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KONZERTBERICHT: Seabound & Iris, 13.04.2014 Meier Music Hall Braunschweig

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Stimmt schon: so ein Sonntagabend ist meist ein eher ungünstiger Zeitpunkt für ein Konzert. Eventuell war das restliche Wochenende vorher schon ereignisreich und demzufolge an den Kräften zehrend, zudem zeichnet sich am Horizont schon diese unnütze Erfindung namens Montag ab. Wenn allerdings unsere Namensgeber SEABOUND zum Konzert laden, dann ist es zumindest uns extrem egal, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit sie sich angekündigt haben. Wenn sie noch dazu nach Jaaahren der Abwesenheit in der Löwenstadt endlich wieder in unserem Wohnzimmer, der Braunschweiger Meier Music Hall, zu sehen sind, dann konnte das Motto einfach nur lauten: da simmer dabei, dat wird primaaaaa! Jo, und das war es auch. Herrschaften, es folgen ein paar Eindrücke des Konzerts vom 13. April 2014.

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Iris Frontmann Reagan Jones. In-Ear-Kopfhörer kann ja jeder. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Es gab durchaus ein paar (wenige) Unkenrufe als bekannt wurde, dass das Konzert von Seabound dieses Mal nicht in der Main Hall des Meiers stattfinden würde, sondern im deutlich kleineren Café. Zwar hatten wir schon unzählige Male dort das Tanzbein geschwungen, ein Konzert bis dato aber noch nie gesehen. Konnte das funktionieren? Wie sich im Verlaufe des Abends zeigte, war es eine sehr richtige Entscheidung, das Spektakel in diesem kleineren, schlauchartigen Raum zu veranstalten. Die Atmosphäre war deutlich intimer, die Gäste viel, viel näher dran am Geschehen. Das mag einer der Gründe für die durchweg gute Stimmung dieses Abends gewesen sein. Zwar war die Bühne winzig, dennoch: der Sound war tatsächlich ziemlich gut und auch wenn der Bewegungsspielraum für die Akteuere eingeschränkt war – selbst für den Laser, der bei Seabound-Shows einfach dazu gehört, war Platz. Ebenso für eine Leinwand für Videoprojektionen. Auf der großen Bühne hätten die beiden Konzerte dieses Abends nicht einmal ansatzweise so intensiv gewirkt, davon sind wir felsenfest überzeugt.

Andrew Sega. Gitarre, Keyboard - alles gar kein Problem, das während eines Konzerts zu meistern.
Andrew Sega. Gitarre, Keyboard – alles gar kein Problem, das während eines Konzerts zu meistern. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wir erreichten unser Wohnzimmer kurz vor 19 Uhr. Da sich die restlichen Gäste zunächst noch in ihren Autos aufhielten, vom Personal am Eingang ebenfalls nichts zu sehen war, beschlossen wir, einfach schon mal hinein zu gehen. Zwar war man auf unseren Einfall noch nicht ganz vorbereitet, dennoch dauerte es keine fünf Minuten, bis wir uns im Inneren der heiligen Hallen befanden und in Richtung Merchandise Stand stürmten. Schließlich gab es dort unter anderem die angekündigte, auf 1000 Stück limitierte Tour-EP „Radiant Turbulence“ käuflich zu erwerben. Ihr versteht sicher, dass wir dieses Schmuckstück einfach eintüten mussten, oder? Anschließend blieb noch etwas Zeit, ein paar Bier zu organisieren und Leute zu begrüßen, die wir teilweise schon sehr lange nicht mehr gesehen hatten – und wir sind echt oft im Wohnzimmer unterwegs. Schön, dass Seabound nicht nur uns an einem Sonntag hinterm Ofen hervor locken konnten. Reagan Jones, der Sänger der Supportband Iris, saß ebenfalls mit an der Theke herum und unterhielt sich mit den Gästen. Auch Martin Vorbrodt, den Musikus von Seabound, trafen wir dort. Hach, dieses entspannte Miteinander an diesem Abend – toll! Kurz vor 19.30 Uhr wurde die Tür zum Café geöffnet und die versammelte Meute stürmte hinein. Die Bude war nicht ausverkauft – leider! – dennoch gut gefüllt. Es wird wohl somit jeder einen anständigen Platz für den Konzertgenuss und eventuelles Getanze gefunden haben. Kurz nach halb 8 marschierten Andrew Sega, Reagon Jones und ihre Live-Musiker auf die Bühne, um mit „Another Live“ ihr aus insgesamt 12 Songs bestehendes Set zu eröffnen. Wir sagen zwar immer, dass Braunschweig durchaus ein schwieriges Pflaster für Musiker sein kann, um das Publikum in Verzückung und/oder Bewegung zu versetzen. Iris jedoch hatten ganz offensichtlich keine Schwierigkeiten damit, die anwesenden Gäste für sich zu begeistern. „Red Right Return“, „The Marianas Depths“ oder „New Invaders“ – um nur einige Songs zu nennen, die für manches Lächeln sorgten. Es machte einfach Spaß, das Trio auf der kleinen Bühne dabei zu beobachten, wie sie zunächst ziemlich cool, ja beinahe betont lässig und entspannt, später jedoch energisch ihr Programm spielten. Die Resonanz des Publikums wird wohl einiges dazu beigetragen haben, dass das Trio mit Verlauf des Konzerts die aufgewendete Energie steigerte. Doch doch, als Einheizer haben Iris einen richtig guten Job gemacht. Wir kamen nicht umhin festzustellen, dass Iris deutlich zu selten auf deutschen Bühnen unterwegs sind. Wer hier Parallelen zu Seabound findet, kann sie behalten.

Frank M. Spinath.
Frank M. Spinath. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Nachdem Iris anschließend an das finale „Panic Rev“ die Bühne verlassen hatten, blieb uns ein bisschen Zeit, uns mit neuen Getränken zu versorgen und ganz aufgeregt schnatternd das eben gesehene Konzert für gut zu befinden. Wir waren gerade damit beschäftigt, auf diesen schönen Abend anzustoßen, als hinter uns Martin Vorbrodt und Frank Spinath, die Herren Seabound also, auftauchten. Logisch, dass wir diese günstige Gelegenheit dazu nutzten, ein paar Fotos zu machen und ein paar Worte zu wechseln. Viel Zeit dafür blieb jedoch nicht. Natürlich nicht, Seabound waren ja schließlich nicht zum Quatschen gekommen. Drum dauerte es auch nicht lange, bis die Herren in Begleitung ihres Drummers Daniel die Bühne betraten und mit „For Life“ ihren Auftritt einleiteten. Wie schon auf dem aktuellen Album „Speak In Storms“ diente dieser Opener als Übung zu Warmwerden, ehe Seabound ein echtes Gewitter aus Spielfreude und energischer Performance entfachten! Bereits nach dem dritten Song, „For Another Life“, waren wir komplett durchgeschwitzt. Seabound wollten spielen, das Publikum wollte feiern – es passte also alles perfekt zusammen. Nach all den Jahren, all den unzähligen Konzerten, die wir im Meier sehen durften können wir nur festhalten: wir haben es echt selten erlebt, dass Band und Publikum sich derart perfekt aufeinander einstimmten und eine sensationelle Party entfachten!

Da wir es hier mit der Tour zum aktuellen Album zu tun hatten, bestand ein großer Teil der Setlist natürlich aus Songs desselben. „For Another Day“ fehlte hier genauso wenig wie „Contraband“, das missverstandene „Everything“ oder das dezent zynische „Nothing But Love“. Wem das aktuelle Album eine Spur zu schwer ist und sich fragt, ob die Songs live funktionieren – lasst Euch gesagt sein: jopp, tun sie. Einige unserer Begleiter an diesem Abend hatten das Album vorher noch nicht gehört, waren aber nicht zuletzt der tollen Darbietung wegen danach Feuer und Flamme. Auch diverse Songs aus dem Debütalbum „No Sleep Demon“ fanden ihren Weg ins Set. So zum Beispiel „Exorcize“, das dem ebenfalls anwesenden Ecki Stieg gewidmeten „Avalost“ oder die letzte Zugabe „Hooked“. Von den Alben „Beyond Flatline“ und „Double-Crosser“ waren vergleichsweise wenig Songs zu hören, dafür war aber der Übersong „Watching Over You“ Teil des Sets. Sehr schön! Kein Seabound-Konzert wäre komplett ohne den bereits erwähnten Laser. Zum Glück ist es gelungen, auch diesen noch auf der Bühne zu drapieren, sodass die typische Lichtshow in Braunschweig nicht fehlte. Dieses Mal nicht nur in grün, sondern in so ziemlich allen Farben des Regenbogens. Vor allem aber in grün. Für uns das Tüpfelchen auf dem i.

Seabound. Watching Over You.
Seabound. Watching Over You. / Foto: Nicole Bringer / nicolebringer.com

Zwischendurch fand Frank auch die Zeit, ein paar Worte zur „Radiant Turbulence“-EP zu verlieren. Bei zweien der Songs dieses Silberlings handelt es sich um Demos, deren Musik noch original von anno dunnemals entstammt, deren Text Frank aber neu eingesungen hatte. Demos, die sie seinerzeit an Dependent, ihr Haus- und Hoflabel, geschickt hatten – und die Dependent-Boss Stefan Herwig damals ablehnte. Begleitet mit den Worten, dass sie so weitermachen sollen, dann würde es schon was werden. Wir sind extrem froh, dass das aus Seabound und Dependent letztlich doch noch was geworden ist. Die Musikwelt wäre ohne Seabound deutlich ärmer. Interessant war übrigens auch die Anekdote, warum sie in ihren frühen Tagen New Orders „Confusion“ spielten. Hintergrund: der schlichte Mangel an eigenem Material. Es folgte die Ankündigung, „Confusion“ nie, nie, nie wieder zu spielen. Mit Wortmeldungen dieser Art brachte Frank den Gästen und Fans das Seabound-Universum wieder ein kleines Stückchen näher.

Die Band hatte sichtlich Spaß - das Publik erst recht!
Die Band hatte sichtlich Spaß – das Publikum erst recht! / Foto: Nicole Bringer / nicolebringer.com

Hach ja: zwei extrem spielfreudige Bands, ein Publikum, das genauso Lust darauf hatte, Spaß zu haben wie die Akteure auf und hinter der Bühne – die Chemie passte einfach vorne und hinten. Nachdem die Lichter angingen, konnten wir ringsherum glückliche Gesichter sehen. Mitunter schnappten wir Kommentare auf wie „Junge, war das gut!“, „ich könnte gerade nicht glücklicher sein“ oder „mir müsste man das Grinsen jetzt aus dem Gesicht schlagen“ – wer die Reise nach Braunschweig an diesem Sonntagabend angetreten hat wird bestätigen können, hier einem nahezu magischen Erlebnis beigewohnt zu haben! Man hört es auf Konzerten immer wieder: stets sind die anwesenden Gäste das beste Publikum überhaupt und sowieso sei an diesem Abend ja alles so viel tollererererer als sonst. Sicherlich: als Gast freut man sich über diese kleinen Gesten, so richtig daran glauben wird wohl aber nur selten jemand. Als Sprüche dieser Art allerdings gestern über Franks Lippen kamen, waren nicht nur wir dieses Mal nur zu gerne bereit, das zu glauben. Zu deutlich war die Wechselwirkung zwischen Seabounds Spielfreude und der dankbaren, glücklichen Annahme (und entsprechender Würdigung mit permanenter Klatscherei usw.) durch das Publikum.

Leider haben wir keine Möglichkeit, an anderen Konzerten dieser „Speak In Storms“-Tour teilzunehmen. Wir sind uns aber sehr sicher: Braunschweig wird schwer zu toppen sein! Es überkommt uns dabei einmal mehr diese bittere Wehmut, dass wir dieses Ereignis wegen der Schließung unseres Wohnzimmers in 2015 vielleicht niemals wiederholen werden können. Andererseits: Seabound, Iris und all die vielen Helferlein im Hintergrund, allen voran Thorsten von Advanced Music, haben uns einen tollen Konzertabend geschenkt, der sich wohl für immer in unserem Kopp eingebrannt haben dürfte. Dafür vielen Dank!

Frank und Martin, die Helden dieses Abends. Eine mehr als gelungene Rückkehr nach Braunschweig.
Frank und Martin, die Helden dieses Abends. Eine mehr als gelungene Rückkehr nach Braunschweig! / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Nach dem Konzert befanden sich die Helden des Tages übrigens ziemlich schnell am Merchandise Stand. Wer also aufgrund der Tatsache, dass der Sonntagabend schon weit fortgeschritten war, nicht gleich fluchtartig das Gelände verließ, hatte gute Gelegenheit, mit den Jungs von Iris sowie mit Daniel, Martin und Frank ein paar Worte zu schnacken, sich Autogramme auf die jüngst erbeuteten Devotionalien pinseln zu lassen oder mit den Herren ein Foto zu erhaschen. Eine Gelegenheit, von der wir auch Gebrauch machten. Irgendwann kurz vor 23 Uhr wurde es aber auch für uns Zeit, vom Hof zu reiten – hochgradig glücklich!

Abschließend möchten wir uns noch einmal bei Thorsten bedanken, der uns Seabound vielleicht letztmalig nach Hause geholt hat. Bei Seabound und Iris für zwei verdammt geile Konzerte. Bei Stefan Herwig für Seabound und Iris. Bei den fleißigen Helferlein im Hintergrund. Und vor allem bei Euch, die Ihr vor Ort gewesen seid und diesen Abend zu dem gemacht habt, was er war: sensationell! Und @Seabound: die Ansage bezüglich des Einreissens – das haben wir gehört. Wir zählen auf Euch!

Speak In Storms.
Speak In Storms. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Setlist Iris

  • 01. Another Way
  • 02. Closer To Real
  • 03. Red Right Return
  • 04. Cruel Silence
  • 05. Nobody Wins
  • 06. The Marianas Depths
  • 07. Appetite
  • 08. Sight Unseen
  • 09. Don’t Cry
  • 10. New Invaders
  • 11. Imposter
  • 12. Panic Rev

Setlist Seabound

  • 01. For Life
  • 02. Torch
  • 03. For Another Day
  • 04. Exorcize
  • 05. Contraband
  • 06. Avalost
  • 07. Scorch The Ground
  • 08. Everything
  • 09. Poisonous Friend
  • 10. Black Feathers
  • 11. Nothing But Love
  • 12. Watching Over You
  • 13. Hooked

NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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