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BLOC PARTY – Hymns

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Wenn ein Album im Vorfeld mit großem Trara angekündigt wird, quasi der Hype aufgeblasen bis zum Gehtnichtmehr, dann ist eine gewisse Skepsis durchaus angebracht. So manche Blase ist schließlich schon zerplatzt, nachdem ein Album den Weg zu seinen Hörern gefunden hatte. An BLOC PARTY kam man zuletzt ja auch nicht vorbei. Dass die Briten mit einem neuen Album an den Start gehen würden, war nicht zu übersehen. Vorberichte hier, ein paar ausgekoppelte Songs da und einen kompletten Stream des Albums „Hymns“, um das es mir nachfolgend geht, als Krönung oben drauf. Mit anderen Worten: an medialer Präsenz mangelte es der Band nicht. Mein Spinnensinn, der sich übrigens niemals irrt, schlug da schon Alarm. Wenn man sich so um die Aufmerksamkeit der Berichterstatter bemüht, dann ist doch irgendwas faul? Tja. Ich fürchte, im Falle von Bloc Partys neuem Album ist das so.

Es ist dieses Geräusch, denke ich. Die eigentlich ganz witzige Idee, die von Bloc Party scheinbar derart geliebt wurde, dass sie die entsprechende Tonfolge als Grundgerüst für nahezu jedes der hier versammelten Lieder verwendet haben. Und was damit zur Folge hat, dass sich die Songs schnell sehr gleichförmig anhören. Da kann es größere Begeisterungsstürme meinerseits jedenfalls nicht mehr geben. Gemeint ist dieser typische Sound, den Tapes oder Platten machen, wenn man auf die Pause-Taste drückt – bzw., wenn die Wiedergabe fortgesetzt wird. Dieses ganz markante Quietschen in der Form zu verwenden, wie es Bloc Party tun – tendenziell eine ganz großartige Idee, die an Genialität grenzt. Es beginnt mit einem langgezogenen Ton einer E-Orgel oder dergleichen, und wird dann durch die Pause unterbrochen. In schneller Folge – et voilà, fertig ist eine melodiegebende, rhythmische Spielerei, über deren einfache wie effektive Wirkung ich mich zunächst diebisch freue. Dass der Rest des Songs dann eine Art moderner Gospel im Indie-Pop-Gewand ist, stört nicht weiter. Schon zu Beginn macht Kele Okere, Sänger und Songschreiber der Band, deutlich, dass sie es mit „Hymns“ (lässt sich mit Hymnen übersetzten, klar, gemeint sind wohl aber eher Kirchenlieder) ziemlich ernst meinen. Lord, give me grace and dancing feet / As I conquer all anxiety / The angel told me not to fear / The power tools in me / For I have learnt the way to pray / Like a missile growing tall now / Wind the past into a knot / And let the love consume us / Let the love consume us / Let the love consume us, trällert er da direkt in der ersten Strophe des Openers „The Love Within“.

Auch wenn Titel des Albums sowie die Texte eine religiöse Note haben – Kele besteht dennoch darauf, dass es sich eben nicht um die musikalische Manifestation einer heiligen Erscheinung oder dergleichen handele. Keine „Songs of Faith and Devotion“, quasi. Kele sagt: „Ich bin in einem religiösen Haus aufgewachsen, daher bin ich mir der Bilder durchaus bewusst. Aber ich bin nicht christlich, das ist nichts, was ich unterschreibe“. Stattdessen, so wird es überliefert, sei ihm das Konzept für dieses fünfte Bloc Party-Album in den Sinn gekommen, nachdem er den Autoren Hanif Kureishi („Mein wunderbarer Waschsalon“) in London getroffen hatte. Kele sei schon seit seiner Schulzeit von Kureishi beeindruckt gewesen und traf den Autoren bei einer Diskussion, in der es um evangelische Kunst ging und wie unpopulär sie geworden sei. Kele fühlte sich durch die Aussagen Kureishis in seinen eigenen Ansichten bestätigt, da Musik für ihn an religiösen Plätzen entstanden sei. „Die erste Musik, die ich je gehört habe, waren Kirchenlieder in der Schule. Ich fing an zu überlegen: wenn ich Musik einer spirituellen Dimension machen würde, die mir und den Dingen, die ich wichtig finde, heilig ist, wie würde ich es tun?

Die Antwort auf diese Frage darf sich nun jeder anhören, der sich für Indie-Mucke begeistert, dabei aber keine Probleme hat, wenn die Texte sehr starke Bezüge zum Glauben beinhalten, allen Beteuerungen Keles zum Trotz. Dass man mit Musik Massen begeistern kann, auch oder gerade weil sie immer wieder christliche Motive beinhalten, sieht man ja seit Jahren ganz wunderbar an Depeche Mode. Schieben wir das inhaltliche Konzept dieses Albums mal kurz beiseite und widmen uns nur dem Klang. Nun… Hörer früher Alben werden sich umgewöhnen müssen. Ein bisschen klingt das schon so, als hätten sich Bloc Party selbst den Stecker gezogen und es sich in schunkeligem Pop gemütlich gemacht. Insgesamt kommt die Scheibe doch in einem sehr gemächlich wirkenden Tempo daher, Gitarren dominieren hier nicht mehr. Stattdessen tönen diese „Hymns“ sehr elektronisch aus den Boxen. Gitarrist Russell Lissack sagt dazu: „Es ist schon noch eine Live-Aufnahme, alles wurde eingespielt. Auch wenn es nicht notwendigerweise so klingt. Wir haben beispielsweise eine Menge Einflüsse elektronischer Musik genommen und sie in eine komplett andere Umgebung gesteckt“. Kele ergänzt: „Was Russell jetzt macht, überwältigt mich. Er nutzt die Gitarre als ein Instrument weißen Rauschens, genauso wie als ein melodiöses Werkzeug. Ich bin extrem aufgeregt, diese Musik den Leuten (live) vorzutragen“.

Ab und an gestatten sich Bloc Party ein paar musikalische Anspielungen auf andere Bands. „The Good News“ zum Beispiel – diese Gitarre, dieser Rhythmus – ein Schelm, wer da an einen persönlichen Jesus denkt. „Into The Earth“ hingegen klingt so, als hätte man genau hingehört, womit die Red Hot Chili Peppers so Erfolge gefeiert haben. So richtig überzeugend ist das alles am Ende aber nicht. Wenn sich die Damen und Herren Bloc Party aktuell in ihrer christlich inspirierten Musik eingerichtet haben, dann ist das ihr gutes Recht, ganz klar. Dass sie musikalisch sich aber so weit von ihren Wurzeln entfernt haben und ihre Hörer beim Mittagsschlaf lieber noch weiter einlullen, anstatt sie zu wecken… hm. Das wird schon viel eher nicht mehr jeden Geschmack treffen. Zudem ist Keles Stimme für diese eigenwillige Form modernen Gospels am Ende dann doch nicht kräftig genug; so manches Mal klingt das eher schief als überzeugend. „So Real“, „Fortress“ oder „Living Lux“ seien hier als Beispiele genannt. Einen richtig positiven Eindruck hinterlässt vor allem „Different Drugs“ mit seinen schier endlosen Synthie-Flächen und den Drums, die, dem Ticken einer Uhr gleich, das Durchsickern des Lebens wie Wasser in der Hand in den Sinn kommen lassen. Am Ende ist es aber dann doch dieses eingangs erwähnte Geräusch, das in immer neuen Darreichungsformen den Grundton vieler Songs ausmacht und den Eindruck des gleichförmigen Plätscherns nur verstärkt. Bisschen schade ist das schon.


Ich kann nicht behaupten, dass ich „Hymns“ so richtig schlecht finde. So richtig gut aber eben auch nicht. Es hört sich so weg, stört nicht weiter, hinterlässt jedoch auch nur wenig bleibende Eindrücke. Dabei fängt das Album so vielversprechend an. Dass Bloc Party die Gitarren weit herunter geregelt haben und sich ganz bequem auf den Mainstream-Stuhl setzen können, stört mich nicht weiter. Auch nicht, dass sie eben doch ein christlich eingefärbtes Album gemacht haben, allen Bekundungen zum Trotz. Schlimmer ist eher die Monotonie sowie die stimmlichen Defizite. Und: „Hymns“ hat eine ziemlich kurze Halbwertszeit. Schon nach nur wenigen Hördurchgängen weht eine ziemliche Langweile durch die Songs, die größere Begeisterungsstürme verhindert. Auch (oder gerade) bei Songs über Glauben und Hingabe hätte mehr drin sein können, als wir nun letztlich zu hören bekommen. Von Party jedenfalls keine Spur. Und mein Spinnensinn? Der hätte sich wirklich gerne mal geirrt.


fdl316641-142520-roman.jasiek@avalost.de-Bloc_Party_Hymns_WebRes_


INHALT / KONZEPT.6
TEXTE.6.5
GESANG.6
PRODUKTION.7.5
UMFANG.7
GESAMTEINDRUCK.6
LESERWERTUNG.0 Votes0
NEGATIV.
Inhaltlich monoton
Stimmlich auch nicht so übermäßig prall
Und wo sind eigentlich die Gitarren geblieben?
6.5
PUNKTE.
FAZIT.
Ich kann nicht behaupten, dass ich „Hymns“ so richtig schlecht finde. So richtig gut aber eben auch nicht. Es hört sich so weg, stört nicht weiter, hinterlässt jedoch auch nur wenig bleibende Eindrücke. Dabei fängt das Album so vielversprechend an. Dass Bloc Party die Gitarren weit herunter geregelt haben und sich ganz bequem auf den Mainstream-Stuhl setzen können, stört mich nicht weiter. Auch nicht, dass sie eben doch ein christlich eingefärbtes Album gemacht haben, allen Bekundungen zum Trotz. Schlimmer ist eher die Monotonie sowie die stimmlichen Defizite. Und: „Hymns“ hat eine ziemlich kurze Halbwertszeit.

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    Roman Jasiek
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