Foto: Roman Jasiek / AVALOST

FUNKER VOGT – Wastelands

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Einmal Reboot und zurück an die Spitze des Genres Aggrotech/Dark Electro – so hätte auch das Fazit der Rezension zum 2017er Funker-Album „Code Of Conduct“ lauten können (warum fällt mir das eigentlich erst jetzt ein?). Lediglich zehn Monate nach der Veröffentlichung ihrer „Musik ist Krieg“ – EP melden sich FUNKER VOGT mit einem neuen Album, inklusive der Vorab-E.P. „Feel The Pain“ zurück. Die EP. enthält im Übrigen zwei großartig neu eingespielte Versionen von „Funker Vogt 2nd Unit“ und dem Überhit „Gunman“. Lohnenswert.

Irgendwie musste ich mich beim Hören der letzten Veröffentlichungen immer noch daran gewöhnen, den guten Chris als Frontmann bei Funker Vogt zu verorten. Tja, und dann fällt mir „Wastelands“ in die Hände. Schon der Opener „Ikarus“ ist ein grandioses Beispiel für die Harmonie, welche in der Band beziehungsweise im Studio zu herrschen scheint. Brachiale Strophen und ein ohrwurmartiger Refrain. Der Hörer nickt schlagartig im Takt. „Desperado“ knüpft auch sofort nahtlos an. Aggressiv vorgetragene Strophen wechseln mit einem Refrain, welcher wiederum zum mitgrölen animiert. Harte Basslines und ebenso treibende Beats kennzeichnen die ersten Songs des Albums. Feuer frei! „Thor’s Hammer“ beginnt mit einem düsteren Intro gefolgt von einem technoiden stampfenden Beat. Düster und aggressiv rollen Funker Vogt über ein Schlachtfeld. Hier werden keine Freunde und noch weniger Gefangene gemacht. Weniger Melodie, mehr Wucht. Es zeigt sich, dass Chris stimmlich gekonnt zwischen Geschrei und klarerem Gesang variieren kann. Den sowieso starken Songs kann er so jedes Mal eine passende Erweiterung geben. Spannend.

Mit dem Album-Mix von „Feel The Pain“ folgt eine vergleichsweise langsamere und melancholischere Nummer – also für Funker Vogt. Jedoch erzeugen die Funker so einen gelungenen Bruch in der Geschwindigkeit und der Stimmung der Platte. Die Hookline brennt sich dabei unwiderruflich ins Gehirn. Chris singt und schreit gelungen im Wechsel. “Bloodsucker“ erhöht die Geschwindigkeit wieder und kommt mit allerlei interessanten Sounds daher. Der Track drückt mit viel Bass und einer eher minimalistischen Melodie. Der Titeltrack „Wasteland“ ist mein persönliches Highlight. Melodisch und schwermütig ohne an Speed einzubüßen, treiben die Funker ihre Anhänger nach vorne. Der Text des Refrains ist eine aufmunternde Hymne. Grandios für die Tanzfläche, für die im Herbst anstehenden Konzerte und peitscht mich sogar beim Sport nach vorne. Sphärisch und fast schon poppig wird es bei „Unter dem Radar“. Ein schneller und düsterer Industrialpopsong. Bevor es jedoch zu düster wird dreschen Funker Vogt mit „Bring The Fight“ wieder nach vorn durch die Boxen. Etwas erinnert mich der Track an „The Firm“. Allerdings etwas wütenderer und angriffslustiger. Somit passt es auch, im Anschluss „Let’s Go To War“ zu brüllen. Minimalistische Hook, treibende Beats, technoide Sounds. Garniert mit dem teilweise ausrastenden Geschrei von Chris. Wo ist bitte der nächste Moshpit?

Broken“ ist wieder etwas melodischer und mit mehr Gesangsparts. Treibende Bassline und einprägsame Synthies runden diesen Song ab. Der Club ruft auch bei „Lock And Load“. Harter Electro mit einprägsamen Refrain. Der Gesang bleibt schlagartig hängen und kann eigentlich sofort mitgesungen werden. Der Song steigert sich im Finale sogar noch in seiner Intensität. Ein erneuter und etwas schwermütiger Bruch wird mit „Atme den Schmerz“ erzeugt. Genau das passende Ende des regulären Albums. Eher EBM-lastig und minimalistisch stampft der Track mit viel Druck durch die Boxen.

Hymnisch und zugleich klagend leitet „Freedom Is Slavery“ die Bonustracks ein. Bei dem Titel musste ich sofort an George Orwells Buch „1984“ denken – „Freiheit ist Sklaverei“ ist einer der Wahlsprüche des Ministeriums für Wahrheit. Stampfend und druckvoll inszenieren die Funker einen Weckruf aus der täglichen Lethargie und Eintönigkeit. „Dance On Your Grave“ animiert nicht nur zum nächtlichen Friedhofsbesuch um auf Gräbern zu tanzen. Dem Hörer wird keine Pause gegönnt. Tanzbarer Electro mit eingängiger Hookline und einem verbalem „Fick dich“. „Crucify Me“ setzt eben an dieser Tanzbarkeit an. Ok, eigentlich ist auf diesem Album jeder Song tanzbar. Es bleibt elektronischer. Der Gesang im Refrain hat stellenweise einige tiefere Parts. Die Melodieführung ist poppig, was mit eingängig übersetzt werden darf. Eigentlich viel zu früh schließt das limitierte Album mit „Shotgun Prayer“ ab. Noch einmal tragen die Funker einen düsteren Electrosong vor und ich frage mich: „Wie, schon vorbei?! Wo ist die verdammte Repeattaste?“


Jeder „alte“ Funker-Fan, der jetzt noch hadert, ist eh nicht mehr zu retten. Insgesamt klingt „Wastelands“ erneut brachial und harmonisch zugleich. Dazu gefällt mir die Covergestaltung sehr gut. Würde ich mir als Poster glatt ins Arbeitszimmer hängen. Funker Vogt setzen mit „Wastelands“ erneut Impulse, welche die Szene aufhorchen lassen werden. Großartiges Album.


INHALT / KONZEPT.8.5
TEXTE.8
GESANG.8.5
PRODUKTION.8.5
UMFANG.8
GESAMTEINDRUCK.8.5
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Extrem tanzbar, hervorragend produziert
Toller Mix aus Härte und Melodie
Einige potenzielle Clubhits
8.3
PUNKTE.
FAZIT.
Funker Vogt anno 2018 prügeln erneut mit einem extrem tanzbaren, kompromisslosen – aber nicht grenzenlos brachialen und gewohnt hervorragend produzierten Langspieler durch die Boxen. Was wirklich ungewohnt hervorsticht ist der facettenreiche Gesang von Chris L. Erweitert er doch das Klangspektrum der Funker. Was Funker Vogt mit diesem zweiten Album seit der Neubesetzung abliefern, ist ein grandioses Highlight des Genres.
Redakteur

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