AURORA - All My Demons Greeting Me As A Friend
Foto: Line Mollerhaug / Universal Music

AURORA – All My Demons Greeting Me As A Friend

Mal ehrlich: wer sich für Musik interessiert und einschlägigen Magazinen und Blogs folgt kann nicht ernsthaft behaupten, noch nicht auf das norwegische Nachwuchstalent AURORA gestoßen zu sein. Wenn ich durchzähle: alleine bei uns sind es bisher sieben Blogbeiträge seit April 2015, die sich mit der jungen Frau befassen. Und ich habe bestimmt einige Mails, welche mir die mit dem Thema beauftragten Promo-Ladies zugeschickt haben, vergessen. Lange Rede, gar kein Sinn: seit dem Frühling des letzten Jahres ist der Hype-Train unterwegs und hatte mittels gelungener Konzerte zwischendurch auch schon so richtig an Fahrt aufgenommen. Mit dem Debütalbum „All My Friends Greeting Me As A Friend“ hat Aurora nun den ersten großen Meilenstein ihrer noch jungen Karriere erreicht. Waren all die Vorschusslorbeeren, mit denen sie hier wie da bedacht wurde, gerechtfertigt? Lasst uns das mal herausfinden.

Ob das nun ein Segen oder Fluch ist, wenn jemand wie Katy Perry Fan des eigenen Tuns ist, lasse ich mal offen. Dennoch ließ es Frau Perry sich nicht nehmen, über die Mucke von Aurora Aksnes, geboren 1996 im nordischen Stavanger, zu twittern, es handele sich dabei um Musik, die ihr Herz flattern ließe. Ihre Debütsingle, das inzwischen sicher hinlänglich bekannte „Running With The Wolves“, wurde zum Soundtrack einer Werbekampagne eines großen Mobilfunkanbieters. Und dann durfte sie ja auch noch Oasis’ „Half The World Away“ covern, ohne dass sich ernsthaft jemand darüber beschwert hätte. Ebenfalls für eine Werbekampagne. Mit ihren jungen Jahren hat Aurora also schon so einiges, was sie unter „Haben“ verbuchen kann. Und es überrascht auch eigentlich nicht wirklich, dass sie so oft so abgefeiert wird. Diese Mischung ihres unschuldig wirkenden Auftretens, ihrer manchmal schon fast kindlich wirkenden Neugier, die in ihrer Stimme mitschwingt, das Gespür für einprägsame Melodien – nee, man muss nun wahrlich keine Kristallkugel bemühen um eine Antwort darauf zu finden, warum Aurora aktuell zu DEN Aufsteigern gehört. Zumal sie trotz ihres jungen Alters schon ziemlich abgeklärt herüberkommt. Beinahe wie so eine alte Seele, die in einen jungen Körper gewandert ist. Klingt esoterisch, weiß ich selber, aber das tut Auroras Name schließlich auch.

Auf die bekannten Songs möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen; das running with the woooooooolves tonight, running with the wooohuuuhoohuuu… dürfte sich hinreichend in Euren Gehörgängen festgesetzt haben. Auch „Conqueror“ ist vermutlich bestens bekannt. Und einer der wenigen Songs dieses Albums, die dem „normalen“ Pop-Sound dieser Tage noch am ähnlichsten sind. Auroras Debütalbum wäre nur wenig der Rede wert, wenn das alles wäre, was sie könnte. Schließlich ist die Stimme, die mich sehr an ihre Landsfrau Susanne Sundfør erinnert, in den hohen Tonlagen dann doch ein bisschen dünn. Das wird Aurora wissen. Das und der Umstand, dass sie sich einen feuchten Kehrricht um das schert, was derzeit so angesagt ist, lässt sie ganz eigene Wege beschreiten. Wege, auf denen sie ihre Hörer an die Hand und mit nimmt auf eine Reise jenseits hochglänzenden Plastikpops.

Selbstverständlich ist „All My Demons Greeting Me As A Friend“ in punkto Produktion mit allen Wassern gewaschen. Das ist auch gut so. Sonst würde ein Song wie „Warrior“ beispielsweise, mit seinem anfänglich asiatischen Hauch und später der imposanten, wie Stammesgetrommel wirkenden Drum-Explosion bei weitem nicht so wirken, wie es das in der gelieferten Version tut. Mein persönliches Highlight ist die abgefahrene Ballade „Murder Song (5, 4, 3, 2, 1)“, die irgendwo zwischen Weltmusik und Indietronic rangiert und inhaltlich ähnlich faszinierend morbide ist, wie so manche Murder Ballad eines Nick Caves. Freilich natürlich, ohne die gleiche literarische Tiefe zu besitzen. Ist aber auch gar nicht erforderlich. Oder „Home“, ebenfalls eine Ballade, beinahe a capella dargeboten. So spärlich instrumentiert ist das fast schon so, als würde man inmitten einer Messe stehen, deren Zweck sich nicht erschließt, abgehalten in einer uralten Kathedrale an der Grenze zur Ewigkeit. Das sind nur ein paar wenige Beispiele um zu zeigen: ja verdammt, dass da im Vorfeld so ein Gewese um die junge Frau gemacht wurde, die mancher als Mischung aus Kate Bush und Lykke Li betrachtet, ist mehr als berechtigt! „All My Demons Greeting Me As A Friend“ ist der aktuelle Beweis dafür, dass gehypte Pop-Newcomer auch ganz anders können, als nur Musik für den Radiosender mit dem Besten von heute zu schreiben. Natürlich bedient sie diesen Radio-Pop auch. Aber das sind nicht die Stärken dieses Albums. Es sind Tracks wie die genannten oder von mir aus auch das elektronisch pulsierende „Under The Water“. Der Hype-Train wird weiterfahren. Ich habe mein Ticket bereits gelöst. Und Ihr so?


An Auroras schnuckeligem Debütalbum zeigt sich, dass es manchmal auch nachteilig sein kann, wenn im Vorfeld so sehr um Aufmerksamkeit gebuhlt wird wie hier. So kommt es nämlich, dass „All My Demons Greeting Me As A Friend“ am Anfang nicht mehr ganz so überraschend ausfällt, wie es eigentlich könnte, weil man ja so einiges schon kennt. Allerdings freut es mich Euch sagen zu können: keine Sorge, die Nordlichtgestalt hat noch nicht das ganze Pulver verschossen. Tatsächlich ist das Album angefüllt mit kleinen Juwelen, die ganz gekonnt das langweilige 0815-Pop-Geseiere umschiffen. All die Erwartungen, all die Hoffnungen – erfüllt! Kein beliebiges Pop-Küken, das irgendwelchen Vorbildern nacheifert, sondern ein neuer Stern am Pop-Himmel, der in ganz eigenen Farben funkelt. Jetzt, wo Aurora geliefert hat bleibt nur noch zu sagen: hoffentlich ist sie gekommen, um zu bleiben.


All_My_Demons_Greeting_Me_as_a_Friend


INHALT / KONZEPT.8
TEXTE.8
GESANG.7.5
PRODUKTION.7.5
UMFANG.7.5
GESAMTEINDRUCK.8
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Frisch, neu und wunderbar
7.8
PUNKTE.
FAZIT.
Das sind nur ein paar wenige Beispiele um zu zeigen: ja verdammt, dass da im Vorfeld so ein Gewese um die junge Frau gemacht wurde, die mancher als Mischung aus Kate Bush und Lykke Li betrachtet, ist mehr als berechtigt! „All My Demons Greeting Me As A Friend“ ist der aktuelle Beweis dafür, dass gehypte Pop-Newcomer auch ganz anders können, als nur Musik für den Radiosender mit dem Besten von heute zu schreiben. Natürlich bedient sie diesen Radio-Pop auch. Aber das sind nicht die Stärken dieses Albums.