Foto: Melanie Marsman

DEWOLFF – Roux-Ga-Roux

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„Früher“ und „damals“ sind bekanntlich die Epochen, in denen einfach mal alles besser war. Vor allem und ganz besonders die Musik. Je nachdem wo die persönlichen Vorlieben der Musikfreunde liegen, mit denen man sich darüber unterhält, sind die genauen Zeiträume unterschiedlich datiert. Da gibt es zum Beispiel die Anhänger der 1990er, die das Aufkommen des Techno heute noch so feiern wie damals. Oder die Freunde der 80er Jahre, die jenes Jahrzehnt nach wie vor für das schillerndste der Pop-Musik halten. Und dann sind da auch diejenigen, die den abgefahrenen, psychedelischen Blues-Rock der späten sechziger bzw. frühen siebziger Jahre vermissen. Deep Purple, Led Zeppelin, Steppenwolf, Iron Butterfly, die Doors – so was wird doch heute gar nicht mehr gemacht! Hört man oft. Ist so aber nicht ganz richtig. Wer sich für diese großartige Form von Classic Rock begeistern kann, sollte nachfolgend aufmerksam zulesen. Ab dem 12. Februar brauchen Freunde jener Mucke nicht mehr die inzwischen tot gedudelten Platten rotieren lassen, sondern können sich neues, frisches Material in die Gehörgänge drücken. „Roux-Ga-Roux“ heißt die Scheibe, die dann erscheint, und stammt vom niederländischen Trio DEWOLFF. Und um genau diese Platte geht es mir nun.

DeWolff? Nie gehört. Wem der Bandname des Trios aus dem niederländischen Geleen nur ein Schulterzucken entlockt, dürfte damit nicht ganz alleine auf weiter Flur unterwegs sein. Zwar hat sich die Band, die aus den Brüdern Luka und Pablo van de Poel sowie ihrem Freund Robin Piso besteht, alterstechnisch gerade mal irgendwo zwischen 20 und 24 rangiert, inzwischen bereits 5 (in Worten: fünf!) Alben veröffentlicht und bei Facebook 20tausens Fans ergattert – der große Durchbruch hierzulande steht jedoch noch aus. Ungeachtet diverser erfolgreicher Konzerte/Tourneen in unserem Ländle. Allerdings habe ich leise Zweifel, dass sie den mit ihrer Mucke, die doch eher als „special interest“ angesehen werden muss, schaffen werden. Ein Blick beispielsweise auf die zehn meist gestreamten Spotify-Songs in Deutschland zum Jahreswechsel zeigt ziemlich klar auf, wo man den Massengeschmack vermuten kann. Das macht aber so rein gar nichts. Nur, weil nicht etliche Millionen vor Extase nasse Schlüpper bekommen, wenn sie den Namen DeWolff hören, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass ihre Mucke nichts taugt. Ganz im Gegenteil. Die schönsten Perlen finden sich doch noch immer im verborgenen.

Manchmal frage ich mich schon, wie so manche Band wohl heute klingen würde. Was würden die Doors heute machen? Was Led Zeppelin, was Iron Butterfly, was Deep Purple? Ich meine nicht den Quatsch, den sie mitunter nach ihren jeweiligen Neugründungen verzapften. Sondern: was wäre wohl, wenn sie den dereinst eingeschlagenen Weg weitergeführt hätten, der für unsterbliche Klassiker wie „Child in Time“ (Deep Purple), „Born To Be Wild“ (Steppenwolf), „In-A-Gadda-Da-Vida“ (Iron Butterfly), „Riders On The Storm“ (The Doors) oder von mir aus auch „You Keep Me Hanging On“ (Vanilla Fudge) sorgte. Wer sich schon mal eine ähnliche Frage stellte, bekommt mit „Roux-Ga-Roux“ eine ziemlich spannende, ziemlich möglich erscheinende Antwort darauf. Mit diesem sechsten Album darf man DeWolff getrost als legitime, geistige Erben jener Ikonen abfeiern. Kein Witz!

Das Trio aus den Niederlanden, das wie bereits erwähnt schon auf fünf Alben zurückblicken kann, lässt sich von dem, was besagte Bands in späteren Phasen ihrer Karriere so verzapft haben, kein Stück beeindrucken und beamt den Hörer unverhofft zurück in die späten Sechziger bzw. die frühen Siebziger. Das knapp einminütige Intro macht schon in diesen wenigen Sekunden ziemlich eindrucksvoll klar, was folgen wird: breitester Blues-Rock mit schwerem psychedelischen Einschlag, gelegentlich garniert mit einer Portion Gospel. Und wenn die Herren mit dem nachfolgenden Song „Black Cat Woman“ die obligatorische Hammondorgel höchst dramatisch ertönen lassen, dann bekommen die Ohren Besuch von den Lippen. Ein breites Grinsen ist schlicht unvermeidlich. Wie genial ist denn das bitte, was hier gerade aus den Boxen tönt? Könnt Ihr mir doch nicht erzählen, dass DeWolff Kinder der 90er sind! Die sind doch via Zeitmaschine oder so was in unsere aktuelle Realität geholt worden, um in den Hintergrund geratenes Liedgut wieder salonfähig zu machen! Anders kann man sich kaum erklären, was man hier über einer Spielzeit von knapp 50 Minuten geboten bekommt.

Foto: Melanie Marsman
Foto: Melanie Marsman

What’s The Measure Of A Man“ oder „Tired Of Loving You“ beispielsweise kommen nicht nur mit Doors-mäßigem Umfang von jeweils locker siebeneinhalb Minuten um die Ecke, sondern glänzen auch mit breitestem, gospel-angehauchten Südstaaten-Blues-Rock – ekstatische Instrumentalparts in epischer Breite, in denen sich die berühmt-berüchtigte Hammondorgel mitreissende Battles mit jaulenden Gitarren liefert, inklusive. Und wenn sie dann inhaltlich trotz ihres jungen Alters über den Wert eines Menschen philosophieren, dann werden DeWolff gleich noch einmal ein ganzes Stückchen größer. „Love Dimension“ hingegen erinnert ein bisschen an das Treiben der Rolling Stones Anfang der Siebziger, als sie auf ihrem Album „Sticky Fingers“ den Knüllersong „Can’t You Hear Me Knocking“ auf die Menschheit losließen. „Roux-Ga-Roux“, was so viel bedeutet wie Werwolf, steckt voller Zitate und Anspielungen an eine ziemlich glorreiche Zeit des blueslastigen, psychedelischen Hardrocks, ohne jedoch die offensichtlichen Vorbilder einfach nur zu kopieren oder nachzuspielen. Zum einen ist es das wahnsinnige Talent der drei Jungs, ihre nicht überhörbare Spielfreude, die staunen lässt, sondern darüber hinaus auch noch die Stimmgewalt von Sänger Pablo – ein ums andere Mal musste ich den mir vorliegenden Pressetext zur Hand nehmen und mich versichern, dass die Bengels tatsächlich erst maximal 24 Jahre alt sind. Unglaublich!

Mal ehrlich: Musik, wie sie DeWolff hier liefern, ist leider ein bisschen aus der Mode gekommen. Vielleicht deshalb, weil sich die einstigen Helden von damals – sofern noch am Leben und aktiv – irgendwann nur noch als eher mäßige Kopien ihrer selbst präsentierten. Vielleicht auch, weil kein anständiges neues Material auf der Bildfläche erschien. Allerspätestens mit diesem sechsten Album müssen DeWolff jedoch zwingend in einem Atemzug genannt werden, wenn es um diese Form von Classic Rock geht, wie sie hier geliefert wird. Reanimation für ein totes Genre. Oder: besser kann Retro kaum ausfallen. Immer noch kein Witz!


DeWolffs „Roux-Ga-Roux“ erinnert mich ein bisschen an früher. Ich kann mich noch entsinnen, wie ich damals, in zartem Knabenalter von sechs Jahren, mit der Musiksammlung meines Vaters in Kontakt kam und dabei über Perlen wie die Doors, die Stones, Steppenwolf, Deep Purple oder Led Zeppelin stolperte. Selbstverständlich wusste ich damals die Kunst, die da aus den Boxen tönte, noch nicht zu schätzen. Heute aber schon. Ich würde von mir nicht behaupten wollen, der größte Fan von diesem psychedelischen Blues-/Hardrock zu sein – dennoch finden sich genannte Bands immer und immer wieder in meiner Playlist wieder, zudem ziert so manches Album von damals heute, fast 30 Jahre nach dem Erstkontakt, auch meine eigene Musiksammlung. Immer mal wieder gerne gehört. Und das nicht nur, weil sie Klassiker sind, sondern weil mich der handgemachte, kreative Wahnsinn, dieses berauschende Spiel von schier endlos langen Instrumentalpassagen, gepaart mit dem Eindruck spontaner Improvisation, auch heute noch beeindruckt. Immer und immer wieder. Wenn sich Hammondorgeln und Gitarren über Minuten beeindruckendste Duelle liefern, dann kickt mich das nach wie vor. Umso begeisterter war ich von diesem Album hier! Denn es schlägt – mehr noch als seine Vorgänger – in diese Kerbe, schließt eine Lücke, die schon viel zu lange klafft! Wer sich auch nur ansatzweise für die genannten Bands begeistern kann oder eine Schwäche für diese Art Blues-Rock hat, der darf an diesem Album bitte nicht vorbeigehen. Führt man sich noch einmal das junge Alter der Band vor Augen, dann wird das nur noch beeindruckender. Auf einmal sind sie wieder da, die Siebziger!


rouxgaroux


INHALT / KONZEPT.9
TEXTE.7.5
GESANG.8.5
PRODUKTION.9
UMFANG.8
GESAMTEINDRUCK.9
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Classic-Rock wie aus den 60er und 70er Jahren - es ist eine Wonne!
8.5
PUNKTE.
FAZIT.
Roux-Ga-Roux“, was so viel bedeutet wie Werwolf, steckt voller Zitate und Anspielungen an eine ziemlich glorreiche Zeit des blueslastigen, psychedelischen Hardrocks, ohne jedoch die offensichtlichen Vorbilder einfach nur zu kopieren oder nachzuspielen. Zum einen ist es das wahnsinnige Talent der drei Jungs, ihre nicht überhörbare Spielfreude, die staunen lässt, sondern darüber hinaus auch noch die Stimmgewalt von Sänger Pablo - ein ums andere Mal musste ich den mir vorliegenden Pressetext zur Hand nehmen und mich versichern, dass die Bengels tatsächlich erst maximal 24 Jahre alt sind.

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    Roman Jasiek
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