Foto: Sleeptalk / Artery Records

SLEEPTALK – Sleeptalk

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Formatiert haben sich SLEEPTALK 2013 nach dem Ende der Poppunkgruppe „Like Giants“, deren Mitglieder Sänger/Songwriter Anthony Fitzpatrick und Bassist Paul McGill waren. Die beiden Freunde suchten seither nach einem neuen Sound, den sie nun in Sleeptalk gefunden haben. Vervollständigt wurde die Band durch die Gitarristen Jason Fitzpatrick und Justin Melchor sowie Jacques Harmandjian an den Drums. Nachdem die Jungs die EPs „Young“ und „Pure“ auf den Markt gebracht hatten, wurde das Plattenlabel „Artery Recordings“ auf Sleeptalk aufmerksam und nahm die Band unter Vertrag.

So viel zur Band an sich, werfen wir nun einen Blick auf das Album. Als erster Titel begrüßt uns der Band- sowie Albumtitel „Sleeptalk“.
Der Track ist mehr als ein Intro zu verstehen. Wir hören eine Stimme aus weiter Ferne, die sich nähert, eine E-Gitarre die ebenfalls lauter wird und die Worte „Come on now, I’m ready“. Ein interessanter Einstieg ins Album der zeigt, wie sehr die Jungs dieses Debütalbum auch wirklich wollen.

Der folgende Track „Indio, California“, ist im Poprock-Bereich anzusiedeln. Es geht um das Erwachsenwerden und die ersten Beziehungen, die man führt. Etwas naiv wird ausgedrückt, dass man keine Angst „vor ein bisschen Sonnenschein“ haben sollte. Der Titel ist aufgebaut wie ein typischer „Boygroup-Hit“ und könnte durch seine mainstreamige Aufmachung gut irgendwo im Radio vor sich hindudeln. Ich befürchte, dass ich allein schon aus Altersgründen nicht mehr zu der gewünschten Zielgruppe gehöre, zumindest was diesen Song anbelangt.

Midnight/ 3,2,1“ dagegen, beginnt mit einem elektronischen Intro und klingt gleich viel „erwachsener“. Bei diesem eher langsamen Track geht es inhaltlich um einen Rauschzustand, der musikalisch gut umgesetzt wird. Der Song hätte eventuell etwas abwechslungsreicher gestaltet werden können, gefällt mir aber ansonsten gut.

Als nächstes zeigt uns „Young“, wie tanzbar die Jungs tatsächlich sind. Die ersten Sekunden erinnern an „Tage wie diese“ von den Toten Hosen und der Rhythmus aus dem Intro zieht sich auch konsequent durch den gesamten Song. Thematisch geht es wieder um das Thema Erwachsenwerden und erste Liebe, dementsprechend peppig ist der Song auch aufgemacht. Die Lines sind mir vielleicht ein wenig zu pathetisch („We’re just dying to feel alive“), aber letztlich passt es doch ganz gut zum Thema „Jugend“ und ist daher in sich stimmig. Für mich ist es ein typischer Poprock-Song.

Bright Eyes“ beginnt mit einem ordentlichen Gitarre-/Schlagzeugsolo und setzt sich folgerichtig auch so rockig fort. Musikalisch erinnert mich der Song an Blink 182 und Wheatus, also absolut spaßiger und tanzbarer Rock zum Glücklichsein. Der Song ist relativ kurz und knackig gehalten und gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingssongs von Sleeptalk.

Mit dem Song „Bones“ wird das Album fortgesetzt. Er beginnt mit einem kurzen, elektronischen Intro und schwappt dann rüber in den Poprock. Die Stimmung ist eher bedrückend, es geht um die schwierige Entscheidung bezüglich einer Trennung: Er kann sie noch tief in seinen Knochen spüren und droht an zu ertrinken an den Dingen, die er ihr nie gesagt hat. Atmosphärisch ist dies eins der besten Tracks auf dem Album und findet einen schönen Mittelweg zwischen „pathetisch“ und „poetisch“.

Pure“ ist wohl als kurzes musikalisches Intermezzo in der Mitte des Albums gedacht. Ein Klacken begleitet uns als roter Faden durch das kurze Stück, elektronische Klänge und eine verzerrte Stimme sind zu erkennen.
Hier hebt sich die Band wieder vom Mainstream ab und das Album wird dadurch sehr schön aufgelockert.

Beim nächsten Track „Strange Nights“ wird es wieder philosophisch: Er handelt von kurzen Tagen und langen Nächten und den Augenblicken im Leben, in denen man seinen eigenen Weg hinterfragt und vielleicht auch alles hinschmeißen möchte.
Did I come so far to give it up?“ werden wir von Sänger Fitzptrick gefragt und die Antwort bleibt er uns schuldig. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele persönliche Erfahrungen in diesen Text reingespielt haben, denn gerade in der Musikbranche ist es verdammt schwer Fuß zu fassen und tatsächlich davon auch existieren zu können. Instrumentell ist dieser Song ziemlich abwechslungsreich im Popbereich anzusiedeln, mit ein paar Blues-Elementen und viel E-Gitarre.

February“ dagegen startet ganz gemächlich und führt uns dann wieder in ein softes Teenage-Rock-Stück. Und, wie könnte es anders sein, auch dieses Mal geht es um (unglückliche) Liebe. Auch dieser Song ist durchaus anhörbar, wenn man auf Bands wie Blink 182 oder Wheatus steht.

Thematisch folgerichtig ist der nächste Titel mit dem schönen Namen „Love“. Der Song handelt von einer Beziehung, deren Partner sich auseinander gelebt haben. Der Sänger trauert den alten Zeiten hinterher und wünscht sich sehnsüchtig, seine Partnerin würde wieder so empfinden, wie sie es am Anfang der Beziehung getan hatte. Der Track ist an sich nicht schlecht umgesetzt, bietet aber thematisch wie instrumentell wenig neues.

Der elfte Track „What A Shame“ gehört wieder in den elektronischen Bereich. Wir hören eine Art „himmlischen Chor“ im Hintergrund und die verzerrte Stimme des Protagonisten erzählt uns von seinen Beziehungsproblemen mit dem Ergebnis „Wir sind ohne einander besser dran.“ What a shame! Der Text ist durch die Verzerrung nicht ganz einfach zu verstehen, aber die Art der Umsetzung für dieses kurze Stück (2:07) gefällt mir gut und bringt nochmal mehr Abwechslung auf die Platte.

Der letzte Song „Drift Away“ gehört wieder in das Genre des Elektropop. Wir hören Synthie-Klänge und grooven uns langsam und lasziv ein zum „Dance with the Devil“.

Drift away“ ist ein gelunger Abschlusstrack, der für sich selbst steht und nicht so angepasst und naiv wirkt, wie manch anderer Song auf dem Album. Er führt uns langsam an den Abgrund, berichtet aber auch versöhnlich davon, dass sie wir nicht allein sind.


Mit Sleeptalk hat das Quintett ein interessantes Erstlingswerk geschaffen und die Jungs verdienen es zu Recht, dass man ihnen Gehör verschafft. Allerdings fehlt mir momentan noch die klare Linie in ihrer Musik. Ich bin jederzeit dafür, dass ein Künstler sich ausprobiert und auch mal andere Wege geht – es wäre ja auch langweilig, 12 Mal den gleichen Track auf einem Album zu hören. Aber wenn auf einer einzigen Platte düsterer, monotoner Gesang auf typisch naives Boygroup-Gedudel trifft, sodass man sich fragt, ob schon wieder 1998 ist, empfinde ich das als befremdlich. Vielleicht sollte man den Jungs zugute halten, dass sie selbst in den 20ern sind und daher das Thema „Erwachsenwerden“ noch zu vordergründig präsent ist. Ich hoffe, Sleeptalk wird bald erwachsen und findet seinen Weg im Musikgeschäft. Talent haben sie allemal – das haben sie mit ihrem Debütalbum sicher bewiesen.



Ich bin jederzeit dafür, dass ein Künstler sich ausprobiert und auch mal andere Wege geht - es wäre ja auch langweilig, 12 Mal den gleichen Track auf einem Album zu hören. Aber wenn auf einer einzigen Platte düsterer, monotoner Gesang auf typisch naives Boygroup-Gedudel trifft, sodass man sich fragt, ob schon wieder 1998 ist, empfinde ich das als befremdlich.
INHALT / KONZEPT.7
TEXTE.7
GESANG.6.5
PRODUKTION.7
UMFANG.7
GESAMTEINDRUCK.6
LESERWERTUNG.0 Votes0
NEGATIV.
Wirkt manchmal ziemlich befremdlich, die hier gebotene Mischung
6.8
TOTAL.

NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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