manchmal habe ich das Gefühl, die „Magnet-Trilogie“ ist eine tiefe Verbeugung vor jenen Bands, die Steve Naghavi inspiriert haben. Diese Synthie-Perle ist ein weiteres Beispiel dafür. Zumal: Assoziationen zu wecken, ohne stur zu covern ist auch irgendwie eine Leistung.

Fake Of Pleasures: Der wahrscheinlich typischste And One-Song auf „Magnet“ – der bekannte und gewohnte Sound tritt nirgendwo stärker zu Tage als hier. Dabei fällt mir auf, dass für mich persönlich And One ungleich spannender sind, wenn sie eben nicht so klingen wie sonst. Allerdings haben sie sich über die Jahre mit ihrem Sound eine große Fanschar erspielt – und die muss ja auch irgendwie bedient werden. Freunde des 80er-Jahre-Sounds werden überdies im Refrain und in den instrumentalen Passagen zur fortgeschrittenen Songspielzeit bedient. Ein bisschen Jan Hammer, anyone? Alt und neu gekonnt gegenübergestellt und doch vereint. Und das in einem Song. Sauber!

Dead Love: Schwer und getragen lässt Bundeskanzler Naghavi den Magneten ausschwingen. Es ist nur konsequent, ein Album, das über weite Strecken eh nicht zur hemmungslosen Feierei taugt, mit einer wehmütigen Ballade zu beenden. Erwähnte ich schon, dass auch hier wieder die (dieses Mal hintergründige) Gitarre einen guten Eindruck macht? Den eigenen, altbekannten Klang mittels Gitarre aufzupeppen ist ein Versuch, der schon unzählige Male in die Hose ging. Viel zu oft wurde einfach Bumm-Bumm-Electro mit Gitarrengeschrammel kombiniert und belangloser Einheitsbrei entstand. Wie man es besser und spannender macht – „Dead Love“ ist nur ein Beispiel von vielen auf dieser Trilogie.

Wie irgendwo früher in diesem Text schon einmal erwähnt: „Magnet“ steckt so voller musikalischer Zitate, dass es für den Musikliebhaber eine wahre Freude ist. The Cure, Depeche Mode, New Order, The Human League, Jan Hammer – wer mag, entdeckt eine wahre Zitatesammlung. Und das, ohne dass dafür die stets gern genommenen Coverversionen bemüht werden müssten oder alles nur irgendwie wieder aufgewärmt klingt. Die beiden Schwesteralben „Propeller“ und „Achtung 80“ stehen dem Titelalbum diesbezüglich in nichts nach. Ebenfalls teilen sich alle drei Alben den Umstand, sehr abwechslungsreich ausgefallen zu sein und die Spannungskurve stets hoch zu halten. Oftmals ist es ja so, dass die weiteren Silberlinge einer Veröffentlichung mit Zeug angefüllt ist, das „halt noch so da war“. Hier nicht. Alle drei Alben hätten auch bestens funktioniert, wenn sie einzeln veröffentlicht worden wären – so aber ist es eine mächtige Leistung, die erst einmal nachgemacht werden muss. Eine Sache, die noch gesagt werden muss, ist diese: kauft diese Scheibe! Selten war eine Veröffentlichung mehr ihr Geld wert als in diesem Fall. Abschließend: wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich gehen. Sollten sich And One wirklich auflösen – und Anspielungen auf das Ende der Band lassen sich so einige in die Texte hineininterpretieren – dann hätten sie sich selbst mit dieser Trilogie ein Denkmal gesetzt. Andererseits: Totgesagte leben länger…

Foto: AVALOST / Michael Kanzler
Foto: AVALOST / Michael Kanzler

Propeller

Zwei Jahre ließ Steve Naghavi uns dursten, um 2014 sein ganz großes musikalisches Musikfeuerwerk zu zünden. Drei Alben, dreißig Songs plus Live-Alben in den limitierten Boxen. Ich habe mir die Zeit und die 10 Tracks auf „Propeller“ unter die Lupe genommen. Und auch wenn der „Propeller“ eine Breakdance-Figur aus den 80er ist, kommen die meisten Songs doch aus der für And One typischen EBM-Synth-Kiste.

Mit dem knapp anderthalb Minuten Intro zu „Black Generation“ macht es Steve Naghavi noch etwas spannend, doch dann marschiert die schwarze Generation mit 120 bpm endlich los. Musikalisch knüpfen And One an bestehende Konzepte an, so hätte der Song auch gut auf die EP „Zerstörer“ aus dem Jahr 2012 gepasst, Synthesizer, E-Drums und Steves typischer Gesang. Textlich rückt Naghavi mit der recht ruhigen Nummer den in der YellowPress zitierten Skandalnudeln auf den Pelz. Nettes warm-up, welches sich stilistisch auch ein wenig bei Depeche Mode borgt.

Männermusik“ geht da schon eine Spur zackiger voran und lädt definitiv auf die Tanzfläche ein. EBM aus dem Hause Naghavi muss genauso klingen, dann ziehen seine Krieger auch in den „…Stiefelkrieg…“. Der Song lebt vom Beat und Steves Ausstrahlung, textlich eher minimalistisch und doch interessant, lässt er doch Raum für eigene Interpretation.

Politischer und keine Spur ruhiger geht es nahtlos mit „Synchronizing Bodies“ weiter. Der Track gehört sicher auf jede Tanzfläche, doch es wär schade, ihn nur als Partykracher zu betrachten. So soll die Alarmsirene zu Beginn vielleicht auch auf den eindeutig zweideutigen Text hinweisen. Wer Interesse hat, kann sich ja mal über die im Song besungene Bilderberg-Gruppe informieren, die mir bis dato unbekannt war.

Obwohl der Song „An alle Krieger!“ nur bedingt zum Tanzen einlädt, so hat Steve Naghavi damit doch DIE And One-Hymne geschaffen. In HipHop-Gängstermanier und doch eben typisch And One schwört Naghavi seine Krieger auf die große Schlacht ein. Ich freue mich jetzt schon darauf, den Song live zu erleben und mit 30.000 „Brüdern im schwarzen Meer {…} die Hand zu Heben, bis es der letzte schnallt, AND ONE treten die Maschinen bis es knallt“. Ich habe beim Hören ein Fest gefeiert, einfach göttlich.

Der düsterste Song auf dem Album „Propeller“ ist eindeutig „Nyctophiliac“. Mit melancholischer Stimme bekundet Steve Naghavi seine Liebe zur Dunkelheit. Der balladenhafte Teil erinnert mich an einen Berliner Entertainer und Sänger, der leider schon 9 Jahre tot ist. Trotzdem ist der Song eindeutig And One, doch das Album nimmt mit diesem und den weiter folgenden Titeln einen sehr ernsten Charakter an.

Bevor jetzt noch jemand den Blues kriegt, geht es weiter mit „Zwei Tote“, denn hier darf wieder getanzt werden. Ein wenig erinnert mich der Song an „Military Fashion Show“. Nun denn, worum es ihm genau im Text geht, kann uns nur Herr Naghavi verraten. Ich hab meine eigenen Schlüsse gezogen und finde die Message traurig und den Song dennoch großartig. Danke Steve für so viel Gefühl, verpackt in einen coolen Clubtrack, der sich hinter „Krieger“ nicht verstecken braucht.

Der Text zum Song „Before I Go“ soll uns hoffentlich keine Angst auf ein Ende machen, schließlich lautet die Parole doch And One forever. Musikalisch ist „Before I Go“ ein Wohlfühl-Song, klingt sofort nach And One und macht Laune, doch der Text stimmt mich etwas nachdenklich. Wie ich schon weiter oben erwähnt habe, behandeln einige Songs auf „Propeller“ sehr ernste Themen mit vermutlich persönlichem oder auch politischem Bezug.

U-Boot-Krieg in Ost-Berlin“ dagegen lässt die Neue Deutsche Welle wieder aufleben, daher hätte es musikalisch auch auf die „Achtung 80“ gepasst, doch wir sind noch immer mit dem „Propeller“ unterwegs. NDW-Synthesizer-Klänge im EBM-Marsch-Takt und oberflächlich betrachtet zunächst simpler Text. Doch „U-Boot-Krieg in Ost-Berlin“ ist keinesfalls irgendein NDW-Cover-Song oder Remake eines 80er Songs. Vielmehr demonstriert Steve Naghavi einmal mehr, wie er, durch seine Idole aus jungen Jahre inspiriert, Stilmittel aufgreift und daraus etwas neues und eben And One-typisches kreiert. Und so ist „U-Boot-Krieg in Ost-Berlin“ in etwa so etwas wie C64-NDW-EBM in 2014.

Was verbindet eigentlich Steve Naghavi mit Stanley Kubrick? Die Antwort ist „Up & Down“. Der vorletzte Song auf dem Album erinnert doch sehr an den Film-Song aus Kubricks Full Metal Jacket, in dem die marschierenden Soldaten lauthals ihre Liebe zum United States Marine Corps bekunden. Nun, verantwortlich für den Soundtrack des Filmes aus dem Jahre 1987 war Abigail Mead. Und hinter diesem Pseudonym verbirgt sich niemand geringeres, als Kubricks Tochter Vivian Vanessa. „Up & Down“ mutet als der Song an, mit dem Naghavis Krieger in den Stiefelkrieg marschieren, hört einfach rein.

Wer hierzulande die „Mutter der Nation“ ist, darüber lässt sich sicher streite, doch es gibt nur eine „New Wave Mother“ und das ist nach Steve Naghavis Meinung der freie Journalist und Radiomoderator Ecki Stieg, dem er mit dem Song schon eine gewisse Huldigung zuteil werden lässt. Musikalisch sehr minimalistisch, mit simpler Bassline und E-Drum-Sound à la TR-808, kann sich der Hörer viel besser auf den Text konzentrieren. Netter Song. Und ob Ecki das Album gut findet, wird er uns sicher mitteilen.

Foto: AVALOST / Michael Kanzler
Foto: AVALOST / Michael Kanzler

Achtung 80

Ein weiterer Bestandteil der And One-Mammutveröffentlichung ist der Beitrag „Achtung 80“. Wie der Name schon offenbart, soll der Sound an die Synthie-Musik der achtziger Jahre erinnern. Klingt erstmal nicht verkehrt, denn es sollte allgemein bekannt sein, dass Steve Naghavi dieser Musik Ära einiges abzugewinnen hat. Ein Beispiel dafür ist das tolle The Cure-Cover „The Walk“. Von den Live-Coverversionen bekannter 80er Hits ganz zu schweigen.

Was erwartet also den interessierten Hörer bei einer And One-Veröffentlichung, die sich am Sound vergangener Zeiten orientiert? Hasser mögen vermutlich sagen: „Typischer And One Sound, gepaart mit der Selbstbeweihräucherung durch Steve Naghavi“. Fans kaufen das Album sowieso – warum? „Weil es nach And One klingt“. Ich gehöre tendenziell eher zur letzteren Fraktion, wobei ich mich weniger als Fan, sondern vielmehr als häufigen And One-Hörer bezeichnen würde. Will ich lockere Musik, gepaart mit latent provokanten Texten, aber einfachem Zugang hören, welche mir zusätzlich noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert, bleibe ich meist bei And One hängen. Warum: Keine Ahnung.

Letztlich habe ich mich natürlich gefreut, dass ein neues Album, beziehungsweise eine ganze Trilogie angekündigt wurde, nachdem ja eigentlich schon das Ende der Band verkündet worden ist. Daran glaube ich nun nicht mehr so wirklich. „Achtung 80“ ist ein tolles Album geworden, welches sich selbstverständlich weiterhin nach And One anhört, aber (ja, es gibt ein aber) nicht mehr unbedingt aufgrund des typischen Sounds. Steve Naghavis unverwechselbare Stimme sorgt hier eher für den Aha-Effekt. Absolutes Highlight des 10 Lieder umfassenden Albums ist „Somebody’s Song“. Es wirkt, als sei Martin Gore persönlich mit And One im Studio gewesen, um diesen Track aufzunehmen. Eine tolle Ballade, die mich gerade beim Autofahren nach der Arbeit immer beruhigt hat. Peppiger wird’s bei „The Fighter“, „Girls on Girls“, „She’s Triple 6” und „Love Trashing Girls“. Der 80er-Jahre-Sound wird gerade hier deutlich und sorgt dafür, dass man sich in alten Disco-Zeiten wiederfindet. Irgendwie ertappt man sich immer wieder beim Wippen und Mitsummen nach mehrmaligem Hören. Faszinierend ist weiterhin, dass man And One hört, aber nicht in der typischen Form, sondern als musikalische Weiterentwicklung. Weg vom bekannten Synthie-Sound und deutlich frischer wirkend. Irgendwo zwischen pepp und ruhig bewegen sich die restlichen Songs dieser wunderbaren Verbeugung. „Let’s get higher“, „My Angel“ oder „Bad Girl“ sind eher dezent, wenn auch deutlich zu schade, um sie nur im Hintergrund laufen zu lassen.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass „Achtung 80“ ein tolles Album geworden ist, dessen Potential und Suchtfaktor sich vielleicht erst beim dritten oder vierten Durchgang entfalten wird. Es ist kein einziger Rohrkrepierer dabei. Nur 10 tolle Songs, die alle zeigen, dass And One mehr können, als das übliche, von vielen geliebte, von vielen gehasste Gedudel. Meiner Meinung nach eine tolle Weiterentwicklung, die hoffentlich in Zukunft fortgesetzt und nicht mit der Auflösung der Band gestoppt wird.


Fazit Roman: Wie können es Steve Naghavi und seine Kollegen nur wagen, ein so unerhört gutes Album aufzunehmen? Und dann davon gleich drei Stück? Da habe ich jahrelang meine Abneigung gegen And One gehegt und gepflegt – und dann so etwas! Vorurteile soll man ja bekanntlich pflegen, aber so verbohrt bin nicht mal ich, dass ich pauschal die Augen (oder eben: Ohren) verschließe. Daher habe ich stets in jede neue Veröffentlichung des Naghavigationssystems hineingehört, aber bis auf vereinzelte Ausnahmen war das nie meine Baustelle. Gerade bin ich echt dankbar dafür, jeder neuen Veröffentlichung eine neue Chance zu geben – was hätte ich sonst verpasst! Die Magnet Trilogie, allen voran das Titelalbum, ist ein Wurf geworden, wie er größer und sensationeller kaum hätte ausfallen können. In gleichem Maße, wie ich das Tun von Herrn Naghavi bis dato als albernes Gemache abgetan habe, möchte ich ihn nun mit Superlativen überschütten. Drei unterschiedliche, sehr abwechslungsreiche Alben zu schaffen, die noch dazu gänzlich ohne Füllmaterial auskommen und nicht eine Sekunde langweilen, dafür aber im Gegenzug zum immer und immer wieder hören animieren – das muss erst einmal jemand nachmachen. Es ist durchaus denkbar, dass dieser teilweise ziemlich ungewohnte Sound nicht jedem And One-Fan gefallen wird. Aber so ist das wohl immer: einen Hörer gewinnt man, einen verliert man. Ich werde durch diese Trilogie noch nicht zum And One Fan, erkenne aber eine beeindruckende Leistung an, wenn ich sie höre. „Magnet“, „Propeller“ und „Achtung Achtziger“ gehört zum zweifelsfrei Besten, was Ihr in diesem Jahr hören könnt. Ich ziehe hochachtungsvoll meinen Hut!


Fazit Mick: Ob „Propeller“ nun das schon seit langem angekündigte EBM-Album von And One ist oder nicht, spielt doch eigentlich keine Rolle. Die Kritiker und ewigen Nörgler sagen ohnehin, was der Naghavi da macht, ist kein echter EBM. Wer sich mit dem Album „Propeller“ auseinandersetzt, wir allerdings feststellen, dass die Songs doch die für EBM charakteristischen stilistischen Merkmale enthalten. Nur schafft es Steve Naghavi immer wieder, den Songs eine individuelle Note zu verpassen, so dass es eben nicht nach Front 242, Nitzer Ebb oder D.A.F. klingt, sondern nach And One. Das Steve Naghavi es dabei noch hinbekommt, stilistische Elemente der Künstler, die ihn in jungen Jahren geprägt haben, in seinen Songs unter zu bringen, ohne auch nur einen Cover-Song auf das Album zu packen, ist ein Indiz für seine Kreativität und Authentizität. EBM aus dem Hause And One ist achtziger, militärisch, sarkastisch, politisch, belehrend, nur ganz bestimmt nie old shool, denn das gab es ja schon.


Fazit Sebastian: Wie bereits erwähnt gehöre ich zu den Sympathisanten von Steve Naghavi und den Herren um ihn herum, deswegen habe ich mich auch auf neues Material gefreut, nachdem der Abschied ja eigentlich verkündet worden ist. Dass es dann drei sensationelle Alben geworden sind, auf welchen nicht ein Lückenfüller dabei ist, hätte wohl auch der größte And One-Fan nicht erwartet. Jedes Album hat seinen eigenen Charme, eigentlich ja sogar seine eigene Musikrichtung. Bei mehrfachem Hören entdeckt man immer noch Neues, es wird viel zitiert, aber nicht kopiert. Sollte es zum Ende von And One kommen, wäre diese Trilogie mit Sicherheit die Kür. Doch zum Glück sieht es mit der angekündigten Tour 2015 derzeit nicht danach aus!



INHALT / KONZEPT.9
TEXTE.8
GESANG.8.5
PRODUKTION.9
UMFANG.10
GESAMTEINDRUCK.10
LESERWERTUNG.0 Votes0
9.1
PUNKTE.
FAZIT.

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