Foto: Roman Jasiek / AVALOST

KONZERTBERICHT: Enno Bunger, 10.03.2016 Eulenglück Braunschweig

Nach seinem Konzert Ende November des letzten Jahres in Hannover hatten wir beschlossen, erneut den Entertainerqualitäten ENNO BUNGERs beizuwohnen, sobald sich in unserer Nähe die Gelegenheit dazu bietet. Und siehe da, kaum war die „Flüssiges Glück“-Tour vorbei, wurde für 2016 ein zweiter Tourblock angekündigt. Sehr zu unserer Freude mit einem Halt in Braunschweig. Somit konnten wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen, begleitet von Ennos Musik flimmernd und leuchten durch nächtliches Neonlicht zu rauschen. Wir waren vor Ort im Eulenglück, es folgt unser Bericht.

Zunächst mal sei an dieser Stelle der Hinweis angebracht: da es sich um zwei Konzerte der gleichen Tour handelte, gab es im Braunschweiger Eulenglück naturgemäß diverse Überschneidungen zum Programm im Hannoveraner Pavillon. Daher wird dieser Bericht weniger ausführlich; zur Ergänzung empfehlen wir unsere festgehaltenen Eindrücke aus dem November 2015.

Foto: Roman Jasiek / AVALOST
Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Angesetzt war das Konzert im Eulenglück in Braunschweig. So an sich ein sehr kleiner, dafür aber sehr gemütlicher Laden. Rückblickend betrachtet schien dieser finale Tourabschluss in Braunschweig unter keinem ganz so günstigen Stern zu stehen. Noch am Tage des Konzerts kündigte Enno via Facebook an, dass die angedachten Vorbands projektor und Lestat Vermon krankheitsbedingt ausfallen würden. Sehr schade. Wie sich (vermutlich nicht nur) in Hannover zeigte, wären das trotz ihrer Mini-Sets tolle Stimmungsmacher gewesen. Naja, nicht zu ändern. Davon wollten wir uns die Laune jedenfalls nicht vermiesen lassen, als wir kurz nach 19 Uhr das schnuckelige Eulenglück erreichten. Während wir uns bei einem Bier akklimatisierten, inspizierten wir die Räumlichkeiten. Eine Portion Ernüchterung machte sich schon breit, als wir den kleinen Raum betraten, in dem das Konzert stattfinden sollte. Bereits ein flüchtiger Blick genügte um zu wissen: das wird kuschelig heute! Die Bühne war winzig und bis zum geht nicht mehr vollgestellt mit den Instrumenten. Bewegungsfreiheit für die erwarteten Akteure auf der Bühne: nur wenig über null. Nun weiß man aber auch: kleine Läden, bei denen man mit der Band quasi auf Tuchfühlung ist, haben einen ganz besonderen Reiz. Konzerte in so einer Umgebung sind für gewöhnlich ganz besonders nah – in jeder Hinsicht – sowie persönlicher, intensiver und spannender, da die Künstler mehr mit dem Publikum interagieren können. Und so war es letztlich auch.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Angekündigt hatte Enno pünktlichen Konzertbeginn um 20 Uhr, genauso wie den Wegfall der Vorbands anderweitig kompensieren zu wollen. Leider war weder das eine noch das andere der Fall. Tatsächlich war es bereits etwa 20.30 Uhr, als Enno und seine Gang die Winzigstbühne betraten und mit „Renn“ das Konzert eröffneten. Der Einstieg erfolgte also genauso wie vor wenigen Monaten in Hannover; dieses Mal zum Glück ohne Strobo-Gewitter. Vermutlich mangels Möglichkeiten, was dramaturgisch zwar gepasst hätte, insgesamt jedoch kein großer Verlust war. Strobo-Licht ist und bleibt im Dauerfeuer einfach anstrengend. Zwischen den Songs bewies Enno ein ums andere Mal seine Talente als gebohrener Entertainer. Klar, manche Geschichte brachte er an diesem Abend nicht zum ersten Mal – hätte vermutlich auch nicht ernsthaft irgendwer erwartet – aber er bemühte sich erfolgreich, auf das Braunschweiger Publikum einzugehen („Mein Opa hat deinem Opa mal eine Kuh verkauft!“ – aus einer Anekdote, wie er 2008 das erste Mal in Braunschweig spielte). Das Publikum quittierte die Zwischenansagen stets mit Gelächter. Wenn er erzählte, dass er mal als Vorband bei einer Rock-/Metal-Veranstaltung sein Debütalbum vorspielte und von den anwesenden Kuttenträgern bestenfalls argwöhnisch beäugt wurde, dann war das einfach sehr witzig herübergebracht. Apropos Interaktion mit dem Publikum: die ging sogar soweit, dass zwischendurch ein Bier auf Rechnung eines Gastes den Weg bis zur Bühne fand. Bier verbindet, das war schon immer so.

Die Setlist, die sich natürlich vor allem aus Stücken des aktuellen Albums „Flüssiges Glück“ zusammensetzte, aber auch Klassiker wie das ewig grandiose „Regen“ beinhaltete, lieferte in der Zusammenstellung keine Überraschungen. Spannender war hingegen schon eher die Darbietung. So wurde aufgrund der Gegebenheiten das immer aktuellere und wichtigere „Wo bleiben die Beschwerden“ hier zu einer Piano-Ballade, die dadurch eigentlich nur noch intensiver und eindringlicher wurde.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Dass wir trotz der erneut hervorragenden musikalischen Leistung und der unterhaltsamen, humorvollen Zwischenansagen nicht in die gleiche Schwärmerei wie nach dem Konzert in Hannover verfallen, hat mehrere Gründe. Da ist, wie gesagt, der Eindruck, dass das Konzert an sich schon unter keinem so guten Stern stand. Zudem konnte man wieder einmal beobachten, was man eigentlich jedes Mal bei bei kleinen und mittleren Konzerten im Braunschweiger Dunstkreis beobachten kann: das Publikum war weitgehend damit zufrieden, die Lieder still mitzusingen und eher bedächtig im Takt zu wippen. So richtig gefeiert wurden die Songs nicht. Das mag an den sehr beengten Platzmöglichkeiten gelegen haben. Was übrigens ein weiterer Faktor war. Es war sehr eng, sehr warm, sehr voll und demnach sehr schnell sehr stickig in der kleinen Bude. Immerhin: wer sich mal zum Luftschnappen in den Biergarten verzogen hatte, konnte dank installierter Lautsprecher die Musik auch draußen hören.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST
Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Und auch die Akteure – von Enno mal abgesehen – wirkten an diesem Abend nicht so richtig glücklich auf der Bühne. Vielleicht waren auch sie gesundheitlich nicht so richtig auf dem Dampfer; wer weiß. Durchgezogen und geliefert haben sie dennoch. Das Konzert mit allem Dran und Drum wirkte insgesamt jedoch ziemlich unruhig. Das konnte auch daran gelegen haben, dass so manche Unterhaltung einiger Gäste selbst während des Konzert so laut ausgefallen waren, dass es von unserem Standpunkt aus manchmal schwierig war, dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. Und somit bleibt am Ende ein etwas zwiegespaltener Eindruck eines Tourabschlusses, den sich wohl auch Enno Bunger und Band anders vorgestellt hätten. Die Mucke auf der Bühne war trotz des geringen Platzes wie erwartet über jeden Zweifel erhaben und es war tatsächlich so nah und direkt, wie man es bei einem so kleinen Laden erwarten würde. Und doch können wir ein kleines Geschmäckle irgendwie nicht leugnen. Das jedoch ändert nichts daran, dass für Konzerte von Enno Bunger und seiner Gang gilt: unbedingt angucken! Hier liegt der Gin des Lebens! Das Empfinden und Erleben eines Konzerts steht und fällt schließlich auch mit den Gästen und diesbezüglich war Braunschweig immer schon ein schwieriges Pflaster. Was ja auch irgendwie eine Konstante ist. Abschließend hoffen wir, dass es bis zum nächsten Album nicht allzu lange dauert, damit der hauptberufliche Flausenleger Enno Bunger wieder einen Grund hat, auf eine ausgedehnte Tour durch’s Ländle zu ziehen.