Foto: Robert Winter

KOVACS – My Love

Zuletzt aktualisiert:

Halten wir mal fest: spätestens seit Anastacia herrscht in der Welt der Populärmusik kein Mangel an Sängerinnen, die mit – mal mehr, mal weniger – erstaunlich souligen Stimmen um die Gunst der Konsumenten buhlen. Manches Mal haben wir es mit wahren Ausnahmeerscheinungen zu tun. Die sich dann durch ihre Musik, ihre Exzesse und damit verbundenem, vorzeitigem Ableben selbst ein fragwürdiges Denkmal gesetzt haben. Und spätestens seit dem Erfolg von Amy Winehouse schiebt die Industrie einen (stimmlich) ähnlich positionierten Neuling nach dem anderen ins Rampenlicht. Gefühlt jede Woche trudelt eine Promo ins Haus, wo uns entsprechende Newcomer vorgestellt und als das nächste große Ding präsentiert werden. Da hier noch immer diese Aufbauarbeit seitens der Labels betrieben wird, scheint der Markt noch nicht übersättigt zu sein. Mit Sharon KOVACS tritt nun die nächste soulige Sirene ins Rampenlicht. „My Love“ heißt ihre Debüt-EP, die ab September auch bei uns erhältlich sein soll. Ein Tipp an dieser Stelle: wer noch nicht genug von Amy-Winehouse-Klonen hat, hört bitte mal rein. Und selbst diejenigen unter Euch, die eigentlich inzwischen satt sind, sollten es mal tun. Es könnte Euch überraschen.

Sharon Kovacs ist gerade 24 Jahre jung und stammt aus den Niederlanden. Über ihren Weg zur Musik heißt es, sie habe schon gesungen, noch bevor sie so richtig sprechen konnte. Dieser Weg führte sie im Teenager-Alter von Schulbands zu Talentshows. Doch so richtig Fuß fassen konnte sie damals noch nicht. Nicht immer ist der Weg in die Musikindustrie im Alleingang von Erfolg gekrönt. Nach ihrem Schulabschluss kellnerte sie in verschiedenen Bars und Clubs, wo sie an den dort veranstalteten Open-Mic-Abenden teilnahm. Dem Publikum dort schien gefallen zu haben, was es zu hörte. Man gab ihr den Tipp, sich für ein Studium am Rock City Institute in Eindhoven einzuschreiben. Beim Bewerbungsvorsingen reichten der jungen Frau zwei Songs, um sofort akzeptiert zu werden. Auch wenn sie ihre Lehrer fortan manches Mal vor eine Herausforderung stellen sollte. „Manche Gesangslehrer wussten nicht, was sie mit mir anstellen sollten. Einmal empfohlen sie mir sogar, aufzuhören und irgendwas anderes zu tun. Ihnen zufolge nutzte ich meine Stimme auf eine falsche Weise. Aber so bin ich, ich kann nicht anders singen“, erinnert sie sich. War es früher noch MySpace, mit dem junge Musiker auf sich aufmerksam machen und in Kontakt mit Entscheidungsträgern und Produzenten der Industrie treten konnten, so ist es heute wenig überraschend Facebook. Und so nutzte auch Sharon Kovacs die Möglichkeiten von Zuckerbergs sozialem Netzwerk, um mit dem Produzenten Oscar Holleman in Kontakt zu treten. Holleman war unter anderem bereits für Within Temptation, After Forever und Gorefest tätig. Sie schickte ihm einen Link zu ihrer Musik. „Normalerweise höre ich mir solche Links nicht an“, sagt Holleman, „aber ich war gelangweilt und saß nur herum. Sobald ich die ersten Worte hörte, war ich wie weg geblasen! Es klang zu gut, deshalb rief ich Sharon an und fragte sie, wer dort sänge. ‚Das bin ich‘ sagte sie. Als wir uns dann trafen, sah sie komplett anders aus als ich sie mir vorgestellt hatte. Obwohl ihre Stimme schwarz klingt, stand dort ein weißes Mädchen mit rasiertem Kopf vor mir. Ich war fasziniert, also fingen wir an, zusammenzuarbeiten“.

Dieses Gefühl der Überraschung wird nachvollziehen und nachempfinden können, wer Kovacs faszinierender Debüt-EP „My Love“ das erste Mal Gehör schenkt. Gerade und ganz besonders das Titelstück ist mit „sensationell“ noch viel zu schwach umschrieben. Da ist diese kleine Lady, wo äußere Erscheinung und diese wunderbar dunkle, manchmal sogar an Marla Glen erinnernde Stimme nicht so recht in Einklang zu bringen sind. Da sind diese tollen Arrangements, die ein bisschen an die James Bond-Titelsongs einer Shirley Bassey erinnern. Und dann sind da nicht zuletzt die Texte, in denen die 24-jährige Sängerin kein Blatt vor den Mund nimmt. Aber wie sie in „He Talks That Shit“ so treffend singt: I am no angel / No, I’m hard to handle.

Vier Songs umfasst die Debüt-EP, die bei uns bislang nur als Import erhältlich ist. Vier Songs von eigenwilliger, gleichzeitig rauer und verspielter Schönheit. Sollten die für den nächsten Bond-Streifen noch auf der Suche nach einer Titelmelodie sein, Sharon Kovacs hat sich mit „My Love“ wärmstens empfohlen. Toll auch das Stück „I’ve Seen That Face Before“, das musikalisch ein bisschen an ein Bastardkind aus spanischem Flamenco und französischem Chanson erinnert. Abschließend sei gesagt: Wenn Promoter, Musikindustrie und was weiß ich noch Kovacs als das nächste große Ding ankündigen, dann könnten sie damit Recht haben wie schon lange nicht mehr!


Für meinen Geschmack sucht und findet die Musikindustrie derzeit zu viele Stimmen, die tendenziell an Amy Winehouse erinnern. Für mich müsste es da nicht noch eine weitere, junge Künstlerin geben, die ähnliche, inzwischen ausgelatschte Pfade beschreitet. Daher war ich kurz davor, auch beim Thema Kovacs abzuwinken und die Sache für mich mit dem Prädikat „uninteressant“ abzuhaken. Allerdings von Natur aus neugierig zog ich mir das Video zu „My Love“ dann doch mal rein – und war ziemlich geflasht von dem, was aus den Boxen tönte! Deutlich dunkler und spannender als viele, viele andere ist sie, die Stimme von Sharon Kovacs. Ich fühlte mich manchmals mal an Marla Glen erinnert. Und gerade ganz besonders der Titeltrack der „My Love“-EP verbreitet so eine schöne, an James Bond-Filme erinnerne Atmosphäre, dass ich begeistert in die Hände klatschen möchte. Mit den hier versammelten vier Songs schafft es die Dame, dass ich ihr Tun ungleich spannender empfinde als das vieler ihrer Mitbewerberinnen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich damit nicht alleine bin. Wer sich für diese Art souliger Stimmen begeistern kann, sollte wirklich dringend mal hineinhören, wenn die EP bei uns ab September erhältlich . Ich bin gespannt, was da noch kommen mag. Enormes Potential ist jedenfalls da!


kovacsmylove


INHALT / KONZEPT.7
TEXTE.7.5
GESANG.9
PRODUKTION.8
UMFANG.6
GESAMTEINDRUCK.8.1
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Die Stimme!
James-Bond-Feeling
Erinnert an Marla Glen
7.6
PUNKTE.
FAZIT.
Für meinen Geschmack sucht und findet die Musikindustrie derzeit zu viele Stimmen, die tendenziell an Amy Winehouse erinnern. Für mich müsste es da nicht noch eine weitere, junge Künstlerin geben, die ähnliche, inzwischen ausgelatschte Pfade beschreitet. Daher war ich kurz davor, auch beim Thema Kovacs abzuwinken und die Sache für mich mit dem Prädikat „uninteressant“ abzuhaken. Allerdings von Natur aus neugierig zog ich mir das Video zu „My Love“ dann doch mal rein - und war ziemlich geflasht von dem, was aus den Boxen tönte! Deutlich dunkler und spannender als viele, viele andere ist sie, die Stimme von Sharon Kovacs. Ich fühlte mich manchmals mal an Marla Glen erinnert. Und gerade ganz besonders der Titeltrack der „My Love“-EP verbreitet so eine schöne, an James Bond-Filme erinnerne Atmosphäre, dass ich begeistert in die Hände klatschen möchte.

NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
WEITERE STORY.
ANDREAS GROSS – Grounds Of Ashes