NATALIE WALKER – Spark

Vor zwei Jahren war es, als ich auf NATALIE WALKER aufmerksam wurde. Seinerzeit surfte ich einfach vor mich hin, nichts zu finden hatte ich im Sinn. Gefunden habe ich aber trotzdem: großartige, einzigartige Popmusik (warum liest sich das immer wie ein Makel?), die vor allem einen Haken hat: in unserem schönen Lande kennt sie kein Mensch, ein höchst bedauerlicher Umstand fürwahr! Drei Jahre nach „With You“ ist Frau Walker nun mit ihrem neuen Album „Spark“ am Start. Airplay wird sie auch diesmal wohl leider nicht erfahren hier, für Genußmenschen, Kenner und Freunde alternativer Popmusik geht hier allerdings trotzdem die Sonne auf. Quasi.

Wenn ich so zurückdenke an meine Review von vor zwei Jahren, dann waren es die coolen, verspielten, dennoch mit einem gewissen Understatement produzierten Arrangements, die mir gefielen. Ebenso die eingängigen, fesselnden und den Hörer (also mich) in tiefster Seele berührenden Melodien und Texte. „With You“ war (und ist!) wie Seelenbalsam. Wenn man sich fallen lassen möchte, dann ist Natalie Walkers extra geschmeidige Mischung aus handgemachten Balladen (garniert mit elektronischen Versatzstücken) und an TripHop erinnernden Uptempo-Nummern das idealste Netz zum Auffangen, das man sich wünschen kann. Und dann noch dazu die angenehme Stimme von Frau Walker, die sich förmlich in die Gehörgänge des Hörers schmiegt. Nun, die Rezeptur, mit der Natalie Walker ihre Hörer verwöhnt, funktioniert auch 2011 noch, hat sie sich doch schließlich auch nur wenig verändert.

Auffällig an „Spark“ ist, dass im Vergleich zum letzten Album der Electro-Anteil sowie das Tempo relativ deutlich gedrosselt wurde. Liest sich möglicherweise dramatischer als es ist, denn auch „With You“ war unterm Strich kein Album, das mit dem Durchschnittstempo von 08/15-Popalben heutiger Zeit konkurrieren konnte. Und das ist auch gut so. Überproduzierte, auf maximalen Erfolg getrimmte Alben hat die Musikwelt schließlich genug. Auf „Spark“ dominieren die ruhigeren Töne. Zwar gibt es Tracks wie das extrafeine „Cool Kids„, das es tatsächlich in den ein oder anderen Club geschafft hat, wirkliche Tanznummern klingen dennoch anders.

Nein, es sind die leisen Zwischentöne, die hier das Bild bestimmen – oder eben den Ton angeben. Auch inhaltlich. Irgendwo zwischen Coming-Of-Age, dem klassischen Liebeslied und sogar manchmal religiös angehaucht rangieren die Texte aus der Feder Natalie Walkers, die dem Hörer ein ums andere Mal vermitteln: ich bin eine von euch. Ich verstehe, wie es euch geht, was euch bewegt.

Beispiel gefällig? Bidde:

I put on my shorts
And my tie-dyed t-shirt
A six pack and cigarettes
And my best friend on the roof deck
The distant church bells ring
We catch a buzz and start to sing

I’m looking for God
In this bottle filled with booze
I’m searching for God
On a Sunday afternoon

Oder auch:

Have you sailed around the world?
Did you know what you were floating toward?
The ocean never knew your name
Underneath the blue we’re all the same

There is only one of you
There is only one today
Don’t we see that we can shine so brightly?
So why are we still so afraid?

Es ist diese Normalität, diese Bodenständigkeit in den Texten, die begeistert. Sie vermitteln ein wunderbares Gefühl von „Hey, da ist genauso ein kleines Licht wie ich, unterwegs auf der holprigen Straße des Lebens und versteht mich„. Oder, wie ich es 2009 formuliert habe: […] ist es fast so, als blickte sie mit ihren stahlblauen Augen direkt in die Seele des modernen Großstadtmenschen, der auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft, vor allem aber im Leben mit all seinen Facetten ist.

An der Aussage der letzten Natalie Walker-Review hat sich nichts geändert, noch immer sind es Songs, die aufgrund von melodiöser, tiefenentspannter Ausgestaltung unter die Haut gehen und das Herz erwärmen. Wer sich ebenfalls von Frau Walker durch gedankenschwangere Nächte bringen oder nur ins eigene Kopfkino entführen lassen möchte, muss derzeit allerdings auf Downloadshops wie iTunes oder Amazon zurückgreifen. Oder sich über mühselige Umwege die CD aus den Staaten importieren. Vielleicht wird ja auch noch mal ein deutsches Label auf diese Lichtgestalt aufmerksam. Hoffen kann man ja noch. Der einzige, leise Kritikpunkt, der hier geäußert werden muss, ist folgender: mit gerade mal 8 Songs ist „Sparks“ doch etwas kurz ausgefallen…


2009 habe ich es noch bedauert, dass ich zu spät auf Natalie Walkers letztes Album „With You“ aufmerksam geworden bin um es noch in meine Liste der Top-Alben des Jahres mit aufnehmen zu können. Das wird sich in diesem Jahr ändern, schließlich bin ich hier von Anfang an dabei. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: „Spark“ ist eines der schönsten und (ent-)spannendsten Alben dieses Jahres und hat sich einen Platz in meiner Top 10 der Jahresendauswertung gesichert! Ich hoffe, Ihr kauft dieses Album alle fleissig, damit Natalie Walker über den Geheimtippstatus hinaus kommt. Verdient hätte sie es allemal! Und auch hier schließe ich, wie 2009, mit den Worten: ich liebe es!


Natalie Walker - Spark


INHALT / KONZEPT.7.5
TEXTE.8
GESANG.8.5
PRODUKTION.7.9
UMFANG.6.5
GESAMTEINDRUCK.8.1
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Wunderbar entspannt und entspannend
Pop-Musik kann so gut sein, auch und gerade wenn sie einfach gehalten ist
Natalie Walkers Stimme hat nichts an Faszination eingebüßt
NEGATIV.
Leider in Deutschland nur über Umwege erhältlich
8 Songs ist bisschen zu wenig für ein Album
7.8
PUNKTE.
FAZIT.
2009 habe ich es noch bedauert, dass ich zu spät auf Natalie Walkers letztes Album "With You" aufmerksam geworden bin um es noch in meine Liste der Top-Alben des Jahres mit aufnehmen zu können. Das wird sich in diesem Jahr ändern, schließlich bin ich hier von Anfang an dabei. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: "Spark" ist eines der schönsten und (ent-)spannendsten Alben dieses Jahres und hat sich einen Platz in meiner Top 10 der Jahresendauswertung gesichert!

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