COMBICHRIST – No Redemption

Zwei Jahre nach ihrem letzten Album “Making Monsters” meldeten sich Andy LaPlegua und der Rest der COMBICHRIST Gang am vergangenen Freitag mit einem neuen Album zurück. Dass “No Redemption” als offizieller Soundtrack für das Videospiel “DMC Devil May Cry” dient, ist ja zunächst mal kein Beinbruch. Bevor wir aber uns weiter mit dem Album beschäftigen, müssen wir Euch eines vorab mit auf den Weg geben: hier steht zwar Combichrist dran, aber es ist definitiv nicht Combichrist drin. Jedenfalls nicht so wie Ihr es kennt und vermutlich erwartet…

In der Vorankündigung von Out Of Line hieß es noch: “Die aggressiven, elektronischen Soundgewitter bekommen diesmal Verstärkung durch eine ultra-heftige Metalcore-Wand“. Das, liebe Freunde ballernder, elektronischer Beats, ist bitte durchaus wörtlich zu verstehen. Ganz besonders auch die Hervorhebung von “ultra-heftig”. Gerade die ersten Tracks sind so dermaßen Metal, dass man sich durchaus fragen könnte, warum sie unter dem Namen Combichrist veröffentlicht worden sind. Schließlich stampft CC-Mastermind Andy LaPlegua gerne mal ein neues Projekt aus dem Boden, wenn er musikalisch in anderen Gefilden wildern möchte. Scandy oder Scandinavian Cock seien hier als Beispiele genannt. Andererseits: die Musik von Combichrist war schon immer gerne mal etwas aggressiver. Gekuschelt wird woanders. Da ist es irgendwie nur konsequent, den Härtegrad nochmals nach oben zu schrauben. Und wenn man das mit wütendem Geschrei – krasser als man es bisher bei Combichrist zu hören bekam! – und peitschenden, schnellen Gitarrenwänden, Double-Basses, Geschrei usw. erreichen kann – ja, warum denn nicht?

So wie die Entwickler von “DMC Devil May Cry” allein durch die optische Ausrichtung des Spiels alte Zöpfe abschnitten und neue Wege beschritten, so tun es auch Combichrist mit “No Redemption”. Bereits die ersten beiden Songs “Age Of Mutation” und “Zombie Fistfight”, jeweils etwa knapp zweiminütige Metalbretter, bei denen das gewohne Elektrokleidchen nur noch ein verschwindend geringer Teil ist, machen klar, dass sich in der Welt von Combichrist etwas verändert hat. Nun mag es natürlich sein, dass diese musikalische Neuausrichtung nur dazu diente, um schnelles, actionlastiges Gameplay zu untermalen. Vielleicht aber ist dies der Weg, den Combichrist künftig gehen werden? Hat das Touren mit Rammstein etwa mehr Einfluss gehabt als gedacht? Dass Andy gerne mal mit Gitarren rum macht, ist ja nichts Neues. Bei Konzerten von Panzer AG oder Combichrist ist schon so manches Mal echtes Instrumentarium ins Programm eingezogen – und damit meinen wir nicht nur die durchgeknallten Drummer, die auf ihre Drums eindreschen wie läufige Pumaweibchen mit Kompottsperre. Man hat Andy schon auf der Bühne selbst in die Saiten greifen sehen. Und auch das Gekreische ist so neu ja nicht.

Songs wie “Feed The Fire” oder “Gimme Deathrace” wirken schon eher wie Combichrist – nur eben mit jeder Menge Gitarrenwumms versehen. Das wird mit Sicherheit nicht jedem langjährigen Combichrist-Hörer schmecken, ist aber dennoch unbestreitbar ziemlich cool. Auch schön: “Burial Alive”, das beinahe wie eine Mischung aus Punk, Metal und TBM anmutet und auch ganz bequem auf einer Scandinavian Cock Platte passieren könnte.

“No Redemption” macht mehrere Dinge sehr deutlich klar. Zum einen ist nach dem viel zu electropoppigen Vorgängeralbum “Making Monsters” mit Combichrist wieder als Krachtransporter zu rechnen. Zum anderen wissen wir spätestens jetzt, dass wir im Vorfeld eines neuen Albums eben nicht mehr ahnen können, was da auf uns zukommt. Und nicht zuletzt zeigen Andy und seine Truppe hier, dass sie auch ganz bequem in der Metal-Szene zuhause sein könnten, sollte ihnen das Elektro-Gemache irgendwann zu sehr sehr auf die Nüsse gehen. Ein spannendes Album, bei dem jedoch durchaus darüber diskutiert werden kann, ob es als Combichrist Album veröffentlicht werden musste. Ein Schelm, wer hier absatzfördernde Maßnahmen wittert.


Wem das letzte Combichrist zu seicht war oder zu sehr Icon Of Coil, der bekommt hier ein heftig schepperndes Brett serviert. Ob sich Andy und seine Krachmanntruppe hier nur ausgetobt haben, weil sie die Dämonenschnitzelei “Devil May Cry” mit Musik unterlegten oder ob wir hier die neue Marschrichtung Combichrists zu hören bekamen, bleibt abzuwarten. Ich persönlich finde es gut, dass Combichrist ihre Zähne wiedergefunden haben und diese nun zeigen. Ein Wort der Warnung ist dennoch abermals angebracht: ein technoides und somit klassisches Combichrist Album ist “No Redemption” nicht. So mancher Hörer wird sich wohl umgewöhnen müssen, um hier gefallen zu finden.


Combichrist - No Redemption


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