MIND.IN.A.BOX - Memories
Foto: AVALOST

MIND.IN.A.BOX – Memories

Tag für Tag stehen wir unter Kontrolle der Agency, die jeden unserer Schritte bewacht und einfach alles unter Kontrolle hat. Niemand weiss das besser, als Stefan Poiss und Markus Hadwiger, die uns seit 2004 mit dem Dreamweb eine Zuflucht vor dieser Totalüberwachung erschaffen haben. Ihre Musik ist seit jeher der Schlüssel und da die Agency nicht untätig ist, waren neue Codes nötig, um sich mit dem Dreamweb zu synchronisieren. „Memories“ ist also mehr als nur das neue Album von mind.in.a.box. Es liefert weitere Puzzelteile zum Protagonisten Black, seinem Kontrahenten White, der mysteriösen Night und öffnet uns vielleicht die Tür ins Dreamweb einen kleinen Spalt, wenn wir anfangen mit dem richtigen Augen zu sehen.

Gut dass die Reiseleitung im ersten Titel „Travel Guide“ noch einmal darauf hinweist, dass es sich um ein Album von mind.in.a.box handelt und von den Erinnerungen des Agenten Black erzählt. Der E-Gitarren orientierte Song entführt nämlich musikalisch zunächst in eine ganz andere Welt. Mich erinnert der Titel eher an einen Song von Loomec, einem weiteren Musikprojekt von Stefan Poiss und verwischt mal eben sämtliche Grenzen zwischen dem hier und jetzt und der Realität. Realität? Was ist das eigentlich noch, wenn uns doch die Agency ohnehin permanent kontrolliert. Konfusion geglückt.

l Knew“ klingt dank Vocoder schon vertrauter nach mind.in.a.box. „I knew“ hat das Zeug für eine Electro-Hymne im Stil von „Change“ und dürfte sicher den Weg in die Clubs finden. Bei all der Vertrautheit entreisst einen allerdings eine zweite menschlichere Gesangstimme immer wieder für kurze Momente ein wenig aus der Electronic-Welt.

Unforgiving World“ ist eigentlich ein Future-Pop-Song, der von der Story lebt, die Black im Erzählstil vorträgt. Musikalisch deutet sich allerdings schon ein wenig die aufkommende innere Zerrissenheit Blacks zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit an, wechselt der Song doch das Tempo und endet als eine Art Pop-Piano-Ballade.

No Hope“ ist ein treibender Electro-Song, dessen zentrale Message in der Titelzeile „No Hope“ besteht und ansonsten eher instrumental brilliert. Der Song trägt zwar weniger zur Story bei, doch er fügt sich perfekt in das Gesamtkunstwerk „Memories“ ein.

Synchronize“ fährt soundmäßig ganz große Geschütze auf und macht „Memories“ nicht nur zu einem hörbaren Erlebnis, sondern die Musik erlebbar. Der treibende Sythie-Pop-Beat gewinnt durch riesige Flächensounds so viel Tiefe, dass man sich als Hörer beinahe instinktiv irgendwo festhält, um nicht davon gerissen zu werden. Doch vielleicht ist das Dreamweb gerade in solchen Momenten näher als wir ahnen. „Synchronize“ ist einer der Schlüsselsongs auf „Memories“, da durch ihn ein großer Teil der Geschichte erzählt wird.

Bad Dreams“ hat durch seine Instrumentierung beinahe etwas hypnotisches und beruhigendes und doch wird diese an sich wohlige Stimmung, immer wieder vom Ausruf „Bad Dreams“ zerrissen. Mit einer rockigen Bridge im letzten viertel des Songs weicht diese beruhigende Stimmung dann vollkommen und entlässt den Hörer aufgewühlt sich selbst. Alles nur ein schlechter Traum?

Silent Pain“ hingegen wirkt wieder etwas beruhigender auf den Hörer ein und doch sind die Ereignisse für Black alles andere als beruhigend. Black steht kurz vor dem Wendepunkt in seinem Leben „one step closer to the edge“ lautet eine Textpassage und die Ereignisse spiegeln sich auch musikalisch wieder. Anfänglich einer Ballade ähnlich, steigert sich der Song allmählich zu einer Art „Soundtrack für Memories“, der sich stilistisch ein wenig bei Thyx bedient und doch absolut mind.in.a.box ist.

Timelessness“ geht wieder als treibender Future-Pop-Song ans Werk und erinnert beim Synthesizer-Sound ein wenig an frühere Jahre von mind.in.a.box.

„Face It“ bricht wieder mit der Electro-Tradition und lässt sich schwer einordnen. Eine Future-Pop-Ballade aus dem Hause mind.in.a.box. trifft es vermutlich noch am ehesten, wenn doch auch Metall-Opera-Elemente unterschwellig bei mir ankommen. Alles in allem eine interessante Mischung, die die Botschaft „Face It“ gleich doppelt unterstreicht.

Der nächste Song „Up There“ erinnert soundmäßig ein wenig an alte 8-Bit Tage und dient als klangliches Gerüst für Blacks Erzählung. Der Song liefert einen interessanten Dialog zwischen Black und … ja, wem eigentlich? Seinem neuen Bewusstsein? Willkommen an Bord.

Pedro“ ist ein treibender Electro-Track, der zum Ende hin immer zackiger wird und die Überleitung zu „Shake-Up“ liefert. Welche Botschaft sich hinter dem gesangähnlichen Vox-Element im letzten viertel des Songs verbirgt, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Die Electro-Ballade „Shake-Up“ stellt für das Album „Memories“ sowohl musikalisch, als auch von der Story her, das Finale dar. Mit Blacks Erinnerung hält auch seine Erkenntnis für die gute Sache einzug. Mit einem großen Klangteppich entlassen uns mind.in.a.box in die dunkle Wirklichkeit.

Der Bonus-Track „5nchr0ni7e“ erzählt noch einmal knapp die Geschichte von Black nach der Vorlage des österreichischen Schriftstellers Andreas Gruber. Der Track ist keine Zusammenfassung im eigentlichen Sinn, sondern weist vielmehr auf Schlüsselszenen auf dem Weg ins Dreamweb hin.


Drei Jahre nach „Revelations“ trotzen mind.in.a.box. wieder einmal der Allmacht der Agency und berichten, wie der einst beste Agent Black den Fängen der Agency entkommen ist. Nicht nur der Protagonist Black hat in dieser Zeit eine spannende Entwicklung vollzogen, auch mind.in.a.box. sind musikalisch gereift. Keine Panik Vocoder-Fans, ihr kommt trotzdem voll auf eure Kosten, versprochen. Und doch ist „Memories“ keinesfalls der Soundtrack für ein neues Computerspiel um das Dreamweb. Stefan Poiss und Markus Hadwiger haben ganze Arbeit geleistet, um den charakteristischen mind.in.a.box.-Sound beizubehalten und doch neue Elemente einfließen zu lassen. Keine Bange, das Album ist Dub-Step-frei. Ich spiele vielmehr auf Einflüsse an, die ich den Arbeiten am letzten Thyx-Album zuschreiben würde. Alles in allem eine spannende Geschichte und ein sehr gelungenes Album. Für mich ist „Memories“ definitiv ein Anwärter für die Avalost-TOP30 2015.


miabmemories


INHALT / KONZEPT.9
TEXTE.9
GESANG.8.5
PRODUKTION.8.5
UMFANG.8
GESAMTEINDRUCK.9
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Spannende Fortsetzung der Dreamweb-Saga
Musikalische Weiterentwicklung ist hörbar, nicht zuletzt wohl bedingt durch das Thyx-Nebenprojekt
8.7
PUNKTE.
FAZIT.
Drei Jahre nach „Revelations“ trotzen mind.in.a.box. wieder einmal der Allmacht der Agency und berichten, wie der einst beste Agent Black den Fängen der Agency entkommen ist. Nicht nur der Protagonist Black hat in dieser Zeit eine spannende Entwicklung vollzogen, auch mind.in.a.box. sind musikalisch gereift. Keine Panik Vocoder-Fans, ihr kommt trotzdem voll auf eure Kosten, versprochen. Und doch ist „Memories“ keinesfalls der Soundtrack für ein neues Computerspiel um das Dreamweb