Foto: Janina Laszlo / Sony Music

RESAID – Acoustic Adventures

Wer sich mit Musik beschäftigt und nicht nur stumpf das konsumiert, was via Radio, Musikfernsehen (gibt es das eigentlich noch?), Charts und Massenmedien vorgesetzt wird, entwickelt früher oder später eine Vorliebe für bestimmte Genres und/oder Jahrzehnte. Ich zum Beispiel bin ein großer Fan der 80er Jahre des letzten Jahrtausends. Hach, was wurde damals doch tolle Musik gemacht. Und irgendwie war so vieles ja auch noch Neuland. Bei den 90ern sieht es ähnlich aus. Techno und Dancefloor wurde zu einer ganz großen Nummer. Ace Of Base, Whigfield, Snap – es gab unzählige Bands, Künstler und Projekte, die Songs schufen, zu denen es sich auch heute noch ganz wunderbar feiern lässt. So mancher „Klassiker“ von anno dazumal wird in regelmäßigen Abständen neu aufgelegt, um mit dem im Prinzip gleichen alten Kram dem musikalischen Zeitgeist zu entsprechen und noch ein paar Taler zusätzlich zu verdienen. Es gibt aber auch andere Wege. Man muss z.B. „Rhythm Is A Dancer“ nicht mit Dubstep versehen, um diesem Song neue Seiten abgewinnen zu können. Wie es anders geht, zeigen die Mädels von RESAID mit ihrem Debütalbum „Acoustic Adventures“. Die geballte Ladung 90er – aber erfrischend anders, als gewohnt und vermutet.

Resaid besteht aus den beiden Damen Tamy und Leo. Zwei Junge Frauen, gerade mal Anfang 20. Mit anderen Worten: als einige Songs, die sie hier neu interpretieren, aktuell waren, hatten die Damen gerade erst das Licht der Welt erblickt. Ich fühle mich gerade so alt, wenn junge Leute die 90er und die ganz frühen 2000er „nacharbeiten“ und den Dancefloor-Kram von damals als Klassiker betrachten, während unsereins damals mittendrin und stets dabei war. Aber so wird es wohl jeder Generation gehen, schätze ich.

Ich weiß noch: eine der ersten CDs, die ich mir damals selbst von meinem Taschengeld kaufte, war die Maxi-CD von „All That She Wants“. Diesen Klassiker von Ace of Base kennt Ihr bestimmt alle. Und genau dieser Song eröffnet die akustischen Abenteuer von Leo und Tamy. Ein angenehmes Gefühl der Überraschung macht sich breit, wenn die ersten, sehr gitarrengeschwängerten Töne aus den Boxen schallen. So ganz und gar nicht elektronisch, dafür wunderbar erdig, akustisch und handgemacht. Wie anders ein Song doch wirken kann, wenn man ihn seines elektronisches, künstlichen Korsetts entledigt und dafür in ein lockeres, luftiges und mit echten Instrumenten eingespielten Gewand steckt! Und so zieht es sich über elf Songs wie ein roter Faden durch das Album. Ob nun „Toca’s Miracle“ von Fragma aus dem Jahr 1998, SylversTurn The Tide“ (2000), „Rhythm Is A Dancer“ von Snap! (1992) oder „Saturday Night“ von Whigfield (1994) – angenehme Aha-Momente gibt es auf „Acoustic Adventures“ einige. Bei der Auswahl der Dancefloor- bzw. Eurodance Klassiker bewiesen die Damen ein sicheres Gespür. „Acoustic Adventures“ lässt sich problemlos von Anfang bis Ende konsumieren, ohne dass ein einziges Mal der Einsatz der Skip-Taste nötig wäre. Selbst das totgedudelte „What Is Love“ von Haddaway erstrahlt in neuem, unverhofften Glanz. Die sehr satte, fein austarierte Produktion trägt ein übriges zu einem überwiegend guten Gesamteindruck bei. Ob sich die Damen selbst an das Umarrangieren der Songs machten und einige Instrumente einspielten oder schlicht und ergreifend wie so oft die richtigen Produzenten und Macher im Hintergrund zur Hand hatten – keine Ahnung. Das Ergebnis kann sich hören lassen und das ist es letztlich, was zählt.

Warum dann also nur ein überwiegend positiver Eindruck? Nun, weil eine Sammlung von Coverversionen, sei sie noch so gut, stets und immer ein Geschmäckle hinterlässt. Sonderlich kreativ ist es schließlich nicht, etwas nachzuträllern, in das vorher schon mal jemand Herzblut und Hirnschmalz investiert hat. Andererseits: bei der Auswahl der Songs darf auch hinterfragt werden, ob die einstigen Originalinterpreten nicht auch nur vor das Mikro gestellt worden sind und sich quasi in ein gemachtes Nest gesetzt haben. Darüber hinaus: wenn man Resaid nicht als Hintergrundbeschallung laufen lässt – was sich hier mehr als anbietet und zur Abwechslung mal ohne negativen Beiklang verstanden werden möchte – dann fallen stimmlich doch ein paar Schwächen auf. In einigen Momenten klingt der Gesang flach und dünn. Sicherlich: man hat schon deutlich schlimmeres gehört, ganz große Jubelstürme sind damit aber eben nicht drin.


Höm… ich habe ja immer ein bisschen Bauchschmerzen, wenn junge Künstler ihre Karriere mit Coverversionen beginnen. Wenn sie als Cover- bzw. Tribute Band an den Start gehen und sich durch Bars und Clubs spielen, ok. Dann können sie vielleicht schon mal handwerklich überzeugen, während sie nach einem fähigen Songwriter suchen. Aber zum Start ein ganzes Album voller Coverversionen, noch dazu von mitunter ziemlich fragwürdigen Dancefloor/Eurodance „Klassikern“ aus den 90ern? Das macht es nicht gerade besser. Die beiden Mädels von Resaid haben sich aber nun einmal für diesen Weg entschieden. Ich kann nicht beurteilen, ob die Damen die Arrangements selbst vorgenommen und somit zumindest handwerkliche Finesse bewiesen haben, oder ob es sich hier einmal mehr um ein potentielles One-Hit-Wonder handelt, das ehemalige One-Hit-Wonder covert. Dennoch: abgesehen davon, dass es stimmlich in wenigen Momenten eine Spur zuuu dünn ist, kann man mit den „Acoustic Adventures“ von Resaid durchaus Spaß haben. Was einst mit möglichst viel Utz-Utz versehen wurde, funktioniert als akustische Neuauflauge erstaunlich gut. Wer auf der Suche nach Mucke ist, die beispielsweise bei einer Grillparty im Hintergrund dudeln kann, ohne störend aufzufallen aber dennoch für ein angenehmes „Moment mal, das kenn ich doch“-Gefühl sorgt, wird hier gut bedient. Für ein eventuelles zweites Album wünsche ich mir jedoch mehr eigene Ideen, als 90er Songs in ein Gewand voller Lagefeuerromantik zu stecken.


Resaid-Acoustic-Adventures-Albumcover-2014_album_cover


INHALT / KONZEPT.5
TEXTE.5
GESANG.6.5
PRODUKTION.7
UMFANG.7
GESAMTEINDRUCK.6.5
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Die Umwandlung von Dancefloor-Klassikern der 1990er Jahre in Akustik-Songs hat gut funktioniert
NEGATIV.
Es ist eben nur ein Album voller Cover-Songs
6.2
PUNKTE.
FAZIT.
Höm… ich habe ja immer ein bisschen Bauchschmerzen, wenn junge Künstler ihre Karriere mit Coverversionen beginnen. Wenn sie als Cover- bzw. Tribute Band an den Start gehen und sich durch Bars und Clubs spielen, ok. Dann können sie vielleicht schon mal handwerklich überzeugen, während sie nach einem fähigen Songwriter suchen. Aber zum Start ein ganzes Album voller Coverversionen, noch dazu von mitunter ziemlich fragwürdigen Dancefloor/Eurodance „Klassikern“ aus den 90ern? Das macht es nicht gerade besser. Die beiden Mädels von Resaid haben sich aber nun einmal für diesen Weg entschieden. Ich kann nicht beurteilen, ob die Damen die Arrangements selbst vorgenommen und somit zumindest handwerkliche Finesse bewiesen haben, oder ob es sich hier einmal mehr um ein potentielles One-Hit-Wonder handelt, das ehemalige One-Hit-Wonder covert. Dennoch: abgesehen davon, dass es stimmlich in wenigen Momenten eine Spur zuuu dünn ist, kann man mit den „Acoustic Adventures“ von Resaid durchaus Spaß haben. Was einst mit möglichst viel Utz-Utz versehen wurde, funktioniert als akustische Neuauflauge erstaunlich gut.