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DAVE GAHAN & SOULSAVERS – Angels & Ghosts

SOULSAVERS als musikalisches Projekt ist kein neues. Das war es schon 2012 nicht, als mit „The Light The Dead See“ die erste Zusammenarbeit mit Depeche-Mode-Frontmann DAVE GAHAN erschien. Tatsächlich hatte das Projekt, das der britischen Remix-Kultur entstammt, schon drei Platten am Start, bevor besagte Kollaboration auf den Markt kam. Und damals gingen die Reaktionen ziemlich weit auseinander. Die einen waren ganz angetan davon, den Dave Gahan mal in einem anderem Kontext als nur bei Depeche Mode oder einem seiner seltenen Solo-Ausflüge zu hören. Die anderen hingegen fanden es sterbenslangweilig und schenkten dem Album ganz schnell keine Beachtung mehr. Die Zusammenarbeit des Soulsavers Rich Machin und Dave Gahan war jedoch immerhin so fruchtbar, dass Ende Oktober dieses Jahres mit „Angels & Ghosts“ das zweite Album veröffentlicht wurde. Das wollen wir uns jetzt mal näher anschauen. Vorab sei gesagt: wem die erste Zusammenarbeit schon nicht gefallen hat, der wird wohl am zweiten Album auch nur bedingt Freude haben.

Man nehme: einen Albumtitel, der vergammelte Blumentöpfe für Kreativität und unbedingte Klischeefreiheit gewinnt. Des Weiteren: musikalische, fast schon erdrückende Schwermut, die sich vornehmlich aus Gospel- und Blues-Elementen zusammensetzt. Und dann setze man dem ganzen die Krone auf, indem man Depeche Modes Goldkehlchen Dave Gahan Texte ins Mikrofon leiden lässt bei denen man sich denkt: jo, das hätte ich nun auch noch gekonnt. Light, there’s a light here / And it shines on you / It shines, yeah it shines down / It shines on you. Schon hätte man alle Zutaten zusammen, aus denen Dave Gahan und Rich Machin ihr neues, ihr zweites gemeinsames Album geköchelt haben. Ein schwer verdauliches Menü, das erfreulicherweise nach nur neun Gängen schon vorbei ist. Selten habe ich mich über die Stille gefreut, die den Raum erfüllt, sobald die Rotation der CD im Player gestoppt hat.

Foto: Sony Music
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Zitierte Songzeile oben stammt aus dem Refrain des Eröffnungstracks „Shine“. Also genau genommen ist das der Refrain. Wer nur mal wissen wollte, was das neue Soulsavers-Album so kann, braucht eigentlich nicht mehr weiterhören. Dave, der mit voller Inbrust seine Texte intoniert, ein bisschen bluesige E-Gitarre, die gospeligen Backgroundchöre mit ihren entzückenden uuuuuuhs und aaaaaahs sowie Hammonds Orgel, die so dramatisch durch den Song leiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Die restlichen acht Songs unterscheiden sich von diesem Konzept kein Stück. Dass Gitarren und Orgeln in Kombination so nörgelig, so jammernd klingen können – das ist fast schon erstaunlich. Führt aber dazu, dass sich nach Lied 3 („Tempted“) das erste Mal das Gefühl einstellt, die Platte nerve so ein bisschen. Der einzige wirkliche Lichtblick von „Angels & Ghosts“ ist der Song „All Of This And Nothing“. Zwar besteht auch dieser aus den genannten Zutaten, wenigstens hat man hier aber nicht zwangsläufig das Bedürfnis, Dave ein Taschentuch reichen zu wollen. Der stampfende Beat, die dramatischen Streicherelemente tun ein übriges, um den Song wie einen Leuchtturm aus dem Meer der Tränen herausragen zu lassen. In dem kann man dann übrigens direkt nachfolgend in dem von Streichern und Klavier dominierten „One Thing“ ersaufen. Oder sich von der der drastischen, schwermütigen Welle in Form von „Don’t Cry“ wegreißen lassen. Vom andonnernden Bus erfasst werden kann sich unmöglich schöner anfühlen.

Weniger bemerkenswert als die Musik selbst ist die Art, wie sie entstanden ist. Dave und Rich schickten sich Demos und Songnotizen quer über den Atlantik. Das ist ja noch nicht sooo ungewöhnlich. Während der Arbeiten an „Angels & Ghosts“ reifte jedoch die Idee, das Album so klingen zu lassen, als sei es live im Studio aufgenommen worden. Und zumindest dieses Vorhaben ist den Beteiligten hervorragend gelungen. Das ist deshalb bemerkenswert, da die Bläser- und Streicherparts beispielsweise im Sunset Sound Studio in Los Angeles aufgenommen wurden, die Background-Vocals hingegen an nur einem einzigen Tag in den New Yorker Electric Lady Studios. Dass das Ergebnis am Ende tatsächlich so klingt, als hätten alle Beteiligten zur gleichen Zeit im gleichen Studio gestanden, ist eine Glanztat. Leider rettet auch die beste Produktion ein Album nicht mehr. Was nützt die strahlendste Verpackung, wenn der Inhalt zu Wünschen übrig lässt?

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Über das Stück „You Owe“ me erzählt Dave, dass es davon handele, Liebe als Möglichkeit zur Flucht zu sehen: „Man kann es in einer Menge Dinge finden, aber es geht letztendlich darum, es in deinem Leben auch zuzulassen. Doch es ist keine Einbahnstraße. Diese Texte zeigen eine dunklere Seite von mir, eine, die mich quält – wie wenn man zwischen zwei Parteien zerrissen wird“. Am Ende der neun Songs ist man beinahe froh, dass dieses Zerrissenheitsgejammer nicht länger anhält und man diesem nicht noch länger ausgesetzt wird. Und so bleibt es am Ende, wie es mit „The Light The Dead See“ angefangen hat: sehr speziell. Die Kombination Dave Gahan und Soulsavers lässt sich nur in bestimmten Stimmungen und dann auch nur in homöopatischen Dosen genießen. Das ist nicht nur eine Feststellung meinerseits sondern auch eine, die ich im Netz häufig beobachten konnte, während ich immer und immer versuchte, „Angels & Ghosts“ irgendetwas positives abzugewinnen. Rich Machin sagt: „Es ging mir darum, ein Album zu machen, das von Anfang bis Ende im Fluss ist“. Macht gar nichts, wenn es an Euch vorbeifließt.


Herzlichen Glückwunsch an Dave Gahan und die Soulsavers. Eine Platte zu liefern, die gleichzeitig langweilt und nervt, das ist ja schließlich auch eine Leistung. Irgendwo zwischen Blues und Gospel weltschmerzen sich die Beteiligten hier durch neun Songs, deren Inhalte lyrisch dem Anfängerbaukasten für angehende Gruftis entnommen zu sein scheint. Oder dem für Chorsänger. Light, Dark, Angels und Pain gehen doch als Schlagworte schließlich immer? Dazu dieses prägnante, irgendwann merklich überreizte Hammond-Georgel und das Gefühl, spätestens nach dem vierten Song immerzu das Gleiche zu hören. Auf Dauer ist „Angels & Ghosts“ nur schwer erträglich. Nee Freunde, das war nix. Ich habe es einen Monat lang versucht, dieses Album reifen zu lassen. Ich meine, hey, es ist schließlich Dave Gahan, der da trällert. Leider muss ich aber (einmal mehr) mit der Erkenntnis schließen, dass einfach wirklich nicht alles Gold ist, wo Daves fantastische Stimme glänzt. „Angels & Ghosts“ ist leider so ziemlich die größte Enttäuschung in diesem Herbst.


angelsghosts


FAZIT.
Eine Platte zu liefern, die gleichzeitig langweilt und nervt, das ist ja schließlich auch eine Leistung. Irgendwo zwischen Blues und Gospel weltschmerzen sich die Beteiligten hier durch neun Songs, deren Inhalte lyrisch dem Anfängerbaukasten für angehende Gruftis entnommen zu sein scheint.
INHALT / KONZEPT.
3
TEXTE.
3
GESANG.
5
PRODUKTION.
6.5
UMFANG.
6.5
GESAMTEINDRUCK.
2
LESERWERTUNG0 Bewertungen
0
POSITIV.
NEGATIV.
Langweiliges und nerviges Weltschmerz-Gedudel
4.3
PUNKTE.
Herausgeber

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INHALT / KONZEPT.
TEXTE.
GESANG.
PRODUKTION.
UMFANG.
GESAMTEINDRUCK.
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