FUTURE PERFECT – After The Fall

Der letzte Monat eines Jahres ist für gewöhnlich der, in welchem wir nicht mehr ganz so sehr auf die Tube drücken. Im Dezember dreht sich alles vor allem um unseren Jahresabschluss – die 30 Top Alben – ansonsten passiert hier aufgrund der Weihnachtszeit und des Jahreswechsels immer nicht sooo viel. Ein kleiner Vergleich: Dezember waren es 16 Artikel, in diesem Januar steht der Zähler bereits bei 37. Dies hat zur Folge, das so manche Platte, die im Dezember veröffentlicht wird, untergeht. Manchmal stöbern wir aber auch noch in den letzten Alben des vergangenen Jahres und picken uns die ein oder andere Perle heraus, um deren Vorstellung noch nachzuholen. So wie hier und heute mit „After The Fall“, dem inzwischen dritten Album von FUTURE PERFECT.

Genau genommen bestand nie Zweifel, „After The Fall“ vorzustellen. Schließlich verfolge ich das Treiben des sympathischen Pärchens Simon und Rebecca Owen seit Anfang an. Ich weiß noch, wie ich vor Jaaahren bei abendlichen Youtube-Stöbereien auf das Stück „Hunter“ aufmerksam wurde. Hach, was war ich seinerzeit begeistert von dem, was die Nordwaliser dort auf die Beine gestellt hatten. Eingängiger, höchst melodischer Synthie-Pop, der zwar das Rad nicht neu erfunden hatte, aber dennoch für frischen Wind im Genre sorgte. Das zugehörige Debütalbum „Dirty Little Secrets“ war es mir seinerzeit wert, es direkt bei der Band als Import zu bestellen. Und es ergatterte in der damaligen Jahresauswertung beim AVALOST-Vorgänger einen Platz als eines der besten Alben des Jahres. Mit anderen Worten: ich war komplett aus dem Häuschen! Auf ihrem Nachfolgewerk „Escape“ (2012) blieben sie ihrem Stil treu, verfeinerten ihren Sound aber hörbar. Und noch immer fand ich es seinerzeit sehr schade, dass sie in unserem Ländle so wenig Aufmerksamkeit bekamen. Erfreulicherweise änderte sich das, als das auf Synthie-Pop spezialisierte Label conzoom Records auf Herrn und Frau Owen aufmerksam wurde und deren Mucke hierzulande veröffentlichte. Nun konnte jeder Future Perfect hören, auch ohne Import. Dienste wie Spotify oder Apple Music waren seinerzeit schließlich noch nicht so allgegenwärtig, wie sie es heute sind. Conzooms Engagement war ein Gewinn für jeden Genre-Freund. Ende 2015 erschien das dritte Album „After The Fall“. Von Anfang an für alle Interessierten ohne umständlichen Import zugänglich.

Die Welt hat sich seit dem letzten Album „Escape“ mehrmals gedreht. Da erfreut es mich umso mehr, vorab bestätigen zu können: jepp, Herr und Frau Owen können es immer noch. Sie eröffnen das Album mit „The Fall“, einem kleinen Meisterstück synthetisch-poppiger Klangkunst. Mitreißende Eingängigkeit trifft auf flirrende Klangspielereien; die wunderbar miteinander harmonierenden Stimmen von Rebecca und Simon schmiegen sich mit ohrschmeichelnden Hooklines ins Gehör. Gleichzeitig bietet diese Nummer ein hohes Potential der Tanzflächenbefüllung. Um es nur zuhause zu hören fast schon zu schade. Unterm Strich würde ich behaupten wollen, das dies zu den stärksten Future Perfect-Stücken gehört und sich bequem auf die gleichen Stufe stellt wie „Hunter“, „Queen Of The Dancefloor“ oder „Paradise“. Gleichwohl fällt auf, dass die Produktion im Hinblick auf die reine Tonqualität ein neues Level erreicht hat. Mit „Fall“ gelingt dem Duo ein vielversprechender Einstieg in ein Album, das die hierdurch geschaffenen, hohen Erwartungen jedoch leider nicht erfüllt.

Das nachfolgende „Dangerous Desires“ ist vor allem eine Rebecca-Nummer, die in diesem Bereich der Musikwelt noch immer über eine der markantesten Stimmen verfügt. Wo andere Synthie-Ladies ziemlich flach tönen, wirken ihre Vocals hingegen stets sehr kraftvoll. Manchmal beinahe sogar so, als seien sie ein bisschen gebremst worden, um der düsteren Grundstimmung des Songs, vor allem bedingt durch das schwere Klavierspiel, nicht die Show zu stehlen.

Tja. Und dann kommt so ein Ding wie „Walking On Knives“. Ein etwa einminütiges Interludium, das mich ein bisschen ratlos zurücklässt. Genauso wie der Umstand, dass die eigentliche Netto-Trackliste gerade mal acht Songs umfasst und mittels Remixen auf 12 aufgebläht wurde. Da zwei der der acht Stücke mit ihrer Spielzeit von wenig mehr als einer Minute allenfalls als Füllmaterial durchgehen, ist das insgesamt sehr mager und zieht den ansonsten guten Eindruck nach unten.

Das ist schade und wirkt unnötig. Schließlich haben sie mit „Neo Rom Com“ einmal mehr eine treibende Tanztempelhymne geschaffen, bei der es sich in einschlägigen Clubs ganz sicher ziemlich gut auf den Boden stampfen lässt. So wie dereinst auch zu jenem persönlichen Jesus, den Ihr alle kennt und an den diese Nummer in einigen Momenten erinnert.
Die restlichen neuen Stücke „Protect and Survive“, „Spaces“ (großartig: das Bill Clinton-Sample aus Zeiten der Lewinsky-Affäre!) und das fast schon unbequeme „Excess“ hinterlassen ebenfalls einen durchweg guten Eindruck. Future Perfect sind und bleiben einfach eine tolle weil unterhaltsame Synthie-Pop-Band, die sich durch das spannende Wechselspiel von weiblichem und männlichem Gesang wohltuend von vielen Mitbewerbern abhebt.

Die restlichen vier Songs sind Remixe bereits gehörter Titel dieses Albums. Da ist allerdings keiner dabei, der mir sonderlich in Erinnerung geblieben wäre. An deren Stelle lieber noch ein, zwei wirklich neue Songs mehr hätte das Album nach meinem Dafürhalten zu einer deutlich runderen Sache gemacht. Noch dazu, weil man als Fan ja immerhin gute drei Jahre auf neues Material warten musste. Insgesamt lässt sich der Eindruck des Unfertigen nicht leugnen. Eventuell wäre die Veröffentlichung einer EP, die ohne das ganze unnötige Füllmaterial auskommt, die bessere Entscheidung gewesen. Für ca. 15 Euro ist das Gebotene somit schlicht zu wenig, um den Preis zu rechtfertigen.


Ich mag Future Perfect wirklich sehr. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, empfehle ich die Mucke dieses sympathischen Duos gerne allen Genre-Freunden, die entweder die üblichen Verdächtigen nicht mehr hören können oder aber einfach so auf der Suche nach frischem, unverbrauchtem Material sind. So wird es auch mit den neuen Stücken geschehen, die auf „After The Fall“ versammelt sind. Vor allem das Titelstück „Fall“ ist den Eheleuten Owen ganz toll gelungen. Trotzdem lässt mich dieses Album ein bisschen unbefriedigt zurück. Die beiden Ein-Minüter blende ich einfach aus und die verbleibenden sechs neuen Songs sind für ein Album zum angesetzten Straßenpreis einfach zu wenig. Und zwar nicht zuletzt deshalb, weil ich einfach gerne noch viel länger in der musikalischen Welt von Future Perfect verweilt hätte, ohne so früh schon wieder auf Bestandsmaterial zurückgreifen zu müssen. Sicherlich: weniger ist manchmal mehr. Aber mitunter ist auch einfach mehr mehr.


fpthefall


INHALT / KONZEPT.6.5
TEXTE.6
GESANG.7
PRODUKTION.7.5
UMFANG.5
GESAMTEINDRUCK.6
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Der Titeltrack ist super
NEGATIV.
Der Umfang ist ziemlich dürftig und wird insgesamt den Vorgängern nicht gerecht
6.3
PUNKTE.
FAZIT.
Vor allem das Titelstück „Fall“ ist den Eheleuten Owen ganz toll gelungen. Trotzdem lässt mich dieses Album ein bisschen unbefriedigt zurück. Die beiden Ein-Minüter blende ich einfach aus und die verbleibenden sechs neuen Songs sind für ein Album zum angesetzten Straßenpreis einfach zu wenig.

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