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SULPHER – No One Will Ever Know

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Als ich anno 2003 das Debutalbum „Spray“ von SULPHER in die Hände bekam und diese zum ersten Mal hörte, kam ich aus dem Staunen, Bangen und Mitsingen nicht mehr raus. Die Platte hat mich damals wirklich umgehauen. Spätestens nachdem ich dann Sulpher auf der Bühne sah, hatten die Männer um Rob Holiday einen festen Platz in meinem Industrial Rock-Herzen. Auch fünfzehn Jahre später läuft „Spray“ regelmäßig und häufig in meinen Playlisten.

Nun war ich zunächst lange enttäuscht von der Tatsache, dass einfach nichts weiter von der Band kam. Rob Holiday hat sich die Zeit viel mehr als Live-Musiker von Marilyn Manson und The Prodigy verdingt. Das sind natürlich auch grandiose Bands und tummeln sich ebenfalls mit kompletten Discographien in meinen Playlisten. Allerdings wäre etwas Eigenes schon schön gewesen. Als ich dann durch Zufall via YouTube die Videos zu den neuen Songs „Used“ und „Take A Long Hard Look“ fand, war ich selbstredend in heller Aufregung. Und siehe da, kaum fünfzehn Jahre nach dem Debüt sollte nun endlich das zweite Album „No One Will Ever Know“ auf die Welt losgelassen werden.

Sulpher standen mit „Spray“ für progressiven Industrial Rock und einem guten Mix aus brettharten Gitarren und Elektronik. Die Band setzt nun auch genau an diesem Punkt an. Der Opener und Titeltrack „No One Will Ever Know“ ist ein rotziger und dennoch melancholischer Song. Harte Riffs und fast schon nach Alternative Rock und Grunge klingende Passagen wechseln sich ab. Ein Break mit Piano vertieft die Melancholie nur noch. Dem Hörer bietet sich ein erster Vorgeschmack auf die folgenden Songs. Auch „Follow You Down“ ist ein dreckiger, fast schon punkiger, Song. Die schnellen Drums und der langatmige Gesang lassen bei den älteren Hörern ein wenig 90s-Feeling aufkommen. Stellenweise kommt einem Filter in den Sinn (die sich ja derzeit auch wieder im Studio befinden). Der schon im Vorfeld veröffentlichte Track „Used“ folgt und setzt wieder einen gewissen Bruch. Das Intro ist eher Electro und mit an The Cure erinnernden Gitarrenparts. Die Strophen sind schön melancholisch und der Refrain schreit. „Spray“ lässt grüßen.

You Threw It All Away“ ist ein beklemmender und langsamerer Song. Auch hier wird im Refrain schreiend angeklagt. Insgesamt ein sich steigernder Track mit einigen Electro-Elementen unterlegt. Ein Brecher folgt mit „Take A Long Hard Look“. Schnell, hart und wütend rocken Sulpher sich die Seele wund. Dieser Song hätte auch auf „Spray“ begeistert. Ein weiteres für Fans altbekannte Stilelement ist „Didn’t Ever“. Ein Interlude und dabei sehr beklemmend – ein ruhiger Bruch. Dumpfe Drumloops und ebenso stille Gitarren erzeugen eine düstere Atmosphäre. Wie das Auge eines Orkans. „Nothing“ kommt zunächst mit viel Electro daher, welcher mit Gitarren unterlegt ist. Ein wirklich gelungener sinisterer Song, der sich in ein kleines wütendes Biest entwickelt. Sulpher verstehen es ihre Hörer mit verschiedenen Stimmungen und Brüchen der Songstrukturen zu überraschen. Zugegeben, dies wird nicht jeder in der Form mögen. Jedoch ist es lohnenswert, sich darauf einzulassen. Das tieftraurige „Nothing“ mit seinen Geigen und dem in den Vordergrund rückenden Gesang von Rob Holiday ist eine wirklich grandiose Ballade. Danach wird der Hörer wieder in die alternativen End-90er zurückversetzt. „Fell Through“ ist eine weitere kleine Perle voller Melancholie. Der ruhige Gesang und die Gitarren fangen den Hörer schnell ein. Das Finale bildet das rockige „Feels Like The End“. Ein passender Songtitel dafür.


Sulpher wissen wer ihre Zielgruppe ist. Dennoch steht „No One Will Ever Know“ nicht für 08/15 Industrial Rock. Durch die Anleihen aus Alternative Rock und Grunge erweitern Sulpher die eigene Klangpalette. Das Album ist nicht nur etwas für Genrefans. Der Wechsel zwischen Noise, Dreck und klaren Elementen ist stimmig und lässt das Album harmonisch wirken. Insgesamt ein wirklich gelungenes Comeback mit einigen Perlen. Vergleiche mit anderen Bands drängen sich weniger auf. Die Songs werden zudem auch auf Konzerten zünden. Hoffen wir mal, dass „Feels Like „The End“ nicht gleichbedeutend mit weiteren fünfzehn Jahren des Wartens ist.



INHALT / KONZEPT.8.5
TEXTE.8
GESANG.8.5
PRODUKTION.8.5
UMFANG.8
GESAMTEINDRUCK.8.5
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Ein gut arrangiertes Album.
Für ältere wie auch jüngere Fans des Genres ein Highlight.
8.3
GESAMT.
FAZIT.
Sulpher wissen wer ihre Zielgruppe ist. Dennoch steht „No One Will Ever Know“ nicht für 08/15 Industrial Rock. Durch die Anleihen aus Alternative Rock und Grunge erweitern Sulpher die eigene Klangpalette. Das Album ist nicht nur etwas für Genrefans. Der Wechsel zwischen Noise, Dreck und klaren Elementen ist stimmig und lässt das Album harmonisch wirken. Insgesamt ein wirklich gelungenes Comeback mit einigen Perlen.
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