Foto: Carl Glover

MARILLION – Best.Live

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Eine Best-Of CD auf den Markt zu bringen ist bei Bands, die lange im Geschäft sind keine ungewöhnliche Sache. Abgesehen davon, dass sich Band und Plattenfirma ein paar zusätzliche Taler damit verdienen ist es gerade für Neueinsteiger eine prima Sache, um sich zunächst mit den (vermeintlich) wichtigsten Songs einen Überblick zu verschaffen. Eine Live-CD zu veröffentlichen ist genauso wenig ungewöhnlich. Ein Blick in die Regale der Tonträgerhändler zeigt: nahezu jeder, der es auf mehr als drei Alben brachte, hat früher oder später auch einen Live-Mitschnitt in der Diskografie. Und sei es eine Aufnahme, vorgenommen im hinterletzten Kellerloch vor 20 Leuten. Eine Zusammenstellung der besten Live-Aufnahmen zu veröffentlichen, das hingegen ist schon wieder fast stilvoll. Diesen Weg beschreitet die britische Rockband MARILLION mit ihrer Doppel-CD “Best.Live”. Und Marillion, hey, da hören wir doch mal rein.

Ja richtig, wir reden hier von den Marillion, jener britischen Kultband, die 1979 gegründet wurde und den 80er Jahren mit immergrünen Klassikern wie “Kayleigh” und “Lavender” ihre größten Erfolge feierte und damit den Grundstein in Richtung Unsterblichkeit legte. Wer sich etwas mit Marillion beschäftigt, vielleicht sogar zu langjährigen Hörern zählt, weiß: besagte Hits entstanden seinerzeit in der sogenannten “Fish-Ära” (1979 – 1988), als noch Derek William Dick (Fish eben) die Texte ins Mikrofon trällerte. Alles was danach kam, also ab 1989 bis heute, gilt in der Marillion-Geschichte als “Hogarth-Ära”, denn fortan war Steve Hogarth Frontmann der Progressive Rocker. Oder Arthouse Rocker. Oder wie auch immer man das inzwischen schimpft. Und ist es noch bis heute. Die Aufnahmen auf “Best.Live” stammen aus den Jahren 2003 bis 2011, haben mit dem Tun Fishs (ähem…) nur noch bedingt etwas zu tun. Zwar finden sich auf der Zusammenstellung durchaus einige Songs wieder, die noch zu Fishs Zeiten entstanden sind. Gesangstechnisch zu hören ist hier aber nur noch Mr. Hogarth. Logisch.

Marillion sind ja Füchse. Schon sehr früh haben sie erkannt, dass das Internet nicht der Feind des musikproduzierenden Volkes sein muss. Zum Jahrtausendwechsel hin begannen die Briten damit, sich kommende Veröffentlichungen von Fans wenigstens teilfinanzieren zu lassen. Der schöne Nebeneffekt für den geneigten Hörer: keine Plattenfirma, keine Macht in dieser Welt konnte Marillion in den Entstehungsprozess der Alben hineinquatschen. Allein die Verpflichtung sich selbst und ihrer treuen Fanschar gegenüber war es, was als Antrieb für die kommenden Alben diente. Oh und eines muss gesagt werden: Marillion darf wohl als eine der umtriebigsten und somit veröffentlichungsreichsten Bands dieses Planeten angesehen werden. Wer sich den Spaß mal machen möchte und nachzählen: Wikipedia listet alleine 29 (in Worten: neunundzwanzig!) Live-Veröffentlichungen in der Zeit von 1992 bis 2011. Krasse Action, oder? Bei ihren Live-Auftritten bevorzugen Marillion übrigens eher kleine Clubs und Bars, weil hier die Stimmung und die Atmosphäre logischerweise eine andere ist als in Stadien oder großen Konzerthallen. Und immer wieder passiert es, dass Fans während eines Konzertes die Setliste bestimmen. Das nennen wir Dienst am Kunden! Das ist ein Beispiel, das gerne Mode machen darf.

Zurück zu “Best.Live”: bei dieser CD wird großspurig behauptet, es handele sich hierbei um die tollsten oder beliebtesten Live-Aufnahmen des besagten Zeitraumes. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob die Fans hier an der Auswahl beteiligt waren, aber bei einer derart Fan-nah agierenden Band wie Marillion liegt die Vermutung nahe. Leider schweigt sich der Pressetext zu dieser Veröffentlichung darüber beharrlich aus, welchen Mitschnitten die hier versammelten Songs entnommen sind, aber das ist eigentlich auch völlig Banane. Viel mehr sollte “Best.Live” wohl als eine Art Zeitdokument betrachtet werden, das aufzeigt, dass es sich bei Marillion um eine Band handelt, der das Musizieren im Blut liegt. Die Leidenschaft, die Spielfreude, die Begeisterung am eigenen Tun, die Überzeugung, große Songs geschaffen zu haben – all das überträgt sich hier auf den Hörer. Vielleicht ist es in unserem Lande etwas schwieriger, sich Marillion live anzuschauen und sich anstecken und mitreissen zu lassen. Etwas Talent für Kopfkino vorausgesetzt ist “Best.Live” trotzdem ein höchst probates Mittel, dennoch dabei zu sein.


Fazit: Ich höre Marillion schon eine ganze Weile und wie so viele in den 80ern Geborene bin ich auch erst sehr viel später nach “Kayleigh” auf den Marillion-Trip gekommen. Es ist mir bisher noch nicht vergönnt gewesen, mir diese Truppe einmal live anzuschauen, aber Ihr dürft mir glauben, dass das sehr weit oben auf der Liste zu erledigender Dinge steht. Nach dieser akustisch wie inhaltlichen Zusammenstellung hier erst recht! Die Auswahl der Songs ist top, die Klangqualität überragend. Beinahe so, als würden Marillion im heimischen Wohnzimmer aufspielen. Dem Hardcore-Fan und -Sammler wird “Best.Live” vermutlich nichts neues bieten, alle anderen greifen zu. Auch diejenigen, die Marillion nicht auf dem Schirm haben, aber Bock haben auf Live-Mitschnitte die zeigen, wie man es richtig macht. Manche Mitschnitte hier sind einfach episch!



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