KONZERTBERICHT: Diorama & Slave Republic, 01.03.2013 Meier Music Hall Braunschweig

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Wenn unsere liebste Wohnzimmerverlängerung, die Meier Music Hall in Braunschweig, mit lecker Konzerten ködert, ist Widerstand nur schwerlich möglich. Wenigstens für den Autor dieser Zeilen. Wenn dann noch DIORAMA auf dem Spielplan angeschrieben steht, erst recht. Zum Auftakt ihrer „Even The Devil Doesn’t Care“-Tour, das gleichnamige neue Album flankierend, gastierten die Reutlinger in Braunschweig. Begleitet wurden sie von ihren Labelkollegen SLAVE REPUBLIC, die ebenfalls seit Mitte Februar ein neues Album am Start haben. In freudiger Erwartung hieß es am Abend des 1. März 2013, den Weg nach Braunschweig anzutreten, um einem gewiss abermals eindrucksvollen Konzerterlebnis beizuwohnen. Es folgt ein Bericht davon.

Slave Republic
Slave Republic – Foto: Nicole Bringer (www.nicolebringer.de)

Die Vorfreude bekam einen ersten Dämpfer, als ich mein Auto gegen 19 Uhr auf dem Parkplatz vor der Meier Music Hall abstellte. Dafür, dass in einer knappen Stunde der Anpfiff erfolgen sollte, war es hier aber noch sehr überschaubar. Ein erstes mulmiges Gefühl machte sich breit. Sollte Braunschweig und Umland den Unterhaltungswert eines Diorama-Konzerts etwa nicht erkannt haben? Hm. Die verbliebene Stunde wurde genutzt, um mit den üblichen Verdächtigen, die man halt immer im Meier trifft, ein paar fröhliche Worte zu wechseln. Und selbst von den besagten, eigentlich immer vor Ort befindlichen Figuren waren dieses Mal deutlich weniger als sonst da. Oh oh…

 

Slave Republic - Foto: Nicole Bringer (www.nicolebringer.de)
Slave Republic – Foto: Nicole Bringer (www.nicolebringer.de)

Gegen 20 Uhr etwa erfolgte dann der Startschuss für Slave Republic, die kürzlich ihr zweites Album „Quest For Love“ veröffentlichten. Produziert wurde das Werk von Daniel Myer (u.a. Haujobb, DSTR, Architect), der das Duo Alec Fu und Alex J. Alice auf dieser Tour und somit auch an diesem Abend trommelnd und als eine Art Background-Sänger unterstützte. Es überraschte nicht, dass der größte Teil dieses routiniert, aber scheinbar ohne übermäßig große Begeisterung gespielten Sets aus Stücken des aktuellen Albums bestand. Dass der Auftritt nicht so übermäßig motiviert herüberkam, überrascht übrigens genauso wenig – und ist den Jungs auch nicht zu verübeln. Das Meier war an diesem Abend allenfalls zur Hälfte gefüllt. Ich kann mir schon vorstellen, dass vor einem überschaubaren Publikum zu spielen, noch dazu zum Tourauftakt mit neuer Mucke, auf die man brennt sie live vorzustellen, nicht ganz so einfach zu verdauen ist. Noch dazu, wenn man vielleicht nicht darauf vorbereitet ist, dass Braunschweig ein hartes Pflaster ist, bei dem es immer relativ lange dauert, bis sich das Publikum in Bewegung gesetzt hat. Ob es am straffen Zeitplan lag oder daran, dass Slave Republic ihren Auftritt möglichst bald beenden wollten, weiß man natürlich nicht, aber das fast vollständige Fehlen irgendwelcher Zwischenansagen verstärkte den durchwachsenen Eindruck nur noch. In der Setliste des Abends fanden sich Titel wie „Ménage À Trois“ genauso wieder wie „Promises And Broken Hearts“ oder das kürzlich via Video gepushte „Primärreiz“, bei dem Torben Wendt einen Gesangspart beigesteuert hat. Nicht nur ich werde gehofft haben, dass Herr Wendt bei diesem Stück schon mal mit auf die Bühne kommt, um seinen Beitrag zu diesem Lied auch live zu leisten – wenn er denn schon mal im Hause ist. Leider vergebens. Wie lange mag das Konzert gedauert haben? Eine halbe Stunde? 45 Minuten? Nicht übermäßig lange jedenfalls. Irgendwie war das Konzert so plötzlich vorbei, wie es begonnen hatte.

 

Diorama
Diorama – Foto: Nicole Bringer (www.nicolebringer.de)

Nach der obligatorischen Umbaupause hieß es dann aber endlich: Bühne frei für Diorama! Zunächst betraten Felix Marc (Keyboard, Gesang), Sash Fiddler (an der Gitarre) und Marquess (Drums) die Bühne und ließen die ersten Töne von „Maison Du Tigre“ erklingen, ehe auch auch Torben Wendt sich hinzugesellte – und die Braunschweiger sofort mit seiner Bühnenpräsenz fesselte und begeisterte. Der Würfel, zentrales Gestaltungselement des Bühnenaufbaus der letzten Tour wich einer zweigeteilten Videoprojektion. Ganz so, wie es im Video zu „The Scale“ bereits vorgemacht wurde. [highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Torben und seine Mitstreiter stellten ziemlich schnell fest, dass „wir dieses Mal ja nicht so viele sind“, erklärte dann aber, dass man so tun wolle, als ob es anders sei. Und das taten sie.[/highlight] Diorama hatten sichtlich Bock auf die Tour, die an diesem Abend in Braunschweig ihren Anfang nahm und ließen sich in ihrer Spielfreude nicht davon bremsen, dass die Hütte eben nicht wirklich voll war. Das Set bestand zunächst natürlich aus diversen Songs des aktuellen Albums „The Devil Doesn’t Care“. So zum Beispiel spielten die Reutlinger „When We Meet Again In Hell“, das sie nach eigener Aussage so zeitig ins Programm eingebauten, weil sie selbst einigen Respekt vor dieser Nummer hätten und sie möglichst zeitig hinter sich bringen wollten. In dem Programm dieses Abends, das insgesamt zwei Zugaben umfasste und sich zum Ende hin tatsächlich doch noch in eine richtig kuhle Party verwandelte, fehlten immergrüne Gassenhauer wie „Erase Me“ genauso wenig wie „Child Of Entertainment“ oder „Exit The Grey“. Aber auch selten(er) live gehörte Stücke wurden gespielt. So durften wir neben „Someone Dies“ einer Akustikversion von „Das Meer“ beiwohnen, für viele klar das Highlight dieses Abends. Hier zeigte sich einmal mehr, dass – ohne die Leistung seiner Mitstreiter in Abrede stellen zu wollen! – gerade Frontmann Torben ein unheimlich begnadeter Entertainer und Vollblutmusiker ist. Ganz, ganz großes Kino! Gegen 22.30 Uhr fiel leider der letzte Vorhang. [highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Diorama ließen ihr Publikum glücklich und in der Gewissheit zurück, gerade einem fantastischen Konzert beigewohnt zu haben.[/highlight] Wer es freiwillig hat sausen lassen, dem sei an dieser Stelle gesagt: leider hast du hiermit eines der Konzerthighlights 2013 in Braunschweig verpasst. Selbst schuld. ;) Denn letztendlich war die mitgebrachte Vorfreude hier sehr gut aufgehoben.

 

Diorama
Diorama – Foto: Nicole Bringer (www.nicolebringer.de)

Abschließend: Woran erkennt man eine gute Band? Richtig. Auch wenn die Bude nicht so voll war, wie sie hätte sein können – und angesichts einer erstklassigen Band wie Diorama auch hätte sein müssen – dennoch das Beste aus der Situation gemacht wird und auch die überschaubare Schar der Gäste bestens unterhalten wird. Mit einer Darbietung, wie es sich für eine Band, die Bock hat zu spielen, gehört. Zum Tourauftakt erst recht. Slave Republic haben ihren Auftritt tapfer absolviert, auch wenn ich mir manchmal nicht ganz sicher war, ob es sie gerade nicht doch etwas Mühe gekostet hat, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Willkommen in Braunschweig, Jungs. If you can make it there you can make it everywhere. Diorama, im Vergleich dazu alte Hasen und somit sicher schon erfahrener im Umgang mit Spielorten, die von „ausverkauft“ ein ganzes Stückchen entfernt sind, bewiesen hier einmal mehr, warum sie eine herausragende Live-Band sind, die man immer und immer wieder anschauen kann, ohne dass es langweilig werden könnte. Sehr schade, dass sich so wenige Gäste in Braunschweig davon überzeugt haben – wo wart Ihr alle? Um das abschließend auch noch festzuhalten: beide Bands verzichteten zum Glück auf dieses ewige Kunstnebel-Gehampel. Zudem war der Sound bei beiden Bands erfreulich gut. Somit können auch von technischer Seite her beide Daumen nur in eine Richtung zeigen: nach oben.

Unser Dank gilt Thorsten von Advanced Music und dem Team der Meier Music Hall dafür, dass sie abermals tapfer die Fahne hochgehalten haben und die wie immer erstklassige Organisation. Und natürlich den Bands des gestrigen Abends für zwei schöne Konzerte. Mein persönlicher Dank geht an Nicole Bringer für die tollen Fotos.

 

Diorama - Foto: Nicole Bringer (www.nicolebringer.de)
Diorama – Foto: Nicole Bringer (www.nicolebringer.de)

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