Foto: Universal Music

ROBBIE WILLIAMS – Swings Both Ways

Zuletzt aktualisiert:

Vor ziemlich genau einem Jahr griff ROBBIE WILLIAMS noch nach der Krone. Hat noch nicht ganz geklappt, zum König der Popmusik wird nach wie vor stets ein anderer gekührt. Macht nüscht. Robbie hat sich in der Zwischenzeit einmal mehr einer Musikrichtung gewidmet, in der er möglicherweise besser aufgehoben ist, als im schnöden Pop. Nur ein Jahr nach „Take The Crown“ erscheint in diesen Tagen mit „Swing Both Ways“ sein neues Album. So viel darf ich Euch an dieser Stelle schon verraten: ganz gleich, ob man darauf gewartet hat oder nicht, diese Platte macht Spaß!

Schon interessant: sein erfolgreichstes Album überhaupt ist in einem Genre zuhause, in das Robbie Williams bis dato nur einen einzigen Ausflug unternommen hat: Swing. 2001 überkam es ihn zum ersten Mal und er veröffentlichte „Swing When You’re Winning“. Williams interpretierte hier Swing-Klassiker, die anno dunnemals bereits von Frank Sinatra, Samy Davis Junior oder Dean Martin vorgetragen wurden. Sogar ein Duett mit Schauspielerin Nicole Kidman fand sich auf dem Werk. „Something Stupid“, im Orginal ein Duett von Frank mit Tochter Nancy Sinatra. „Swing When You’re Winning“ wurde insgesamt sieben Mal mit Platin ausgezeichnet. Irgendwie ist es da nur naheliegend und konsequent, noch einmal auf dieser sensationellen Welle des Erfolges reiten zu wollen. Auch wenn das nach Williams eigener Aussage nicht die hauptsächliche Intention war: „Um das gleich mal loszuwerden, ich wollte ein Swing-Album aufnehmen, weil ich nun mal ein Swing-Album aufnehmen wollte! Mir war immer klar, dass ich irgendwann noch eins machen würde, und der Zeitpunkt schien mir jetzt einfach perfekt zu sein: Ich habe Spaß am Showbusiness, ich hab Spaß am Leben, und ich habe das Gefühl, dass ich an einem Punkt stehe, an dem keine Albumveröffentlichung von mir ohne einen dazugehörigen Event auskommt“, sagt er. Und weiter: „Dieses neue Album soll eine Verneigung, ein liebevoller Blick auf eine Ära sein, an der ich leider nicht teilnehmen konnte, weil ich einfach noch nicht auf der Welt war. Wäre ich aber gerne gewesen, und ich fühle mich sehr stark mit dieser Zeit verbunden“. Aus persönlicher Sicht kann ich das bestens nachvollziehen. Diverse Sinatra– und Rat-Pack-Silberlinge stehen hier in meiner Sammlung herum. Zwar war früher nicht alles besser, die damalige Vorstellung von Populärmusik möglicherweise aber schon. Da wurde meines Erachtens noch mit sehr viel mehr Herzblut (oh und musikalischem Können!) an die Arbeit gegangen, als es heute viel zu oft der Fall ist. Daher punktet Robbie Williams alleine schon für den Versuch, den Sound einer Zeit wieder salonfähig zu machen, in der Ladies noch Ladies und Gentlemen noch Gentlemen waren. Und mit (Big-)Band gleich bis zu 17 Musiker gemeint waren. Entsprechend voluminöser Sound inklusive.

Der einfachste Weg für Robbie Williams wäre wohl gewesen, einmal mehr nur irgendwelche Klassiker neu aufzunehmen, das Ganze auf einen Silberling pressen zu lassen und abzuwarten, wie die Kasse süßer nie klingelt. Schließlich ist die Scheibe schon vor Veröffentlichung auf Platz 1 der Amazon Musikcharts. So einfach hat es sich der 39-jährige sehr zu unserem Glück allerdings nicht gemacht. Sicherlich, es sind hier auch wieder einige Klassiker zu finden. Interessanter ist aber, dass sich Williams wieder mit seinem früheren Partner Guy Chambers zusammengetan und mit diesem zusammen diverse neue Songs geschrieben hat. Chambers fungierte hier übrigens auch erstmals wieder als Produzent. Hoffen wir, dass die beiden Kasperköppe inzwischen begriffen haben, dass sie zusammen immer noch am besten funktionieren. Um die Spannung zu erhöhen, lud sich Williams diverse Gastmusiker ein, um mit ihnen ein Duett aufzunehmen. Das hat bei „Swing When Your Winning“ mit der Kidman schon prima funktioniert, das funktioniert hier bei „Swing Both Ways“ noch besser. Diesbezüglich noch einmal Robbie Williams: „Anfangs lautete mein Plan noch, ganz ähnlich wie beim letzten Mal vorzugehen, aber dann wurde mir klar, dass ich doch lieber etwas anderes machen wollte. Auf jeden Fall ist das neue Album anders, schon deshalb, weil es nicht durchweg aus Coverversionen besteht. Ich hatte ein paar Songs geschrieben, die ich mit den Menschen teilen wollte, und wenn ich Glück habe, begleiten diese Songs die Leute ja eine Weile und werden ein Teil ihres Lebens. Insgesamt ist es also beides: ganz ähnlich wie das letzte Album dieser Art, und doch vollkommen anders – und hoffentlich gelingt es mir, die ganze Welt damit zu umgarnen!

Mit Lichtgestalt Lily Allen (ja, genau die Dame, die damals dieses beherzte „Fuck You“ ins Mikro trällerte) beispielsweise sang er den ewigen Klassiker „Dream A Little Dream Of Me“ ein, der wohl in der Version der The Mamas and the Papas seine bisher größte Berühmtheit erlangt haben dürfte. Lily Allen: „‘Dream A Little Dream’ zählt zu meinen absoluten Lieblingsliedern, und deshalb habe ich auch keine Sekunde gezögert, als Robbie mich auf dieses Duett ansprach. Während der Aufnahme war ich dann schon ein wenig nervös, besonders als ich ihn fragte, was er für meinen Part genau im Sinn hatte – und er darauf etwas wie ‘sei einfach nur du selbst’ antwortete. Aber ich bin wirklich happy mit dem Resultat, und ich glaube, dass wir diesem Klassiker mit unserer Version absolut gerecht werden“. Der Song wurde ursprünglich 1931 von Ozzie Nelson aufgenommen und seitdem unzählige Male neu interpretiert. Darunter neben den genannten Müttern und Vätern auch von Dean Martin, Ella Fitzgerald und Louis Armstrong. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer erneuten Coverversion ist daher nicht ganz unberechtigt. Doch die Stimmen von Williams und Allen harmonieren so wunderbar zusammen, dass man sich unweigerlich fragt: Kinners, warum trällert ihr eigentlich nicht öfter zusammen?! Ziemlich fetzig und klar eines der Highlights dieser Platte.

Darüber hinaus arbeite Williams auch mit Kelly Clarkson („Little Green Apples“), Michael Bublé (beim in die Beine gehenden „Soda Pop“ – hey, wo sind die Damen, die man hierzu über die Tanzfläche führen kann?), Rufus Wainwright (beim augenzwinkernden „Swings Both Ways“) und Olly Murs („I Wan’na Be Like You“, schubidubidubiduuuu) zusammen. Die überlieferten, gegenseitigen Euphoriebekundungen (wer hat da Speichelleckereien gesagt?) erspare ich Euch an dieser Stelle. Lasst Euch gesagt sein, dass sämtliche beteiligten Musiker ganz angetan davon waren, Teil dieses Albums geworden zu sein. „Swings Both Ways“ sagt übrigens einiges mehr über die musikalische Ausrichtung aus, als beim flüchtigen Lesen des Titels angenommen werden kann. Gerade die eigenen Songs wirken, aller Ausflüge in Big-Band-Sounds zum Trotz, wie klassischer Kuschelpop aus dem Hause Williams. Es schwingt eben in beide Richtungen. Ein kleines Selbstzitat gestattet sich Robbie übrigens auch: „Swing Supreme“ hörten wir zuletzt in anderer musikalischer Ausgestaltung auf dem 2000er Album „Sing When You’re Winning“. Unbestreitbar immer noch eine seiner besten Nummern als Solokünstler. Zum Finale des Albums, „No One Likes A Fat Pop Star“, wird es sogar musikalhaft! Nicht, dass das etwa schon ein Fingerzeig in musikalische Gefilde ist, in die es Herrn Williams als nächstes verschlägt? Wir werden sehen. Dieses Swing-Gewand steht ihm jedenfalls auch 12 Jahre später noch ganz ausgezeichnet und ist so viel besser, als viele seiner vorherigen Platten. So lebendig wie hier waren die 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts schon lange nicht mehr. Macht Ihr, was Ihr wollt – ich brauche jetzt einen neuen Anzug, einen breitkrempigen Hut und vor allem Schuhe mit Gamaschen.


Die Begeisterung von Herrn Williams für Swing kann ich gut nachvollziehen. Es geht eben nichts über den fröhlich schwingenden, mächtigen, Raum einnehmenden Sound einer Big Band. Dazu einen Interpreten, stimmlich so gesegnet wie Robbie, ein paar brauchbare Duettpartner sowie eine schicke, zumal aufwendige Produktion und fertig ist eine gute-Laune-Scheibe als wunderbares Kontrastprogramm zu trüben Novembertagen. Dass hier spielend der Spagat aus Swing- und herkömmlicher Robbie-Williams-Pop-Platte geschafft wird, kommt als Bonus oben drauf. Die Beteiligten hatten hörbar Spaß. Und wer ohne Scheuklappen durchs Leben läuft, kann mit „Swing Both Ways“ ebenfalls viel Spaß haben. Möglicherweise käme ein Abnutzungseffekt hinzu, würde Williams öfter Alben in diesem Stil veröffentlichen. Dennoch hoffe ich, dass bis zur nächsten Swing-Platte nicht wieder 12 Jahre vergehen.


Robbie Williams - Swings Both Ways


INHALT / KONZEPT.7.5
TEXTE.8
GESANG.9
PRODUKTION.8.5
UMFANG.8
GESAMTEINDRUCK.8.5
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Fetzige Interpretationen von Klassikern, neue Stücke und spannende Duette inklusive
8.3
PUNKTE.
FAZIT.
Die Begeisterung von Herrn Williams für Swing kann ich gut nachvollziehen. Es geht eben nichts über den fröhlich schwingenden, mächtigen, Raum einnehmenden Sound einer Big Band. Dazu einen Interpreten, stimmlich so gesegnet wie Robbie, ein paar brauchbare Duettpartner sowie eine schicke, zumal aufwendige Produktion und fertig ist eine gute-Laune-Scheibe als wunderbares Kontrastprogramm zu trüben Novembertagen. Dass hier spielend der Spagat aus Swing- und herkömmlicher Robbie-Williams-Pop-Platte geschafft wird, kommt als Bonus oben drauf.

NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
WEITERE STORY.
STEREOWERK: Die Veranstaltungen im Juni 2015