Foto: Roman Jasiek / AVALOST

ASHBURY HEIGHTS – The Looking Glass Society

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Sobald ein neues Album einer schwedischen Band angekündigt wird oder erscheint, spitzen sich beim Avalost Team die Ohren ins Vulkanische. Ein gewisses Faible für skandinavische Bands ist bei uns ja nicht von der Hand zu weisen. So geschehen vor gut drei Wochen, als der neue ASHBURY HEIGHTS Silberling „The Looking Glass Society“ veröffentlicht worden ist. Über das ganze Theater nach der Veröffentlichung des letzten Albums inkl. Bandtrennung möchte ich hier jetzt nicht mehr eingehen – darüber ist auch überall ausgiebig diskutiert worden – sondern vielmehr auf das Album selbst und die Freude darüber, dass es überhaupt erschienen ist.

Wer sich noch an „Take Cair Paramour“ zurück erinnert, sollte nur Gutes damit verbinden. Es landete nicht nur in den Top Alben 2010 von Avalost, sondern bei mir persönlich auch selten aus dem Player. Ein Paradebeispiel gekonnter, hochwertiger Synthie-Pop-Mucke aus dem hohen Norden. Musik höre ich meist nur im Auto, der Vorgänger von „The Looking Glass Society“ befand sich knapp drei Jahre in selbigem, ohne jemals die Wohnung von innen gesehen zu haben. Sollte über die Qualität genug aussagen, denke ich. Begeistert waren wir seinerzeit allemal.

Nun also das neue Album, „The Looking Glass Society“. Ist es besser geworden? Schlechter? Anders? Irgendwie alles zusammen. Nicht zu vergessen, dass wir hier mit dem dritten Album der Band auch die dritte Sängerin zu hören bekommen. Ich kann euch aber beruhigen und demnach versprechen, dass sich Tea F. Thimé gut ins Klangbild einfügt und diesbezüglich kein Qualitätsunterschied festzustellen ist. Tatsächlich wirkt sie in manchen Augenblicken sogar etwas stimmgewaltiger als ihre Vorgängerin Kari, wobei wir uns manchmal nicht sicher sind, ob Ashbury Heights-Mastermind Anders Hagström seine Gespielinnen nach Können oder nach Aussehen aussucht.

Die Frage die ich mir schon immer beim Hören der Band gestellt habe: In welche Richtung geht das nun eigentlich? Die erste Scheibe „Three Cheers for the Newly Deads“ bewegte sich komplett Richtung Düstermusik, „Take Cair Paramour“ hingegen war alles, nur nicht düster. Irgendwo zwischen Schlager, Pop und viel guter Laune. Welchen Stil hören wir nun?

Ganz klar Synthie- bzw. Electro-Pop, wenn auch nicht mehr ganz so freudig wie beim Vorgänger, was nicht heißen soll, dass es nun wieder zur Düstermucke verkommen wäre. Ganz im Gegenteil. Eingeleitet wird das Album durch „Masque“. Dreivertel Takt, eingängige Melodie – neuer Schlagerhit? Natürlich nicht. Der Track fängt da an, wo das letzte Album aufgehört hat. Poppig, der Refrain brennt sich recht schnell ein, das Mitwippen kommt automatisch. „On the best of days I’m a loaded gun, on the worst of days I’m a burned out candle” beschreiben hier recht gut den Inhalt. “Heart of Darkness” ist ähnlich poppig, verleitet genauso dazu, einfach mal die Sau rauszulassen. Ich weiß nicht, ob es nur uns so beim Hören von Ashbury Heights geht (unser Hausmeister und ich haben spontan die Idee gehabt, beim nächsten Treffen eine komplette Ashbury Heights-Nacht zu machen, nachdem wir das Album gehört hatten), doch grundsätzlich habe ich dann Lust raus zu gehen und Party zu machen, was eigentlich recht selten vorkommt.

Glow“ wirkt im ersten Moment etwas weniger poppig, das Ergebnis direkte Freude zu haben ist aber das gleiche. Zumal der Text auch auf unsere Gesellschaft und deren Zwänge anspielt. „And I don’t need to be // a model of conformity // you know? // and I don’t need an alibi for sanity // cause I’m my own”. Ich denke, dass sich schon viele von uns diesen Gedanken gestellt haben, letztlich aber zu keinem Ergebnis gekommen sind. Beruflich bedingt passt es ja alleine häufig nicht, so rumzulaufen, wie man gerne würde. Kann ich aber morgens vor der Arbeit solche Texte hören, hab ich direkt ein Schmunzeln im Gesicht – daher auch wieder Freude.

Die Einleitungsmelodien von „Hollow“ hingegen könnten auch aus einem 80er-Jahre-Gruselfilm stammen, bevor so langsam moderne Beats hinzukommen. Richtig poppig oder tanzbar wird der Track nicht, erinnert an die Musik vom ersten Album. Bei Passagen wie „It used to be hollow, I knew it was hollow, but I just couldn’t resist” auch kein Wunder, oder? Macht das Lied aber nicht schlechter, ganz im Gegenteil. Einer meiner Favoriten.

Das bereits vorab veröffentlichte „Phantasmagoria“ wiederum ist wieder deutlich freundlicher und tanzbarer. Auch wenn ich mich immer Frage, ob es normal ist, bei den Texten gute Laune zu bekommen. Nach meiner Erinnerung an alte Schulenglisch-Zeiten kann „Phantasmagoria“ mit „Trugbild“ übersetzt werden. Vergleiche ich das nun mit dem Text „Can’t you see? Can’t you see? That chair is empty now // Life is Phantasmagoria now“, komme ich eigentlich zu dem Ergebnis, dass das Leben eigentlich ein Trugbild ist. Naja, eigentlich gehört das hier im Grunde nicht hin. Es ist ja so, dass genau solche Texte in Verbindung mit der poppigen Art der Musik den faszinierenden Reiz von Ashbury Heights ausmachen. Ist dieser Punkt bei mir getroffen, haben die Musiker oder Bands direkt einen neuen Fan gewonnen.

Diese Faszination setzt sich letztlich auch bei den folgenden Liedern „Piano“, „Leave off at seven“, „The number 22“ und „Gravitational Man“ fort. Alleine die Bilder die ich mir vorstelle, wenn ich die Passage „ And when the morning comes // It just brings black light // And when the sun does rise // It just won’t shine” aus „Piano“ höre, zaubern mir das soeben beschriebene Schmunzeln ins Gesicht.

Was ich damit sagen will ist, dass ich jedes einzelne Lied beschreiben und Textzeilen einfügen kann, die sich fast immer um sehr ähnliche Themen drehen. Gesellschaftliche Zwänge, Monotonie im Leben, gute Laune, schlechte Laune mit im zwischenmenschlichen Bereich verwurzelten Ursachen, Schatten von Vergangenem und ungewisser Zukunft. Das ist aber letztlich nicht notwendig. Die verbleibenden Songs „Ghost Spirit Mother“, „Starlight“ und „November Corrosion“ stehen den anderen Tracks in nichts nach und erzählen alle ihre eigene Geschichte. Somit tut das Album im übertragenen Sinne genau das, was der Titel vermuten lässt: der modernen Gesellschaft ein Spiegelbild vorhalten. Ob einem gefällt, was dabei zu sehen ist, muss freilich jeder selbst entscheiden.


Wie beim Vorgänger bleibt hier nur eine Empfehlung festzuhalten: Kauft euch die Scheibe, jetzt, sofort, digital, als Silberling, völlig egal. Hauptsache kaufen. Ashbury Heights ist für mich die Band überhaupt aktuell, kein Rohrkrepierer auf dem Album, Spaßfaktor hoch zehn, tolle Beats, abwechslungsreiche Lieder und so weiter. Wer bisher noch nicht die Möglichkeit hatte, die Band zu hören, dem empfehle ich direkt den Kauf mit den Vorgänger-Alben zusammen. Hier kann man nichts falsch machen, wenn man synthie-poppige Musik mag. Die Schweden können es eben. Und Ashbury Heights sowieso. Schön, dass sie wieder da sind!


ahlookingglass


Wie beim Vorgänger bleibt hier nur eine Empfehlung festzuhalten: Kauft euch die Scheibe, jetzt, sofort, digital, als Silberling, völlig egal. Hauptsache kaufen. Ashbury Heights ist für mich die Band überhaupt aktuell, kein Rohrkrepierer auf dem Album, Spaßfaktor hoch zehn, tolle Beats, abwechslungsreiche Lieder und so weiter. Wer bisher noch nicht die Möglichkeit hatte, die Band zu hören, dem empfehle ich direkt den Kauf mit den Vorgänger-Alben zusammen.
INHALT / KONZEPT.8
TEXTE.8.5
GESANG.8
PRODUKTION.8
UMFANG.8.5
GESAMTEINDRUCK.8.5
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
1 Highlight jagt hier das nächste
8.3
TOTAL.
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