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KONZERTBERICHT: A Night With Rotersand + Sono, 16.01.2015 Meier Music Hall Braunschweig

Der nachfolgende Konzertbericht entstand mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil der Abend rundherum als gelungen bezeichnet werden kann und muss. Weinend, weil es aus bekannten Gründen davon nicht mehr viele geben wird. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Stattdessen soll es uns heute hier um A NIGHT WITH ROTERSAND + SONO gehen, die am Freitag, den 16. Januar 2015 in unserem Wohnzimmer, der Meier Music Hall Braunschweig, stattgefunden hatte. Ursprünglich war die Veranstaltung schon für letztes jahr angedacht. Sie ist jedoch aus Gründen auf den besagten Termin verschoben worden. Auch gut, so konnten Braunschweiger Konzertgänger das neue Jahr gleich mit einem Knüller beginnen. Lasst uns Euch davon berichten.

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Wer sich ähnlich wie wir gegen 19 Uhr auf dem zukünftigen Parkplatz der Volkswagen Financial Services (…!), heute noch unser geliebtes Meier, einfand, bekam zunächst einen überschaubaren Parkplatzfüllstand präsentiert. Zwar wurde es im Verlaufe des Abends noch voller, von einem ausverkauften Haus kann wohl aber leider nicht die Rede gewesen sein. Elektroköppe, wo wart Ihr?! Nun ja. Zumindest konnte so auch in den vorderen Reihen in Ruhe getanzt werden und Rasc von Rotersand hatte später noch genügend Platz für direkten Kontakt mit dem Publikum. Schön auch: es waren Gäste anwesend, die wir zuletzt bei Seabound im April 2014 in gleicher Kulisse begrüßt haben und es fanden tatsächlich Leute den Weg in die heiligen Hallen, die bis dato noch nie im Meier gewesen waren. Besser spät als gar nicht mehr, was?

Nach den üblichen Begrüßungsritualen und der Grundversorgung mit Getränken gingen kurz nach 20 Uhr die Lichter an für SONO. Das Hamburger Trio, bestehend aus Lennart A. Salomon (Gesang, Gitarre), Martin Weiland und Florian Sikorski (beide Keyboards) hatte mit ihrem manchmal ein bisschen minimalistisch anmutendem Electro-Pop das Publikum ganz schnell auf seiner Seite. Ein Blick in die glücklichen Gesichter der ausgelassen tanzenden Gäste in den vorderen Reihen zeigte: ajo, das kommt hier gerade richtig gut an! Zwischendurch erklärte Lennart, dass man es nach ihrem Besuch in der Löwenstadt vor etlichen Jahren (damals noch im Jolly Joker ✝) immer wieder mal probiert habe, zurückzukommen, es aber jedes Mal aus Gründen gescheitert sei. Und nun stehe das Meier kurz vorm Abriss und sie seien hier und brächten die guten Zeiten mit. Yay! Egal ob nun das poppige „Perfect Harmony“, das treibende „Better“ oder das technoide „2000 Guns“ – es schien egal, welchen Song die Hamburger herausholten, das Publikum nahm alles dankbar an. Als Lennart bei „Naked“ sich der Krawatte und der Weste entledigte, gab es dafür Pfiffe vom weiblichen Publikum. So manche Dame schien hier wohl heimlich auf mehr gehofft zu haben. Die im Oktober des letzten Jahres veröffentlichte Single „Supersonic“ fehlte genauso wenig im Set wie der Überflieger „Keep Control“. Angesichts des Umstandes, dass die nachfolgenden Rotersand nicht mehr ganz so viel Bewegung vom Publikum ernteten schlich sich wohl nicht nur bei uns der Eindruck ein, dass so mancher Gast vor allem wegen Sono den Weg ins Wohnzimmer unternommen hatte. Nach einer guten Stunde war das Konzert vorbei. Ein Jammer, dass wir eine Wiederholung in dieser Form wohl nicht mehr bekommen werden.

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Setlist Sono:

  • Intro
  • Flames Get Higher
  • Perfect Harmony
  • A New Cage
  • 2000 Guns
  • All Those City Lights
  • Always Something Missing
  • The Brightest Star
  • Keep Control
  • Supersonic
  • Open the Door
  • Naked
  • What You Do
  • Better

Zugabe:

  • Blame

Nach der Pause ging es anschließend weiter mit den Gelsenkirchener Elektronikern von Rotersand. Zunächst war es Krischan, der sich auf der Bühne hinter den MacBooks einrichtete und schon mal so langsam die „Merging Oceans“ auf das Publikum los ließ. Kurz danach betrat Rasc die Bühne, bewaffnet mit zwei Lichtstrahlern, mit denen er wie mit Lichtschwertern durch das Dunkel des Meier fuchtelte. Dieser Abend war bekanntlich der Abschluss der gemeinsamen Tour mit Sono und da die Herren Rotersand bis auf ein Remix-Album sowie einer neuen Single kein neues Material am Start haben, gestaltete sich das Konzert als eine Art Best-Of-Programm, in dem kein geliebter Klassiker fehlte. Die neue Single „Electric Elephant“ übrigens ebenso wenig. Auch wenn sie es zunächst eilig gehabt zu haben schienen und die ersten Songs übergangslos präsentierten. Bemerkenswert war vor allem, dass Rasc immer wieder die Nähe zum Publikum suchte. Rotersand schienen, genau wie Sono vor ihnen, richtig Bock auf den vor ihn liegenden Abend gehabt zu haben. Zweimal ist Rasc während der Show von der Bühne in die Menge gehüpft und hat quasi mitten unter uns performt. Als Höhepunkt muss „A Strange Kind Of Love“ erwähnt werden, dem Peter Murphy-Klassiker aus 1989, das Rasc in Begleitung einer Akustikklampfe darbot. Vorher erklärte er uns, dass Murphy ja eines seiner großen Idole sei. Das offizielle Set endete mit dem Knaller „War On Error“ vom 2009er Album „Random Is Resistance“. Nachdem Rasc und Krischan die Bühne verlassen hatten und das Publikum vor sich hin applaudierte, kam bei uns kurz das Gefühl auf, das man immer bekommt, wenn sich irgendwo peinliches Schweigen ausbreitet – würde hier noch nach Zugabe gerufen werden? Für einen kurzen Augenblick waren wir uns nicht so sicher, die Gäste wirkten ingesamt beim zweiten Programmpunkt des Abends doch ein wenig müde. Ob das an dem Schatten des nahenden Endes der Meier Music Hall lag, der stets über allem schwebt, was nun noch dort stattfindet? Man weiß es nicht. Aber: die Rufe nach Zugabe kamen erfreulicherweise doch noch. Zumal es sich Rotersand durchaus auch sehr verdient hatten, dass man sie zurück auf die Bühne bittet. Die erste Zugabe war „Undone“, für die man sich Lennart von Sono mit auf die Bühne holte. Abgeschlossen wurde das Konzert mit der zweiten Zugabe „Exterminate Annihilate Destroy“, ebenfalls begleitet von Lennart. Und siehe da, hier war abschließend noch einmal richtig Bewegung im Abschnitt. Na bitte, Braunschweig – geht doch.

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Setlist Rotersand:

  • Intro
  • Merging Oceans
  • Lost
  • Dare To Live
  • Waiting to Be Born
  • Electric Elephant
  • A Strange Kind of Love (Peter Murphy Cover)
  • First Time
  • Almost Violent
  • Bastards Screaming
  • Electronic World Transmission
  • War On Error

Zugabe:

  • Undone (mit Lennart A. Salomon)
  • Exterminate Annihilate Destroy (mit Lennart A. Salomon)

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Nach dem Konzert standen Rotersand und Sono am Merch-Stand noch für Gespräche mit den Gästen oder für gemeinsame Fotos zur Verfügung. In der Anschlussveranstaltung United Underground wurde auf beiden Floors des Meiers noch bis in die frühen Morgenstunden getanzt. Unter anderem Umständen würden wir sagen: das war ein toller Abend mit zwei gelungenen Konzerten und einer prima Aftershowparty, die Bands können gerne wiederkommen. Dass wir uns teilweise mit den Worten „falls wir uns nicht mehr wiedersehen…“ von anderen Gästen verabschiedeten verdeutlicht, dass das wohl nicht mehr passieren wird. Es ist und bleibt ein Jammer!

Dennoch: Danke Sono und Rotersand, danke Thorsten von Advanced Music, dem Team der Meier Music Hall sowie DJ Jeanny für einen schönen Abend, an den wir gerne zurückdenken werden. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge.