Foto: Philipp Gladsome

MADELINE JUNO – Salvation

Es ist viel passiert, seit wir uns an dieser Stelle zuletzt über das musikalische Tun von MADELINE JUNO unterhalten haben. Nachdem sie ihr höchst bemerkenswertes Debütalbum „The Unknown“ veröffentlicht hatte, folgten ihre erste eigene Tour, die Teilnahme am Vorentscheid für den Eurovision Song Contest und ihre Single „Error“ wurde zum Titelsong der Komödie „Fack ju Göhte“ erkoren. Reichlich viel Action für eine junge Frau, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Debütalbums gerade mal die Schwelle zur Volljährigkeit überschritten hatte. Manche Herausforderung hat sie gemeistert, andere nicht. Und nun sind wir wieder hier um zu gucken, wie sie die oftmals so schwierige Aufgabe des zweiten Albums bewältigt haben mag. Seinerzeit vermuteten wir: Deutschland sucht die nächste Singer/Songwriterin mit internationalem Format? Jopp. Vielleicht haben wir sie mit Madeline Juno gefunden. Dieser Vermutung von damals gehe ich jetzt mal nach.

Madeline Junos zweites Album erscheint nicht mehr bei Universal Music. War „The Unknown“ seinerzeit noch eine Veröffentlichung dieses Giganten, so kommt „Salvation“ dank Embassy Of Music auf den Markt. Könnte eigentlich egal sein, sagt Ihr? Hmm… nee, vielleicht nicht. Ich habe es in den letzten Jahren so oft beobachtet, dass sich Künstler, die sich zwischendurch auf Universal Music eingelassen hatten, irgendwann wieder einen Rückzug machten. Gut vorstellbar, dass der größte Musik-Major der Welt ziemlich konsequent darin ist, Künstlern zum Erfolg zu verhelfen – entsprechendes Einfordern von Gegenleistungen welcher Art auch immer inklusive. Gut vorstellbar ist auch, dass man dank Universal ordentlich Geld verdienen kann – wenn man sich aber kreativ austoben möchte, wenn die Musik eine innere Mission ist, dass dieser mögliche, goldene Käfig eine Einschränkung bedeutet. Irgendwas muss es ja schließlich sein, dass sich über die Jahre eine solche Fluktuation beobachten ließ. Sicher, man kann auch vermuten, dass „The Unknown“ trotz allem hinter den (finanziellen) Erwartungen zurück geblieben ist. Letztendlich bewegen wir uns hier aber im Reich der Spekulationen. Was wir wissen, ist folgendes: Madeline Junos zweites Album ist genau das Album geworden, welches sie sich vorgestellt hat. Ohne dass ihr irgendwer da reingequatscht hätte. „Ich bin meinem Team sehr dankbar, dass sie mich haben „Chef“ sein lassen. Ich konnte frei entscheiden und „Salvation“ genauso produzieren, wie ich es mir erträumt habe“, sagt sie.

Ein Glücksfall für uns Konsumenten ist es, dass die Dinge so gekommen sind, wie sie schließlich gekommen sind. Die letzten Töne von „Another You“, dem letzten Track auf „The Unknown“, hatte ich noch gut im Ohr, als ich den ersten Hördurchgang des Nachfolgers startete. Damals entließ uns Madeline mit einer vom Klavier getragenen Ballade in die Nacht. Ins Unbekannte. Direkt daran anknüpfend startet sie auf dem neuen Album mit „Into The Night“ mit einer wunderschönen Ballade, der die gleiche bezaubernde Melancholie innewohnt, die schon viele Songs des Debüts auszeichnete. Und so auch viele des Nachfolgers. Dass es dabei nicht bleibt und sich musikalisch viel getan hat in Madelines Welt, zeigt sich direkt beim nachfolgenden „No Words“, wo sie das Tempo ordentlich anzieht und es sich in einem Pop-Umfeld bequem macht, wo sonst Pop-Schwergewichte wie Katy Perry und ähnliche unterwegs sind.

Madeline Juno ging es ganz offenkundig darum, ein möglichst abwechslungsreiches Album zu schaffen. Stets einen neuen Rahmen für ihre Geschichten zu schaffen. So gefällt das dezent selbstironische „Stupid Girl“ durch treibende Rhythmen und elektronische Spielereien. Hier möchte sie scheinbar die Tanzflächen genauso bedienen wie die Wohnzimmer. „You Know What“ hingegen ist eine süße, kleine Ballade, die man am liebsten in Watte packen möchte. In „Quicksand“ hingegen zeigt sie, dass sie eben doch Pop in internationalem Format kann. Genauso in „Safe Kind Of Sadness“. Dies soll an Beispielen genügen um aufzuzeigen: das Vorhaben, ein möglichst großes Spektrum an Stimmungen und Gefühlen abzudecken, ihnen einen entsprechendes musikalisches Zuhause zu geben, ist von Erfolg gekrönt. Nicht alles, was sie in ihrer noch jungen Karriere versucht hat, mag geklappt haben. Aber das hier ist bestens gelungen. Alleine schon von dieser Warte aus betrachtet ist das zweite Album ein Erfolg geworden.

Bei ihrem Debüt „The Unknown“ nannte Madeline Juno ihre Musik noch Heart-Core. Oder Nighttime Folk. Nun, der Nighttime Folk ist jeder Menge flotterer Songs gewichen. Heart-Core ist es aber noch immer. Da haben wir diese junge Dame und jedem einzelnen Song auf „Salvation“ ist anzuhören: das kommt von innen, das sind ihre Gedanken und Gefühle, die sie hier in Lieder packt. Da sitzt keiner und schreibt die Texte, hängt sie dann ins Studio und lässt sie dann von Frl. Juno einsingen. Vielleicht hilft ihr jemand beim Schreiben, das kann schon sein. Ganz bestimmt sogar, schließlich ist sie noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen. Ein Blick ins Booklet zeigt aber: an erster Stelle steht bei den Lyrics stets ihr Name als Urheber. Wie gesagt, es hört sich so an, es fühlt sich so an. Und damit hat Maddy auch auf dem zweiten Album etwas auf der Haben-Seite, was so vielen anderen Pop-Sternchen heutzutage fehlt: Authentizität. „Ich verändere mich jeden Tag und will mir selbst gar nicht mehr vorgeben, wie ich zu sein habe. Zu Polarisieren finde ich jetzt eher spannend und kann genau deshalb auf meinem neuen Album mehr ich selbst sein als jemals zuvor“, sagt sie. Und darum wird sie, die quasi in die Musikwelt hineingeboren wurde und ihr quasi die ganze Jugend widmete, sich zu einer festen Größe im hiesigen Pop-Zirkus entwickeln. Das Gefühl hatte ich beim Debüt schon, jetzt ist es aber ziemlich deutlich: diese junge Dame ist gekommen, um zu bleiben. „Salvation“ ist ihr akustisches Ausrufezeichen hinter dieser Behauptung. Ein rundherum gelungenes Pop-Album, ohne Wenn und Aber. Es empfiehlt sich übrigens der Erwerb der Deluxe-Version. Mit dem deutschsprachigen „Herzchen“ zeigt Madeline Juno zum Schluss nämlich einmal mehr auf, was künftig noch zu erwarten ist. To be continued, quasi.


Es wird ja gerne mal verächtlich mit der Nase gerümpft, wenn junge Künstlerinnen mit einem Pop-Album um die Ecke kommen. Was sollen die schon können? Oh, einiges! Was sollten die schon zu erzählen haben? Ebenfalls so einiges. Es müssen ja nicht immer die hochtrabendsten geistigen Ergüsse sein, die in Lieder gesteckt werden, um zu berühren und zu gefallen. Die Gedanken- und Gefühlswelt anderer zu betreten, um sich dann auf eigene Gedankenreisen zu begeben ist doch auch mal schön. Noch dazu, wenn sie musikalisch so hübsch verpackt sind wie hier. Daher funktioniert „Salvation“ auf jeder Ebene ganz hervorragend. Und wer immer noch rümpft – auch eine Madonna war damals nicht sooo viel älter als das Frollein Juno jetzt.


mj_salvation


INHALT / KONZEPT.7.5
TEXTE.7.5
GESANG.8
PRODUKTION.7.5
UMFANG.8
GESAMTEINDRUCK.8
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Das Versprechen des Debüts, keine Eintagsfliege zu sein, wurde hiermit beeindruckend eingelöst
7.8
PUNKTE.
FAZIT.
Es wird ja gerne mal verächtlich mit der Nase gerümpft, wenn junge Künstlerinnen mit einem Pop-Album um die Ecke kommen. Was sollen die schon können? Oh, einiges! Was sollten die schon zu erzählen haben? Ebenfalls so einiges. Es müssen ja nicht immer die hochtrabendsten geistigen Ergüsse sein, die in Lieder gesteckt werden, um zu berühren und zu gefallen. Die Gedanken- und Gefühlswelt anderer zu betreten, um sich dann auf eigene Gedankenreisen zu begeben ist doch auch mal schön. Noch dazu, wenn sie musikalisch so hübsch verpackt sind wie hier. Daher funktioniert „Salvation“ auf jeder Ebene ganz hervorragend.