Foto: Rahi Rezvani / PIAS

EDITORS – VIOLENCE

Zuletzt aktualisiert:

Die EDITORS kommen mit ihrem 6. Studioalbum „Violence“ zurück und somit dürfen die geneigten Hörer wieder einer der großartigsten Stimmen des Indie-Pop lauschen. Diese gehört zu Tom Smith. Seine Art des Gesangs ist auch auf dieser Platte das Besondere und wird untermalt von erneut hervorragenden Kompositionen. Den Briten ist nach dem düster-popigen „In Dream“ ein weiteres, in Summe facettenreiches Meisterwerk gelungen, welches die Band weiter von den üblichen Vergleichen mit anderen Musikern (Joy Division, Coldplay…) entfernt.

Zunächst sticht jedoch das großartige Artwork von Rahi Rezvani ins Auge und lässt ein erstes Gefühl für die Stimmung des Albums erahnen. Ein vielgliedriges Ungetüm aus Menschen(-teilen). Der Opener „Cold“ ist ein inhaltlich düsterer Song, der das Gefühl der Gewalt hier eher psychisch durch kalte Einsamkeit vermittelt. Musikalisch ist „Cold“ jedoch ein raffinierter (Goth-)Popsong. Der Hörer wird sofort eingefangen und kann sich nur schwer den ersten Tanzbewegungen verwehren. „Hallelujah (So Low)“, welches die zweite Single ist, greift vor allem im Refrain deutlich härtere Gitarrenparts auf und wird dem Albumtitel erstmals auch musikalisch gerecht. Der für das Album namensgebende dritte Song „Violence“ ist ein düsteres und elektronischeres Stück voller verzweifelter Eindringlichkeit. Meine persönlicher Favorit. Fast schon klagend und hymnisch schmettert Smith den Refrain „Baby we’re nothing but violence – Desperate, so desperate and fearless“ in sein Mikrofon. Ein vor allem im letzten Drittel treibender und zugleich sphärischer Song.

Foto: Rahi Rezvani / PIAS

Darkness at the Door“ ist dagegen – dem Titel widersprechend – wieder deutlich popiger. Musikalisch eine etwas beliebige Nummer, welche aber einen interessanten Text hat. Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich Zeilen wie „I just need friends and nothing more – Just friends and nothing more – Become the darkness at the door “ wortwörtlich oder als Metapher interpretieren soll. Wahrscheinlich beides. Es folgt das wieder düstere „Nothingless“. Das Arrangement schwingt immer zwischen ruhigen Strophen und einem tanzbaren Refrain. In jedem Fall jedoch sehr eingängig und überrascht im letzten Drittel mit etwas Stadionrock. Zeilen wie „We wait in line for nothingness – This angel needs some tenderness“ lassen wieder Raum für Interpretation.

Die erste Single „Magazine“ ist ein etwas sehr hymnischer Popsong mit medienkritischem Hintergrund, welcher live sicher hervorragend funktioniert. So richtig zu begeistern weiß „Magazine“ aber erst bei mehrmaligem Hören (tatsächlich erinnert mich die Komposition an die Hintergrundmusik in der Menuführung eines meiner FIFA-Spiele auf der Playstation). Dennoch fügt sich „Magazine“ gut in das Gesamtkonzept ein. Dieses Konzept bekommt mit der Ballade „No Sound But The Wind“ einen grandiosen Bruch. Unterlegt mit Piano und Streichern schaffen die Editors hier eine sehr eingängige und schwermütige Nummer. Der Song hat es also endlich auf ein Studioalbum geschafft. Wurde dieser doch schon vor Jahren auf dem Soundtrack zu dem Film „New Moon“ veröffentlicht. Die grundlegend düstere Stimmung wird mit „Counting Spooks“ weiter bedient. Zunächst klingt der Song wie ein etwas beliebiger Midtempo-Popsong. Überrascht jedoch nach gut der Hälfte wieder mit einem interessanten Arrangement, welches im Gehörgang hängen bleibt. Auch der letzte Song „Belong“ braucht einige Durchläufe um vollends zu begeistern. Wieder sehr düster und mit einer doch interessanten Melodie versehen. „Welcome home – How long’s it been? – A wilderness is in me“ – Der Text beschreibt eine fast schon versöhnliches Wiedersehen mit der „Violence“ in all ihrer Facetten. Der Hörer kann letztendlich selbst entscheiden, was er alles unter Violence versteht. Musikalisch und textlich lassen die Editors diese Definition recht offen, möchte ich meinen.


Am Ende haben die Briten eine recht interessantes und abwechslungsreiches Werk geschaffen. Als konzeptuell durchdachtes Album ist „In Dream“ zwar besser, jedoch wirkt „Violence“ für mich insgesamt weniger sperrig. Etwas mehr Pop und etwas weniger Indie trifft es eventuell ganz gut. Wobei der Begriff „Pop“ hier mal nicht als abfällige Beschreibung zu werten ist. Zuweilen klingt der Sound zudem recht Opulent, was aber sicher auch nicht jedem liegt. „Violence“ ist letztlich ein hervorragendes Album, welches die Diskografie der Band bereichert. Fans dürfen sich mit dem neuen Material auf sicher wieder grandiose Konzerterlebnisse freuen. Bis dahin kann „Violence“ in Endlosschleife sicher begeistern.



Am Ende haben die Briten eine recht interessantes und abwechslungsreiches Werk geschaffen. Als konzeptuell durchdachtes Album ist „In Dream“ zwar besser, jedoch wirkt „Violence“ für mich insgesamt weniger sperrig. Etwas mehr Pop und etwas weniger Indie trifft es eventuell ganz gut. Wobei der Begriff „Pop“ hier mal nicht als abfällige Beschreibung zu werten ist. Zuweilen klingt der Sound zudem recht Opulent, was aber sicher auch nicht jedem liegt.
INHALT / KONZEPT.8
TEXTE.8
GESANG.8.5
PRODUKTION.8
UMFANG.7.5
GESAMTEINDRUCK.7.5
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Oppulenter Sound
NEGATIV.
(Noch) Mehr Pop, weniger Indie
7.9
TOTAL.
Redakteur

NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
WEITERE STORY.
AARON – Blouson Noir (Official Video)